{"id":6258,"date":"2012-05-08T00:13:04","date_gmt":"2012-05-07T22:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6258"},"modified":"2012-05-07T21:31:48","modified_gmt":"2012-05-07T19:31:48","slug":"wie-kommt-juice-zu-jupiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/05\/08\/wie-kommt-juice-zu-jupiter\/","title":{"rendered":"Wie kommt JUICE zu Jupiter"},"content":{"rendered":"<p>Die n&auml;chste ESA &#8222;Cornerstone&#8220; Mission ist <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/esaCP\/SEM9I4QWJ1H_index_0.html\" target=\"_blank\">JUICE<\/a>, eine Raumsonde die &uuml;ber mindestens drei Jahre Vorbeifl&uuml;ge an Europa, Ganymed und Kallisto machen soll und schlie&szlig;lich in einen Orbit um Ganymed einschwenken soll. Noch gibt es wenig &uuml;ber die Raumsonde, sie scheint nach der Abbildung mit Solarzellen zu arbeiten, was inzwischen ja m&ouml;glich ist &#8211; leichtgewichtige und f&uuml;r den Betrieb bei Jupiter qualifizierte Solarzellen gibt es ja. Die Kosten betragen 850 Millionen Euro &#8211; teurer als eine Mars oder Venussonde, aber immer noch billiger als Exomars.<\/p>\n<p>Mit schuld daran ist dass man zum Start eine Ariane 5 braucht &#8211; das verwundert nicht, denn auch Juno ben&ouml;tigte die leistungsst&auml;rkste Atlas Version, Cassini die Titan 4B und Galileo w&auml;re sogar auf die Shuttle Centaur G Prime angewiesen gewesen.<\/p>\n<p>Zeit also wieder f&uuml;r einen Grundlagenartikel. Ich will die Mission dieser Raumsonde mal aufgreifen um zu zeigen wie JUICE zum Jupiter kommen kann. Es gibt da einige M&ouml;glichkeiten.<!--more--><\/p>\n<h3>M&ouml;glichkeit 1: direkter Start mit einer Ariane 5<\/h3>\n<p>Wer die ungef&auml;hren Leistungsdaten der ESC-B kennt (sie ist noch nicht fertig, aber es gibt schon einige Eckdaten), der kann erahnen, dass es mit der ESC-B alleine nicht geht. Um zum Jupiter direkt zu kommen ben&ouml;tigt man mindestens 14,1 km\/s relativ zur Erdoberfl&auml;che. Da die Bahn von Erde und Jupiter geneigt und elliptisch sind, kann der Wert auf bis zu 14,5 km\/s ansteigen, nimmt man 14,3 km\/s als Mittel, so sind dies 4 km\/s mehr als in einen GTO Orbit. Schon bei 1,2 km\/s mehr (zum Mars) halbiert sich aber die Nutzlast. Nimmt man eine Trockenmasse der ESC-B von 5 t an (sie ist mit 6-6,25 t angegeben, aber wie bei der ESC-A wird dies wahrscheinlich mit dem Stufenadapter sein) so kann sie nur rund\u00a0 344 kg auf diese Geschwindigkeit beschleunigen. Es k&ouml;nnen noch ein paar Kilo mehr sein wenn man irgendwo Gewicht einspart (z.B. wiegt alleine die VEB 950 kg), aber es ist nicht gerade viel.<\/p>\n<p>Das hohe Trockengewicht ist der Schl&uuml;ssel. Es muss reduziert werden. Die effizienteste M&ouml;glichkeit ist es eine neue Stufe einzuf&uuml;hren. Sowohl Juno wie auch New Horizons nutzen beim Start eine zus&auml;tzliche Star 48 Oberstufe von etwa 2 t Start- aber nur 232 kg Trockenmasse. Leider gibt es in Europa keine Oberstufe in der passenden Gr&ouml;&szlig;e. Am ehesten geeignet w&auml;re der Zefiro 9A Antrieb. Er w&uuml;rde die Nutzlast auf beachtliche 1847 kg anheben. Allerdings nur wenn die VEB auf der ESC-B bleibt. Doch das ist kein Problem, denn zusammen wiegt das Gespann nun 13.300 kg. Damit verl&auml;sst es die Erde nicht, sondern erreicht eine elliptische Erdumlaufbahn. Es gibt also gen&uuml;gend Zeit in dieser JUICE in Betrieb zu nehmen und die Raumsonde kann dann die Z&uuml;ndung des Zefiro 9 direkt veranlassen und mit ihren Steuertriebwerken den Betrieb stabilisieren.