{"id":6232,"date":"2012-04-30T00:32:33","date_gmt":"2012-04-29T22:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6232"},"modified":"2012-04-29T21:35:42","modified_gmt":"2012-04-29T19:35:42","slug":"nahrungsvorlieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/04\/30\/nahrungsvorlieben\/","title":{"rendered":"Nahrungsvorlieben"},"content":{"rendered":"<p>Hall&ouml;chen. Ich bin zur&uuml;ck aus dem Allg&auml;u. Meine Arbeiten konnte ich alle erledigen, aber die geplanten Ausfl&uuml;ge in die Umgebung fielen ins Wasser, weil es nur an vier von zehn Tagen warm und sonnig war und die brauchte ich f&uuml;r die Au&szlig;enarbeiten. Zudem lag schon als ich ankam auf den Bergen noch Schnee, etwa bis zur H&auml;lfte der H&ouml;he. Mit dem Besteigen der Alpspitze, des Edelbergs und der Reuter Wanne wurde es also nichts. Die Extreme: am Dienstag gab es morgens Schneegest&ouml;ber und am Samstag fast 30 Grad &#8211; und das innerhalb von vier Tagen&#8230;.<\/p>\n<p>So konnte ich zwangsweise etwas mehr Fernsehen schauen, weil sonst nichts zu tun war und da bin ich bei den Digitalen Kan&auml;len von ARD und ZDF gelandet. Da gab es auch einen Bericht &uuml;ber die Zucht von Insekten in Thailand\/Kambodscha. Dem wurde eine gro&szlig;e Zukunft vorhergesagt, da es sehr &ouml;konomisch ist: Insekten sind gute Futterverwerter und brauchen nur wenig Platz. In diesen L&auml;ndern ist es auch normal Insekten zu essen. Bei uns eher nicht. Ein Experte meinte zwar dass dies genauso &#8222;life-style&#8220; werden w&uuml;rde wie Sushi, doch ich bin da skeptisch. Allerdings mag ich auch schon Sushi nicht &#8230;.<!--more--><\/p>\n<p>Dann lass ich noch auf der Zugfahrt einiges aus einem Lehrbuch f&uuml;r Ern&auml;hrungslehre, schlie&szlig;lich will ich meine Kenntnisse f&uuml;r das Di&auml;tbuch auf den neusten Stand bringen. Da fand ich die Einleitung ganz gut die sich damit besch&auml;ftigt, warum wir auf verschiedenen L&auml;ndern unterschiedliche Nahrungspr&auml;ferenzen haben. Zeit also das Thema aufzugreifen.<\/p>\n<p>Bekanntlicherweise gibt es im Judentum und im Koran das Verbot von Schweinefleisch und im Hinduismus sind K&uuml;he heilige Tiere. Zu diesen generellen Verboten gibt es dann noch zeitlich befristete wie z.B. die Fastenzeit im katholischen Glauben. Dar&uuml;ber hinaus gibt es Unterschiede, welche Tiere gegessen werden, nat&uuml;rlich auch bei Pflanzen, doch da sind diese viel einfacher klimatisch begr&uuml;ndbar.<\/p>\n<p>Fangen wir an mit den Schweinen: Sie sind in Deutschland die absolute Lieblingsfleischquelle, aber im Koran und alten Testament ist es verboten. Offiziell weil die Tiere &#8222;unrein&#8220; sind und sich gerne im Schlamm w&auml;lzen. Man hat das auch versucht zu erkl&auml;ren, dass Krankheitserreger (bei Schweinen Trichinen) &uuml;bertragen werden k&ouml;nnen. Nur: Auch H&uuml;hner kratzen im Dreck herum und haben Krankheitserreger (Salmonellen). Beide sind kein Problem, wenn man das Fleisch erhitzt.