{"id":5423,"date":"2011-10-11T00:52:27","date_gmt":"2011-10-10T22:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5423"},"modified":"2011-10-09T15:55:16","modified_gmt":"2011-10-09T13:55:16","slug":"alte-medien-neue-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/10\/11\/alte-medien-neue-medien\/","title":{"rendered":"Alte Medien, neue Medien"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe w&auml;hrend ich in Nesselwang war, einen Bericht &uuml;ber das Internet und Firmen die damit Geld verdienen gesehen, die Methoden wie Google Suchanfragen kombiniert, Amazon, das Surf- und Kaufverhalten bewertet und &auml;hnliche Produkte vorschl&auml;gt und die Kritik daran. Eine Kritik war, dass man mit der Autovervollst&auml;ndigen Funktion von Google nicht mehr &uuml;berraschend auf etwas neues st&ouml;&szlig;t, sondern praktisch in Bahnen gelenkt wird, die von Millionen vorgezeichnet sind.<\/p>\n<p>Da fiel mir auf, dass seit Jahren ich eines nicht mehr habe, was es in der Anfangszeit des Internets h&auml;ufiger hatte &#8211; das Stolpern &uuml;ber etwas, was man gar nicht gesucht hat, aber durch Zufall fand. Das hat nat&uuml;rlich auch Gr&uuml;nde. Ich suche heute viel gezielter. Ich kombiniere Suchbegriffe, ich grenze Dateitypen ein &#8211; wenn es um Raumfahrt geht, finde ich das meiste in pdfs und ppt und nicht etwa in Webseiten. Aber auf der anderen Seite, wenn man einen wahllosen Suchbegriff eintippt, dann dominieren auf der ersten Seite andere Metasuschmaschinen, Verzeichnisse f&uuml;r Personen oder &auml;hnliches und prominente Webseiten wie die Wikipedia. Durch Zufall hier auf eine private Website zu sto&szlig;en ist fast unm&ouml;glich.<!--more--><\/p>\n<p>Dann habe ich, als ich in Nesselwang war, viel mehr\u00a0Fernsehen\u00a0geguckt als sonst und bin bei ZDF Neu und ZDF Info &uuml;ber einige Wiederholungen von Wissenschaftssendungen gesto&szlig;en. Zuletzt lese ich derzeit noch Ern&auml;hrungsb&uuml;cher f&uuml;rs n&auml;chste eigene Buch. Das bringt mich zu dem heutigen Thema: Medien. Viele in der PISA-Generation sind ja der Meinung, man m&uuml;sste gar nichts mehr lernen, und k&ouml;nnte alles im Internet nachschlagen. Nicht nur Antworten auf fragen, sondern komplette L&ouml;sungswege. Doch darauf komme ich sp&auml;ter zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Ich meine, jedes Medium hat seine Berechtigung. Fangen wir mit dem Fernsehen an. Die M&ouml;glichkeiten sind hier immens. Bilder pr&auml;gen sich viel mehr ein, als Schrift. Nicht umsonst sind Naturfilme so beliebt, weil man bei guten Filmen Natur erleben kann. Bilder k&ouml;nnen aufr&uuml;tteln. Seien es vereinsamte Orang-Utans in einer Auffangstation deren Lebensraum f&uuml;r Palm&ouml;l f&uuml;r Biosprit abgeholzt wurde, seien es hungrige Menschen in &Auml;thiopien. Animationen und Trickfilme k&ouml;nnen komplexe Dinge verst&auml;ndlich machen oder die Vergangenheit lebendig.