{"id":5435,"date":"2011-10-12T00:49:46","date_gmt":"2011-10-11T22:49:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5435"},"modified":"2011-10-11T11:32:17","modified_gmt":"2011-10-11T09:32:17","slug":"lasst-fakten-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/10\/12\/lasst-fakten-sprechen\/","title":{"rendered":"Lasst Fakten sprechen!"},"content":{"rendered":"<p>Da SpaceX schon die tausendmalige Wiederverwendung ihrer Falcon 9 plant und immer verr&uuml;cktere Pl&auml;ne f&uuml;r die Zukunft hat, hier mal eine kleine Erinnerung, was sie bisher bei ihren Starts erreicht haben.<!--more--><\/p>\n<h3>24.3.2006: Falcon 1 erster Start<\/h3>\n<p>Fast unmittelbar nach dem Start brach ein Feuer im Heck der Rakete aus, das nach 25 Sekunden zu einem Druckverlust in den Leitungen f&uuml;hrte. Dieses f&uuml;hrte nach 29 Sekunden zum Abschalten der Triebwerke. Man vermutete zuerst, dass die thermische Isolation der ersten Stufe daf&uuml;r verantwortlich ist. Es war auf den Startvideos zu sehen wie Sie von der Rakete abgetrennt wurde. Doch dies soll nach Elon Musk nicht die Ursache gewesen sein. Alle Systeme sollen nominal funktioniert haben bis das Feuer ausbrach.<\/p>\n<p>Am 7.4.2006 gab Elon Musk eine erste Beurteilung des Fehlers heraus. Ursache war ein Techniker der am Tag vorher an der Avionik gearbeitet hatte und dabei eine kleine Kraftstoffleitung nicht wieder fest angezogen hatte, nachdem er sie entfernt hatte um an die Avionik zu kommen. Dies soll einem der Techniker mit der meisten Erfahrung passiert sein. 4 Minuten vor dem Start gab es schon ein Leck, das man h&auml;tte &#8222;entdecken k&ouml;nnen, wenn man auf den richtigen Datenstrom schaut&#8220;. 25 Sekunden nach dem Start besch&auml;digte das Feuer das Heliumdrucksystem. Als Folge sank der Tankdruck ab und das Merlin Triebwerk wurde automatisch abgeschaltet. Die Rakete schlug etwa 1 Kilometer vom Startplatz in einem Riff auf.<\/p>\n<p>Elon Musk sprach von einem Teilerfolg. Eine weitere Untersuchung der ersten Stufe ergab dann als endg&uuml;ltige Ursache eine Korrosion der Verbindung zwischen den Tankleitungen, durch das Triebstoff austrat und sich entz&uuml;ndete. Warum der Druckverlust schon vor dem Start nicht bemerkt wurde (es gibt deit Jahrzehnten Computerprogramme welche jeden Parameter &uuml;berwachen k&ouml;nnen und automatisch den Countdown abbrechen k&ouml;nnen) wurde nue erkl&auml;rt.<\/p>\n<h3>20.3.2007: Falcon 1 zweiter, Start<\/h3>\n<p>Die erste Stufe arbeitete einwandfrei, ebenso klappte nach 3 Minuten die Abtrennung der ersten von der zweiten Stufe und die Z&uuml;ndung derer im Vakuum. Nach den Bildern der Kamera an Bord der Rakete hat die erste Stufe aber die zweite Stufe touchiert.<\/p>\n<p>Nach 4 Minuten 10 Minuten sah man auf den Life Bildern einer Fernsehkamera an Bord der zweiten Stufe immer st&auml;rkere Oszillationen. Die Triebwerksd&uuml;se wurde schlie&szlig;lich unterschiedlich hei&szlig; und erhitzte sich. Diese Schwankungen der Rollachse waren es, die schlie&szlig;lich zum Verlust des Funkkontaktes f&uuml;hrten. Schon vorher hatte ein Sicherheitsmechanismus das Kestrel Triebwerk abgeschaltet. Die Rollbewegung f&uuml;hrt zu einem Ansammeln des Treibstoffs an der Tankau&szlig;enseite und damit zu einem Abreisen des Treibstoffflusses. Elon Musk sprach von einer 90% Qualifikation der Rakete in einer ersten Stellungnahme, korrigierte diesen Wert dann auf 95+% in der offiziellen Verlautbarung an die Presse nach oben. Die Nutzlast eine Falcon 1 wurde nun herunter korrigiert auf 1270 Pfund (576 kg). (Vorher 670 kg)<\/p>\n<p>Auch klappte nicht die Bergung der ersten Stufe. Ein GPS Empf&auml;nger war defekt und man startete mit ihm und verlie&szlig; sich auf Stroboskop Lampen und optische Signale von der Stufe. Als das Bergungsschiff am Zielort ankam war aber von der Stufe nichts zu finden. Einen genauen Aufschlagsort konnte man mangels GPS Empf&auml;nger nicht bestimmen.