{"id":6167,"date":"2012-04-12T00:55:20","date_gmt":"2012-04-11T22:55:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6167"},"modified":"2012-04-10T09:56:55","modified_gmt":"2012-04-10T07:56:55","slug":"lebensmittelqualitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/04\/12\/lebensmittelqualitat\/","title":{"rendered":"Lebensmittelqualit&auml;t"},"content":{"rendered":"<p>K&uuml;rzlich fand ich folgenden Kommentar im Blog:<\/p>\n<p><em>&#8222;Bernd, mich w&uuml;rde mal eine Aussage des Fachmanns zur allgemeinen Lebensmittelqualit&auml;t interessieren. Nat&uuml;rlich essen wir i.d.R. zu viel und zu sehr \u201csynthetisch\u201d im Sinne von vorverarbeitet und Inhaltsstoffe, die das Produkt billiger machen. <\/em><\/p>\n<p><em>Das sind aber eher Probleme des Verbraucherverhaltens (\u201cEssen muss reichlich und billig sein\u201d) Ich meine das eher im Sinne der tats&auml;chlichen Qualit&auml;t und der Schadstofffreiheit. Wenn wir den Medien und den Verbrauchersch&uuml;tzern glauben essen wir ja nur noch pures Gift. <\/em><\/p>\n<p><em>Ist das so? War die Nahrung vor 40 Jahren unbedenklicher als heute? Die reinen Synthetikprodukte aber auch Premium-Bioprodukte (Demeter o.&auml;.) wollen wir mal au&szlig;en vor lassen. Also den Durchschnitt. Ohne die ersten und letzten 10%. <\/em><\/p>\n<p><em>Der andere Bernd&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Bernd hat eine sehr interessante Frage gestellt, n&auml;mlich die ob die Lebensmittelqualit&auml;t in den letzten 40 Jahren besser geworden ist. Die Frage ist schon deswegen interessant, weil wahrscheinlich zehn Leute zehn verschiedene Antworten geben w&uuml;rden, was Lebensmittelqualit&auml;t sein kann. Hier einige Dinge die mir so spontan in den Gedanken kommen:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Eine hohe Qualit&auml;t eines Lebensmittels kann ein hoher Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen sein. Dieser Fachausdruck kann aber auch vom Laien verstanden werden. Wertgebend ist ein Inhaltsstoff, wenn er teuer ist oder wesentlich f&uuml;r das Lebensmittel also f&uuml;r den Geschmack oder die Zusammensetzung. Bei einer Reihe von Lebensmitteln findet man die in den Leits&auml;tzen, also den Vereinbarungen aller bei Herstellung, Handel und Verbrauch beteiligten niedergelegen Rezepturen. Oder es gibt zumindest Mindestanforderungen in Verordnungen. So ist f&uuml;r Schokolade z.B. er Mindestkakaoanteil festgelegt. Bei Schokolade kann es der Kakaoanteil sein, bei einem K&ouml;rnerbrot die Menge an K&ouml;rnern bei einer Linsensuppe in Dosen die Linsen und W&uuml;rstchen und bei einer Pizza die Menge des Belags und seine Verteilung (viel Salami oder viel Kase).<\/li>\n<li>Eine hohe Qualit&auml;t kann eine weitgehende Armut an Schadstoffen sein, also m&ouml;glichst wenig an R&uuml;ckst&auml;nden entweder aus der Umwelt (Schwermetalle, PAK, PCB) oder der Produktion (Pestizide, Tierarzneimittel, Hormone)<\/li>\n<li>Eine hohe Qualit&auml;t kann eine sehr schonende Verarbeitung sein, welche z.B. Geschmack m&ouml;glichst wenig ver&auml;ndert und Vitamine erh&auml;lt.