{"id":5695,"date":"2011-12-16T00:37:14","date_gmt":"2011-12-15T23:37:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5695"},"modified":"2011-12-15T11:38:52","modified_gmt":"2011-12-15T10:38:52","slug":"wie-rund-kann-ein-himmelskorper-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/12\/16\/wie-rund-kann-ein-himmelskorper-sein\/","title":{"rendered":"Wie rund kann ein Himmelsk&ouml;rper sein?"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal eine astronomische Frage: Ab welcher Gr&ouml;&szlig;e ist ein Himmelsk&ouml;rper rund? Jeder kennt ja einige unregelm&auml;&szlig;ig geformte Himmelsk&ouml;rper: Die Marsmonde Deimos und Phobos, die Asteroiden Gaspra, Ida, Mathilde und Eros. Und es gibt auch runde wie die Erde, Venus, Mars, Merkur, der Mond. Auff&auml;llig ist das die Runden eher gro&szlig; sind und die unregelm&auml;&szlig;ig geformten eher klein. Gibt es da einen Zusammenhang?<\/p>\n<p>Da bei einem Gastbeitrag schon in den Kommentaren die Rede war, er passe nicht zu diesem &#8222;wissenschaftlichen&#8220; Blog aber zuerst mal die wissenschaftliche Kl&auml;rung einer Frage: Wann sprechen wie von rund? Doch zuerst noch meinen Senf zu dem Kommentar: Der Blog ist <strong>nicht wissenschaftlich,<\/strong> es ist meine Meinung oder eben die von Gastautoren und wenn auch Wissen vermittelt wird, dann um so besser. Das muss aber nicht sein. Aber schon aufgrund der Tatsache dass jeden Tag einer erscheint, kann man ableiten dass es keine Wissenschaft sein kann, weil ich niemals die Zeit h&auml;tte, alles haarklein zu recherchieren. Diese Fehleinsch&auml;tzung ist &uuml;brigens auch in dem Forum, dass ich unter dem Blog &#8222;<a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/12\/10\/neid\/\">Neid<\/a>&#8220; erw&auml;hnte vorherrschend. Die diskutieren &uuml;ber meine Blogs auch als w&auml;ren es Nachrichten&#8230;.<!--more--><\/p>\n<p>Aber zur&uuml;ck zur Frage. &#8222;rund&#8220; bedeutet eigentlich, dass die Abweichungen von der idealen Kugelgestalt minimal sind. Also egal welchen Schnitt ich durch den Himmelsk&ouml;rper mache und die durch den Mittelpunkt geht &#8211; die Abweichungen der Durchmesser sollten minimal sein. &Uuml;berlegt man sich dies genauer, so kommt man auf die atomare Ebene als Grenze. &#8222;Rund&#8220; w&uuml;rde dann bedeuten, dass die Abweichungen dieser Schnitt nicht mehr als einen Atomdurchmesser betragen d&uuml;rfen oder anders gesagt &#8211; ein Atom darf nicht mehr als einen halben Atomdurchmesser nach oben oder unten von der idealen Form abweichen. Bei mehr als einem halben Atomdurchmesser k&ouml;nnte ich es entfernen (steht hervor) oder die L&uuml;cke auff&uuml;llen und ich erhalte eine noch bessere Ann&auml;herung an die ideale Form. Wir sind &uuml;brigens heute soweit, dass wir diese Genauigkeit erreichen k&ouml;nnen. Spiegel f&uuml;r die EUV-Lithographie m&uuml;ssen auf wenige Atomdurchmesser genau geschliffen sein und das Avogadroprojekt, das die letzte SI-Einheit die noch nicht auf einer Naturkonstante beruht, arbeitet an einer Siliziumkugel mit einer festen Anzahl an Atomen. Neben anderen Reinheitsanforderungen muss nat&uuml;rlich auch diese Kugel sehr genau geschliffen sein &#8211; 30 nm werden da heute erreicht.<\/p>\n<p>Nur ist das eine ideale Annahme. Kein Himmelsk&ouml;rper, wahrscheinlich nicht mal Neutronensterne werden so dem Ideal entsprechen. Daher nehme ich mal als rund ein viel praktischeres Kriterium. Fast jeder, der den Saturn sieht bemerkt, dass er nicht rund ist. Hier betr&auml;gt der Unterschied\u00a0 zwischen Pol- und &Auml;quatordurchmesser 10,85%. Bei Jupiter, bei dem der Unterschied nur 6,9% bemerken dies nicht mehr alle. Also soll mal pragmatisch gelten: &#8222;rund&#8220; bedeutet weniger als 6% Abweichung zwischen gr&ouml;&szlig;ter und kleinster Achse durch den Himmelsk&ouml;rper. Bei der Erde sind es &uuml;brigens 0,3%.