{"id":5350,"date":"2011-09-20T00:18:53","date_gmt":"2011-09-19T22:18:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5350"},"modified":"2011-09-11T18:19:46","modified_gmt":"2011-09-11T16:19:46","slug":"sonnensegel-und-ionentriebwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/09\/20\/sonnensegel-und-ionentriebwerke\/","title":{"rendered":"Sonnensegel und Ionentriebwerke"},"content":{"rendered":"<p>Die NASA wird in den n&auml;chsten Jahren die Technologie von Sonnensegeln f&ouml;rdern. Zeit einmal diese Technologie mit einer anderen zu vergleichen: Ionentriebwerke. Beide k&ouml;nnen genutzt werden, um Nutzlasten auf hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen. Beide ben&ouml;tigen daf&uuml;r viel Zeit. Da h&ouml;ren aber schon die Gemeinsamkeiten auf. Sonnensegel ben&ouml;tigen keinen Treibstoff. Sie arbeiten mit dem Lichtdruck. Ionentriebwerke ionisieren ein arbeitsmedium und ben&ouml;tigen daf&uuml;r Strom. Daher zuerst einmal zu den physikalischen Grundlagen und den daraus resultierenden Unterschieden.<!--more--><\/p>\n<p>Nach Einsteins Gleichung E=mc\u00b2 besitzt auch das masselose Photon eine &auml;quivalente Masse, da es Energie &uuml;bertr&auml;gt, oder anders ausgedr&uuml;ckt es &uuml;bertr&auml;gt die Energie beim Aufprall auf eine Oberfl&auml;che Dadurch resultiert ein Impuls. Allerdings ist das bei den Photonen die von der Sonnenoberfl&auml;che kommen, recht wenig. Urspr&uuml;nglich entstanden im Sonneninneren hochenergetische Photonen, aber auf ihrer Reise zur Oberfl&auml;che (die &uuml;brigens rund 100.000 Jahre dauert &#8211; selbst Schnecken sind da schneller) verlieren sie einen Gro&szlig;teil dieser Energie. Der Schub, den das Licht hat, betr&auml;gt in Erdentfernung bei totaler Reflexion (100% nur knapp unter 9 N\/km\u00b2). Wenn der Reflexionsgrad kleiner ist oder sie schr&auml;g zum Licht stehen ist es dann deutlich weniger.<\/p>\n<p>Ionentriebwerke ionisieren schwere Elemente und beschleunigen diese durch ein elektrisches Feld auf Geschwindigkeiten von 10-200 km\/s. Dazu wird eine sehr hohe Spannung ben&ouml;tigt und sehr viel Strom. Sie sind also abh&auml;ngig von einer leistungsf&auml;higen Stromversorgung die heute nur durch Sonnenzellen bereitgestellt werden.<\/p>\n<p>Daher eine kleine Rechnung. Nehmen wir mal an, wir ben&ouml;tigen einen dauerhaften Schub von 1 N. Was wiegen beide Systeme daf&uuml;r? Bei Ionentriebwerken ist das einfacher zu beziffern, weil hier schon viel Entwicklungsarbeit getan wurde. Das EADS Triebwerk RIT-35 hat einen Nennschub von 0,15 N. Es wiegt 7,4 kg. In einer &auml;hnlichen Schub-Kategorie liegen auch US-Triebwerke von Boeing. Das bedeutet dass 7 Triebwerke rund 55 kg wiegen. Dazu kommt noch die Spannungsversorgung f&uuml;r die Hochspannung. Zusammen soll dies 100 kg ausmachen.<\/p>\n<p>Das zweite ist die Stromversorgung. Sie wiegt bei dem heutigen Stand der Technik viel mehr als die Triebwerke selbst. Das erw&auml;hnte Triebwerk ben&ouml;tigt eine Leistung von 4.500 Watt. Derzeit erreichen die leistungsf&auml;higsten Solargeneratoren 80 W\/kg Gewicht. Die Stromversorgung f&uuml;r 7 Triebwerke wiegt also rund 394 kg. Dann wird noch Treibstoff ben&ouml;tigt, um das Raumschiff zu bewegen. Der ist nun ohne konkrete Mission schwer zu quantifizieren. 