{"id":5873,"date":"2012-02-01T00:48:24","date_gmt":"2012-01-31T23:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5873"},"modified":"2012-01-25T21:50:25","modified_gmt":"2012-01-25T20:50:25","slug":"unbemannte-marsbodenprobengewinnung-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/02\/01\/unbemannte-marsbodenprobengewinnung-teil-4\/","title":{"rendered":"Unbemannte Marsbodenprobengewinnung: Teil 4"},"content":{"rendered":"<p>Im n&auml;chsten Teil will ich nun die Mission selbst skizzieren. Wir haben zwei Starts &#8211; den einer Atlas mit dem kleineren Rover, der die Bodenproben sammelt und den einer Delta Heavy oder Ariane 5 ECA, mit dem eigentlichen Gef&auml;hrt zur Bodenprobengewinnung. Letzteres braucht, damit es nicht nur wenige Kilogramm Gestein sind, die Tr&auml;ger mit der gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Nutzlast. Das w&auml;re nach derzeitigem Stand die Delta IV Heavy mit 7,5 bis 8 t t zum Mars.<\/p>\n<p>Da zwei Tr&auml;ger involviert sind, kann man beide gleichzeitig starten, und beide auf dieselbe Route schicken. Sonst m&uuml;sste man f&uuml;r einen ein Typ-I und das Zweite ein Typ-II Startfenster w&auml;hlen. Der Rover muss nicht abbremsen. Er kann, wenn m&ouml;glich auf einer schnelleren Route zum Mars fliegen. So kann man ihn schon durchchecken, bevor die R&uuml;ckkehrstufe landet. Er kann schon vor der Ankunft der Landestufe Bodenproben gewinnen.<!--more--><\/p>\n<p>Wenn sich die Letztere nach 7-10 Monaten dem Mars n&auml;hert, trennt der Bus die Landestufe ab und bremst sich selbst in einen niedrigen Orbit ein. Denkbar w&auml;re einer von 300 x 33.800 km. Dieser hat eine Umlaufszeit von 24 Stunden 40 Minuten, es ist ein geosynchroner Orbit um den Mars. Der Vorteil ist, dass der Orbiter nahe des Apog&auml;ums vom Lander aus &uuml;ber Stunden kaum bewegt, was die Daten&uuml;bertragung sehr gro&szlig;er Datenmengen ohne eine hochb&uuml;ndelnde Antenne erm&ouml;glicht. Eine Mittelgewinnantenne reicht aus. Zudem gibt es dann f&uuml;r den R&uuml;ckstart ein Startfenster pro Tag.<\/p>\n<p>Die Landestufe wird nicht viel anders Viking landen: Zuerst abgebremst durch den Schutzschild, dann dessen Fallschirm, auf den letzten 1000 m dann durch die eigenen Triebwerken, gesteuert durch einen Radarh&ouml;hen- und Geschwindigkeitsmesser. Sie ist dann weitgehend inaktiv. Sie sendet nur Panoramen des Landeplatzes und Wetterberichte zur Erde.<\/p>\n<p>Aktiv ist dagegen der Lander, der rund 500 Tage Zeit hat, m&ouml;glichst viele Bodenproben zu sammeln. Er bewahrt sie auf den Beh&auml;ltern mit Raster auf dem Deck auf. Himmelsmechanisch muss nach 500 bis 550 Tagen der R&uuml;ckstart erfolgen, sodass die reale Sammelzeit eher kleiner ist, schlie&szlig;lich braucht man Reservezeit und muss um Orbit noch ankoppeln. Zum Ende hin l&auml;dt er einen Beh&auml;lter nach dem n&auml;chsten um, den gr&ouml;&szlig;ten nach unten, den kleinsten oben. Er entfernt sich vor dem Start, um diesen zu filmen. Zuletzt wird die Fixierung der T&uuml;r durchtrennt, sie schwenkt zur&uuml;ck und verschlie&szlig;t die Kapsel mit den Bodenproben und die Tanks werden unter Druck gesetzt. Die R&uuml;ckstartstufe startet in einen Orbit, denselben wie ihn der Bus innehat. Dort ist sie passiv. Solarzellen auf der Oberfl&auml;che reichen gerade aus, um Strom f&uuml;r ein Peilsignal und Leuchtfeuer zu gewinnen. Der Bus sowie ein anderer Orbiter fangen das Peilsignal auf. Sie k&ouml;nnen durch St&auml;rke, Dopplerverschiebung und Abstand zwischen den Impulsen jeweils den Abstand und die relative Geschwindigkeit bestimmen. Mit den\u00a0 Daten