<\/p>\n<p>Am 13.7.2007 ver&ouml;ffentlichte SpaceX eine Kurzfassung des Berichts an die DARPA. Die teilweise f&uuml;r den Ausfall verantwortlichen Fehler wurden verharmlosend &#8222;Anomalien&#8220; genannt: (Ein Ausdruck den SpaceX gerne benutzt).<\/p>\n<ul>\n<li>Die Trennung der Verbindungsleitung der Sauerstoffversorgung zur Stufe 2 beim Start versagte. Ein Ventil verhinderte eine Leckage und den Verlust von Sauerstoff (der zu einer Explosion h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen)<\/li>\n<li>Die LOX Anschlussleitungen und elektrischen Anschl&uuml;sse der ersten Stufe wurden nach der Abtrennung stark besch&auml;digt und teilweise zerbrachen die Stecker. Dies hat allerdings keinerlei Auswirkungen auf den Flug.<\/li>\n<li>Stufe 1 Performance: Zum einen hatte man dem Bordcomputer eine falsche Tabelle f&uuml;r die Mixtur &uuml;bergeben. Diese war zu mager am Boden und zu reich in der H&ouml;he &#8211; resultierend in einem Verlust an Performance. Zweitens sank der Tankdruck am Ende der Betriebszeit unter dem Nominalwert und es kam zu Kavit&auml;t in der Turbopumpe mit der Folge von erh&ouml;hten Gravitationsverlusten. Als Folge beider Effekte war die Bahn zu niedrig und die Trenngeschwindigkeit zu gering.<\/li>\n<li>Die Druckbeaufschlagung f&uuml;r die zweite Stufe arbeitete nicht. Dies h&auml;tte zu einem erh&ouml;hten Treibstoffverbrauch am Ende des Betriebs der zweiten Stufe resultiert. W&auml;re diese nicht vorher ausgefallen, h&auml;tte dies ausgereicht, das die Stufe keinen Orbit erreicht h&auml;tte.<\/li>\n<li><strong>Kontakt des Kestrel Triebwerks der zweiten Stufe mit dem Stufenadapter der ersten Stufe. Dies soll eine kombinierte Folge von erh&ouml;hter Rotationrate der Rakete vor der Trennung und erh&ouml;hten aerodynamischen Kr&auml;ften die auf die zweite Stufe einwirken gewesen sein. Das Trennungssystem funktionierte einwandfrei. Man erwartet f&uuml;r das Merlin 1C eine gr&ouml;&szlig;ere H&ouml;he bei der Trennung (geringere aerodynamische Kr&auml;fte) und einen geringeren Restschub (Erststufe bewegt sich nicht so stark auf die Zweitstufe zu).<\/strong><\/li>\n<li>Abtrennung der Nutzlastverkleidung: Von den redundanten Z&uuml;ndern, die das Band durchtrennten, z&uuml;ndete zuerst nur einer, der zweite sprang dann ein und durchtrennte das Band schlie&szlig;lich doch.<\/li>\n<li>Ausfall der Oberstufe: Nach 90 Sekunden begannen durch schwappenden Treibstoff in den sich leerenden Oberstufentanks zuerst in Nick- und Gierachse Bewegungen aufzutreten. Nach 30 Sekunden kam dann noch ein Rollmoment dazu, dass sehr bald die begrenzte M&ouml;glichkeiten der Rollsteuerung &uuml;berforderte, der Treibstofffluss zum Kestrel Triebwerk riss ab und es schaltete sich automatisch ab. Ursache waren fehlende Prallbleche in der Oberstufe, die man nach den bisherigen Simulationen nicht f&uuml;r n&ouml;tig hielt. Die folgenden Fl&uuml;ge werden Prallbleche enthalten, so wie sie schon jetzt in der ersten Stufe vorhanden sind.