{"id":5914,"date":"2012-02-15T00:07:33","date_gmt":"2012-02-14T23:07:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5914"},"modified":"2012-02-05T10:09:08","modified_gmt":"2012-02-05T09:09:08","slug":"bahnberechnungen-teil-1-geschwindigkeiten-und-orbitanderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/02\/15\/bahnberechnungen-teil-1-geschwindigkeiten-und-orbitanderungen\/","title":{"rendered":"Bahnberechnungen Teil 1: Geschwindigkeiten und Orbit&auml;nderungen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habs zwar schon mal ausf&uuml;hrlich in meiner Website, aber ich schneide es mal im Blog an, auch weil ich dann wieder einen kleinen F&uuml;ller habe. Das wichtigste zuallererst: Da alle Bahnen im dreidimensionalen Raum verlaufen, sind in Wirklichkeit alle Man&ouml;ver Geschwindigkeitsvektoren, die sich zu den Bewegungsvektoren addieren. Ohne genaue Kenntnis des Bewegungsvektors und des Geschwindigkeitsvektors ist so die Bahn nicht bestimmbar. Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn beide Vektoren in derselben Richtung liegen, also man in die Flugrichtung beschleunigt oder abbremst. Auf diesen Spezialfall, der aber trotzdem der h&auml;ufigste ist, wollen wir uns konzentrieren.<!--more--><\/p>\n<p>Die Geschwindigkeit an einem beliebigen Punkt x in einer Umlaufbahn ist berechenbar nach:<\/p>\n<p><strong>v=Sqrt(GM \u00d7 ((2 \u00f7 x)-(1 \u00f7 Halbachse)) <\/strong><\/p>\n<p>Sqrt: Quadratwurzel<\/p>\n<p>x: Position in m (gerechnet vom Erdmittelpunkt aus)<\/p>\n<p>GM: Produkt aus Gravitationskonstante und Masse der Erde 3.987&#215;10<sup>14<\/sup>. m\u00b3\/s<\/p>\n<p>Halbachse: (Kleinster Abstand der Bahn + gr&ouml;&szlig;er Abstand der Bahn)\/2 (jeweils gerechnet zum Erdmittelpunkt in Metern).<\/p>\n<p>F&uuml;r eine Kreisbahn ist bei jeder Position x die Geschwindigkeit gleich. Bei einer elliptischen Bahn ist sie am h&ouml;chsten beim erdn&auml;chsten Punkt der Bahn und am niedrigsten beim erdfernsten Punkt. Nehmen wir die Berechnung mit einem mittleren Erdradius von 6371000 m f&uuml;r einen GTO Orbit (200 x 35943 km) Dann betr&auml;gt die Geschwindigkeit im erdn&auml;chsten Punkt der Bahn 10242 m\/s und im erdfernsten sind es 1592 m\/s (die Berechnungen erfolgen bei mir mit einem Programm mit genauen, nicht gerundeten Werten, so k&ouml;nnen ihre Resultate leicht anders sein).<\/p>\n<p>Gegen&uuml;ber den Werten f&uuml;r kreisf&ouml;rmige Bahnen (200 km kreisf&ouml;rmig und 35943 km kreisf&ouml;rmig) fallen die Unterschiede auf:<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>GTO-Bahn<\/th>\n<th>Kreisbahn<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>200 km H&ouml;he<\/td>\n<td>7784 m\/s<\/td>\n<td>10242 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>35943 km<\/td>\n<td>3069 m\/s<\/td>\n<td>1592 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das gibt vor wie man zwischen zwei Bahnen die &Uuml;berg&auml;nge macht. Nehmen wir an, wir befinden uns zuerst in einer Kreisbahn in 200 km H&ouml;he. Beschleunigt man nun hier um 2399 m\/s (die Differenz zu 10242 m\/s), so weitet sich die Bahn auf und erreicht ein Apog&auml;um in 35943 km H&ouml;he. Dort angekommen ist man zu langsam. Beschleunigt man nun um 1477 m\/s, so erreicht man die Kreisbahngeschwindigkeit und die Bahn wir kreisf&ouml;rmig. Bei kleineren Ver&auml;nderungen, sagen wir nur 500 m\/s wird bei einer Z&uuml;ndung im Apog&auml;um das Perig&auml;um angehoben und bei einer Z&uuml;ndung im Perig&auml;um das Apog&auml;um angehoben. Will man die Werte erniedrigen, so muss man gegen die Bewegungsrichtung z&uuml;nden. Alle anderen Zeitpunkte bewirken, dass eine Z&uuml;ndung immer Apog&auml;um und Perig&auml;um gleichzeitig beeinflussen.