{"id":5476,"date":"2011-10-23T00:40:40","date_gmt":"2011-10-22T22:40:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5476"},"modified":"2011-10-21T12:41:33","modified_gmt":"2011-10-21T10:41:33","slug":"eine-oberstufe-fur-die-vega","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/10\/23\/eine-oberstufe-fur-die-vega\/","title":{"rendered":"Eine Oberstufe f&uuml;r die Vega"},"content":{"rendered":"<p>Die Vega mag ja einige Nachteile haben, aber sie hat einen Vorteil: sie ist sehr flexibel. Durch die rund 500-600 kg Treibstoff in der VEB kann die Rakete auch h&ouml;here Bahnen erreichen, ohne das wie bei anderen Modellen mit Feststoffantrieben die Nutzlast aufgrund dann notwendiger langer Freiflugphasen stark abnimmt. Was sie allerdings nicht leisten kann, ist eine nennenswerte Nutzlast auf Fluchtgeschwindigkeit zu beschleunigen, weil dann die rund 500 kg schwere VEB praktisch die Nutzlast gegen Null gehen lassen w&uuml;rde.<!--more--><\/p>\n<p>Also als heutige &Uuml;bung &#8211; wir konstruieren eine zus&auml;tzliche Oberstufe, welche die Aufgabe hat kleine Raumsonden auf ihren Kurs zu bringen. Fangen wir zuerst mal an nach passenden Exemplaren zu suchen. Es g&auml;be im US-Arsenal den Star 48 und Star 37 Antrieb mit Startmassen von 1.100 bzw. 2.200 kg, die passen w&uuml;rden. Eine Recherche, was diese Antriebe aber kosten, war ern&uuml;chternd. F&uuml;r den Star 48 habe ich 11 Millionen Dollar gefunden &#8211; das w&uuml;rde den Transport deutlich verteuern. Er w&auml;re auch so schwer, dass er noch vor Erreichen der Umlaufbahn gez&uuml;ndet werden m&uuml;sste, was dann nur noch direkte Einsch&uuml;sse mit kleinen Startfenstern erlaubt.<\/p>\n<p>Sinnvoller w&auml;re eine Oberstufe, welche zuerst in einen Parkorbit gebracht wird und dann gez&uuml;ndet. Da findet sich leider kein Exemplar, das derzeit geeignet ist. In Europa ist die Auswahl an m&ouml;glichen Antrieben begrenzt. Es gibt eigentlich nur Satellitenantriebe und das Aestus Triebwerk. Letzteres ist aber schon zu schubstark und schwer. Anstatt nun nach einem Antrieb in Russland umzusehen, habe ich mich f&uuml;r Satellitenapog&auml;umsantriebe entscheiden. Da diese recht schubschwach sind, werden aber mehrere ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p>Also werden wir mal langsam konkret. Eingesetzt sollten zwei Triebwerke des Typs <a href=\"http:\/\/cs.astrium.eads.net\/sp\/spacecraft-propulsion\/apogee-motors\/500n-apogee-motor.html\">EAM-500<\/a> sein. Zwei weil der Schub nur 500 N betr&auml;gt und man so auf Betriebszeiten von mehreren Stunden kommt. Das macht mehrere Zyklen notwendig, um die Endgeschwindigkeit zu erreichen, ohne allzustarke Gravitationsverluste in Lauf zu nehmen.\u00a0 Damit es nur zwei bis drei sind habe ich zwei Triebwerke angesetzt.<\/p>\n<p>Bei einem spezifischen Impuls von 325 s (3188 m\/s) kann man nun die Treibstoffmenge errechnen. Die Stufe soll ausgelegt sein, Raumsonden zum Mond (v=3.200 m\/s relativ zur Parkbahn) bis Mars (v=3.950 m\/s relativ zur Parkbahn) zu bringen. Die Maximalnutzlast der Vega in eine 200 km hohe LEO Bahn betr&auml;gt 2.500 kg. Um eine kleine Reserve zu haben, soll die Stufe mit Nutzlast maximal 2.400 kg wiegen. Daraus errechnet sich bei der h&ouml;heren Zielgeschwindigkeit von 3.950 m\/s eine maximale Treibstoffzuladung von 1705 kg. Sie wird bei kleineren Geschwindigkeiten kleiner.<\/p>\n<p>Bei der Mischung f&uuml;r das Triebwerk von 1,65 sind das bis zu 644 kg Hydrazin und 1061 kg Stickstofftetroxid. Bei den gegebenen Dichten der Treibstoffe von 0,88 (MMH) und 1,34 (NTO) sind das 731 bzw. 723 l. Also schauen wir mal an, welche Tanks es daf&uuml;r gibt. Ich habe mich f&uuml;r vier Tanks entschlossen, also muss jeder Tank maximal 366 l aufnehmen. Passend dazu ist der Tank <a href=\"http:\/\/cs.astrium.eads.net\/sp\/spacecraft-propulsion\/propellant-tanks\/235-516-litre-bipropellant-tank.html\">OST 01\/X<\/a>. Er fasst ind er gew&auml;hlten Konfiguration bis zu 420 l wiegt 29 kg und hat einen maximalen Durchmesser von 875 mm bei 420 l Volumen.