{"id":6031,"date":"2012-03-10T00:36:10","date_gmt":"2012-03-09T23:36:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6031"},"modified":"2012-03-04T16:38:26","modified_gmt":"2012-03-04T15:38:26","slug":"wie-funktionieren-raketen-mit-aktiver-treibstoffforderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/03\/10\/wie-funktionieren-raketen-mit-aktiver-treibstoffforderung\/","title":{"rendered":"Wie funktionieren Raketen mit aktiver Treibstofff&ouml;rderung?"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal ein Blog auf einfachem Niveau. Es geht um die prinzipielle Funktionsweise eines Raketentriebwerks mit Pumpenf&ouml;rderung. Zuerst einmal wof&uuml;r braucht man sie? Bei einer Rakete mit fl&uuml;ssigem Treibstoff muss dieser in die Brennkammer gelangen. Man k&ouml;nnte nun meinen, das geht doch mit der Schwerkraft, bzw. sobald das Triebwerk l&auml;uft gibt es eine Beschleunigung, welche den Treibstoff in die Leitungen presst. Also braucht man nur gen&uuml;gend gro&szlig;e Leitungen und das Problem ist erledigt. Das Problem ist nur, dass in der Brennkammer durch die Verbrennung ein hoher Druck herrscht. Der Treibstoff wird gasf&ouml;rmig und vergr&ouml;&szlig;ert so sein Volumen rapide. Er muss auch herrschen, denn ohne hohen Druck gibt es keinen Schub (der Schub berechnet sich nach Austrittsfl&auml;che bei dem D&uuml;senhals x Druck &#8211; w&uuml;rde man mit kleinem Druck arbeiten, so br&auml;uchte man sehr gro&szlig;e Triebwerke.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nun kann man die Tanks unter Druck setzen. Der Tankdruck muss dann gr&ouml;&szlig;er als der Brennkammerdruck sein. Doch dem sind Grenzen gesetzt. Bei hohem Druck werden die Tanks recht schwer, trotzdem ist der Druck in der Brennkammer begrenzt und daher ist entweder das Triebwerk sehr gro&szlig; oder sein Schub sehr klein. Praktikabel ist dies nur bei kleinen Stufen, da durch den hohen Tankdruck die ideale Tankform die einer Kugel ist &#8211; Zylinder w&uuml;rden in der Mitte stark ausbeulen. Bei den langen Tanks von niedrigen Stufen w&uuml;rde sonst eine v&ouml;llig andere Raketenform resultieren (die einer Pyramide). Mit Druckf&ouml;rderung sind Brennkammerdr&uuml;cke jenseits von 20 Bar nur schwer m&ouml;glich. Die aktive F&ouml;rderung erreicht heute bis zu 220 bar.<\/p>\n<p>Das bedeutet, man muss den Treibstoff aktiv mit hohem Druck in die Brennkammer f&ouml;rdern. Dazu werden Pumpen genutzt, welche den Treibstoff f&ouml;rdern. Doch beginnen wir weiter oben: Die Pumpen brauchen einen Antrieb. Batterien als Stromversorgung scheiden aus und ein Netzkabel gibt es auch nicht. Ein Motor funktioniert nicht im Weltraum. Daher gibt es ein autarkes System, welche die Leistung f&uuml;r die Pumpe liefert. Es f&auml;ngt an mit dem Gasgenerator. Das ist eine kleine Raketenbrennkammer. Zu ihr f&uuml;hren Abzweigungen von den Hauptleitungen. Damit dort nicht so viel Treibstoff durchl&auml;uft gibt es eine Regulation. Im einfachsten Fall durch den Leitungsdurchmesser &#8211; ist dieser zehnmal kleiner als bei der Hauptleitung so gelangt eben nur ein Hundertstel (1\/10\u00b2) zum Gasgenerator. Der Gasgenerator soll ein Arbeitsgas erzeugen. Da er nicht gek&uuml;hlt wird, besteht die Brennkammer aus hochtemperaturfesten Materialen. Trotzdem muss die Temperatur des Gases reduziert werden. Sonst w&uuml;rde die Brennkammer trotz hochtemperaturfesten Materialien nicht den Verbrennungstemperaturen standhalten. Es gibt dazu drei Methoden. Die &auml;lteste ist es das Gas mit einem eigenen System zu erzeugen. Die A-4 und andere fr&uuml;he Raketen wie die ersten Versionen der Sojus und Kosmos nutzten dazu Kaliumpermanganat das mit Wasserstoffperoxid reagiert. Es entsteht dabei ein hei&szlig;es Wasserdampf\/Sauerstoffgemisch. Dessen Temperatur ist durch die chemische Reaktion begrenzt. Die zweite Methode, eingesetzt in Ariane 1-4, ist es den Treibstoff normal zu verbrennen, aber ein inertes Medium zuzusetzen um die Gastemperatur zu senken. Bei Ariane 1-4 war dies Wasser. Die verbreiteteste Methode ist es aber einfach die Verbrennung mit einem &Uuml;berschuss einer Komponente durchzuf&uuml;hren. Diese wird dann nicht umgesetzt, aber mit erw&auml;rmt und senkt so die Verbrennungstemperatur. Bei Wasserstoff\/Sauerstoff ist das der Wasserstoff, bei Kerosin\/Sauerstoff der Sauerstoff um die Bildung von Ru&szlig; zu vermeiden.