<\/p>\n<p>Diese Gesetzm&auml;&szlig;igkeit kann man auch bei Stufen sehen, die nach Erreichen der Kreisbahngeschwindigkeit noch sehr lange arbeiten. So was ist z.B. bei der Aestus-Oberstufe der Fall gewesen. Sie steigen dann durch das Aufweiten der Bahn schon w&auml;hrend der Z&uuml;ndung in die H&ouml;he und dieser Betrieb in gr&ouml;&szlig;erer Erdferne f&uuml;hrt zum Anheben der Perig&auml;ums. Das ist energetisch unerw&uuml;nscht, da es Hubarbeit ist die f&uuml;r den Treibstoff mit verrichtet wird. Die Aestus-Oberstufe hatte so GTO-Bahnen mit einem Perig&auml;um von 500 bis 600 km H&ouml;he. Bei der ESC-A sind es nur 250 km H&ouml;he und bei der alten Ariane 4, bei der nur ein kleiner Teil der Betriebszeit der Oberstufe f&uuml;r das Aufweiten der Ellipse entfiel, waren es nur 200 km.<\/p>\n<p>Eine interessante Tatsache ist, dass die beiden Z&uuml;ndungen im Apog&auml;um und Perig&auml;um zusammen nur 3876 m\/s Geschwindigkeit zum Addieren sind, w&auml;hrend die Differenz in den Kreisbahngeschwindigkeiten 4715 m\/s betr&auml;gt. Dieser &#8222;Zweiimpuls&uuml;bergang&#8220; ist also energetisch g&uuml;nstiger als der direkte Transfer, der schon wegen der langen Flugzeit von 5 Stunden bis zum Apog&auml;um problematisch ist.<\/p>\n<p>Raketen die nicht diese Zweiimpulstransfers durchf&uuml;hren k&ouml;nnen wie die Ariane 1-5 (mit Ausnahme der Ariane 5 ES), weil die Oberstufe nicht wiederz&uuml;ndbar ist, haben daher oft starke Nutzlasteinbu&szlig;en, wenn eine h&ouml;here Bahn erreicht werden soll. Denn dann muss die Aufstiegsbahn so gelegt werden, dass die letzte Stufe auf der Zielbahnh&ouml;he noch arbeitet, sonst erreicht man keine kreisf&ouml;rmige Bahn in dieser H&ouml;he. Ansonsten wird um die Hubarbeit f&uuml;r den Treibstoff zu begrenzen die H&ouml;he auf ein Ma&szlig; begrenzt bei dem die Nutzlast innerhalb weniger Orbits nicht mehr in die Atmosph&auml;re eintritt also meistens &gt;160 km aber &lt;250 km.<\/p>\n<p>&Uuml;bermorgen geht es dann an Inklinations&auml;nderungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habs zwar schon mal ausf&uuml;hrlich in meiner Website, aber ich schneide es mal im Blog an, auch weil ich dann wieder einen kleinen F&uuml;ller habe. Das wichtigste zuallererst: Da alle Bahnen im dreidimensionalen Raum verlaufen, sind in Wirklichkeit alle Man&ouml;ver Geschwindigkeitsvektoren, die sich zu den Bewegungsvektoren addieren. Ohne genaue Kenntnis des Bewegungsvektors und des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[886,1297,197],"class_list":["post-5914","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-geschwindigkeit","tag-gto","tag-orbit","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":812,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18956,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/09\/19\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-bahnen\/","url_meta":{"origin":5914,"position":0},"title":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Bahnen","author":"Bernd Leitenberger","date":"19.09.2026","format":false,"excerpt":"Im heutigen Teil des Grundlagen\u2011Kurses geht es um den Teil, der am meisten mit Mathematik verkn\u00fcpft ist und wo es nur wenige einfache Gleichungen gibt. 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