<\/li>\n<li>Eine hohe Qualit&auml;t kann ein Verzicht auf erlaubte Zusatzstoffe sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das alles sind m&ouml;gliche Definitionen und ich will mal drauf eingehen, was die Problematik ist. Ich beginne mit dem einfachsten: Dem Punkt 2: Armut an R&uuml;ckst&auml;nden. Denn dies wird von amtlicher Seite kontrolliert und die Analytik hat in den letzten Jahrzehnten solche Fortschritte gemacht, dass dies auch sehr effektiv m&ouml;glich ist. Zahlreiche Gesetzgebungen, wie der Verbot von verbleitem Benzin in den achtziger Jahren haben die allgemeinen Umweltbelastungen tendenziell gesenkt. Bei einigen ubiquit&auml;r vorhandenen Stoffen ist dies nicht der Fall, doch auch diese liegen weit unter den Grenzwerten. Bei den Pestiziden ist es so, dass durch die Kontrolle die gravierenden &Uuml;berschreitungen von Grenzwerten seltener geworden sind, genauso wie bei Tierarzneimitteln und Hormonen. Was allerdings vor allem bei Pestiziden der Fall ist, ist dass immer mehr Stoffe eingesetzt werden, weshalb Experten schon daf&uuml;r pl&auml;dieren einen gemeinsamen Grenzwert der alle Substanzen umfasst einzuf&uuml;hren, da bisher nicht untersucht wird, wie sich die Wirkung von vielen kleinen Dosen addieren oder sonst wie verst&auml;rken k&ouml;nnen. Ich w&uuml;rde davon ausgehen, dass wir heute weniger stark durch R&uuml;ckst&auml;nde belastet sind als vor vierzig Jahren, weil die Grenzwerte versch&auml;rft wurden, und auch die Kontrollen viel besser geworden sind. Das es heute mehr Skandale gibt ist auch ein Ergebnis dessen. Fr&uuml;her h&auml;tte es die wohl gar nicht erst gegeben, weils keiner bemerkt h&auml;tte.<\/p>\n<p>Die anderen Punkte sind schwerer zu beantworten. Zum einen gibt es bei Punkt 3 heute mehr M&ouml;glichkeiten ein Produkt schonend herzustellen. Die &Uuml;berwachung der Produktion ist besser geworden, es gibt Methoden sehr rasch Produkte zu erhitzen und ebenso rasch abzuk&uuml;hlen bis hin einzufrieren. Es gibt Mikrowellen zum Erhitzen, die keine direkte W&auml;rmeentwicklung bewirken. Das ist die eine Seite, auf der anderen Seite haben wir aber auch eine Abkehr von der handwerklichen Herstellung oder kurzen Wegen zum Verbraucher hin zu industrieller Herstellung und langen Wegen. Das bedeutet tendenziell, dass Lebensmittel &#8222;robuster&#8220; sein m&uuml;ssen, also mehr aushalten k&ouml;nnen m&uuml;ssen beim Transport. Bekannt ist das bei Obst. Tomaten kommen aus immer gr&ouml;&szlig;erer Entfernung und werden gr&uuml;n geerntet. Bei Apfelsorten ist heute eine harte Schale ein wichtiges Sortenkriterium, weil die Waren nicht mehr vorwiegend auf dem Wochenmarkt sondern im Supermarkt verkauft wird.<\/p>\n<p>Mit den Zusatzstoffen, also dem letzten Punkt ist es ebenso nicht leicht. Unbestreitbar hat uns die EU-Gesetzgebung hier viel mehr beschert. Nach den EU-Gesetzen muss ein Lebensmittel das legal in einem Mitgliedsland in den Verkehr gebracht wird auch in allen anderen L&auml;ndern legal gehandelt werden k&ouml;nnen. Das bedeutet, dass die EU seit Jahrzehnten die Gesetzgebung in den Mitgliedsstaaten harmonisiert und das f&uuml;hrt unter anderem zu &uuml;ber 300 zugelassenen Zusatzstoffen. De fakto hat das eher die Tendenz den niedrigsten Standard in Europa einzuf&uuml;hren, als andere L&auml;nder auf den hohen Standard von Deutschland oder der Schweiz anzuheben. Ob diese allerdings alle eingesetzt werden ist eine andere Sache. Tendenziell w&uuml;rde ich annehmen es sind mehr Zusatzstoffe geworden, die man in Lebensmittel findet. Das sehe ich, wenn ich pl&ouml;tzlich in Wurst erlaubte Farbstoffe sehe. Diese waren schon fr&uuml;her erlaubt aber nun findet man sie vermehrt. Dazu wird die Industrie immer trickreicher Verbote zu umgehen. So ist es nicht erlaubt in Brot Farbstoffe einzubringen. Also gibt e neue &#8222;Zutaten&#8220;, die f&auml;rbend sind, wie Malzextrakt oder Runkelr&uuml;bensaftkonzentrat. Auch das Optimieren der Produktion f&uuml;hrt zum verst&auml;rkten Einsatz. Ein Stichwort ist hier die Brotherstellung. Da will der Verbraucher zwar ein m&ouml;glichst urt&uuml;mliches Brot, aber gleichzeitig d&uuml;rfen da auch keine gro&szlig;en Gasblasen drin sein, es muss gut aufgegangen sein, eine knusprige Krume haben und lange haltbar sein. In der Summe ist das ohne Mehlbehandlungsmittel aber nicht zu machen. Die traditionelle Produktion kann eines oder zwei dieser Merkmale optimieren, doch nicht alle.