{"id":5483,"date":"2011-10-26T00:51:54","date_gmt":"2011-10-25T22:51:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5483"},"modified":"2011-10-23T18:55:07","modified_gmt":"2011-10-23T16:55:07","slug":"isotope","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/10\/26\/isotope\/","title":{"rendered":"Isotope"},"content":{"rendered":"<p>Heute wieder ein Blog in meiner locken Reihe &uuml;ber Chemie, obwohl ich gleich zu Beginn sagen muss, dass Isotope eigentlich nur ein Randgebiet der Chemie sind. Doch dazu sp&auml;ter mehr. Die chemischen Eigenschaften eines Elementes werden bestimmt durch die Anzahl der Protonen im Atomkern. Auf jedes Proton kommt ein Elektron und alle chemischen Reaktionen sind im Prinzip Reaktionen und Wechselwirkungen der Elektronenh&uuml;lle. Dar&uuml;ber hinaus enthalten alle Elemente mit Ausnahme des h&auml;ufigsten Isotops des Wasserstoffs noch Neutronen. Unter Isotopen versteht man verschiedene Atome eines Elementes mit einer unterschiedlichen Neutronenzahl. Die Neutronen beeinflussen die chemischen Eigenschaften nicht, jedoch die physikalischen. Doch auch hier gravierend nur in einigen Sonderf&auml;llen.<!--more--><\/p>\n<p>W&auml;hrend sie also f&uuml;r die Chemie unwichtig sind, dienen die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften f&uuml;r manche interessante Untersuchungen. Die einzelnen Isotope sind Ergebnisse der Bildung der Elemente in den Sternen. Dabei scheint es so zu sein, dass die Natur eine Vorliebe f&uuml;r gerade Zahlen hat. Von den 262 nicht radioaktiven Isotopen die es in der Natur gibt, haben 98% eine gerade Anzahl an Protonen\/und oder Neutronen, die meisten sogar eine gerade Anzahl an beiden Elementarteilchen.<\/p>\n<p>Wenn man &uuml;ber Isotope spricht, dann denkt jeder an Radioaktivit&auml;t. Ab der Ordnungszahl 92 sind alle Elemente radioaktiv. Aber auch Elemente die eine kleinere Atommasse haben k&ouml;nnen radioaktiv sein. Besonders gro&szlig;e Atomkerne sind vor allem bei zu vielen Neutronen nicht mehr stabil und zerfallen. Dies ist jedoch nicht nur auf schwere Elemente begrenzt, sondern auch bei kleinen Elementen vorkommend. Als kleine Besonderheit gilt das Element\u00a0Technetium. Technetium, mit der Ordnungszahl 43 sitzt mitten in der Eisengruppe, direkt neben dem Molybd&auml;n. Doch alle Isotope sind radioaktiv. Es wird f&uuml;r medizinische Untersuchungen eingesetzt.<\/p>\n<p>Doch erst mal zu anderen Aspekten. Eine allgemeine Tendenz ist, dass die Anzahl der stabilen Isotope zunimmt, je h&ouml;her die Ordnungszahl ist um dann wieder abzunehmen bis schlie&szlig;lich alle Isotope radioaktiv sind. Auch der prozentuale Anteil ver&auml;ndert sich. Viele der Elemente der ersten und zweiten Periode bestehen zu &uuml;ber 99% aus nur einem Isotop. Je h&ouml;her die Ordnungszahl, um so mehr Isotope mit h&ouml;herem Gewichtsanteil kommen vor.<\/p>\n<p>Physikalisch wirken sich verschiedene Isotope kaum aus. Eine Ausnahme scheint der schwere Wasserstoff zu sein. Seine Dichte, Gefrierpunkt, Siedepunkt weichen deutlich vom normalen Wasserstoff ab und das gilt auch noch f&uuml;r die Verbindungen wie schweres Wasser. Das liegt darin, dass seine Atommasse schon doppelt so hoch wie beim normalen Wasserstoff ist. Bei den anderen Elementen ist der Unterschied weitaus kleiner. Doch er existiert auch dort.