{"id":606,"date":"2009-02-03T16:13:32","date_gmt":"2009-02-03T15:13:32","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=606"},"modified":"2009-02-03T16:29:08","modified_gmt":"2009-02-03T15:29:08","slug":"wo-kein-klaeger-ist-da-ist-auch-kein-richter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/02\/03\/wo-kein-klaeger-ist-da-ist-auch-kein-richter\/","title":{"rendered":"Wo kein Kl&auml;ger ist, da ist auch kein Richter"},"content":{"rendered":"<p>An diesen Allerweltsspruch wurde ich k&uuml;rzlich erinnert durch eine Reihe von Fragen die jemand zu Angaben auf Webseiten hatte. Es drehte sich um die Haltbarkeit von Schwarzk&uuml;mmel&ouml;l (angeblich 2-3 Jahre, normal w&auml;ren angesichts des Gehalts an mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren weniger als 1 Jahr) und es ging darum, dass eine andere Seite empfahl, Leinsamen zu kochen um die Cyanoglycoside zu zerst&ouml;ren. Also f&uuml;r Laien zur Erkl&auml;rung:<\/p>\n<p>Mehrfach unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren werden durch Licht und Sauerstoff zerst&ouml;rt. Die Haltbarkeit eines &Ouml;ls ist daher abh&auml;ngig von dem Gehalt an mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren, aber auch dem Gehalt an Vitamin E, das eine Reihe von Oxidationsprozessen stoppen kann. Allerdings: Nicht alle und es wird dabei verbraucht. Wenn der Hersteller also mit einem hohen Vitamin E Gehalt wirbt und einer langen Haltbarkeit, dann ist das ein Problem. Vielleicht (das m&uuml;ssten Untersuchungen zeigen) ist das Schwarzk&uuml;mmel&ouml;l wirklich so lange haltbar, doch dann wird auch der Gehalt an dem wertvollen Vitamin E abnehmen und dieses wertvolle Vitamin ist dann nur noch in kleinen Mengen vorhanden.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Noch problematischer ist die Sache mit den Cyanoglykosiden. Cyanogykoside sind Kohlenhydratverbindungen, die Blaus&auml;ure enthalten. Diese sind nicht so selten im Pflanzenreich. So enthalten z.B. Pfirsichkerne diese. Bekannter sind vielleicht bittere Mandeln. Blaus&auml;ure ist giftig und daher sollte man bittere Mandeln nur in kleinen Mengen essen. Leinsamen sind im Normalfall unverdaulich. Daher kann man sie gefahrlos essen. Das gilt auch f&uuml;r Pfirsichkerne, die man ja normalerweise nicht isst. Das Problem ist nun die Freisetzung. Das gef&auml;hrliche ist die Blaus&auml;ure. So kann das Einweichen oder &uuml;berbr&uuml;hen mit hei&szlig;en Wasser oder Kochen zwar die Glykoside teilweise herausl&ouml;sen. Aber dies n&uuml;tzt nur etwas, wenn dann das Wasser auch weggegossen wird.<\/p>\n<p>Zerst&ouml;rt kann die Blaus&auml;ure so nicht werden. sie geht nur ins Wasser &uuml;ber. Freisetzen k&ouml;nnte man sie durch S&auml;ure (also z.B. Essig), aber dann w&uuml;rde wohl keiner mehr die Leinsamen essen. Die Seite propagiert nun gerade das Erhitzen mit Wasser. Das kann auch den gegenteilligen Effekt haben, n&auml;mlich die Verdaulichkeit von Leinsamen drastisch erh&ouml;hen, wodurch die noch verbliebenen Glykoside besser aufgenommen werden k&ouml;nnen. Ich denke man kann trotzdem Entwarnung geben, denn nach einer <a href=\"http:\/\/diss-epsilon.slu.se\/archive\/00001699\/01\/The_Phenolic_Complex.pdf\"> Untersuchung<\/a> enthalten Leinsamen in etwa 100-200 mg Blaus&auml;ure pro Kilogramm. Bei einer LD50 von etwa 1 mg\/kg m&uuml;sste man dann schon etwa 300-600 g Leinsamen auf einmal essen und die Blaus&auml;ure darin vollst&auml;ndig aufnehmen. Dieselbe Untersuchung geht von einem Grenzwert bei t&auml;glicher Aufnahme von 12 ?g\/kg K&ouml;rpergewicht aus, was eine normale Aufnahme von 10-20 g Leinsamen pro Mahlzeit zul&auml;sst. Ich glaube mehr wird man auch nicht aufnehmen um die Verdauung zu f&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich wollte die Fragestellerin wissen wo sie die Webseiten mit diesen falschen Informationen melden kann. Und da f&auml;ngt das Problem an. Die Lebensmittel&uuml;berwachung ist bei uns L&auml;ndersache. Jedes Bundesland macht es etwas anders. Bei den einen sind z.B. die Lebensmittelkontrolleure ausgebildete Polizisten mit einer Zusatzausbildung, bei anderen L&auml;ndern sind es Personen die fr&uuml;her Lebensmittel hergestellt haben und umgeschult wurden. Manche L&auml;nder haben viele kleine kommunale Untersuchungs&auml;mter, andere wenige zentrale gro&szlig;e Untersuchungs&auml;mter.