von zwei Orbitern kann so die r&auml;umliche Position relativ zum Bus ermittelt werden, wobei auch die Erde Unterst&uuml;tzung liefern kann. Dies liefert die notwendigen Korrekturen der Bahn des Busses. Wenn er sich bis auf wenige Kilometer der Kapsel gen&auml;hert hat, k&ouml;nnen Nahbereichssensoren aktiviert werden. Die Lichtblitze k&ouml;nnen, wenn sie monochromatisch sind von Kameras genutzt werden, um die r&auml;umliche Lage der Kapsel festzustellen. Das Radar liefert Daten &uuml;ber Abstand und Geschwindigkeit. Zum Schluss kommt die Kopplung zustande, wenn Sensoren in den offenen Krallen einen Kontakt signalisieren, dann schlie&szlig;en diese sich und fixieren die Kapsel.<\/p>\n<p>Nun z&uuml;ndet im\u00a0 marsn&auml;chsten Punkt das Triebwerk des Busses erneut und die Kombination macht sich auf den Weg zur&uuml;ck zur Erde. Dort &ouml;ffnet sich die Kralle und die Kapsel landet gesch&uuml;tzt durch den Hitzeschutzschild weich, w&auml;hrend der Bus beim Eintritt in die Atmosph&auml;re vergl&uuml;ht. Drucksensoren f&uuml;hren zur &Ouml;ffnung von Fallschirmen, welche die Landegeschwindigkeit begrenzen und sp&auml;ter zum Aufblasen von Airbags. Dazu muss der hintere Teil der Kapsel abgetrennt werden.<\/p>\n<p>Der Rover kann nun zu einer erweiterten Mission aufbrechen. Er kann nun auch Instrumente f&uuml;r eine direkte Analyse nutzen, die vorher aus zeitlichen Gr&uuml;nden nicht m&ouml;glich war, bzw. deren Zug&auml;nge\u00a0 durch die Probenbeh&auml;lter blockiert werden. Alternativ kann man seine Mobilit&auml;t nutzen, um auf dem Mars zu fernen Zielen aufzubrechen. Wenn er, wie ich schrieb, tats&auml;chlich 1,6 km am Tag zur&uuml;cklegt, sollte er in einem Marsjahr bis zu 1000 km zur&uuml;cklegen. Gelingt es. ihn auf langsame Fu&szlig;g&auml;ngergeschwindigkeit (4 km\/h) zu beschleunigen, so kann er an einem Tag 32 km zur&uuml;cklegen und in einem Marsjahr jedes Ziel auf dem Mares erreichen, selbst wenn es auf der entgegengesetzten Seite des Planeten liegt.<\/p>\n<p>Das w&auml;re in meinen Augen die beste L&ouml;sung, wenn es um das Nehmen von gezielten Marsproben geht. Es sind nat&uuml;rlich auch andere L&ouml;sungen denkbar. Die, mit dem technisch geringsten Aufwand, was die Entwicklung neuer Technologien und Risiken angeht, ist es direkt zu Landen, keinen Rover zum Sammeln der Bodenproben einzusetzen, sondern sie &uuml;ber einen Bohrer oder Greifer vor Ort zu gewinnen. Dann macht sich der (relativ kleine) Beh&auml;lter mit einem Miniorbiter zur&uuml;ck zur Erde.<\/p>\n<p>Diese Vorgehensweise spart nat&uuml;rlich den teueren Rover ein, auch gibt es kein riskantes Kopplungsman&ouml;ver im Orbit. Die Nachteile sind aber auch offensichtlich. Die Bodenprobe stammt vom Landeort &#8211; sie ist nicht ausgesucht. Wenn man Pech hat, ist es langweiliger Sand. Sie ist nicht selektiver als die Marsmeteoriten, die wir schon haben und die man umsonst bekommt. Die Menge ist zudem viel kleiner, da nun auch der ganze Treibstoff zum Verlassen des Mars und der Orbiter von der Marsoberfl&auml;che aus mit bef&ouml;rdert werden. Die Kapsel w&auml;re so sehr klein, vielleicht so gro&szlig; wie die von Phobos-Grunt (8 kg) und die Menge an Bodenproben sicher auf 1-2 kg beschr&auml;nkt.<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im n&auml;chsten Teil will ich nun die Mission selbst skizzieren. Wir haben zwei Starts &#8211; den einer Atlas mit dem kleineren Rover, der die Bodenproben sammelt und den einer Delta Heavy oder Ariane 5 ECA, mit dem eigentlichen Gef&auml;hrt zur Bodenprobengewinnung. 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