{"id":6155,"date":"2012-04-08T00:42:58","date_gmt":"2012-04-07T22:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6155"},"modified":"2012-04-06T18:44:50","modified_gmt":"2012-04-06T16:44:50","slug":"ionenantriebe-als-apogaumsantrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/04\/08\/ionenantriebe-als-apogaumsantrieb\/","title":{"rendered":"Ionenantriebe als Apog&auml;umsantrieb"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mich ja schon mehrfach mit Ionenantrieben besch&auml;ftigt. Wenn es um den Transfer in den GEO geht, dann habe ich mich immer f&uuml;r den vollen Weg, also vom LEO und in den GEO ausgesprochen. Nun scheint es so zu sein, dass die ersten Satelliten gebaut werden die Ionenantriebe als Ersatz f&uuml;r einen Apog&auml;umsmotor einsetzen. Zeit sich mal damit zu besch&auml;ftigen. Zuerst einmal: warum habe ich mich bisher damit nicht besch&auml;ftigt. Die Antwort ist relativ einfach: Bei einem Ionenantrieb ist der Treibstoffverbrauch vernachl&auml;ssigbar gering. Stattdessen werden gr&ouml;&szlig;ere Solarzellen ben&ouml;tigt und auch Triebwerke. Dieses Zusatzgewicht ist immer gegeben, egal ob man nun die halbe Stecke zur&uuml;cklegt oder die ganze. Dagegen sinkt ja die Nutzlast schon auf ein Drittel ab, wenn man vom LEO in den GTO geht. Der Vorteil der Gewichtseinsparung ist also kleiner.<!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mal an es durchzurechnen. Hier folgende Basisdaten:<\/p>\n<ul>\n<li>Geschwindigkeitsdfferenz: 1.800 m\/s (GTO-&gt; GEO + 20% beim chemischen Antrieb)<\/li>\n<li>Zeit: 6 Monate, 60.000 s pro Tag (ein Betrieb am Perig&auml;um w&uuml;rde die Bahn anheben und ist daher zu vermeiden)<\/li>\n<li>Trockengewicht des Satelliten: 893 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Trockengewicht habe ich vom aktuellen ESA Bulletin genommen. Es ist das vom Satelliten Hylas, der beim Start 2541 kg wiegt und trocken 1099 kg. Doch dieses Trockengewicht umfasst ja auch das leere Antriebssystem (Tanks, Druckgastanks, Triebwerke). Nimmt man f&uuml;r dies einen typischen Strukturanteil von 12,5 % an (Voll\/Leermasse = 8), so erniedrigt sich die Trockenmasse um 206 kg.<\/p>\n<p>Nun was brauche ich?<\/p>\n<p>Eine kleine Simulation zeigt, dass zwei Triebwerke des Typs RIT-XT in 128 Tagen den Transfer durchf&uuml;hren k&ouml;nnen &#8211; oder eben noch mehr kleinere Triebwerke, mit denen dann auch die 180 Tage m&ouml;glich sind.<\/p>\n<p>Der Solargenerator muss dann 10 kW Leistung f&uuml;r die Triebwerke liefern. Selbst wenn ich annehme, dass ich sie zus&auml;tzlich zu den Solarzellen installieren muss (in der Praxis wahrscheinlich nicht n&ouml;tig f&uuml;r einen Teil der Leistung, da die Sendern nicht aktiv sind. Wenn ich konservative 80 Watt\/kg nehme sind das 125 kg mehr. Bei heute m&ouml;glichen 180 W\/kg sogar nur 56 kg.<\/p>\n<p>Der Treibstoff macht dann recht wenig aus &#8211; es sind nur 52 kg. Selbst mit Tanks sind es dann weniger als 60 kg. Die Triebwerke wiegen einzeln 7 kg pro St&uuml;ck, doch selbst mit Infrastruktur und zus&auml;tzlichem Treibstoff f&uuml;r die Lagereglung (die ja beim Vorbild auch dabei ist) kommt man so auf ein Gesamtgewicht von rund 1.350 kg, also 43% weniger als beim Vorbild.