<\/p>\n<p>Der erste Punkt, die qualitative Zusammensetzung. Das grunds&auml;tzliche Problem ist, dass wir hier kaum Vorschriften haben, wie Lebensmittel zusammengesetzt sein sollen. Es gibt die Leits&auml;tze die diese Funktion haben sollen, doch da an diesen alle Beteiligten (Hersteller, Handel, Verbraucher und &Uuml;berwachung) mitwirken, gibt es da kaum Fortschritte. Wenn dann sind sie f&uuml;r den Verbraucher nur bedingt n&uuml;tzlich, wenn bei Fleisch z.B. der Gehalt an Kreatinin und Hydroxiprolin als Indikatoren f&uuml;r bestimmte qualitativ hoch- oder niederwertige Fleischbestandteile angef&uuml;hrt werden, dann n&uuml;tzt ihnen das wenig. Neue Lebensmittel, also die zahlreichen Kreationen und sei es nur ein neues Brot finden sich schon gar nicht darin. Leits&auml;tze gibt es praktisch nur f&uuml;r traditionelle Lebensmittel die allgemein verbreitet sind, nicht f&uuml;r Handelsmarken, egal wie popul&auml;r diese sind (Milchschnitte, Knobbers, Hanuta um nur einige zu nennen).<\/p>\n<p>Das einzig positive ist, dass seit einigen Jahren die wertgebenden Bestandteile in Prozentangaben auf den Verpackungen vermerkt sein m&uuml;ssen, sodass man diese einsehen kann. Die Lebensmittel&uuml;berwachung hat auch nicht die Aufgabe generell die Zusammensetzung eines Lebensmittels zu ermitteln, sondern nur die &Uuml;bereinstimmung mit Mindestangaben zu &uuml;berpr&uuml;fen (sofern in den Leits&auml;tzen etwas dazu steht) oder bei Herausstellung, das es etwas besseres sei wie dem Wort &#8222;Premium&#8220; zu &uuml;berpr&uuml;fen ob es die Mindestgehalte deutlich &uuml;berschreitet. Es gab in der Zeit auch einige Versuche die Mindestanforderungen zu senken, so bei dem Gehalt von Rindfleischextrakt in Suppen und meist ist das auch gelungen. Auf der anderen Seite hat die &#8222;Light&#8220; Welle dazu gef&uuml;hrt, dass ich immer mehr tendenziell leichte Lebensmittel im Regal sehe. Wer mal eine N&auml;hrwerttabelle aus den achtziger Jahren nimmt und den Brennwert bei verschiedenen Wurstsorten mit normaler Supermarktware vergleicht, stellt fest dass diese heute viel fett&auml;rmer ist.<\/p>\n<p>Schlu&szlig;endlich gibt es nur ein Res&uuml;mee : So genau wei&szlig; niemand wie sich die Qualit&auml;t ver&auml;ndert hat. Ich pers&ouml;nlich w&uuml;rde sagen sie ist tendenziell besser geworden, allerdings mit Ausnahmen wo dies nicht der Fall ist. Was hilft ist sich wirklich die Packungen durchzulesen und dann an der Kasse abzustimmen. Wenn mehr hochwertige Lebensmittel verkauft werden, dann werden auch mehr produziert. Das hat gerade die Light-Welle gezeigt. Als die Verbraucher kritischer wurden, wie viel Fett in der Wurst ist, dann sank als Folge auch der Fettgehalt bei normaler Wurst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K&uuml;rzlich fand ich folgenden Kommentar im Blog: &#8222;Bernd, mich w&uuml;rde mal eine Aussage des Fachmanns zur allgemeinen Lebensmittelqualit&auml;t interessieren. Nat&uuml;rlich essen wir i.d.R. zu viel und zu sehr \u201csynthetisch\u201d im Sinne von vorverarbeitet und Inhaltsstoffe, die das Produkt billiger machen. 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