<\/p>\n<p>Das Arbeitsgas hat nur einen Zweck: eine Gasturbine anzutreiben. Diese unterscheidet sich im Funktionsprinzip nicht von einem Gaskraftwerk, auch hier wird &uuml;ber ein Schaufelrad durch das Gas eine Welle angetrieben und es k&uuml;hlt sich dabei ab, &uuml;bertr&auml;gt also Energie auf die Welle. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Turbine extrem klein ist. Bei einem gro&szlig;en Raketentriebwerk betr&auml;gt die Leistung der Turbine einige Megawatt (beim F-1 Triebwerk z.B. 55 MW), trotzdem ist sie extrem kompakt.<\/p>\n<p>Die Welle der Turbine treibt nun die eigentliche Pumpe an. Sie saugt den Treibstoff an und dr&uuml;ckt ihn mit Druck in die Brennkammer. Erstaunlicherweise waren die Turbopumpen die einzigen Teile die es bei der Entwicklung der A-4 schon auf dem Markt gab &#8211; zumindest Ger&auml;te mit denselben Anforderungen. Auch Feuerwehrpumpen mussten extrem klein, zuverl&auml;ssig sein und ihre volle F&ouml;rderleistung in kurzer Zeit erbringen. Trotzdem ist die Entwicklung von leistungsf&auml;higen Turbopumpen immer noch eine Herausforderung. Sie z&auml;hlen zu den anf&auml;lligsten Teilen eines Raketentriebwerks.<\/p>\n<p>Das ist das allgemeine Grundprinzip. Es gibt im Detail sehr viele Variationen. So kann man die Abgase des Gasgenerators ins Freie entlassen oder zur K&uuml;hlung oder Nachverbrennung nutzen. Wird der Oxidator oder Treibstoff im Gasgenerator vollst&auml;ndig verbrannt und danach in die Brennkammer eingespritzt so resultieren sehr hohe Brennkammerdr&uuml;cke und effiziente Antriebe. Man spricht dann auch eher von einem Vorbrenner. Das wird so bei der gestuften Verbrennung (staged Combustion) eingesetzt. Turbopumpen k&ouml;nnen getrennte Wellen f&uuml;r Treibstoff und Oxidator haben oder eine gemeinsame. Es gibt &Uuml;bersetzungen und oder mehrstufige Bauweisen, wenn z.B. wie bei LOX\/LH2 Antrieben, da die Wasserstoffpumpe eine viel h&ouml;here F&ouml;rderleistung als die Sauerstoffpumpe haben muss, weil das Volumen viel h&ouml;her ist. &Uuml;blicherweise fasst man die Gasturbine und die Pumpe zusammen zu einer Turbopumpe.<\/p>\n<p>Die Herausforderung bei allen Komponenten ist die Kleinheit, die extremen Anforderungen an Robustheit und Leistung. So befinden sich alle Apparaturen direkt an der Brennkammer, sie werden so kr&auml;ftig durchgesch&uuml;ttelt, da sie die Vibrationen des Triebwerks voll ausgesetzt sind. Die Brennkammer wird zwar gek&uuml;hlt, aber sie strahlt trotzdem noch einiges an W&auml;rme ab, umgekehrt kann bei LOX\/LH2 Turbopumpen das Medium das transportiert wird bis zu -250\u00b0C kalt sein. So herrschen auf kurzen Distanzen sehr gro&szlig;e Temperaturgegens&auml;tze die zu thermischen Spannungen f&uuml;hren k&ouml;nnen und das Material belasten. Die meisten Ausf&auml;lle von Triebwerken beruhen auf der Treibstofff&ouml;rderung, auch weil es hier die meisten bewegliche Teile bei dem Antrieb gibt. Beim Space Shuttle sorgten sich zerlegende R&auml;der der Gasturbine f&uuml;r eine Verz&ouml;gerung des Erstflugs um mehr als ein Jahr. Alle Fehlstarts der dritten Stufe der Ariane 1-4 (immerhin 5 von 7 Starts) beruhten auf Problemen mit der Turbopumpe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal ein Blog auf einfachem Niveau. Es geht um die prinzipielle Funktionsweise eines Raketentriebwerks mit Pumpenf&ouml;rderung. Zuerst einmal wof&uuml;r braucht man sie? Bei einer Rakete mit fl&uuml;ssigem Treibstoff muss dieser in die Brennkammer gelangen. 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