{"id":541,"date":"2008-12-29T17:32:59","date_gmt":"2008-12-29T16:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=541"},"modified":"2008-12-29T17:32:59","modified_gmt":"2008-12-29T16:32:59","slug":"ein-tipp-fuer-die-bundeswehr-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/12\/29\/ein-tipp-fuer-die-bundeswehr-teil-2\/","title":{"rendered":"Ein Tipp f&uuml;r die Bundeswehr &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Im letzten Blog hatte ich ja schon angesprochen, das die Bundeswehr auf die Kompetenzen, die sich heute unsere Universit&auml;ten angeeignet hat, zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnte und von denen ihre Beobachtungssatelliten bauen lassen k&ouml;nnte &#8211; Eine Situation die nur Gewinner hat: Die Bundeswehr kommt so zu Satelliten, die den Truppen bei der Aufkl&auml;rung helfen, ihre Effizienz erh&ouml;hen und ihr Risiko senken und die Universit&auml;ten k&ouml;nnen ihre Studenten praxisnah ausbilden, die Studenten haben nicht nur eine theoretische Vorbildung, sondern verstehen auch etwas von der Materie und sind so besser und h&ouml;her qualifiziert.<\/p>\n<p>Einen Kleinsatelliten zu bauen, ist heute recht einfach. Es gibt sogar ESA Wettbewerbe f&uuml;r Cubesats von nur 1 kg Gr&ouml;&szlig;e. Etwas komplizierter wird es, wenn man weg von der Erde will, sprich in den geostation&auml;ren Orbit oder gar zum Mond. Dann braucht man auch ein Antriebssystem und eine aktive Ausrichtung der Nutzlast. Doch auch das ist wichtig: Nicht nur f&uuml;r die Ausbildung (die meisten Satelliten sind nun mal Kommunikationssatelliten) sondern auch f&uuml;r die Bundeswehr. Ein erdnaher Satellit, so in etwa 650 km H&ouml;he (die von mir vorgeschlagene H&ouml;he) hat etwa 10 Minuten Kontakt zu einer Bodenstation. Liegt diese in Poln&auml;he, wie es bei den Empfangsstationen von ESA und NASA auf Alaska, Gr&ouml;nland und Nordnorwegen der Fall ist, so ist das wenigstens bei fast jedem Umlauf der Fall, doch bei der H&ouml;he der Bundesrepublik in der Regel nur zwei bis viermal pro Tag. Das ist ineffizient. Es wird also noch ein geostation&auml;rer Relaissatellit ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p> <!--more--><\/p>\n<p>Nun kommt man wegen der h&ouml;heren Bahn schon in andere Dimensionen bei den ben&ouml;tigten Nutzlast. Es gibt hier zwei M&ouml;glichkeiten: Entweder man nimmt den Satelliten mit als Sekund&auml;rnutzlast einer Ariane 5. Dies ist im Gewicht begrenzt auf derzeit 400 kg. 400 kg im GTO Transferorbit entsprechen dann immerhin etwa 240 kg im geostation&auml;ren Orbit. Das ist zwar zehnmal kleiner als ein heutiger Kommunikationssatellit, doch schauen wir uns mal vergangene Kommunikationssatelliten der 400 kg Klasse an. Symphonie liegt in dieser Klasse und verf&uuml;gte &uuml;ber 2 Sender im 4\/6 GHz Bereich. Zwei Sender w&uuml;rden heute ausreichen im h&ouml;heren 12\/14 GHz Bereich bei einer Bandbreite von 120 MHz etwa 240-260 MBit\/s zu &uuml;bertragen. Bei 3 Kan&auml;len (technisch sicher kein Problem) w&auml;ren es dann 360-390 MBit\/s. Das reicht aus um die Daten zweier Beobachtungssatelliten parallel zu empfangen und zu senden.&nbsp; Man ben&ouml;tigt 3 Satelliten um ein Netzwerk aufzubauen. Bei geschickter Platzierung im Orbit kann man damit die Daten von bis zu 6 Satelliten &uuml;bertragen. Damit machen die Erdbeobachtungssatelliten viel mehr Sinn&nbsp; Die Erdbeobachtungssatelliten sollten bei einer m&ouml;glichst hohen Sendefrequenz senden. Bei einem Breitbandempf&auml;nger an Bord des geostation&auml;ren Satelliten mit 20 Grad &Ouml;ffnungswinkel (bis H&auml;lfte der Empfangsleistung erreicht ist) m&uuml;sste ein &quot;Flying Laptop&quot; mit seinem 57 Watt Sender bei 19.8 GHz mit einer 1.0 m gro&szlig;en Parabolsch&uuml;ssel senden um etwa 200 MBit\/s zu &uuml;bertragen. Bei dem 32 GHz Band, das gerade bei Raumsonden erprobt wird, ist die Sch&uuml;ssel nur noch 0.6 m gro&szlig;. Sie muss nat&uuml;rlich dem geostation&auml;ren Satelliten nachgef&uuml;hrt werden.