<\/li>\n<li>Erststufenbergung: Telemetrie wurde von der ersten Stufe erhalten bis sie in 50 km H&ouml;he am Horizont verschwand. Da sich die Fallschirme erst in 4 km H&ouml;he &ouml;ffneten und man die Stufe nicht fand wei&szlig; man nicht ob das Fallschirmsystem funktionierte. Der GPS Empf&auml;nger der die Position angeben sollte funktionierte nicht. Er soll zuk&uuml;nftig dreifach redundant vorhanden sein. Da man die aerodynamische Abbremsung nicht ber&uuml;cksichtigt hatte, war das Bergungsschiff 20 Meilen vom Landeort entfernt und brauchte zu lange die Stelle zu erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fassen wir zusammen: Ein in der Raketentechnik in jedem anderen Tr&auml;ger &uuml;bliches System zum Verhindern von Treibstoffschwappen und den Folgen f&uuml;r die Instabilit&auml;t eines Triebwerks wird erst eingebaut, wenn ein Fehlstart es notwendig macht. Besonders markiert habe ich den Absatz &uuml;ber die Stufentrennung. Daran zu erkennen ist, das man bewusst auf Retroraketen verzichtet, um die beiden Stufen auf Distanz zu bringen und eine abzubremsen oder eine zweite zu beschleunigen, wie jeder andere Tr&auml;ger, der weltweit verf&uuml;gbar ist, dies tut. Stattdessen separiert man die Stufen mit Federn und hofft, das die zweite Stufe nicht aerodynamisch abgebremst wird oder die erste Stufe hat noch einen gewissen Restschub (wie er normal ist, bei einem 1000 \u00b0C hei&szlig;en Triebwerk, bei dem die Treibstoffreste oder das Druckgas noch expandiert werden). Das ist Raketenbau nach dem &#8222;Prinzip Hoffnung&#8220; &#8211; Dies sollte sich noch bitter r&auml;chen&#8230;.<\/p>\n<h3>3.8.2008: Falcon 1, dritter Start<\/h3>\n<p>Der Start der dritten Falcon 1 &#8211; diesmal erstmals mit dem Merlin 1C Triebwerk in der ersten Stufe &#8211; schlug am 3.8.2008 ebenfalls fehl. Die Stufentrennung versagte nach zweieinhalb Minuten Flug. Die Life Webcast &Uuml;bertragung wurde auch wenige Sekunden vor der Stufentrennung abgebrochen. Ob dies technisch mit dem Ausfall in Zusammenhang steht, wurde nicht bekannt gegeben.<\/p>\n<p>Drei Tage sp&auml;ter gab es dann eine genauere Erl&auml;uterung des Verlustes: Die Stufentrennung klappte, doch die erste Stufe kollidierte dann durch den Restschub von etwa 1 % des Nominalschubs mit der zweiten. Die Stufentrennung erfolgte nach Musks Angaben zu schnell, 1.5 Sekunden nach dem Ausbrennen der ersten Stufe. Bei dem regenerativ gek&uuml;hlten Merlin 1C w&auml;re das zu kurz gewesen, w&auml;hrend bei dem Ablativ gek&uuml;hlten Merlin 1 es kein Problem sein. Das sei ein Designfehler der leicht zu korrigieren sei. Die Falcon, so erfuhr man bei dieser Gelegenheit verwendet keine Retroraketen welche die erste Stufe abbremsen (oder die zweite beschleunigen), sondern ein hydraulisches System. Dessen F&auml;higkeit einen Impuls zu &uuml;bertragen ist nat&uuml;rlich geringer als eine kleinen Rakete, die daher bei anderen Tr&auml;gern eingesetzt wird. (Zumindest allen die der Autor kennt).<\/p>\n<p>Was Elon Musk verschweigt: Schon beim zweiten Flug kollidierte die zweite Stufe mit dem Stufenadapter. Das Problem ist so gesehen nicht so neu und damals ging man von einem geringeren Restschub des Merlin 1C aus. Keine der beiden Stufen konnte geborgen werden. Bei der zweiten war dies nicht vorgesehen und bei der ersten wurde durch die Flamme der zweiten Stufe, die in zu geringer Entfernung z&uuml;ndete, die Fallschirme am Heck der ersten Stufe zerst&ouml;rt. Darauffolgte eine Plasmaexplosion welche das Heck der zweiten Stufe zerst&ouml;rte. Damit ist auch beim dritten Start die dritte Erststufe verloren gegangen. SpaceX korrigierte duie Nutzlast erneut nach unten auf 420 kg.<\/p>\n<h3>28,9,2008: Falcon 1, vierter Start<\/h3>\n<p>Nach 2 Monaten fand dann der vierte Testflug statt, nun mit einer reinen Satellitenattrappe aus 170 kg Aluminium. Am 28.9.2008 fand dann der eigentliche Start statt, der auch erfolgreich verlief, inklusive einer sp&auml;teren Zirkularisierung der Bahn die anfangs in 328 x 650 km H&ouml;he lag durch eine Wiederz&uuml;ndung der zweiten Stufe. Der Satellit erreicht dann eine nahezu kreisf&ouml;rmige Bahn von 644 km H&ouml;he.