<\/p>\n<p>Es ist aber relativ einfach &ouml;konomisch zu erkl&auml;ren. Schweine sind wie der Mensch Allesfresser und sie haben Schwei&szlig;dr&uuml;sen wie wir. Das bedeutet: Sie konkurrieren mit uns um die Nahrung und sie brauchen relativ viel Wasser in warmer Umgebung. Beides ist in warmen Gegenden von Nachteil. Im Orient, wo die Verbote entstanden gibt es wenig Wasser und Schweine kann man nicht auf einer Weide halten. Bei uns wurden Jahrhunderte lang die Schweine in den Wald getrieben, wo sie sich von Eicheln und Wurzeln ern&auml;hrten. Wald gab es bei uns genug und so konnte man die Schweine halten ohne dass sie Nahrung beanspruchten, die der Mensch brauchte.<\/p>\n<p>Im Orient war das nicht m&ouml;glich und das Wasser auch noch knapp. Der Nutzen von Schweinen ist dagegen gering. Sie liefern nur Fleisch. K&uuml;he liefern auch noch Milch und sind als Zugtiere nutzbar, Schafe liefern Wolle und Ziegen ebenfalls Milch. H&uuml;hner zus&auml;tzlich Eier.<\/p>\n<p>Warum gibt es nun das Verbot K&uuml;he zu schlachten im Hinduismus? Nun auch hier wirtschaftliche Gr&uuml;nde: Eine Kuh ist als Michquelle, D&uuml;ngerlieferant und Zugtier viel wertvoller als wie als Fleischquelle. Es ist ja auch nicht das Rindvieh allgemein &#8222;heilig&#8220;, sondern nur die Kuh. Die Stiere die keine Milch liefern sind es nicht.<\/p>\n<p>Wenn man dies &uuml;bertr&auml;gt auf andere Gebiete sieht man bald: Menschen orientieren sich an der &Ouml;konomie. In keiner Gesellschaft kommt man auf die Idee Pferde als Fleischlieferant zu nutzen &#8211; sie sind relativ schlecht geeignet daf&uuml;r. Sie sind keine Wiederk&auml;uer, brauchen also relativ hochwertiges Futter das auch der Mensch essen k&ouml;nnte (anders als Schafe oder K&uuml;he) und sie verwerten das Futter schlecht. Ihr Nutzen liegt in der Bedeutung als Zugtier und trotzdem sind sie sehr teuer (Im Mittelalter kostete ein Schlachtross soviel wie 10-20 K&uuml;he oder Ochsen). In Asien kennt man viele unserer Nutztiere kaum, bzw. Sie spielen kaum eine Rolle. Auch hier wirtschaftliche Gr&uuml;nde: Reis wird im Na&szlig;anbau angebaut. Da gibt es keine Weiden. Enten die im Wasser leben oder H&uuml;hner die wenig Platz brauchen, sind aber haltbar.<\/p>\n<p>Das trifft auch f&uuml;r andere Verbote zu. Ich halte es f&uuml;r keinen Zufall, dass unsere Fastenzeit vor Ostern auf das Winterende f&auml;llt. Das Christentum wurde ja sehr bald eine europ&auml;ische Religion, w&auml;hrend Judentum und Islam lange Zeit auf s&uuml;dlich gelegenere Gebiete beschr&auml;nkt waren. Bei uns gibt es im Winter keine Ernten und man muss von den Vorr&auml;ten leben, anders als im s&uuml;dlichen Mittelmeer, wo es auch zu dieser Zeit noch Ernten gab. Da streckte das Fasten die Vorr&auml;te und verhinderte Hungersn&ouml;te, wenn man diese zu schnell aufbrauchte.<\/p>\n<p>Von den gro&szlig;en Nutztieren sind die optimalsten Nutztiere Rinder und Schafe. Beide sind Wiederk&auml;uer. Sie kommen daher mit Grass als Futter aus, ben&ouml;tigen also kein Futter, das auch Menschen essen konsumiert. Dar&uuml;ber hinaus w&auml;chst Grass auch bei schlechtem Boden (im Allg&auml;u wo ich gerade war wird man lange nach einem Acker suchen k&ouml;nnen &#8211; auf dem Lehmboden gibt es nur Weidewirtschaft) und beide haben Zusatznutzen: Sie liefern Milch, Schafe zus&auml;tzlich Wolle und Rinder sind als Arbeitstiere nutzbar.