<\/p>\n<p>So kann man Isotopenverh&auml;ltnisse f&uuml;r Untersuchungen bei anderen Planeten oder Monden nutzen. Die Grundvorherstellung ist die, dass sich das Sonnensystem aus einem gut durchmischten Urnebel mit einer konstanten Zusammensetzung bildete. Wenn nun die Isotopenzusammensetzung der Venusatmosph&auml;re deutlich von der der Erde abweicht, so hat dies Ursachen und man kann zumindest die Uratmosph&auml;re rekonstruieren. Auch hierbei spielt das Isotop Deuterium, der schwere Wasserstoff eine Rolle, weil Wasserstoff bei allen erd&auml;hnlichen Planeten leicht diese verlassen kann, wenn er frei vorkommt (aufgrund der niedrigen Atommasse). Dies geschieht z.B. durch die Spaltung von Wasser durch UV-Strahlen. So kann man die Wassermenge an der Oberfl&auml;che absch&auml;tzen. Andere R&uuml;ckschl&uuml;sse sind m&ouml;glich durch das Verh&auml;ltnis Argon 36\/37 zu Argon 40. Die ersten beiden Isotope waren schon im Urnebel vorhanden. Auf den Gasplaneten findet man nur diese beiden Isotope.. Argon-40 entsteht aus dem radioaktiven Zerfall von Kalium-40, welches eine Halbwertszeit von 1,3 Milliarden Jahren hat. Auf der Erde besteht fast das gesamte Argon aus diesem Isotop. Auf der Venus gibt es dagegen gleich viel Argon-36 wie Argon 40. Da das Gas aus Kalium entsteht, das in Gesteinen gebunden ist, zeigt dieses geringere Verh&auml;ltnis an, dass die Venus weniger aktiv ist, denn ohne so etwas wie Vulkanausbr&uuml;che wird es nicht freigesetzt.<\/p>\n<p>Auf der Erde gibt es auch Unterschiede in der Isotopenverh&auml;ltnissen. Manche Isotope werden durch die kosmische Strahlung gebildet und sind regional unterschiedlich. Mit moderner Analytik kann man die genaue Isotopenzusammensetzung der Mengenelemente Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff in organischer Substanz feststellen und die Verh&auml;ltnisse sind dann charakteristisch f&uuml;r eine Region. Es gibt Experten die dies z.B. einsetzen wollen um den Missbrauch von EU F&ouml;rdergelder zu verhindern. So l&auml;sst sich feststellen ob ein Lebensmittel tats&auml;chlich in der Region produziert wurde die angegeben ist und nicht jemand Lebensmittel au&szlig;erhalb der EU importiert und dann EU-F&ouml;rdermittel einstreicht. So kann man nat&uuml;rlich auch Produktf&auml;lschungen nachweisen, wie z.B. Champagner der nicht aus der Champagne stammt.<\/p>\n<p>Eine Isotopenmethode hat sogar einen eigenen Namen, die C-14 Methode. Der normale Kohlenstoff hat die Atommasse 12. Er macht 98,9% des Kohlenstoffs aus. Nur 1,1% entfallen auf das Isotop mit der Atommasse 13. Durch die kosmische Strahlung entsteht in der Hochatmosph&auml;re das Isotop 14 mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren. Jedes Lebewesen nimmt nun Kohlenstoff aus der Umgebung auf. Pflanzen Kohlendioxid aus der Atmosph&auml;re, Tiere diese Pflanzen. Ein Teil davon (weniger als ein Milliardstel) entf&auml;llt auf das Isotop C-14. Es zerf&auml;llt, aber da der Organismus laufend neuen Kohlenstoff aufnimmt und alten ausscheidet bleibt der Gehalt an C-14 konstant: solange bis der Organismus abstirbt. Danach zerf&auml;llt nur noch das C-14 und &uuml;ber die Aktivit&auml;t kann man dann das Alter bestimmen zu dem der Organismus abstarb. So kann man das Alter jedes Objektes bestimmen, das organische Substanz enth&auml;lt. das ist neben &Uuml;berresten von Lebewesen (Holz, Knochen) auch z.B. Holzkohle oder Asche. Das geht bis zu mehreren Halbwertszeiten. Der wichtigste Nachteil der Methode ist, dass f&uuml;r den menschlichen Besiedlungszeitraum die Halbwertszeit schon fast zu lange ist: Ein Baum der 3709 vor Christus gef&auml;llt wurde (also lange vor den &Auml;gyptern und Sumerer) hat erst heute 50% des C-14 verloren. Bei einem Baum der 1600 gef&auml;llt wurde ist der Gehalt praktisch genauso hoch wie bei einem der um 1500 gef&auml;llt wurde. Der Fehler liegt daher sehr hoch.