<\/p>\n<p>Zwei Anomalien gab es dennoch zu berichten. Das erste war eine zu geringe Leistung der Rakete, denn ein h&ouml;herer Orbit war geplant (330 x 686 km H&ouml;he) und zum zweiten, dass die erste Stufe erneut nicht geborgen werden konnte. Sie wurde offensichtlich beim Wiedereintritt zerst&ouml;rt. Eine eingehendere Vermessung der Bahn durch die Radar Antennen des US Verteidigungsministerium ergab eine endg&uuml;ltige Bahn von 621 x 643 km H&ouml;he mit einer Bahnneigung von 9.3 Grad. Die zweite Stufe hat dagegen ihren Treibstoff von 3.900 kg (1.200 kg Kerosin und 2.700 kg LOX) vollst&auml;ndig verbraucht. Die Daten lassen nun erstmals eine Berechnung der maximalen Nutzlast zu. Ich erhalte eine Nutzlast von 349 kg bei der derzeitigen Konfiguration. Das ist noch von den 420 kg entfernt allerdings ist damit zu rechnen, dass diese Rakete wahrscheinlich &uuml;ber gr&ouml;&szlig;ere Reserven verf&uuml;gte und zus&auml;tzliches Equipment installiert wurde um mehr Daten zu erhalten (die Kamera und die Sender wiegen z.B. auch einige Kilos extra).<\/p>\n<p>Diese Daten wurden dann auch von SpaceX best&auml;tigt: Die zweite Z&uuml;ndung diente nicht zum Zirkularisieren der Bahn (dies sei nur Zufall gewesen). Sinn war es den Treibstoff bis auf nicht nutzbare Reste in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 45 kg zu verbrauchen um eine Performanceabsch&auml;tzung zu machen. Vergleicht man nun aber die bef&ouml;rderte Nutzlast mit den Angaben von SpaceX in Diagrammen f&uuml;r diesen Orbit, so ergibt sich eine Differenz von -70 kg. Damit liegt die Nutzlast der Falcon 1 bei nur 350 kg.<\/p>\n<p>14.7.2009: Falcon 1, f&uuml;nfter Start<\/p>\n<p>Nach einem Jahr fand der erste Start einer bezahlten Nutzlast statt. Dies war der mailayische Satellit Razaksat. Nach SpaceX Angaben verlief der Start erfolgreich in den vorgesehen kreisf&ouml;rmigen Orbit von 685 km H&ouml;he. W&ouml;rtliches Zitat: &#8222;We nailed the orbit to well within target parameters&#8230;pretty much a bullseye.&#8220;.<\/p>\n<p>Eine Vermessung des <a href=\"http:\/\/www.planet4589.org\/space\/logs\/satcat.txt\">NORAD<\/a> ergab einen Orbit von 666 x 687 x 8.9\u00b0. Geplant waren: 685 km kreisf&ouml;rmig, 9,0 Grad. Vergleicht man dies mit den Vorgaben des <a href=\"http:\/\/www.spacex.com\/Falcon1UsersGuide.pdf\">Users Guide<\/a> so resultiert folgende Tabelle:<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>Parameter<\/th>\n<th>Abweichung vierter Start<\/th>\n<th>Abweichung f&uuml;nfter Start<\/th>\n<th>maximal nach Users Guide<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perig&auml;um<\/td>\n<td>2 km<\/td>\n<td>19 km<\/td>\n<td>5 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Apog&auml;um<\/td>\n<td>36 km<\/td>\n<td>2 km<\/td>\n<td>15 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Inklination<\/td>\n<td>0,3 Grad<\/td>\n<td>0,1 Grad<\/td>\n<td>0,1 grad<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Legt man die Daten des Users Guide zugrunde, die auch rechtlich bindend sind (als zugesicherte Eigenschaften der Rakete), so erreichte keiner der beiden letzten Starts den geplanten Orbit und diese m&uuml;ssen daher als Teilerfolge eingestuft werden.