<\/p>\n<p>Aber es hat auch gravierende Nachteile. Das eine ist, dass zumindest ich (aber ich denke auch andere) kaum noch auf den Text h&ouml;ren, wenn sie richtig gebannt von Bildern sind. Das zweite ist, das mir das Fernsehen das Tempo vorgibt, aber auch die Reihenfolge und es mir nicht erm&ouml;glicht, eine Pause zu machen. Das ist sicher ein Grund, warum ich in letzter Zeit viel offline schaue, also Fernsehmittschnitte vom <a href=\"http:\/\/www.onlinetvrecorder.com\/?ref=1051915\">OTR<\/a>. Der letzte Punkt wurde mir klar, als ich f&uuml;r mein Computerbuch nach den originalen Transscripts der Dreiteilligen Dokumentation &#8222;Triumph of the Nerds&#8220; gelesen habe, wegen Zitaten. Wenn man es sich durchliest, dann merkt man erst was dort an Information drin steht und wie viel schneller man es gelesen, als geh&ouml;rt hat, obwohl diese Serie heraus sticht durch viele Interviews und viele Moderationsbeitr&auml;ge, also eine hohe Informationsdichte aufweist. Das bedeutet, dass man aus dem Fernsehen recht wenig Information pro Zeit aufnimmt.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Internet. Beim Internet gibt es zwei Einschr&auml;nkungen. Das eine nenne ich mal den &#8222;Surf-Effekt&#8220; oder das &#8222;Gewinnen von nutzlosem Wissen&#8220;. Also ich beschreibe mal wie ich das sehe. Ich fange seit es das Internet mit Flatrate gibt und damit &#8222;Information on your fingertipps&#8220; an schnell nachzuschauen, wenn ich was belangloses aufgeschnappt habe. Also da gibt es einen Promi in einer Sendung, den ich nicht kenne. Mal schnell nachgeschaut um wen es sich handelt und was er bisher gemacht hat. Oder im Radio kommt ein Lied &#8211; hmm von wem stammt das? Fr&uuml;her w&auml;re das nicht m&ouml;glich gewesen und ich h&auml;tte es gelassen. Ist mein Leben &auml;rmer gewesen? Nein, denn das alles ist nicht unbedingt wichtig und vieles vergisst man auch bald (oder sofort) wieder. Zumal es ja nicht bei einem Link bleibt, sondern man meist auf weitere Seiten weitergeht und dabei viel Zeit verbraucht. den zweiten Hauptnachteil des Internets habe ich schon mehrfach thematisiert. Es ist die Tatsache, dass es als Medium nicht gedacht ist lange Texte am Bildschirm zu lesen. Das ist umst&auml;ndlich und nicht gut f&uuml;r die Augen. Nat&uuml;rlich kann man trotzdem komplexe Themen in einzelne Punkte aufteilen, wie die Wikipedia aber auch meine Website zeigen. Aber genauso wenig wie ein Lexikon ein Lehrbuch ersetzen kann und eine Frauenzeitschrift einen Schm&ouml;ker genauso wenig kann das Internet als Medium alleine ausreichen.<\/p>\n<p>Kommen wir zum letzten Medium. Dem Buch. Das Buch hat wie die anderen Medien Vorteile und Nachteile. Anders als beim Fernsehen und Internet kann man es &uuml;berall konsumieren. Es ist best&auml;ndig, ben&ouml;tigt aber auch viel Platz. Ich denke der Verbund von e-book und B&uuml;chern ist die ideale Kombination. Denn es erm&ouml;glicht den Hauptnachteil des Buches zu kompensieren &#8211; zu suchen wo etwas steht, dauert sehr lange, wenn man nicht schon vorher ungef&auml;hr wei&szlig; wo. Zudem ist es &auml;u&szlig;erst platzsparend. Ansonsten ist eben der Hauptvorteil, dass man in einem Buch komplexe Dinge aufbereiten kann &#8211; es gibt nicht umsonst bis heute Lehrb&uuml;cher. W&auml;hrend ich denke das Internet Lexika also Dinge, wo ich noch einzelne Informationen nachschlage, abgel&ouml;st hat. Was ich aber auch feststelle, ist dass ich immer weniger Zeit f&uuml;r B&uuml;cher habe, denn sie sind zeitintensiv. Ein Buch durchzulesen und nicht nur zu &uuml;berfliegen, die Information zu verarbeiten ben&ouml;tigt Zeit. Zumal man bei vielen B&uuml;chern beim ersten Durchlauf nicht alles aufnimmt. Diese Erfahrung kann sicher jeder best&auml;tigen, der mal ein Lehrbuch gelesen hat, aber auch wer Romane mehrmals liest stellt fest, dass er beim zweiten Mal einige Details mitbekommt, die beim ersten Mal der Aufmerksamkeit entgeht.