<\/p>\n<p>Eine zweite M&ouml;glichkeit w&auml;re es die Fregat Oberstufe der Sojus auf der Ariane 5 einzusetzen. Sie hat ihre eigene Steuerung. Sie w&uuml;rde 1891 kg zum Jupiter bringen. Es w&auml;re dann eine direkte Bahn oder erst eine Parkbahn um die Erde m&ouml;glich (da die Gesamtnutzlast f&uuml;r ESC-B mit 8,45 t immer noch zu klein f&uuml;r eine Fluchtbahn ist).<\/p>\n<h3>M&ouml;glichkeit 2: Fly Bys<\/h3>\n<p>Das JUICE direkt zu Jupiter gebracht wird ist eher unwahrscheinlich, denn die Sonde soll 2022 starten, aber den Jupiter erst 2030 erreichen. Auf einer direkten Bahn erreicht man Jupiter aber nach sp&auml;testens zweieinviertel Jahren. Wahrscheinlicher sind daher Fly-Bys an den Planeten. Es gibt hier sehr viele M&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p>1: Mars Fly-By. Der Mars liegt auf dem Weg zum Jupiter. Wenn er an der richtigen Position ist, was alle drei Jahre der Fall ist, dann kann man Geschwindigkeit sparen. Das war f&uuml;r den urspr&uuml;nglichen Starttermin von Galileo 1982 vorgesehen. Allerdings ist der Mars recht klein. Je nach Anfluggeometrie und Abstand kann er eine Raumsonde um maximal 1 km\/s beschleunigen. Rosetta z.B. um 800 m\/s. Immerhin: bei der Ariane 5 -Fregat w&uuml;rden nur 800 m\/s weniger schon die Nutzlast auf 2.465 kg erh&ouml;hen, das ist dann schon schwerer als Galileo.<\/p>\n<p>2: Erde\/Venus Fly By. Oder wie es neudeutsch hei&szlig;t VEGA, VVEGA oder VEEGA. Ein V oder E steht jeweils Venus oder Erde. Die Idee: die n&ouml;tige Geschwindigkeit erh&auml;lt man durch Vorbeifl&uuml;ge n diesen beiden erd&auml;hnlichen Planeten. Galileo flog eine VEEGA Passage (zweimal Venus, einmal Erde), Cassini eine VVEGA (zwei Venus Vorbeifl&uuml;ge, ein Erdvorbeiflug), Juno einen Erdvorbeiflug (EGA) und Rosetta eine EMEGA (Erde, Mars, Erde).<\/p>\n<p>Ein Vorbeiflug an der Erde oder Venus kann eine Raumsonde um 3-4 km\/s beschleunigen. Allerdings nun bezogen auf die solare Geschwindigkeit. Beim Start profitiert die Sonde vom Start aus einem Potentialtopf, sodass sie nur 3,3 km\/s mehr als die Fluchtgeschwindigkeit aufwenden muss, w&auml;hrend die solare Geschwindigkeitsdifferenz zu Jupiter eigentlich 8,7 km\/s betr&auml;gt.<\/p>\n<p>Die Berechnung der Bahnen ist komplex und sie sind nur m&ouml;glich weil die Raumsonden eigene Treibstoffvorr&auml;te haben, mit denen sie zwischen den Vorbeifl&uuml;gen die Bahnen anpassen k&ouml;nnen, sonst w&auml;ren sie zu lange unterwegs. Ein Erdvorbeiflug w&uuml;rde schon die Startgeschwindigkeit auf 12,2 km\/s senken. Ideal w&auml;re eine Bahn die bis auf 340 Millionen km von der Erde wegf&uuml;hrt. Sie f&uuml;hrt dazu, dass die Sonde nach zwei Jahren die Erde erneut passiert. Die Raumsonde m&uuml;sste dann von der erde um 3,64 km\/s beschleunigt werden, was m&ouml;glich ist (eventuell unterst&uuml;tzt durch eine Z&uuml;ndung des Triebwerks beim Vorbeiflug.