{"id":5513,"date":"2011-11-10T00:06:44","date_gmt":"2011-11-09T22:06:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5513"},"modified":"2011-11-10T09:19:59","modified_gmt":"2011-11-10T07:19:59","slug":"alkohole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/11\/10\/alkohole\/","title":{"rendered":"Alkohole"},"content":{"rendered":"<p>Und schon folgt der n&auml;chste Chemieblog. Heute geht es um Alkohole, von denen jeder zumindest einen Vertreter dieser Stoffgruppe kennt, den Trinkalkohol oder Ethanol. Chemisch gesehen sind Alkohole chemische Verbindungen bei denen bei einem Kohlenwasserstoff ein H-Atom durch eine -OH Gruppe ersetzt wird. In der chemischen Nomenklatur erh&auml;lt der Kohlenwasserstoff die Endung &#8222;ol&#8220;. So wird aus dem Kohlenwasserstoff Ethan der Ethanol\u00a0 und aus dem Methan das Methanol. Auch zahlreiche Molek&uuml;le die wir aus anderem Zusammenhang kennen sind Alkohole, so das Phenol, das Cholesterin, das unter uns Chemikern Cholesterol hei&szlig;t und das Vitamin-A, das Retinol. (Daf&uuml;r sagen wir Chemiker zum Benzol, das kein Alkohol ist, Benzen).<!--more--><\/p>\n<p>Technisch stellt man Alkohole meistens durch Addition von Wasser an unges&auml;ttigte Kohlenwasserstoffe her. Ein weiterer Weg besteht durch Substitution von Chlor in radikalisch chlorierten Kohlenwasserstoffen. (Siehe mein Blog &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/07\/photochemie\/\">Radikalreaktionen<\/a>). Physikalisch zeichnen sich Alkohole dadurch aus, dass ihre Schmelz- und Siedepunkte erheblich h&ouml;her als bei den Kohlenwasserstoffen liegen, aus denen sie gebildet sind. Das liegt an der -OH Gruppe. Die OH-Gruppe kann man sich vereinfacht gedacht als eine H&auml;lfte eines Wassermolek&uuml;ls H-O-H denken. Zwischen einem H-Atom eines Wassermolek&uuml;ls und dem O-Atom eines anderen gibt es eine gegenseitige Anziehung, da der Sauerstoff die Elektronen st&auml;rker anzieht als der Wasserstoff. So ist der Sauerstoff negativ aufgeladen und der Wasserstoff positiv. Durch diese Teilladungen ziehen sich auch Atome anderer Molek&uuml;le an und es entsteht eine sogenannte <strong>Wasserstoffbr&uuml;ckenbindung<\/strong>. Diese ist nicht so fest wie eine chemische Bindung, aber erheblich stabiler als die <strong>Van-Der-Waals Bindung<\/strong> zwischen Kohlenwasserstoffen die durch die Anziehung der Atomkerne auch auf fremde Elektronen herr&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Auch die Affinit&auml;t zu anderen Stoffen ver&auml;ndert sich. Die Molek&uuml;le bestehen aus zwei Teilen: einem unpolaren Rest, der Kohlenwasserstoffkette und der -OH Gruppe. Die letzte hat eine hohe Affinit&auml;t zu Wasser und anderen polaren Stoffen wie ebenfalls Wasserstoffbr&uuml;ckenbindungen ausbilden. Der erste Teil dagegen zu unpolaren Molek&uuml;len wie Kohlenwasserstoffen. Je nachdem wie gro&szlig; beide Molek&uuml;lteile sind, desto unterschiedlich sind die Eigenschaften. Ethanol ist z.B. durch die kleine Kette von nur zwei C-Atomen sehr polar und hat nur eine geringe Affinit&auml;t zu Kohlenwasserstoffen, mischt sich aber in jedem Verh&auml;ltnis mit Wasser. t-Butylalkohol mit 4 C-Atomen liegt in den Eigenschaften zwischen Wasser und Benzin und Wachse, das sind Alkohole mit 16 bis 22 C-Atomen, sind von Kohlenwasserstoffen nicht mehr im Verhalten zu unterscheiden. So haben einige Alkohole eine wichtige Bedeutung als L&ouml;sungsmittel wie der Isopropylalkohol. Befinden sich mehrere Alkoholgruppen im Molek&uuml;l, so sind sie stark wasserl&ouml;slich und haben einen hohen Bereich in dem sie fl&uuml;ssig sind. Glykol und Glycerin (mit zwei bzw. drei OH-Gruppen je eine pro C-Atom, werden so als Frostschutzmittel eingesetzt. Auch Kohlenhydrate enthalten Alkoholgruppen. Die wichtigsten Einfachzucker wie Glucose und Fructose 5 OH-Gruppen auf 6 C-Atome sind sind dann schon kristallin. Auch der S&uuml;&szlig;geschmack scheint durch die vielen OH-Gruppen zustande zu kommen, denn auch Glykol und Glycerin schmecken s&uuml;&szlig; (und wurden so schon zur Weinpanscherei verwendet).