<\/p>\n<p>Ich glaube daher dass alle drei Medien bestehen werden. Was bestimmten Medien zum Nachteil werden kann ist die menschliche Ungeduld. F&uuml;r B&uuml;cher braucht man viel Geduld, aber\u00a0 auch f&uuml;r Fernsehen. Wie schnell hat man umgeschaltet oder ist woanders gelandet. Internet hat diesen Nachteil nicht. Es ist sofort, aber es ist auch f&uuml;r den menschlichen &#8222;J&auml;ger und Sammlertrieb&#8220; was ziemlich nachteiliges, weil man sich leicht darin verliert.<\/p>\n<p>Ich selbst bin mit B&uuml;chern aufgewachsen und wohl auch dem Medium verwachsen. Ich bin stolzer auf meine B&uuml;cher als auf die Website und ich schaue &ouml;fters zum Nachschlagen in B&uuml;cher als auf die Website. Aber ich bin da wohl eine aussterbende Gattung &#8230;. Ich glaube aber auch, dass man alle Medien braucht. B&uuml;cher halte ich nach wie vor f&uuml;r unentbehrlich, wenn ich daran denke Grundlagen zu vermitteln oder einfach was l&auml;ngeres wie einen Roman. Das Internet ist das ideale Medium um bei einer konkreten Frage nachzuschlagen oder bei einem konkreten Problem eine L&ouml;sung zu suchen. Was auf der Strecke bleibt ist das Fernsehen, das irgendwie dazwischen liegt und das vom Internet leicht &uuml;bernommen werden kann &#8211; Videos kann man schon lange auf Youtube ansehen, Animationen k&ouml;nnen sogar interaktiv sein und Welten virtuell. Was (zumindest wenn es um die Vermittlung von Wissen geht) der Vorteil des Fernsehens ist, ist die M&ouml;glichkeit jenseits von Clips Zusammenh&auml;nge darzustellen und den Benutzer zu leiten. Der zweite Hauptvorteil ist nat&uuml;rlich das man sich nur berieseln lassen kann, also anders als beim Lesen oder Surfen, selbst nichts aktiv tun muss. Unverst&auml;ndlich, dass die Fernsehsender in ihren Mediatheken durch Staatsvertr&auml;ge verdonnert sind die Inhalte nur eine Woche lang online zu stellen. Auch unverst&auml;ndlich, dass es bis heute kein Online Archiv gibt in dem man alte Sendungen einsehen kann. Das w&auml;re enorm n&uuml;tzlich. Ich w&uuml;rde gerne die Tagesschau nach bestimmten Ereignissen nochmal sehen, auch f&uuml;r Recherchezwecke, wie z.B. wie lange es dauerte nach dem Challengerungl&uuml;ck, bis man eine Ahnung von der Ungl&uuml;cksursache hat.\u00a0Durch Zufall sah ich in meinem Urlaub eine Reportage &uuml;ber den Mississippi aus den Siebzigern. Ja damals war noch von &#8222;Negern&#8220; die Rede &#8211; heute d&uuml;rfen ja nicht mal mehr Schokok&uuml;sse so hei&szlig;en. Aus historischer Sicht w&auml;ren viele alte Reportagen interessant. Warum das nicht kommt? Ich denke die Sender wollen, aber sie d&uuml;rfen nicht. Sie mussten ihr Onlineangebot nach Klagen der Presse ja schon reduzieren. Wie immer schaden Privatinteressen der Allgemeinheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe w&auml;hrend ich in Nesselwang war, einen Bericht &uuml;ber das Internet und Firmen die damit Geld verdienen gesehen, die Methoden wie Google Suchanfragen kombiniert, Amazon, das Surf- und Kaufverhalten bewertet und &auml;hnliche Produkte vorschl&auml;gt und die Kritik daran. 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