<\/p>\n<h3>14.7.2009: Falcon 9, erster Start<\/h3>\n<p>Die erste Stufe funktionierte nach den Videos einwandfrei, wenn mann davon absieht, dass sie direkt nach dem Start sich um 90 Grad innerhalb einer Sekunde drehte und so fast mit dem Startturm kollidierte. Beim Betrieb der zweiten Stufe waren zwei helle Stellen auf der D&uuml;se erkennbar, eventuell durch das Gasgeneratorgas verursacht, dass auf die D&uuml;senverl&auml;ngerung trifft und dort nachverbrennt. In der letzten Minute fing die Stufe dann auch stark an zu rollen und neigte sich der Erde zu. Brennschluss der zweiten Stufe soll nach 578 s gewesen sein. Nutzlast war ein Konus mit den Abmessungen der Dragonkapsel. Vermessungen der Luftwaffe ergaben einen 235 x 273 km Orbit mit 34,51 Grad Bahnneigung. W&auml;hrend die Bahnneigung korrekt ist, war der Orbit deutlich elliptischer als geplant. (250 km kreisf&ouml;rmig). Es ist mit Sicherheit nicht f&uuml;r Kunden akzeptabel, die einen Satelliten in einer stabilen r&auml;umlichen Ausrichtung und in einem bestimmten Orbit ausgesetzt haben wollen.<\/p>\n<p>Das Rotieren direkt nach dem Start soll durch die Abgase der Gasgeneratoren und die zur&uuml;ckgeworfenen Gase der Triebwerke verursacht worden sein. Als gravierender stufte Ken Bowersox in einem Interview das Rollen der zweiten Stufe ein. Diesmal h&auml;tte es noch nicht das erreichen des Orbits beeinflusst, doch das k&ouml;nnte auch anders sein. Es k&ouml;nnte auch ein unerw&uuml;nschter Orbit resultieren oder dass ein solcher nicht erreicht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bowersox best&auml;tigte, dass die erste Stufe den Wiedereintritt nicht &uuml;berstand. Das nicht nur das Fallschirmsystem versagte sondern die stufe in St&uuml;cke zerlegt wurde bevor sie &uuml;berhaupt die dichtere Atmosph&auml;re erreichte w&auml;re an den Tr&uuml;mmern zu erkennen. SpaceX w&uuml;rde nun daran arbeiten bei den den n&auml;chsten Starts den Schutz zu verbessern und wenn dies auch nicht ausreicht w&uuml;rde man die Bergung aufgeben und das Fallschirmsystem weglassen.<\/p>\n<h3>8.12.2010: Falcon 9, zweiter Start<\/h3>\n<p>Im Vorfeld gab es Probleme bei dem statischen Test der neuen Triebwerke, der erst beim dritten Anlauf wegen abweichender Parameter bei zwei Triebwerken klappte. Bei der sich anschlie&szlig;enden Inspektion wurden dann zwei Risse an der D&uuml;senverl&auml;ngerung aus Niob bei der zweiten Stufe entdeckt. Anstatt dies und die Ursache genauer zu untersuchen wurde einfach der Teil entfernt. Die folgenden D&uuml;sen werden wahrscheinlich auch gek&uuml;rzt werden, was Performance kosten k&ouml;nnte. Bei anderen Tr&auml;gern schlie&szlig;t sich hier meist eine intensive Kontrolle der Fertigung an, da dies ja nur einer von mehreren versteckten Fehlern sein kann.<\/p>\n<p>Beim Start fing eine Verbindungsleine Feuer und der Startturm wirkte danach auch etwas angeschmort. Ursache soll ein nicht geschlossenes Ventil auf der Seite des Startturms gewesen sein. Bei der Rakete waren alle Ventile geschlossen und sie konnte nicht Feuer fangen.<\/p>\n<p>Das Presskit zum zweiten Flug lieferte einige neue Daten. Die Brennzeit der ersten Stufe war identisch zum ersten Flug und lag bei 178 s. Diese scheint konstant zu sein. Die zweite Stufe brannte deutlich l&auml;nger: 351 s anstatt 332 s beim Jungfernflug. Dabei wurden spezifischer Impuls und Schub leicht nach unten korrigiert: 411 kN und 3295 m\/s. Vorher waren es 420 kN und 3366 m\/s. Nutzlast war die 5.200 kg schwere Dragon Kapsel ohne Nutzlast.<\/p>\n<p>Auch diesmal sollte die erste Stufe geborgen werden. SpaceX schraubte die Erwartungen aber herunter. &#8222;Volle Wiederverwendung erfordert mehrere Versuche&#8220;. Eventuell w&auml;re man in einigen Jahren soweit eine erste Stufe zu bergen. Diesmal war das Wetter dran schuld, das nicht geborgen wurde. Die Bergungsflotte r&uuml;ckte diesmal nicht einmal aus.