<\/p>\n<p>Nun braucht man noch Heliumdruckgas f&uuml;r den Tankdruck. Dieser betr&auml;gt 17,5 bar. Das Helium steht unter einem Druck von 400 bar. Das bedeutet, dass man f&uuml;r die 4 x 420 l einen Druckgastank von 74 l Volumen ben&ouml;tigt um das Helium aufzunehmen. Ein 80 l Tank wiegt 17,7 kg. Dazu kommt noch das Helium mit 5,7 kg Gewicht. Ich habe zwei dieser Tanks vorgesehen.<\/p>\n<p>Nun ben&ouml;tigen wir noch die Triebwerke: Neben zwei Haupttriebwerken (je 5 kg) kommen noch 8 Triebwerke in zwei Gruppen zu je vier Triebwerken mit 10 N Schub zur Lageregelung (je 700 g). Dazu ben&ouml;tigen wir noch Tankleitungen mit Ventilen (2 x 11 kg ). Das macht dann folgende Leermasse die benennbar ist:<\/p>\n<ul>\n<li>8 Steuertriebwerke: 5,6 kg<\/li>\n<li>2 Haupttriebwerke: 10 kg<\/li>\n<li>Vier Treibstofftanks: 116 kg<\/li>\n<li>Zwei Druckgastanke: 46,6 kg<\/li>\n<li>Tankleitungen: 22 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zusammen: 202,2 kg.<\/p>\n<p>Nun wird noch eine Verbindung der ganzen Tanks untereinander ben&ouml;tigt. Dies soll die Trockenmasse auf 210 kg erh&ouml;hen. Die Nutzlast liegt dann bei 669 kg bei Mondmissionen und 485 kg bei Marsmissionen. Eine Steuerung habe ich nicht vorgesehen, dies muss die Nutzlast erledigen, die ja &uuml;ber einen eigenen Computer und Navigationsm&ouml;glichkeiten verf&uuml;gt. Im Idealfall reicht es vor der Z&uuml;ndung die Stufe auszurichten und dann die Haupttriebwerke zu z&uuml;nden. Da mehrere Brennperioden n&ouml;tig sind, wird nur bei der letzten eine genaue Ausrichtung n&ouml;tig sein. Die gesamte Brenndauer betr&auml;gt 4850 s bei Mondmissionen und 5435 s bei Marsmissionen.<\/p>\n<p>Zur Optimierung habe ich allerdings je zwei Treibstoff-, Oxidator und Druckgastanks vorgesehen, obwohl auch je ein Tank reichen w&uuml;rde. Das erlaubt es erst ein System zu nutzen, dann pyrotechnisch abzutrennen und dann das zweite. Auch die Breeze-M Oberstufe nutzt so etwas. Das abzutrennende System ist dann das untere. Die Triebwerke sollten in der Mitte sich befinden umringt von den Treibstofftanks um eine Kollision zu vermeiden. Ber&uuml;cksichtigt man diese Option, so steigt die Nutzlast an auf 538 kg bei Marsmissionen und 713 kg bei Mondmissionen, da 86,6 kg Masse nach dem Erreichen einer Geschwindigkeit von 9200 m\/s abgetrennt werden.<\/p>\n<p>Noch idealer w&auml;re eine Integration mit dem Eigenantrieb des Satelliten, da bei den drei wichtigsten Zielen &#8211; Mond, Venus und Mars ja auch noch in eine Umlaufbahn einschwenken muss und so einen eigenen Antrieb braucht. Das Antriebsmodul w&auml;re dann nur noch ein Ring aus je einem MMH-, NTO- und Druckgastank, der die Triebwerke in der Mitte umgibt, verbunden mit dem Leitungssystem des Satelliten, der die eigenen Triebwerke zur Lageregelung und f&uuml;r den Antrieb einsetzt. Zwei dieser Ringe werden dann nacheinander abgetrennt. Neben Kosteneinsparungen reduziert das auch das Gewicht um mindestens 16 kg (f&uuml;r die Triebwerke).<\/p>\n<p>Es gibt, um das Thema abzuschlie&szlig;en, schon ein Antriebssystem f&uuml;r die Vega. Die Mission LISA Pathfinder zu einem der Lagrangepunkte wird ein integriertes Antriebsmodul einsetzen. Von diesem ist es nur ein weiterer Schritt zu einem universellen Antriebsmodul. Die Nutzlast der Vega ist nicht riesig, doch sollte man bedenken, dass auch einige Raumsonden der letzten Zeit nicht so schwer waren. Mars Odyssey wog beim Start nur 725 kg bei einer Masse von 348 kg ohne Treibstoff. Bei Near sind von 805 kg Startmasse auch das meiste Treibstoff. Ohne diesen wiegt die Sonde nur 384 kg. Eine Raumsonde die 1.200 m\/s an Geschwindigkeit abbauen muss (ausreichend f&uuml;r Mond, Mars unv Venusmissionen, w&uuml;rde bei 600 kg Startgewicht auch nur noch 411 kg im Orbit wiegen. Das bedeutet dass die Vega mit dieser Oberstufe also durchaus Missionen der Discovery Klasse auf den weg bringen k&ouml;nnte.<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vega mag ja einige Nachteile haben, aber sie hat einen Vorteil: sie ist sehr flexibel. 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