{"id":6108,"date":"2012-03-27T00:22:04","date_gmt":"2012-03-26T22:22:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6108"},"modified":"2013-04-29T12:29:00","modified_gmt":"2013-04-29T10:29:00","slug":"das-dhbw-prinzip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/03\/27\/das-dhbw-prinzip\/","title":{"rendered":"Das DHBW Prinzip"},"content":{"rendered":"<p>Das Wochenende &uuml;ber habe ich die Klausur gesessen die ich am Freitag stellen d&uuml;rfte. Wie ich ja schon ein paarmal erw&auml;hnt habe, bin ich Dozent f&uuml;r Informatik an der DHBW. Zeit mal das aufzugreifen und zwar das Bezahlsystem. F&uuml;r alle die das System nicht kennen. Es ist zum einen ein duales mit einer betrieblichen Ausbildung und einer Hochschulausbildung. Die Studenten wechseln zwischen beiden Phasen hin und her. Von normalen Studenten unterscheidet sie auch, dass sie f&uuml;rs Studium bezahlt werden, anstatt bezahlen zu m&uuml;ssen, weil sie alle einen Ausbildungsvertrag haben.<\/p>\n<p>Ich will mich heute nur mal auf die Lehre konzentrieren, vor allem auf die Folgen der Arbeitsvertr&auml;ge. Kennzeichnend ist f&uuml;r die DHBW, dass es sehr viel mehr externe Dozenten als fest angestellte Professoren gibt. Es wird immer hervorgehoben, dass dadurch die Studenten einen viel besseren Praxisbezug haben und das ist sicher auch tendenziell gegeben, weil nicht wie bei anderen Professoren, die ich an der FHTE erlebt habe, diese fest angestellt sind und dann eben Jahrzehnte lang ihr festes Programm abspulen, ja teilweise sogar an v&ouml;llig veralteter und nicht mehr weiter entwickelter Software h&auml;ngen.<!--more--><\/p>\n<p>Der gro&szlig;e Nachteil ist, dass der Vertrag genau festh&auml;lt was man bezahlt bekommt und was nicht. Bezahlt wird man f&uuml;r die gehaltenen Stunden sowie f&uuml;r korrigierte Klausuren und Programmentw&uuml;rfe. Beides wird nicht gerade &uuml;ppig bezahlt. Bei den Stunden sind es 35 Euro\/Lehrstunde (45 Minuten). Bei Programmentw&uuml;rfen 10 Euro pro St&uuml;ck und bei Klausuren 4,23 Euro\/St&uuml;ck. Das umfasst alles &#8211; Stellen der Aufgabe, bei Klausuren noch Anfertigung der Musterl&ouml;sung und Korrektur. Ich denke ihr wisst auf was ich raus will: Wenn man nur 4,23 Euro pro Klausur bekommt, dann minimiert man den Aufwand. Bei einem Kollegen, dessen Klausur ich kenne ist es immer dieselbe mit vorwiegend multiple Choice Fragen, da ist das Korrigieren schnell erledigt. Bei mir ist es jedes Mal eine neue und es sind offene Fragen, wo man dann erkennen kann ob der Studenten das ganze kapiert hat.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich lohnt sich das nicht finanziell: F&uuml;r die 10 Stunden die ich f&uuml;r die Klausur gebraucht habe, bekomme ich knapp &uuml;ber 194 Euro, also rund 19,4 Euro \/Stunde. Aber die Alternative w&uuml;rde nicht meinem Anspruch an eine Klausur entsprechen. Was besonders &uuml;bel ist, ist das die Bezahlung mit den Vorlesungsstunden endet. Vorlesungen sind sicher wichtig und der Hauptbestandteil einer Uniausbildung, doch nicht der einzige Teil. Im Normalfall haben Professoren eine Sprechstunde. Sicher kenne ich da auch Extreme wie Professoren, bei denen es 1-2 Stunden pro Woche sind und andere die praktisch dauernd f&uuml;r die Studenten erreichbar. Nicht jeder braucht sie, aber gerade f&uuml;r die schw&auml;cheren Studenten ist es wichtig. Denn dann ist eine direkte Betreuung m&ouml;glich. Sprechstunden sind im DHBW Prinzip nicht vorgesehen. Das gleiche gilt f&uuml;r die Lernkontrolle, sofern nicht explizit Bestandteil des Lehrplans. Zwar entfallen auf jede Vorlesungsstunde nominal 1,5 Stunden die der Student zuhause nachbearbeiten soll, aber was n&uuml;tzt das, wenn es keine Erfolgskontrolle gibt? Letztes Semester gab ich als Vorbereitung f&uuml;r den Programmentwurf, die Pr&uuml;fungsleistung dieses Semesters und das erste Mal wo sie was praktisch leisten m&uuml;ssen, einen Entwurf als Hausarbeit aus, die ich dann auch mir zuschicken lie&szlig; und korrigiert habe. Gen&uuml;tzt hat es was, denn die Ergebnisse beim Programmentwurf waren dann wirklich gut. Aber obwohl es im Bogen daf&uuml;r Eintr&auml;ge gibt, bezahlt bekommt man es nicht. Die Folge: Dieses Semester gab es nur viele kleine Aufgaben, die ich bei den &Uuml;bungen mir nebenher zeigen lassen kann und die ich schnell kontrollieren kann.<\/p>\n<p>Was leidet ist eben die Betreuung. Es wird ja immer gesagt, dass die Studenten besser sein sollen, da vorher von Personalchefs vorselektiert. Sie brauchen dann nicht die pers&ouml;nliche Betreuung. Meiner Erfahrung nach stimmt das nicht. Im Prinzip findet man dieselbe Mischung wie ich sie auch von der FH kenne &#8211; interessierte Studenten, eine gro&szlig;e Mittelschicht, die so dem Stoff folgt, und welche die nichts tun oder mit schwimmen und auch am Ende der Vorlesung nicht viel gelernt haben. Es gibt nicht mehr Eigeninitiative oder Begabung als bei anderen Studieng&auml;ngen auch.<\/p>\n<p>Unverst&auml;ndlich ist, warum die DHBW so an der Betreuung spart. Denn an und f&uuml;r sich ist das Modell f&uuml;r das Land erheblich billiger als ein festangestellter Professor. Das zeigt eine einfache Beispielsrechnung. Ein Professor kostet den Staat rund 5000 Euro x 13 Monatsgeh&auml;lter, also rund 65.000 Euro pro Jahr. Er arbeitet daf&uuml;r 33 Wochen x 16 Vorlesungsstunden (zumindest sind das die einzigen Stunden die man einem Dozenten bezahlt). Das sind also 123 Euro\/Vorlesungsstunde. Mit Fahrtkosten und den bezahlten Klausuren bekomme ich rund 41,6 Euro\/ Stunde. Das hei&szlig;t f&uuml;r einen Professor kann das Land BW auch drei Dozenten bezahlen. Es wird f&uuml;r das Land so g&uuml;nstig, weil es nur f&uuml;r die Unterrichtsstunden bezahlt, nicht f&uuml;r die volle Arbeitswoche, nicht f&uuml;r die Semesterferien. Die Frage ist: warum ist bei dieser enormen Ersparnis nicht noch etwas f&uuml;r 1-2 Betreuungsstunden pro Woche drin, oder eine Bezahlung der Kontrolle von Hausaufgaben bzw., eine vern&uuml;nftige Bezahlung des Aufwandes der daheim f&uuml;r Klausuren\/Arbeiten geleistet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wochenende &uuml;ber habe ich die Klausur gesessen die ich am Freitag stellen d&uuml;rfte. 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