{"id":6054,"date":"2012-03-14T00:43:34","date_gmt":"2012-03-13T23:43:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6054"},"modified":"2012-03-11T16:44:38","modified_gmt":"2012-03-11T15:44:38","slug":"sternstunden-der-bemannten-us-raumfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/03\/14\/sternstunden-der-bemannten-us-raumfahrt\/","title":{"rendered":"Sternstunden der bemannten US-Raumfahrt"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich so gerne auf die bemannte Raumfahrt und die NASA schimpfe, will ich heute die (meiner Ansicht nach) drei wichtigsten Sternstunden der NASA nennen:<\/p>\n<p><strong>17.3.1968:<\/strong> Am 16.3.1968 startete zuerst der Zielk&ouml;rper GATV 8 und 90 Minuten sp&auml;ter die Gemini 8 Mission. Ziel war es an den GATV 8 anzukoppeln, dort sollte der Astronaut David Scott einen Mikrometeoritendetektor anbringen, dann waren drei An- und Abkopplungsman&ouml;ver und eine Orbitanhebung von 300 auf 410 km H&ouml;he geplant.<\/p>\n<p>Es sah auch zuerst so aus, als w&uuml;rde alles reibungslos klappen. Das Ankoppeln an die modifizierte Agena Oberstufe, ein vor Gemini unbekanntes und als aufwendig eingesch&auml;tztes Man&ouml;ver, klappte auf Anhieb. So war alles bis dahin reibungslos verlaufen, als die Kombination den Empfangsbereich der Bodenstation verlie&szlig;. Die Missionskontrolle misstraute der Agena, die zwar eine gl&auml;nzende Karriere in der Air Force hinter sich hatte (es war der 192-ste Einsatz dieser Stufe), aber die NASA hatte keine guten Erfahrungen gemacht. Bei den Starts der Raumsonden Ranger und Mariner waren einige Exemplare verloren gegangen. So bekam Armstrong vor dem Verlust des Funkkontaktes noch Instruktionen was er zu tun h&auml;tte, wenn es Probleme g&auml;be.<!--more--><\/p>\n<p>Diese waren auch n&ouml;tig, denn 27 Minuten nach dem Ankoppeln begann die Kombination zu rotieren. Armstrong sandte zuerst die Codes zum An- und Abschalten des Agena Bordcomputers zu dieser und als dies nichts half, koppelte er ab, in der &Uuml;berzeugung die Agena w&auml;re an dem Rotieren schuld. Doch das verschlimmerte die Situation nur. Denn es war nicht die Agena die schuld war sondern Gemini 8. Die Rotation beschleunigte sich und erreichte einen Wert von einer Umdrehung pro Sekunde, die Grenze bei der die Bewusstlosigkeit eintritt. Die beiden Astronauten begannen einen Tunnelblick zu empfinden, ein Symptom, dass die Beschleunigung die Grenze erreichte, die sie aushalten konnten. Nachdem alle Versuche zur Korrektur von Armstrong scheiterten, deaktivierte er das komplette Lagekontrollsystem der Gemini Kapsel und nahm das der R&uuml;ckkehreinheit in Betrieb. Damit konnte er in der sechsten Erdumkreisung die Rotation stoppen, hatte nun aber 75% des Treibstoffs dieses Systems verbraucht.<\/p>\n<p>Nun kam er auch wieder in den Bereich von Bodenstationen, die er nur aber vom Status unterrichten konnte. Was nun folgen musste war klar: Der RCS Treibstoff war f&uuml;r die R&uuml;ckkehr vorgesehen, war er zu Ende so konnte die Kapsel nicht mehr korrekt f&uuml;r die Landung ausgerichtet werden. Die Missionskontrolle befahl eine Notlandung nahe Japan. Bis ein Zerst&ouml;rer die Kapsel erreicht hatte, mussten Armstrong und David noch in meterholen Wellen ausharren. Beide wurden seekrank. Nach 11 Stunden war die Mission beendet.