<\/p>\n<p>Erreicht wurde ein Orbit von 288\u00a0\u00d7\u00a0301\u00a0km mit einer Inklination von 34,53 Grad. Geplant war ein kreisf&ouml;rmiger 300 km Orbit mit 34,50 Grad Inklination. Auch hier kann man die Daten mit denen des Users Guide vergleichen:<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>Parameter<\/th>\n<th>Abweichung erster Start<\/th>\n<th>Abweichung zweiter Start<\/th>\n<th>maximal nach Users Guide<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perig&auml;um<\/td>\n<td>15 km<\/td>\n<td>12 km<\/td>\n<td>10 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Apog&auml;um<\/td>\n<td>23 km<\/td>\n<td>1 km<\/td>\n<td>10 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Inklination<\/td>\n<td>0,01 Grad<\/td>\n<td>0,03 Grad<\/td>\n<td>0,1 grad<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Demnach erf&uuml;llen beide Orbits nicht die Anforderungen welche garantiert werden (wenn auch beim zweiten Flug nur knapp). Aufgrund des unvorhergesehenen Rotierens der zweiten Stufe beim Jungfernflug w&auml;re eine kommerzielle Nutzlast verloren gewesen, da so nicht die Solarzellen beschienen werden und die Batterien bald nicht mehr ausgereicht h&auml;tten die Stromversorgung zu sichern. Aber alleine aufgrund der Vorkommnisse vor dem Start \/Risse in der D&uuml;se, Brand der Leitungen des Startturms kann man den zweiten Flug nur als Teilerfolg ansehen.<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Sieben Starts, dabei drei Fehlstarts, einen unbrauchbaren Orbit (gleichbedeutend bei kommerzieller Vermarktung mit einem Fehlstart) und drei Orbits mit gravierenden Abweichungen von den Sollangaben. Dies ist die Bilanz einer Firma, die viel verspricht und bislang wenig liefert.<\/p>\n<p>Die Nutzlast nahm dabei bisher immer ab. Bei der Falcon 1 offiziell von 670 auf 420 kg. Nach Berechnungen des Autors &uuml;ber den verbliebenen Resttreibstoff (Brennzeiten der zweietn Stufe sind bekannt) sind es sogar nochmals 70 kg weniger. Bei der Falcon 9 ist nachdem die zweite Stufe erneut z&uuml;ndete um ihren Resttreibstoff zu verbrennen nur eine Absch&auml;tzung m&ouml;glich, da deren Trockenmasse unbekannt ist. Je nach deren Trockenmasse liegt die Maximalnutzlast der Falcon 9 f&uuml;r diesen Orbit bei rund 7 t (zwischen 6,5 und 7,2 t, je nach Gewicht der Stufe, je leichter sie ist um so geringer). Auch hier gibt es Indizien, dass diese Unterperformance nicht geplant war: die zweite Stufe sollte eigentlich eine fluchtbahn erreichen, es resultierte aber nur ein Apog&auml;um in 11.000 km H&ouml;he &#8211; da fehlen noch rund 1.600 m\/s f&uuml;r eine Fluchtbahn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da SpaceX schon die tausendmalige Wiederverwendung ihrer Falcon 9 plant und immer verr&uuml;cktere Pl&auml;ne f&uuml;r die Zukunft hat, hier mal eine kleine Erinnerung, was sie bisher bei ihren Starts erreicht haben.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[7,5,2135],"class_list":["post-5435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-falcon","tag-spacex","tag-starts","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":619,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18385,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/09\/07\/spacex-splitter\/","url_meta":{"origin":5435,"position":0},"title":"SpaceX-Splitter","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. 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Juni 2026","format":false,"excerpt":"Ich habe als ich vor einigen Jahren (2018) mal als ich f\u00fcr das Mercuryprogramm recherchiert habe einen Blog zu Explosionen auf dem Pad geschrieben, eigentlich zwei, weil ich ihn geteilt habe. 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