<\/p>\n<p>Manchmal kann man die C-14 Methode auch zweckentfremden. Als ich noch Lebensmittelchemiker war h&ouml;rte ich von einem Vorfall, der durch die C-14 Methode aufgekl&auml;rt wurde. Es gab den Verdacht der F&auml;lschung von Obstbr&auml;nden. Wer mal einen Himbeergeist gekauft hat, wei&szlig; wie teuer diese durch die hochpreisigen Zutaten sind. Der Betrieb schien viel zu klein zu sein um die verkauften Mengen produzieren zu k&ouml;nnen, doch die chemische Analyse war unauff&auml;llig. Bei billigen F&auml;lschungen wird Alkohol mit einigen charakteristischen Substanzen versetzt welche f&uuml;r das Aroma pr&auml;gend sind. Es fehlen aber andere Substanzen die als Folge der G&auml;rung oder Zutaten entstehen und die nicht so wichtig f&uuml;r den Geschmack war. Da einer der Firmeninhaber Chemiker war, lag der Verdacht nach, dass er auch diese Spurenbestandteile zugesetzt wurden, schlie&szlig;lich kann man die Menge in der Fachliteratur nachlesen. Durch chemische Analyse war ein so &#8222;nachgebauter&#8220; Obstbrand nicht von einem echten unterscheiden und nat&uuml;rlich auch geschmacklich nicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/mars-kalium.jpg\" alt=\"Kalium Verteilung auf dem Mars\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Die C-14 Methode lieferte die Aufkl&auml;rung. In Obstbest&auml;nden stammt das C-14 aus Zucker, der aus dem Kohlendioxid der Atmosph&auml;re gebildet wird. Seine C-14 Uhr l&auml;uft gerade erst an. Den Alkohol den man kaufen kann stammt nicht aus G&auml;rung. Er stammt aus Ethen, bei dem Wasser addiert wurde. Das Ethen ist einige Millionen Jahre alt und stammt aus Erdgas oder aus Erd&ouml;l (durch Cracken). Es enth&auml;lt &uuml;berhaupt kein C-14 mehr, es ist l&auml;ngst zerfallen. So konnte der Betr&uuml;ger doch noch dingfest gemacht werden.<\/p>\n<p>Was C-14 f&uuml;r organische Substanz ist, das Ar-40 f&uuml;r das Alter von Meteoriten, Mond- oder Marsproben. Die radioaktive Strahlung die durch den Zerfall von Kalium-40 frei wird kann man bei Himmelsk&ouml;rpern ohne eine dichte Atmosph&auml;re sogar vom Orbit aus messen. Das Bild links zeigt die Verteilung von Kalium an der Oberfl&auml;che bestimmt aus der beim Zerfall des Kalium freiwerdenden Gammastrahlung. Diese muss von der Oberfl&auml;che stammen, den sonst w&uuml;rde das Gestein sie absorbieren oder soweit abschw&auml;chen dass sie nicht mehr nachweisbar ist. Kalium ist wasserl&ouml;slich so findet man h&ouml;here Konzentrationen wo es sich im Wasser l&ouml;ste und wieder abschied nachdem dieses verdampfte. Es ist aber auch Bestandteil bestimmter Mineralien wie Glimmer, Feldspaten, Hornblenden. Deren Konzentration ist auch so bestimmbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wieder ein Blog in meiner locken Reihe &uuml;ber Chemie, obwohl ich gleich zu Beginn sagen muss, dass Isotope eigentlich nur ein Randgebiet der Chemie sind. Doch dazu sp&auml;ter mehr. 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