{"id":6056,"date":"2012-03-16T00:46:22","date_gmt":"2012-03-15T23:46:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6056"},"modified":"2012-03-11T16:47:50","modified_gmt":"2012-03-11T15:47:50","slug":"die-traume-des-militars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/03\/16\/die-traume-des-militars\/","title":{"rendered":"Die Tr&auml;ume des Milit&auml;rs"},"content":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit lass ich auf SpaceNews, dass eine Firma einen <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/commentaries\/111215-fromwires-ball-create-dream-telescope.html\">Forschungsauftrag<\/a> f&uuml;r ein Konzept unter dem Namen &#8222;Dream-Spy&#8220; bekommen hat. Die Technologie, die erforscht werden soll, klingt fantastisch: ein Beobachtungssatellit im geostation&auml;ren Orbit, der Realzeitdaten von der Hemisph&auml;re liefert, die er beobachtet. Damit die Aufl&ouml;sung gro&szlig; genug ist, denkt das Milit&auml;r an entfaltbare Linsen.<\/p>\n<p>Der geostation&auml;re Orbit verl&auml;uft am &Auml;quator in 35943 km H&ouml;he. Die Entfernung zur Oberfl&auml;che nimmt dann weiter zu und erreicht am Nord-\u00a0 und S&uuml;dpol dann 36504 km. Dieser Wert ist ungef&auml;hr hundertmal gr&ouml;&szlig;er als bei den Spionagesatelliten im niedrigen Orbit. Damit einher geht nat&uuml;rlich eine entsprechende Reduktion der Aufl&ouml;sung um denselben Wert. W&uuml;rde man also einen der busgro&szlig;en KH-12 Satelliten in den GTO Orbit platzieren, dann h&auml;tte eine Aufl&ouml;sung von nur noch 10 bis 20 m. Diese ist dann nur noch so gro&szlig; wie bei einem einfachen Erdbeobachtungssatelliten, der bei dieser Aufl&ouml;sung auch in einem niedrigen Orbit die Erde einmal pro Tag ablichten k&ouml;nnte. Das ist zwar nicht Realzeit, aber nahe dran.<!--more--><\/p>\n<p>Damit dies also f&uuml;r das Milit&auml;r brauchbare Bilder ergibt, soll an der Entwicklung entfaltbarer Linsen gearbeitet werden. Wie man sich das vorzustellen hat zeigt das DARPA Konzept links.<img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/dream-spy.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Ich halte es f&uuml;r eine Schnapsidee. Es gibt einige Abers. Das erste ist die Linse selbst. Ein optisches System muss, damit die Bilder beugungsbegrenzt sind, also nicht unn&ouml;tig verschmiert sind, eine sehr hohe Formgenauigkeit haben. Ideal ist eine Abweichung der Form von der Idealen in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 1\/10 der Wellenl&auml;nge. Gute Amateuroptik ist so geschliffen, normale etwas schlechter (1\/8) und billige mit 1\/5 zeigt schon bei hoher Vergr&ouml;&szlig;erung unscharfe Bilder. Oder nehmen wir als Vergleich das Hubble Space Teleskope. Sein Spiegel war um 2 \u00b5m falsch geschliffen. Bei einer mittleren Wellenl&auml;nge von 0,55 \u00b5m sind das weit weg von diesem Kriterium &#8211; viermal gr&ouml;&szlig;er als die Wellenl&auml;nge.<\/p>\n<p>Um 1 m Aufl&ouml;sung aus dem GTO Orbit zu erreichen, m&uuml;sste eine Linse rund 21 m Durchmesser haben. So was ist eigentlich nur mit einer aufblasbaren Linse zu machen. Selbst das JWST ist mit 6,5 m Durchmesser ein Winzling und der Aufbau aus Segmenten wie beim JWST wird bei dieser Gr&ouml;&szlig;e dann auch ausscheiden. Ob es m&ouml;glich ist eine Linse mit einer Oberfl&auml;chengenauigkeit von 55 nm im Weltall zu erzeugen? Ich glaube nicht.<\/p>\n<p>Selbst wenn, dann gibt es noch die Geometrie der Erde. Vom &Auml;quator aus wird die Landmasse um so mehr verzerrt, je weiter man nach Norden blickt. Das zeigt dieses Bild von Europa, aufgenommen von Meteosat. Deutschland liegt zwischen dem 48 und 52 Breitengrad, also ungef&auml;hr auf dem halben Weg zum Nordpol. Die Verzerrung ist schon deutlich zu sehen. Bei nur etwas n&ouml;rdlicheren Gebieten wie England, Norwegen und Schweden wird es schon extrem.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/euro_meteosat1.jpg\" alt=\"\" align=\"right\" \/>Nun liegen aber viele Gebiete auf der Nordhalbkugel so weit im Norden. Der gr&ouml;&szlig;te Teil von Russland nur mal als Beispiel. Das bedeutet, dass ein geostation&auml;rer Satellit nicht in der idealen Position ist. Eine L&ouml;sung ist eine geneigte Bahn, die ihn z.b. zwischen 45 Grad Nord und S&uuml;d bringt. Der Groundtrack verl&auml;uft dann in einer &#8222;8&#8220; &uuml;ber die Erdoberfl&auml;che. Nur ist dann eben die Relzeitm&ouml;glichkeit weg, denn auf der Nordhalbkugel ist die S&uuml;dhalbkugel nicht mehr zug&auml;nglich und umgekehrt. Es werden sowieso viele Satelliten ben&ouml;tigt. Denn die Verzerrung gibt es auch am &Auml;quator, nur dann eben bei abweichenden L&auml;ngengraden. Bei Wettersatelliten platziert man alle 72 L&auml;ngengrade einen um die Verzerrung zu begrenzen. So ben&ouml;tigt man 5 St&uuml;ck. W&uuml;rde man dazu noch jeweils zwei nehmen die dann sich nach Norden und S&uuml;den bewegen, so kommt man leicht auf 15 Satelliten f&uuml;r ein operationelles System.<\/p>\n<p>Dazu kommt nat&uuml;rlich, dass die Nutzlast in den GSO Orbit viel kleiner ist. Die Delta IVH als leistungsst&auml;rkste US-Tr&auml;gerrakete transportiert 23 t in einen ISS Orbit, aber nur 6,5 t in den GSO Orbit, also ein Viertel dessen. W&auml;hrend also die Anforderungen an die Leistung des Instrumentes steigen, muss es um ein vielfaches leichter sein als eines in einem niedrigeren Orbit. Glaubt wirklich jemand, dass man eine 20 m gro&szlig;e Linse in einem nur 6 t schweren Satelliten unterbringen kann?<\/p>\n<p>Kurzum: ich denke es ist technisch nicht umsetzbar und organisatorisch zu aufwendig. Dies ist nur ein Beispiel f&uuml;r teure Experimente des Milit&auml;rs. Dazu vielleicht an anderer Stelle mehr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit lass ich auf SpaceNews, dass eine Firma einen Forschungsauftrag f&uuml;r ein Konzept unter dem Namen &#8222;Dream-Spy&#8220; bekommen hat. Die Technologie, die erforscht werden soll, klingt fantastisch: ein Beobachtungssatellit im geostation&auml;ren Orbit, der Realzeitdaten von der Hemisph&auml;re liefert, die er beobachtet. Damit die Aufl&ouml;sung gro&szlig; genug ist, denkt das Milit&auml;r an entfaltbare Linsen. 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