<\/p>\n<p>Warum ist ein Himmelsk&ouml;rper rund? Das ist eigentlich nicht selbstverst&auml;ndlich. Wir gehen heute davon aus, dass alle K&ouml;rper durch Kollisionen kleinerer K&ouml;rper entstehen. Das beginnt mit Staub, dann St&uuml;cken von Ballgr&ouml;&szlig;e, &uuml;ber hausgro&szlig;e bis hin zu Protoplaneten, welche die kleineren &#8222;einsammeln&#8220;. Gro&szlig;e Himmelsk&ouml;rper erhitzen sich durch die Einschl&auml;ge stark. Zum einen sind die viel h&auml;ufiger als bei den kleinen und jeder Einschlag f&uuml;hrt durch die Bewegungsenergie zur Erw&auml;rmung. Zum anderen ist ihre Oberfl&auml;che im Verh&auml;ltnis zum Volumen kleiner und sie geben so weniger Energie ab. Die Erde ist heute noch im Inneren fl&uuml;ssig. Mond und Mars sind es heute nicht mehr, sie sind schon zu klein. Bei der Venus weis man es nicht und bei Merkur wird auch ein fl&uuml;ssiger kleiner Kern vermutet, der sich wahrscheinlich halten konnte, weil die Oberfl&auml;chentemperatur mit bis zu 400\u00b0C viel h&ouml;her ist und so die Abstrahlung geringer ist.\u00a0 Nun formen sich Fl&uuml;ssigkeiten von alleine zu Kugeln, da dann die Gravitation an der Oberfl&auml;che &uuml;berall gleich gro&szlig; ist. Bei kleinen Himmelsk&ouml;rpern ist zum einen die Gravitation an der Oberfl&auml;che viel kleiner, zum anderen k&uuml;hlen sie schnell aus und gro&szlig;e Einschl&auml;ge f&uuml;hren eher zur Zertr&uuml;mmerung was eine unregelm&auml;&szlig;ige Form beg&uuml;nstigt.<\/p>\n<p>So ist zum einen einmal die kugelf&ouml;rmige Form gro&szlig;er K&ouml;rper begr&uuml;ndbar, die unregelm&auml;&szlig;ig kleiner. Das ganze hat aber auch noch einen anderen Aspekt, der zeigt sich wenn das Material abk&uuml;hlt, also sich eine Kruste bildet. Denn auch dann kann es noch zu &#8222;Unrundungen&#8220; kommen. Es gibt noch Einschl&auml;ge, die Krater mit Zentralbergen schlagen, und durch tektonische Aktivit&auml;ten kann es Gebirgsketten oder Vulkane geben. Auf der Erde kann es keine viel gr&ouml;&szlig;eren Berge als 10-12 km H&ouml;he geben. Ab dieser Grenze (je nach Gestein) dr&uuml;ckt die Masse so stark auf die nach unten hin immer hei&szlig;er werdenden Gesteine, dass dieser Druck und die entstehende Reibung zur Verfl&uuml;ssigung des Gesteins an der Basis f&uuml;hren. Die Grenze ist abh&auml;ngig von der Gravitationskraft, der Art des Gesteins und den inneren Aufbau. Auf dem Mars, wo die Gravitation kleiner ist und der ganze Mantel fest ist, konnten Vulkane bis zu 27 km H&ouml;he entstehen.<\/p>\n<p>Schauen wir ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem so bestehen die &auml;u&szlig;eren Schichten der Monde aus Eis &#8211; das verfl&uuml;ssigt sich weitaus fr&uuml;her als Gestein, hat aber auch eine geringere Dichte und so sind auch relativ kleine Himmelsk&ouml;rper rund. Selbst riesige Einschlagskrater, wie der Herschel Krater auf Mimas f&uuml;llen sich bis auf kleine Reste des Zentralbergs und Walls auf. Nur Iapetus schm&uuml;ckt ein bis zu 20 km breiter und 13 km hoher Bergr&uuml;cken. Wirken auf einen Mond, dessen &auml;u&szlig;ere Schicht aus Eis besteht, laufend Kr&auml;fte ein, wie dies die Gezeitenkr&auml;fte bei Europa sind, so wird er erstaunlich glatt &#8211; auch wenn den Mond viele Rillen als Folge der Kr&auml;fte zieren, so ist die Oberfl&auml;che doch nahezu kraterfrei und &Auml;quator- und Poldurchmesser sind fast gleichgro&szlig;.