<\/p>\n<p>Chemisch wichtig ist, dass die OH-Gruppe leicht reagieren kann. So reagiert Natrium mit Ethanol genauso wie mit Wasser und schon milde Oxidationsmittel oxidieren sie zu einer Aldehyd- bzw. Ketogruppe (je nachdem ob sie sich am Molek&uuml;lende oder in der Mitte befindet. Nur Alkohole die beim benachbarten Kohlenstoffatom kein Wasserstoffatom haben sind vor Oxidation gesch&uuml;tzt. Sie k&ouml;nnen das mal ausprobieren. Ein Kupferpfennig der schon oxidiert ist wird in Schnaps eingelegt wieder blank. Von Bedeutung sind einige h&ouml;here Alkohole auch Charakterkomponenten in alkoholischen Getr&auml;nken.<\/p>\n<p>Ich will hier nicht &uuml;ber die Wirkung von Ethanol referieren, weil ich denke, dass ist allgemein bekannt, aber um den Alkoholabbau im menschlichen K&ouml;rper. Er verl&auml;uft &uuml;ber die Oxidation zu Acteldehyd und dann zu Acetyl-Coenzym-A, das in den Zitronens&auml;urezyklus eingebracht wird, einen zentralen Stoffwechselkreislauf des K&ouml;rpers. Der langsamste Schritt ist dabei der erste. Der Abbau findet fast ausschlie&szlig;lich in der Leber statt. Der Acetaldehyd ist giftig. Er kann sich anreichern, wenn andere Substrate um dasselbe Enzym konkurrieren, z.B. Medikamente oder biogene Amine, bzw. selbst die kurzzeitig vorhandene Menge ist gef&auml;hrlich, wenn sie dauernd vorhanden ist, weil die Leber viel Alkohol abbauen muss. Sie hat dann auch Problem das Acetyl-Co in Stoffwechselkreisl&auml;ufe einzuschleusen weil die Leber gar nicht so viel Energie ben&ouml;tigt, wie der Alkohol beim Abbau erzeugt. Sie verkn&uuml;pft dann das Acetyl-Coa zu Fetts&auml;uren und es kommt zur Fettleber. Immerhin ist ein Gro&szlig;teil der Menschehit genetisch gen&uuml;tzt Ethanol schnell abzubauen &#8211; das ist durchaus nicht selbstverst&auml;ndlich, denn die Abbaurate f&uuml;r andere Alkohole ist viel geringer und bestimmte Bev&ouml;lkerungsgruppen wie Asiaten und Indianer haben eine geringere Aktivit&auml;t der Alkoholdehydrogenase.<\/p>\n<p>Bei anderen Alkoholen k&ouml;nnen andere noch giftigere Stoffwechselzwischenprodukte entstehen. So kann Methanol nicht nur in der Leber abgebaut werden, sondern in jeder Zelle. Der beim Abbau entstehende Formaldehyd f&uuml;hrt zur Zerst&ouml;rung der Retina und so zur Erblindung. Methanol entsteht beim Verg&auml;ren der Pektine, so enth&auml;lt Cidre relativ hohe Mengen. Wenn beim Schwarzbrennern der Vorlauf nicht abgetrennt wird (der den niedrig siedenden Methanol enth&auml;lt) so gibt es oft Vergiftungen. Der Kater nach dem Alkoholgenuss wird auch auf h&ouml;here Alkohole zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, da der K&ouml;rper zuerst den Ethanol abbaut und diese noch besser fettl&ouml;slichen Alkohole daher lange in der Blutbahn zirkulieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und schon folgt der n&auml;chste Chemieblog. Heute geht es um Alkohole, von denen jeder zumindest einen Vertreter dieser Stoffgruppe kennt, den Trinkalkohol oder Ethanol. Chemisch gesehen sind Alkohole chemische Verbindungen bei denen bei einem Kohlenwasserstoff ein H-Atom durch eine -OH Gruppe ersetzt wird. In der chemischen Nomenklatur erh&auml;lt der Kohlenwasserstoff die Endung &#8222;ol&#8220;. 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