<\/p>\n<p>Auch f&uuml;r die Entwicklung von kleinen geostation&auml;ren Satelliten findet sich sicher ein Kooperationspartner bei den deutschen Unis. Es gibt j noch die Lehrst&uuml;hle in Aachen, Berlin und M&uuml;nchen. Viel interessanter ist aber, dass es nat&uuml;rlich auch andere m&ouml;gliche Anwendungen f&uuml;r kleine geostation&auml;re Satelliten gibt: Erdbeobachtung, Klimadatengewinnung, experimentelle Kommunikation etc. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnte auch f&uuml;r ein kleines Land, wie Deutschland noch der Mond in der Reichweite liegen &#8211; anders als Venus oder Mars, wo man schon gro&szlig;e Empfangsstationen braucht und in der Tat gibt es ein europ&auml;isches und ein <a href=\"http:\/\/www.kleinsatelliten.de\/bw1\/index.en.php\">Nationales Projekt<\/a> f&uuml;r einen Kleinsatelliten um den Mond.<\/p>\n<p>Dann sollte es aber auch eine richtige Bef&ouml;rderungsm&ouml;glichkeit in den GTO Orbit geben. Die Ariane 5 ASAP ist f&uuml;r viele Satelliten geeignet, denn es ist eben eine Mitnahmem&ouml;glichkeit. Da f&uuml;r das Erreichen des geostation&auml;ren Orbits oder zum Mond sowieso ein Antrieb notwendig ist, w&auml;re es an der Zeit eine Oberstufe zu entwickeln.<\/p>\n<p>Eine eigene Oberstufe? Ja, auch das ist m&ouml;glich. Nat&uuml;rlich nicht mit einem neuen Antrieb. Da bedient man sich bei einem Apog&auml;umsantrieb. Es g&auml;be zwei M&ouml;glichkeiten: Zum einen konventionellen Apog&auml;umaanzrieb zu nutzen, wie den <a href=\"http:\/\/cs.astrium.eads.net\/sp\/SpacecraftPropulsion\/EAM\/European_Apogee_Motor.html\"> 500 N Antrieb von Astrium<\/a>. Er ist bew&auml;hrt, aber die Nutzlast sinkt rasch ab, wenn man von einem niedrigen Erdorbit in den geostation&auml;ren Orbit gelangen will. Bei einem spezifischen Impuls von 3188 m\/s und einem Start mit einer Rockot (1900 kg Startmasse, 2100 m\/s Delta-V f&uuml;r das Apogee&#8211;Man&ouml;ver bleiben von 1900 kg noch 460 kg &uuml;brig. Abz&uuml;glich den Antriebssystems sind es dann vielleicht noch 320 kg die f&uuml;r den Satelliten &uuml;brig bleiben. Das Anheben muss wegen des geringen Schubs mehrmals erfolgen. Bei der Vega ist es etwas g&uuml;nstiger, da das Delta-V dann nur noch 1500 m\/s f&uuml;r das Apogee Man&ouml;ver erfordert. Der &Uuml;bergang in den GTO Orbit ben&ouml;tigt in beiden F&auml;llen 2400 m\/s.<\/p>\n<p>Eine zweite Alternative w&auml;re eine kryogene Oberstufe. Auch hier gibt es ein <a href=\"http:\/\/cs.astrium.eads.net\/sp\/LauncherPropulsion\/300N_cryogenic_rocket_engine.htm\"> Triebwerk<\/a>, entwickelt von Astrium Deutschland. Es hat aber nur 300 N Schub und ist ausgelegt f&uuml;r 4 Z&uuml;ndungen. Dies, und die Tatsache das man Wasserstoff nicht ohne gro&szlig;en Aufwand lange lagern kann, machen es sinnvoll beim ersten Orbit die Anhebung des Apog&auml;ums und nach einem halben Umlauf die Apogee Man&ouml;ver durchzuf&uuml;hren. Dann muss der Schub aber h&ouml;her sein, sonst ben&ouml;tigt man erheblich mehr Treibstoff, weil man bei zu langer Brennzeit das Perig&auml;um auch anhebt. Erfahrungswerte von Oberstufen zeigen, dass mindestens 0.15 G Anfangsbeschleunigung vorhanden sein sollten. Bei einer Oberstufe von 1900 kg Startmasse sind dies etwa 3 kN