<\/p>\n<p><strong>17.4.1970<\/strong>: Nach drei Tagen auf dem Weg zum Mond explodierte beim Durchmischen der Sauerstofftanks der Tank Nummer 2 von Apollo 13. Die Abdeckung des Servicemoduls wurde abgesprengt, der Sauerstoff verdampfte und die Brennstoffzellen, die Strom lieferten, fielen aus. Zuerst glaubte die Missionskontrolle an ein Instrumentenversagen, doch der ausgasende Sauerstoff der von der Besatzung bemerkt wurde, belehrte sie eines besseren. Alle Versuche die Situation unter Kontrolle zu bringen, z.B. indem man die Leitungen zu den Brennstoffzellen schloss, scheiterten. So schickte man die Mannschaft in die Mondf&auml;hre als Rettungsboot und arbeitete an Notfallpl&auml;nen.<\/p>\n<p>Sehr bald war klar, dass die Ressourcen nicht reichen w&uuml;rden, wenn die Besatzung auf ihrer Freiflugbahn bleiben w&uuml;rde. Sie mussten mit einer Z&uuml;ndung schneller werden. Die erste Idee, das Haupttriebwerk einzusetzen, wurde verworfen. Es war nicht klar ob es auch besch&auml;digt war, wenn dies der Fall war h&auml;tte dies in einer Katastrophe enden k&ouml;nnen. So blieb nur das Abstiegstriebwerk der Mondf&auml;hre, das jedoch viel weniger Schub und Treibstoff hatte. Es wurde von der Besatzung beim Umrunden des Mondes gez&uuml;ndet. Sp&auml;ter mussten die nochmals den Kurs korrigieren, weil durch verdampfendes Helium aus der Mondf&auml;hre es eine Kursabweichung gab. Doch nach dieser ersten Kurskorrektur mussten alle Systeme abgeschaltet werden um Strom und Wasser (als K&uuml;hlmittel) zu sparen. Es wurde nun eisigkalt an Bord mit Temperaturen knapp &uuml;ber Null grad. Einer der Astronauten bekam dadurch eine Blasenentz&uuml;ndung. Auf der Erde erarbeitete man einen Notfallplan wie man die schon angezapften Batterien der Kommandokapsel m&ouml;glichst schonen konnte, denn diese musste vor der Landung erneut aktiviert werden. Sp&auml;ter bastelte man auch noch einen Notfilter, weil die Kohlendioxidfilter der Mondf&auml;hre &uuml;berfordert waren. Erst kurz vor dem Wiedereintritt hatte man nach etlichen Simulationen die richtige Reihenfolge f&uuml;r das Einschalten aller Systeme zusammen, welche die Batterien nicht &uuml;berlstete.<\/p>\n<p>Am 17.4.1970 landete Apollo 13 heil auf der Erde, in Sichtweite des Flugzeugtr&auml;gers Iwo Jimi.<\/p>\n<p><strong>7.6.1973:<\/strong> Am 15.5.1973 startete die Raumstation Skylab. Beim Start entfaltete sich der Mikrometeoritenschutzschild und als die zweite Stufe ihre Retroraketen\u00a0 z&uuml;ndete, durchtrennten die Flammen die Verbindungen und der Schutzschild und ein Solarpanel gingen verloren. Das zweite war durch eine verbogene Metalllasche fixiert. So fehlte es an Strom und ohne den Schutzschild stiegen die Temperaturen auf inakzeptable Werte an.<\/p>\n<p>Der Start der ersten Besatzung wurde verschoben und man erarbeitete Notfallpl&auml;ne. Die Zeit dr&auml;ngte, denn um die Temperaturen zu stabilisieren drehte die Missionskontrolle Skylab in eine Position in der m&ouml;glichst wenig der Fl&auml;che der Sonne ausgesetzt war. Gravitationskr&auml;fte drehten die Station aber zur&uuml;ck &#8211; urspr&uuml;nglich als Designmerkmal konzipiert um Treibstoff zu sparen, verbrauchte es nun erhebliche Mengen. So war die Station nur wenige Tage lang betreibbar.<\/p>\n<p>Es wurden drei Konzepte erarbeitet, von den auch zwei in Rekordzeit realisiert wurden. Beide wurden von der ersten Besatzung zu Skylab gebracht. Sie sollte zuerst die Station von au&szlig;en inspizieren und sah nun erstmals was passiert war. Ein Versuch eine Lasche, welche noch das zweite Solarpanel fixierte, von der Apollokapsel aus durchzutrennen (mit einem Schneider an einer Stange) scheiterte. Danach koppelte die Besatzung an, musste aber die Kabel des Adapters kurzschlie&szlig;en, als diese auch beim sechsten Anlauf nicht das Signal zum Hard-Dock, dem endg&uuml;ltigen Ankoppeln gaben. Am n&auml;chsten Tag entfalteten sie durch eine wissenschaftliche Luftschleuse