<\/p>\n<p>Auch genetische Ursachen kann man anf&uuml;hren. So hat sich schon in vorchristlicher Zeit eine Population in Europa durchgesetzt die Laktose spalten konnte (innerhalb von nur 400 Generationen von 5% auf 90% der Bev&ouml;lkerung) weshalb Milchgenu&szlig; bei uns kein Problem war. Dagegen wurden in anderen Kulturen eher fermentierte Milchprodukte konsumiert (in diesen wird die Laktose durch G&auml;rung abgebaut). Auch gibt es bei uns viele trinkfeste Genossen &#8211; in Asien gibt es dagegen noch mehr Personen mit einem gentischen Defekt in der Aktivit&auml;t der Alkoholdehydrogenase &#8211; kein Wunder dass Bier und Wein in Europa weit verbreitet sind, nicht dagegen in Asien.<\/p>\n<p>Wir sehen das nat&uuml;rlich auch bei Pflanzen. Relativ deutlich wird das bei Getreide: Wo es viel Wasser gibt und warm ist, ist Reis die erste Wahl. Er liefert dann 2-3 Ernten pro Jahr mit hohem Ertrag. Wo es warm isst, aber das Wasser nicht so &uuml;ppig ist es dann Weizen. Im Mittelmeerraum liefert er immer noch zwei Ernten pro Jahr. Roggen, der bei uns das Getreide der Wahl ist kommt dagegen auch mit kaltem Wetter zurecht. sonst g&auml;be es bei uns nur eine Getreideernte pro Jahr. Noch anspruchsvoller ist Hafer, der daher lange Zeit auch bei uns wichtig war (und in n&ouml;rdlicheren Gegenden immer noch ist). Analog haben Kartoffeln, die mit K&auml;lte gut zurecht kommen ihren Siegeszug in Mittel- und Nordeuropa angetreten, w&auml;hrend man in S&uuml;deuropa bei den Weizenprodukten blieb (Pasta, Pizza, Polenta etc&#8230;).<\/p>\n<p>Wir m&ouml;gen das was wir gew&ouml;hnt sind. Man muss nur mal in China sich umsehen was dort alles gegessen wird. Ungewohntes wird erst misstrauisch be&auml;ugt und wenn es stark von dem gewohnten abweicht (Insekten, &#8222;tausendj&auml;hrige Eier&#8220; etc.) stellt sich Ekel ein. Physiologisch k&ouml;nnen wir alles verdauen, das zeigen Extrembeispiele von Gesellschaften die sich fast nur tierisch ern&auml;hren (Eskimos, Massai) wie fast ausschlie&szlig;lich pflanzlicher Kost. So glaube ich nicht dass sich bei uns Insekten durchsetzen werden, vielleicht als hochgereinigtes Reinprotein, doch der Nutzen ist dann gering. Denn Insekten bauen dieses Protein aus Nahrungsprotein auf, und wenn man hoch reinigt, dann kann man gleich das Nahrungsprotein aufreinigen.<\/p>\n<p>Auch andere Tiere k&ouml;nnen wichtig werden: In\u00a0&Auml;gypten\u00a0verehrte man Katzen als G&ouml;tter &#8211; ohne sie w&auml;ren die Ernten wohl Opfer der M&auml;use geworden.<\/p>\n<p>Als kleine Gedankensportaufgabe: Was z&uuml;chtete Walther Nernst nach seiner Emeritierung 1933? Hinweis, es hat etwas mit seiner Forschung zu tun &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hall&ouml;chen. Ich bin zur&uuml;ck aus dem Allg&auml;u. Meine Arbeiten konnte ich alle erledigen, aber die geplanten Ausfl&uuml;ge in die Umgebung fielen ins Wasser, weil es nur an vier von zehn Tagen warm und sonnig war und die brauchte ich f&uuml;r die Au&szlig;enarbeiten. 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