Schub. Ben&ouml;tigt w&uuml;rden dann etwa 10 dieser Triebwerke. Das verkompliziert das Design sehr. Weiterhin sinkt dann auch die Nutzlast ab. Im geostation&auml;ren Orbit liefert diese Stufe zwar dann 628 kg ab. Doch die Leermasse des Antriebssystems d&uuml;rfte durch gr&ouml;&szlig;ere Tanks und die Isolierung und 10 anstatt einem Triebwerk h&ouml;her liegen, bei etwa 180-190 kg. Dadurch ist die Nutzlastmasse im GTO Orbit nicht so viel gr&ouml;&szlig;er und liegt dann bei 440-460 kg. Daher w&auml;re dieser Antrieb wohl eher geeignet f&uuml;r kleinere Satelliten die mit einem oder zwei dieser Triebwerke direkt zu Mond oder in den GEO Orbit starten.<\/p>\n<p>Eine Oberstufe mit 1.5 t Masse w&auml;re kompatibel mit der Vega und Rockot und damit g&auml;be es eine M&ouml;glichkeit bei dem 500 N Antrieb etwa 320 kg in den geostation&auml;ren Orbit zu bef&ouml;rdern, das entspricht 600 kg in den GTO Transferorbit oder 540 kg direkt zum Mond. (Mit der Rockot). Dies zu Startkosten einer Vega oder Rockot, also im Bereich von 10 Millionen Euro. M&ouml;glich ist dies allerdings nur wenn der Satellit die Steuerung des Antriebs &uuml;bernimmt oder dies vom Boden durchgef&uuml;hrt wird. Wie ich bei der Recherche zu diesem Blog gelesen habe, bekam EADS\/Astrium einen Auftrag f&uuml;r eine <a href=\"http:\/\/www.astrium.eads.net\/de\/press-center\/press-releases\/2007\/astrium-erhaelt-studie-fuer-neue-vega-oberstufe?set_language=de\"> Projektstudie f&uuml;r eine neue Oberstufe<\/a>. Darin l&auml;ge nat&uuml;rlich auch die Chance die Vega so weiter zu entwickeln dass man h&ouml;here oder hochenergetische Bahnen erreicht. Die derzeitige Oberstufe dient vor allem dazu eine Bahn genau zu erreichen und etwas h&ouml;here Bahnen m&ouml;glich zu machen. Sie ist klein (wiegt weniger als 1 t) und hat eine hohe Leeermasse von rund 500 kg, weil auch die Raketensteuerung noch dazu geh&ouml;rt. Ausgehend von den 10 t, welche die dritte Stufe wiegt, w&auml;re eine Stufe im Bereich von 3 t anzuvisieren und mit dieser m&uuml;sste es dann auch m&ouml;glich sein GTO Bahnen zu erreichen. Eine eigene Absch&auml;tzung ergab, dass eine Oberstufe von 3000 kg Startgewicht und 800 kg Leergewicht (enth&auml;lt auch die VEB) 530 kg in eine GTO Transferbahn und 210 kg zum Mond transportieren kann. Eine Reduktion der Leermasse um 100 kg m&uuml;sste m&ouml;glich sein, dann w&uuml;rden 630 bzw. 310 kg resultieren: Durchaus Nutzlasten die Platz f&uuml;r einige anspruchsvolle Experimente lassen.<\/p>\n<p>Das Bild von heute stammt wiederum von Voyager und zeigt Io vor Jupiter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Io vor Jupiter\" height=\"800\" src=\"\/img\/C1637209.jpg\" width=\"800\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Blog hatte ich ja schon angesprochen, das die Bundeswehr auf die Kompetenzen, die sich heute unsere Universit&auml;ten angeeignet hat, zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnte und von denen ihre Beobachtungssatelliten bauen lassen k&ouml;nnte &#8211; Eine Situation die nur Gewinner hat: Die Bundeswehr kommt so zu Satelliten, die den Truppen bei der Aufkl&auml;rung helfen, ihre Effizienz erh&ouml;hen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-541","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":174,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18475,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/12\/20\/die-corona-spionagesatelliten\/","url_meta":{"origin":541,"position":0},"title":"Die Corona-Spionagesatelliten","author":"Bernd Leitenberger","date":"20. 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