<\/p>\n<p>Beide Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten haben eine Grenze: Ab rund 400 bis 500 km Durchmesser ist bei Himmelsk&ouml;rpern oft die Abweichung von der Kreisform zu sehen. Beispiele bei den Eismonden sind Miranda (mit zwar kugelf&ouml;rmiger Gestalt aber starken Erhebungen und tiefen T&auml;lern) und bei des Gesteinsk&ouml;rpern ist dies Vesta (kleinster Durchmesser: 448 km, gr&ouml;&szlig;ter 560 km). Je kleiner ein Himmelsk&ouml;rper wird, desto extremer kann er sein. Radarvermessungen von Asteroiden, welche an der Erde vorbeiflogen, zeigten schon dass die gr&ouml;&szlig;ere Achse doppelt so gro&szlig; wie die kleinste ist.<\/p>\n<p>Ein letzter Faktor ist noch die Rotation. Sie bewirkt eine weitere konstante Kraft, die Zentrifugalkraft die zus&auml;tzlich wirkt. Sie ist am gr&ouml;&szlig;ten am &Auml;quator und bei allein Planeten, welche einmal fl&uuml;ssig waren und die schnell rotieren ist der &Auml;quatorradius h&ouml;her als der Polradius wie folgende Tabelle zeigt:<\/p>\n<table cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>Planet<\/th>\n<th>Rotationsperiode<\/th>\n<th>Abplattung<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Merkur<\/td>\n<td>59 Tage<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Venus<\/td>\n<td>243 Tage<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Erde<\/td>\n<td>1 Tag<\/td>\n<td>0.003<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Mars<\/td>\n<td>1 Tag<\/td>\n<td>0.006<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Noch ausgepr&auml;gter ist das Ph&auml;nomen bei Gasplaneten, da Gas ja viel einfacher als Fl&uuml;ssigkeit den Kr&auml;ften folgen kann. Bei allen Gasplaneten ist der &Auml;quatordurchmesser deutlich gr&ouml;&szlig;er als der Poldurchmesser. Am h&ouml;chsten ist er bei Saturn. Das ist leicht erkl&auml;rbar: Die Zentrifugalkraft ist proportional der Distanz zum Zentrum und der Masse in dieser Entfernung, aber quadratisch zu der Rotationsgeschwindigkeit. Saturn rotiert nur wenig langsamer als Jupiter, hat aber nur ein Drittel der Masse. Die Gravitationskraft ist daher an der Oberfl&auml;che nur ein Drittel der von Jupiter, die Zentrifugalkraft aber fast gleich gro&szlig; (die Masse auf die sie wirkt ist ja nur die Masse in diesem Abstand, nicht die Gesamtmasse).<\/p>\n<p>Auch bei der Sonne weichen &Auml;quatorialradius und Polradius ab. Man kann so leicht postulieren, welches die &#8222;rundesten&#8220; K&ouml;rper sein m&uuml;ssten &#8211; das sollten alte Neutronensterne sein. Junge Neutronensterne rotieren sehr schnell, in wenigen Millisekunden um ihre Achse. alte dagegen in Sekunden oder noch l&auml;nger (danach werden sie mit Radioteleskopen nicht mehr detektierbar und optisch sind sie zu lichtschwach). ebenso sind gute Kandidaten wei&szlig;e Zwerge. Also alle Himmelsk&ouml;rper die sehr dicht sind. Wenn man schwarze L&ouml;cher mit dazu z&auml;hlen kann, dann sind sie wohl am &#8222;rundesten&#8220;. Nur wird es schwer das auszumessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal eine astronomische Frage: Ab welcher Gr&ouml;&szlig;e ist ein Himmelsk&ouml;rper rund? Jeder kennt ja einige unregelm&auml;&szlig;ig geformte Himmelsk&ouml;rper: Die Marsmonde Deimos und Phobos, die Asteroiden Gaspra, Ida, Mathilde und Eros. Und es gibt auch runde wie die Erde, Venus, Mars, Merkur, der Mond. 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