<\/p>\n<p>Warum kommt es erst jetzt und in dieser Form? Nun es gibt sicher mehrere Gr&uuml;nde. Das eine ist, das bisher die Satelliten schwerer wurden und es immer gen&uuml;gend Tr&auml;ger gab um sie zu starten. Zuerst gab es immer neue, schubst&auml;rkere Modelle, dann kamen die russischen Modelle auf den Markt. Nun sieht es aber nicht so aus als w&uuml;rde dies in der Zukunft so weitergehen. Eine neue Oberstufe f&uuml;r die Proton ist seit Jahren angek&uuml;ndigt. Nicht passiert. Russland kassiert das Geld f&uuml;r die Starts investiert aber nichts. Auch die Angora l&auml;sst seit 10 Jahren auf sich warten. Derzeit ist das Maximum f&uuml;r den Start auf mehreren Tr&auml;gern bei 6 t. Dar&uuml;ber hinaus kann nur noch die Ariane 5 die Satelliten transportieren wobei man in diesem recht konservativem Gesch&auml;ft zur&uuml;ckschreckt, denn wenn dann mal Ariane 5 am Boden ist, betrifft dass dann alle Satelliten mit mehr als 6 t Masse.<\/p>\n<p>Die Ionentriebwerke erlauben es nun gr&ouml;&szlig;ere Satelliten zu starten (Nettomasse) ohne die Bruttomasse von 6 t zu &uuml;berschreiten.<\/p>\n<p>Das zweite ist die immer gr&ouml;&szlig;ere Lebensdauer. Satelliten haben heute Betriebszeiten von 15 Jahren. Das Problem: In der geostation&auml;ren Umlaufbahn ist der Satellit nicht wirklich station&auml;r. Es m&uuml;ssen dauernd Positionskorrekturen erfolgen. Diese ben&ouml;tigen Treibstoff und der Anteil f&uuml;r diesen Lageregelungstreibstoff ist immer gr&ouml;&szlig;er geworden. Bei Hylas betr&auml;gt der Anteil 56,7%. Wenn man die Trockenmasse hinzurechnet sind es sogar 64,8%. Ich sah in den Startmanifests auch schon Satelliten, die zu zwei Dritteln aus Triebstoff bestanden. Wenn die Lebensdauer weiter ansteigt wird dieser Anteil immer gr&ouml;&szlig;er. Ionenantriebe brauchen viel weniger Treibstoff und damit ist eine l&auml;ngere Betriebsdauer m&ouml;glich. Als weiterer Vorteil ben&ouml;tigten die Ionentriebwerke mehr Leistung als heute Solargeneratoren liefern. W&auml;hrend des Betriebs wird diese Leistung zwar auch ben&ouml;tigt, aber nur kurzzeitig f&uuml;r ein Triebwerk und nicht mehrere. Diese Leistung steht dann f&uuml;r den Betrieb der funktechnischen Nutzlast zur Verf&uuml;gung. Damit sind leistungsst&auml;rkere Sender m&ouml;glich mit h&ouml;heren Datenraten.<\/p>\n<p>Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r Arianespace plant man nicht den LEO -&gt; GEO Transfer. Denn dieser w&uuml;rde Folgen haben. Es w&uuml;rden noch weitaus kleinere Tr&auml;ger ausreichen und der Hauptnachteil russischer Tr&auml;ger, dass durch die n&ouml;rdliche Startbasis die Nettonutzlast recht gering ist, spielt bei Ionenanantriebe nun praktisch keine Rolle mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich ja schon mehrfach mit Ionenantrieben besch&auml;ftigt. Wenn es um den Transfer in den GEO geht, dann habe ich mich immer f&uuml;r den vollen Weg, also vom LEO und in den GEO ausgesprochen. Nun scheint es so zu sein, dass die ersten Satelliten gebaut werden die Ionenantriebe als Ersatz f&uuml;r einen Apog&auml;umsmotor einsetzen. 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