7 Triebwerke w&auml;ren etwa ad&auml;quat f&uuml;r eine Mission von 1-2 t Masse. Bei einem Geschwindigkeitsbedarf von 12 km \/s (etwas mehr als Dawn). Das sind f&uuml;r diesen Fall (2000 kg Sondengewicht) rund 480 kg Xenondruckgas. die Druckgastanks wiegen dann weitere 90 kg.<\/p>\n<p>So kommt man zu dem Gesamtgewicht f&uuml;r diese Option von rund 1050 kg oder die H&auml;lfte der Startmasse. Immerhin &#8211; um 12 km\/s chemisch zu erreichen w&uuml;rde man eher mit 99,5% der Startmasse rechnen.<\/p>\n<p>Ein Sonnensegel w&uuml;rde eine Fl&auml;che von 112.000 m\u00b2 haben, um diese Beschleunigung zu ergeben. Das ist die Fl&auml;che von zwei Fu&szlig;ballfeldern. Solarsegel bestehen aus einem d&uuml;nnen Film einer hochstrapazierf&auml;higen Polymerfolie, bedampft mit Aluminium um die Reflexionsf&auml;higkeit zu erh&ouml;hen. Die letzte Mission Nanosail-D setzte eine 7,5 \u00b5m dicke Folie ein. Ikarus eine genauso gro&szlig;e Folie. Hier betrug das Fl&auml;chengewicht der Folie 76 g\/m\u00b2. 112.000 m\u00b2 w&uuml;rden das Segel alleine so 8571 kg wiegen. Dazu kommen dann aber noch Streben um es zu entfalten und der Container f&uuml;r die Verpackung.<\/p>\n<p>Das grunds&auml;tzliche Problem von Sonnensegeln liegt in drei Punkten: Die Folien m&uuml;ssen extrem leichtgewichtig sein, trotzdem im Weltraum jahrelang dessen Bedingungen wiederstehen, also weder durch die Hitze noch K&auml;lte noch UV-Strahlung ver&auml;ndert werden. Das zweite ist dass man diese recht gro&szlig;en Strukturen im All dann entfalten muss. Bisherigen Tests setzten recht kleine Sonnensegel ein. Ikarus ist schon das gr&ouml;&szlig;te, trotzdem hat es nur 0,175% der Gr&ouml;&szlig;e eines 1-Newton Segels. Der Sprung ist daher sehr hoch und ob es so leicht wird so gro&szlig;e Strukturen zu entfalten?<\/p>\n<p>Das letzte ist die Steuerung. Es gibt zum einen nat&uuml;rlich auch das Problem, dass man nicht nur in der direkten Linie weg von der Sonne beschleunigen will. Der schr&auml;ge Impuls w&uuml;rde dann das Segel drehen. Vor allem gibt es bei so gro&szlig;en und leichten Strukturen zahlreiche St&ouml;reinfl&uuml;sse &#8211; Mikrometeoriten und andere Kleinteile prallen auf, durchl&ouml;chern es und &uuml;bertragen Impulse. Bislang wurde keine aktive Steuerung demonstriert. Diese ist bei Ionentreibwerken recht einfach m&ouml;glich, durch asymmetrischen Schub oder Schr&auml;gstellen der Triebwerke. Die Solarzellen f&uuml;r die Stromversorgung sind viel kleiner und weniger sto&szlig;empfindlich. Sie w&uuml;rden bei 25% Wirkungsgrad nur rund 100 m\u00b2 Fl&auml;che bedecken. Weniger als ein Tausendstel der Sonnensegelfl&auml;che.<\/p>\n<p>In der Summe klingt das Prinzip zwar viel einfacher (es kann nichts ausfallen &#8211; aber auch Ionentriebwerke haben schon 10.000 Betriebsstunden demonstriert) aber die Frage der &#8222;Wies&#8220; und vor allem die Differenz zwischen erreichtem Gewicht und ben&ouml;tigtem Gewicht ist doch noch sehr gro&szlig;.\u00a0 Es gibt zwar L&ouml;sungsans&auml;tze das ben&ouml;tigte Leergewicht zu erreichen (das bedampfen einer Folie mit Aluminium, die Oxidation und dann das weg&auml;tzen der Folie um eine sehr leichtgewichtige Folie zu erreichen), aber erprobt hat das noch keiner und sie wird noch empfindlicher als heutige Folien sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NASA wird in den n&auml;chsten Jahren die Technologie von Sonnensegeln f&ouml;rdern. Zeit einmal diese Technologie mit einer anderen zu vergleichen: Ionentriebwerke. 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