<\/p>\n<p>Vor allem aber: Wer ist f&uuml;r die rechtliche Beurteilung von Internetseiten zust&auml;ndig? Es mag sich ja vielleicht einiges ge&auml;ndert haben, aber in den &quot;Vor-Internet&quot; Zeiten, in denen ich noch studierte, hat man sich bei den Untersuchungs&auml;mtern nicht um die Werbung gek&uuml;mmert, die in Fernsehen, Radio oder Printmedien erschien. Relevant waren die Proben, die untersucht wurden und die gezogen wurden oder durch Verbraucher angeliefert wurden. Das hat nat&uuml;rlich eine Ursache: Der Lebensmittelchemiker soll ja Substanzen untersuchen und sein Fachurteil &uuml;ber diese abgeben. In unseren Gutachten war es aber immer &uuml;blich, auch die rechtliche Beurteilung einzubringen, obwohl eigentlich die Zuordnung eines Tatbestandes zu dem entsprechenden Paragraphen eine Sache des Staatsanwaltes ist. Nur fehlt da eben meistens der Sachverstand. Die Sache ist nun so, dass Werbung &uuml;berhaupt keinerlei Untersuchung des Lebensmittels mehr erfordert, wenn sie gleich faktisch falsche Angaben enth&auml;lt. Nur wenn eine Untersuchung n&ouml;tig ist, um de falsche Angabe zu beweisen, d&uuml;rfte der Lebensmittelchemiker aktiv sein.<\/p>\n<p>Der schwarze Peter wandert so zur Justiz. Frage: Glaubt jemand ernsthaft, die Justiz w&uuml;rde sich heute um die vielen E-Bay Powerseller und Amazon Shops k&uuml;mmern, die Lebensmittel falsch kennzeichnen, bewerben oder aus dem Ausland importieren? Meiner Erfahrung nach eher nicht. Ich habe die Fragestellerin dann an eine Seite des Verbraucherschutzes verwiesen, in der Links zu den Seiten der entsprechenden Beh&ouml;rden, (nach Bundesl&auml;ndern sortiert) vorhanden waren. Mein Tipp war festzustellen, aus welchem Bundesland der Hersteller sitzt und sich bei der f&uuml;r dieses Bundesland zust&auml;ndige Beh&ouml;rde zu verst&auml;ndigen.<\/p>\n<p>Okay was gibt es sonst noch? Wer den Blog besucht wird feststellen, dass er ein neues Outfit hat. Ich habe etwas experimentiert und es gab wieder mal Probleme mit MyCaptcha (vergessen, dass ich das Theme manuell editieren musste, um es freizuschalten). Aber nun l&auml;uft alles wieder und ich hoffe das neue Design gef&auml;llt. Es d&uuml;rften nun weniger Blogs werden, ganz einfach weil ich weniger Zeit habe. Meine zus&auml;tzliche Lehrt&auml;tigkeit an der Berufsakademie Stuttgart kostet mich doch erheblich mehr Zeit als ich dachte, vor allem beim Schreiben des Scripts, das ja noch zu den gehaltenen Stunden dazu kommt, und die Zeit die ich dort lehre, muss ich noch nacharbeiten. Also Freizeit ist derzeit &auml;u&szlig;erste Mangelware und dann sind ja auch noch zwei B&uuml;cher in der Pipe. Beim Buch &uuml;ber europ&auml;ische Tr&auml;gerraketen habe ich eine Idee gehabt:<\/p>\n<p>Es wird wahrscheinlich recht gro&szlig; (schon jetzt 250 Seiten ohne Bilder, und ich bin noch lange nicht fertig mit der Recherche) und ich &uuml;berlege ob ich es nicht splitten soll: Einen teil mit der Vergangenheit (bis zur Ariane 4) und einen mit der Gegenwart (Ariane 5+Vega) oder das letzte als Zusatzbuch herausbringen (f&uuml;r die Leute die von der Vergangenheit nichts wissen wollen), oder vielleicht doch nur ein Buch? Sie k&ouml;nnen hier abstimmen.<\/p>\n<p> n<\/p>\n<div>n<\/p>\n<div>{democracy:3}<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesen Allerweltsspruch wurde ich k&uuml;rzlich erinnert durch eine Reihe von Fragen die jemand zu Angaben auf Webseiten hatte. 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