einen ersten Sonnenschutz, vergleichbar einem Schirm. Er deckte nur einen Teil der Oberfl&auml;che ab. Aber nun sanken die Temperaturen von 43 auf 27 Grad Celsius &#8211; Skylab war nun bewohnbar. Allerdings hatte die Station immer noch zu wenig Strom. Beim ersten Erdbeobachtungspass &#8211; bei dem Skylab aus der normalen Ausrichtung auf die Sonne gedreht wurde, schrillten so die Alarmglocken &#8211; die Batterien hatten zu wenig Leistung. Inzwischen hatte die Bodenmannschaften mit der Ersatzmannschaft auch die Prozedur der Reparatur der Solarzellenfl&auml;che in einem Unterwasssertank mit der Reservebesatzung erprobt und am 7.6.1973 stiegen Conrad und Kerwin aus. Zuerst klappte es ohne Befestigungsm&ouml;glichkeiten nicht, den Draht durchzus&auml;gen, der noch das Panel hielt. Als Conrad sich an der Stange, an der die S&auml;ge befestigt war, zum Panel hin&uuml;ber schwang riss der Draht und das Panel &ouml;ffnete sich &#8211; allerdings nur um 20 Grad, es war nach 10 Tagen festgefroren. So befestigten sie ein Seil an dem Scharnier und zogen &#8211; das n&uuml;tzte auch nicht. Schlie&szlig;lich stand Conrad auf das Seil, zog es &uuml;ber seine Schulter und Kerwin zog hinter ihm. Das brachte gen&uuml;gend Zugkraft auf, das Scharnier gab nach- der Fl&uuml;gel entfaltete sich und beide Astronauten schwebten durch den Schwung ins All, wo sie sich an den Verbindungsleinen zur&uuml;ck in die Station ziehen mussten.<\/p>\n<p>Die erste Besatzung hatte so den normalen Betrieb von Skylab erm&ouml;glicht, als die Station nach dem Start schon fast vor der Aufgabe stand. Die zweite Besatzung sollte den endg&uuml;ltigen Schutzschirm montieren, der die Temperatur weiter auf 22 Grad absenkte.<\/p>\n<p>Was haben alle drei Sternstunden gemeinsam? Es gelang das Leben der Besatzungen zu retten oder eine verloren geglaubte Station in betrieb zu nehmen. Die NASA hatte nicht nur gezeigt, dass die Bilderbuchmissionen durchf&uuml;hren kann, sondern auch Probleme bew&auml;ltigen und l&ouml;sen kann. Seitdem endeten alle gef&auml;hrlichen Situationen mit dem Tod der Besatzung. Zu retten einer Station gab es auch nichts mehr. Mehr als in einem kurzsichtigen Teleskop Korrekturlinsen einzubauen konnte die NASA nicht mehr, und f&uuml;r deren Kosten h&auml;tte sie auch ein nachgebautes Teleskop mit einer Tr&auml;gerrakete starten k&ouml;nnen. Wer sich genauer mit zweien dieser Sternstunden besch&auml;ftigen will, dem sind diese beiden B&uuml;cher &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3839147980\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=berndleitenbs-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3839147980\">Gemini<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=berndleitenbs-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3839147980\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/> und <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3842318642\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=berndleitenbs-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3842318642\"> Skylab<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=berndleitenbs-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3842318642\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/> empfohlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich so gerne auf die bemannte Raumfahrt und die NASA schimpfe, will ich heute die (meiner Ansicht nach) drei wichtigsten Sternstunden der NASA nennen: 17.3.1968: Am 16.3.1968 startete zuerst der Zielk&ouml;rper GATV 8 und 90 Minuten sp&auml;ter die Gemini 8 Mission. 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