{"id":5583,"date":"2011-11-28T00:45:05","date_gmt":"2011-11-27T22:45:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5583"},"modified":"2011-11-20T00:46:46","modified_gmt":"2011-11-19T22:46:46","slug":"vom-mars-besessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/11\/28\/vom-mars-besessen\/","title":{"rendered":"Vom Mars besessen"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ist Robert Zubrin. Seit er in den Neunziger Jahren seinen ersten Mars Direct Plan ver&ouml;ffentlichte sind dem weitere gefolgt. Der letzte basiert nun nur auch auf der Nutzung von drei Falcon Heavy (immerhin mit LOX\/LH2 Stufen). Diese w&uuml;rden etwas &uuml;ber 50 t zum Mars schicken &#8211; ungef&auml;hr das was eine Saturn V zum Mond bef&ouml;rderte. Das ist der letzte Tiefpunkt (auch in Masse) seiner Pl&auml;ne. Zum Vergleich geht die NASA von rund 800-1000 t in der Erdumlaufbahn, entsprechend 300-360 t zum Mars entspricht also 6-7 mal mehr aus f&uuml;r ihre Reference Mission.<\/p>\n<p>Zubrin gibt als wesentlichen Grund an, damit k&ouml;nnten Milliarden Dollar gespart werden und das h&ouml;here Risiko w&uuml;rden dann Freiwillige gerne in Kauf nehmen. Ich finde er ist auf einem v&ouml;lligen Holzweg. Ich will mich mal nicht auf das Menschenbild st&uuml;rzen das dahinter steckt, wenn man &#8222;Freiwillige&#8220; braucht f&uuml;r den Marstrip.<!--more--><\/p>\n<p>Der Grundgedanke bei allen Zubrin Pl&auml;nen ist der Startgewicht zu sparen. Dadurch sollen die Missionen billig werden und das ist ein Fehlschluss. Eine Parallele zu Apollo ist leider hier irref&uuml;hrend. Bei Apollo machte die Entwicklung der Saturn V einen Gro&szlig;teil der Entwicklungskosten aus. Es wurde technisches Neuland betreten, sowohl in den Leistungen der Tr&auml;gerrakete wie auch deren Zuverl&auml;ssigkeit mit Rekordwerten f&uuml;r diese Zeit. Das ist heute anders. Das letzte Projekt, das SLS, aber auch die Ares V sollen ja nur schon existierende Komponenten wir SRB und RS-68 Triebwerke einsetzen. Die Entwicklungskosten d&uuml;rften viel &uuml;berschaubarer sein und die Transportkosten auch. Die gro&szlig;e Menge Frachtgut macht z.B. eine kleine Serienproduktion notwendig, daher d&uuml;rften die Startkosten sich an bestehenden Tr&auml;gern orientieren. Und projiziert man die Transportkosten f&uuml;r 1000 t Fracht ausgehend, von denen der Ariane 5, so kommt man auf rund 10 Milliarden Dollar Startkosten. Da eine gro&szlig;e Tr&auml;gerrakete eher preiswerter als eine Kleine ist wird es in der Praxis weniger sein vielleicht eine Zahl zwischen 5 und 10 Milliarden.<\/p>\n<p>Nun sind 10 Milliarden kein Pappenstiel, aber sie werden klein sein verglichen mit den Gesamtprojektkosten. Die ISS kostet rund 135 Milliarden Dollar und sie wiegt nur rund 400 t. Ich denke eine Marsmission wird mindestens &auml;hnlich komplex und &auml;hnlich teuer wie die ISS sein, dass hei&szlig;t also die Transportkosten machen nicht mal einen zweistelligen Prozentbetrag an den Gesamtaufwendungen aus. Wenn man dann davon 5\/6 sparen (beim letzten Zubrin Plan) kann, indem man die Nutzlast stark reduziert, so macht dies eine Einsparung von vielleicht 5% m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Stattdessen sind f&uuml;r Zurbins Pl&auml;ne Neuentwicklungen n&ouml;tig, die zwar prinzipiell m&ouml;glich sind, aber noch v&ouml;llig unerprobt. So basiert sein Mars Direct Plan darauf, dass der Treibstoff f&uuml;r den R&uuml;ckflug auf dem Mars hergestellt wird. Das technische Prinzip: Aus Wasserstoff wird in einem chemischen Prozess durch das Kohlendioxid der Marsatmosph&auml;re Methan und Sauerstoff hergestellt. Auch wenn das technische Prinzip auf der Erde gut funktioniert, ist noch nicht gesagt ob es auf dem Mars (mit starken Temperaturschwankungen, d&uuml;nner Atmosph&auml;re, Staubst&uuml;rmen und Spurengasen, die Probleme bei den Prozessen machen, genauso funktioniert. dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen gro&szlig;e Mengen an kryogenen Gasen &uuml;ber Jahre hinweg fl&uuml;ssig gehalten werden (vor allem der Wasserstoff der zum Mars gebracht wird) und es wird als Stromversorgung ein Nuklearreaktor ben&ouml;tigt &#8211; ach ja den gibt es auch noch nicht.