<\/p>\n<h3>M&ouml;glichkeit 3: Ionentriebwerke<\/h3>\n<p>Die Raumsonde wird ihren Strom durch Solararrays decken. Da beim Jupiter die Leistung nur noch ein 27-stel dessen bei der Erde betr&auml;gt hat man beim Start enorm viel &uuml;berfl&uuml;ssige Leistung. Man kann diese nutzen um mit einem Ionenantrieb die Bahn aktiv zu &auml;ndern. Wenn JUICE bei Jupiter noch 400 Watt Leistung hat, 1.800 kg ohne Ionentriebwerke wiegt, so wird die Sonde beim Start 2.900 kg schwer sein und knapp 1.400 Tage lang ihre Ionentriebwerke betreiben m&uuml;ssen. Bei h&ouml;herer Leistung und Reserven f&uuml;r Strahlungssch&auml;den kann es sogar noch schneller gehen.<\/p>\n<h3>M&ouml;glichkeit 4: Kombinationen<\/h3>\n<p>Man kann dies nat&uuml;rlich auch kombinieren. So kann eine Ariane 5 ohne zus&auml;tzliche Oberstufe eine rund 3-4 t schwere Sonde schon mal auf eine Bahn jenseits des Mars schicken. Mit den Ionentriebwerken wird diese ausgeweitet und die Kurskorrekturen zur&uuml;ck zur Erde durchgef&uuml;hrt die dann noch einen Schubs gibt.<\/p>\n<p>Auff&auml;llig ist, dass die Raumsonde doch sehr lange unterwegs ist &#8211; 8 Jahre bis Jupiter ist schon sehr lange. Galileo brauchte sechseinhalb Jahre und Cassini nur\u00a0 vier Jahre. Da werden sicher einige Extrarunden gedreht.\u00a0JUICE wird, soweit ich dies finden konnte eine EVEEGA Bahn einschlagen (drei Erd- und einen Venusvorbeiflug) und chemischen Treibstoff einsetzen. Die Trockenmasse soll 1.650 kg betragen, es soll aber relativ viel Treibstoff mitgef&uuml;hrt werden,<\/p>\n<p>Ach ja einen Tipp h&auml;tte ich noch f&uuml;r die ESA. <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/launch\/120504-affordability-not-geographic-return.html\">Da nun erwogen wird<\/a> f&uuml;r die &#8222;Ariane 6&#8220; das Prinzip des geographischen R&uuml;ckflusses zu lockern &#8211; warum fang ihr nicht schon bei der ESC-B damit an? Mein Vorschlag: Nehmt die Delta V Oberstufe in der 5 m Version und baut das Vinci dort ein. Die Treibstoffmenge ist fast dieselbe (27,2 zu 27,5 t) nur wiegt diese leer 3.490 kg anstatt 6.000 bis 6.250 kg. Selbst wenn man das um 200 kg h&ouml;here Triebwerksgewicht ber&uuml;cksichtigt und noch eine VEB drauf montiert steigert dies die Nutzlast auf 13,6 anstatt 11,5 t wie dies bei der ESC-B geplant ist und noch schlimmer: die gesamte Delta IV Entwicklung war preiswerter als der Kostenvoranschlag von EADS f&uuml;r die ESC-B Oberstufe&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n&auml;chste ESA &#8222;Cornerstone&#8220; Mission ist JUICE, eine Raumsonde die &uuml;ber mindestens drei Jahre Vorbeifl&uuml;ge an Europa, Ganymed und Kallisto machen soll und schlie&szlig;lich in einen Orbit um Ganymed einschwenken soll. 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