<\/p>\n<p>Das ignoriert eine Grundregel bemannter Missionen: eingesetzt wird nur was erprobt und absolut sicher ist. Nehmen wir Apollo. Die Antriebe, die nicht versagen d&uuml;rften, setzten alle lagerf&auml;hige, hypergole Treibstoffe ein. Bei der Landef&auml;hre sogar nur druckgef&ouml;rdert. Zuverl&auml;ssig, erprobt, einfach (keine Z&uuml;ndung, keine Turbopumpe n&ouml;tig). Die Kapseln und ihr Hitzeschutzschild wurden unbemannt erprobt, das Schildmaterial sogar extra auf Scouts (FIRE). Die Kopplung, Eva Arbeiten, Z&uuml;ndungen und Lageregelungen wurden beim Gemini-Programm in 10 Missionen erprobt, das Raumschiff selbst bei Apollo in den ersten vier bemannten Missionen. Brennstoffzellen und Computer bei Gemini, Stromversorgung ansonsten mit Batterien &#8211; da findet sich zwar viel evolution&auml;r weiterentwickeltes, aber nur wenig wirklich neues.<\/p>\n<p>Okay und nun fahren wir auf den Mars, nehmen dort eine Treibstofffabrik und Nuklearreaktor in Betrieb und hoffen es klappt auch? Forget it. Die Entwicklung dieser Technologien zu den Sicherheitsstandards, die &uuml;blich sind wird so teuer werden, dass sie leicht jeden Kostenvorteil bei den Transportkosten einsparen w&uuml;rden, denn das einzige, was man heute schon von einem Marsprojekt umsetzen k&ouml;nnte, w&auml;re die Tr&auml;gerrakete. Wir brauchen ja nur eine Schwerlastrakete, keinen besonders zuverl&auml;ssigen bemannten Tr&auml;ger, denn es sind viele unbemannte Fl&uuml;ge mit Treibstofftanks und Modulen n&ouml;tig bis eines zum Mars aufbrechen kann. Da es sicher mehr als eine Expedition geben wird muss bei einem Fehlstart dann eben ein Ersatzmodul oder Ersatztreibstofftank gestartet.<\/p>\n<p>Es geht sogar, wie ich schon mal ausgef&uuml;hrt habe, noch einfacher. Der Trick dabei ist, dass von 100 t die im Erdorbit von einer Schwerlastrakete bef&ouml;rdert werden nur 42 t auf einen Marskurs kommen (Geschwindigkeitsdifferenz 3800 m\/s, Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit der Kickstufe von 4400 m\/s). Davon sind 36 t Nutzlast, 6 t die ausgebrannte leere Stufe. Also es erreicht nur ein Drittel den Mars. den meisten Treibstoff der ganzen Expedition braucht man f&uuml;r dieses Man&ouml;ver. Es ist aber durch 3-4 Starts ersetzbar, bei der nur der erste die Nutzlast in einen Erdorbit bringt. Die anderen sind reine Stufen, mit Treibstoff, welche sie in eine immer h&ouml;here Bahn bef&ouml;rdert. Erst der letzte transportiert dann die Nutzlast zum Mars. Das bestechende daran: Man ben&ouml;tigt nun keine Tr&auml;gerrakete der 150-200 t Klasse mehr, sondern nur eine mit 50 t Maximalnutzlast. Diese ist durch Clusterung aus den bisherigen Typen erreichbar. Boeing und Lockheed-Martin haben solche Entw&uuml;rfe f&uuml;r ihre Delta IV und Atlas V ausgearbeitet und ich habe auch schon Ariane 5 Versionen mit 50 t LEO Nutzlast in Ver&ouml;ffentlichungen gesehen. Diese Tr&auml;ger k&ouml;nnten &uuml;ber die ganze Programmlaufzeit gefertigt werden, weil erst der letzte Start die Nutzlast zum Mars bringt. Bei 8 gefertigten Tr&auml;gern pro Jahr (eine St&uuml;ckzahl die heute Ariane 5 und Proton erreichen) k&ouml;nnen in den 26 Monaten zwischen zwei Startfenstern z.b. 18 Tr&auml;ger der 50 t Klasse gefertigt werden, was 900 t LEO Nutzlast entspricht und so einer typischen Marsmission &#8211; ohne gro&szlig;en Aufwand f&uuml;r eine dezidierte Tr&auml;gerrakete.<\/p>\n<p>Ich verstehe nicht warum Zubrin so aufwendige L&ouml;sungen wie die Treibstoffproduktion oder den R&uuml;ckstart des ganzen Habitats vom Mars propagiert (anstatt einer kleinen Kapsel die viel weniger Treibstoff erfordert), anstatt ofensichtliche L&ouml;sungen zur Reduktion der Programmkosten anzugehen. Auch nicht nachzuvollziehen ist seine vollst&auml;ndige Ablehnung von Ionentriebwerken, die immerhin einen Reifegrad haben in dem sie zumindest unterst&uuml;tzend eingesetzt werden k&ouml;nnen (z.B. zur Reduktion der Reisezeit, als Zusatz zum chemischen Treibstoff) und daf&uuml;r als Ersatz einen hypothetischen Antrieb, die nukleare Salzwasserrakete propagiert, die nur auf dem Papier funktioniert. Irgendwie scheint er von seinen Konzepten besessen zu sein ohne Alternativen &uuml;berhaupt in Betracht zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist Robert Zubrin. Seit er in den Neunziger Jahren seinen ersten Mars Direct Plan ver&ouml;ffentlichte sind dem weitere gefolgt. Der letzte basiert nun nur auch auf der Nutzung von drei Falcon Heavy (immerhin mit LOX\/LH2 Stufen). 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