{"id":6285,"date":"2012-05-17T00:32:10","date_gmt":"2012-05-16T22:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6285"},"modified":"2012-05-15T17:33:17","modified_gmt":"2012-05-15T15:33:17","slug":"the-big-dump-solid-booster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/05\/17\/the-big-dump-solid-booster\/","title":{"rendered":"The Big Dump Solid Booster"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich mal das Thema schon mal aufgegriffen habe, heute eine zweite Sichtweise auf die Idee der &#8222;billigen&#8220; Tr&auml;gerrakete. Am einfachsten geht dies nat&uuml;rlich mit festen Antrieben.<\/p>\n<p>Sie haben eine Reihe von Vorteilen:<\/p>\n<ul>\n<li>Sie haben einen sehr einfachen Aufbau und dadurch das Potential preiswert gefertigt zu werden<\/li>\n<li>Es werden keine teuren und anf&auml;lligen bewegliche Teile gebraucht, wodurch sie sehr zuverl&auml;ssig sind<\/li>\n<li>Das erlaubt es eine Rakete aus vielen Feststoffboostern zu bauen, bei Fl&uuml;ssigen Stufen hat man beim B&uuml;ndeln ja immer das Problem, das mehr Triebwerke auch eine niedrigere Zuverl&auml;ssigkeit und h&ouml;here Ausfallwahrscheinlichkeit bedeuten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass Feststoffraketen sehr teuer sein sollten. In den achtziger Jahren war die IUS Oberstufe teurer als eine Centaur. Warum? Sie sollte die Eigenschaft einer fl&uuml;ssigen Oberstufe haben &#8211; ausgehend vom LEO sollten zwei Stufen einen pr&auml;zisen GEO Orbit erreichen, dabei musste sie dreiachsenstabilisiert sein, auch w&auml;hrend des Betriebs.<!--more--><\/p>\n<p>Heute haben wir Feststoffraketen wie die Taurus XL die teuer sind als manche Rakete mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen. Neben den niedrigen Produktionsziffern ist ein Grund, dass diese sehr weiter entwickelt sind, bewegliche D&uuml;sen haben (nicht ganz einfach, sie bestehen aus &uuml;bereinanderliegenden Schichten von Metall und Elastomeren, die gegen den Brennkammerdruck bewegt werden m&uuml;ssen und das wird dann teuer. Dann braucht man noch Hydraulik, Pnumatik oder Motoren um die D&uuml;sen zu bewegen.<\/p>\n<p>Wie wird eine Feststoffrakete billig?<\/p>\n<p>Wir haben eine einfache Konstruktion, z.B. ein Stahlgeh&auml;use das entweder aus einem Segment besteht oder wenn es mehrere Segmente sind, eine einfache Verbindung. Bei den neuen Ariane 5 Boostern sind die Segmente teilweise verschwei&szlig;t.\u00a0 Leichtgewichtige Materialen wie CFK-Werkstofe kann man untersuchen, wenn sie die Produktionskosten reduzieren sind sie eine Alternative, ad hoc kann ich dies nicht entscheiden. Bewegliche D&uuml;sen scheiden aus, sie machen sie teuer. Stattdessen sollte entweder bei Oberstufen ein System von Hydrazintreibwerken die Lageregelung &uuml;bernehmen. Bei den unteren Stufen pl&auml;diere ich f&uuml;r das veraltete, aber einfache System eines Stickstoftetroxiddruckgastanks, der Treibstoff in die D&uuml;se einspritzt und durch Sekund&auml;rinjektion den Schubvektor beeinflusst. So wurde es bei der Titan 3C gemacht. Dann k&ouml;nnen Feststoffbooster preiswert sein: Die Titan 34D Booster kosteten 6,29 Millionen Dollar pro St&uuml;ck (1982), die Castor 4 rund 1 Million Dollar (1998). Umgerechnet auf das heute 15 Millionen Dollar und 1,41 Millionen Dollar &#8211; f&uuml;r eine 251 und 11 t schwere Stufe.<\/p>\n<p>Die NASA hat derzeit bei kleinen Nutzlasten keine richtig preiswerte Tr&auml;gerrakete. Die billigste ist noch die Minotaur mit 17 Millionen Dollar Kosten und nur 550 kg Nutzlast. Bei 1-2 t Nutzlast liegt eine Taurus XL schon &uuml;ber 50 Millionen Dollar. Rein rechnerisch w&uuml;rde eine Rakete aus 19 Castor IV Boostern fast 2 t Nutzlast transportieren (Anordnung: Eine in der Mitte, sechs in einem ersten Ring und 12 in einem zweiten Ring. Z&uuml;ndung: 15:3:1). Sie w&auml;re mit Herstellungskosten von 28,5 Millionen Dollar nur halb so teuer wie eine Taurus XL. Dabei ist dies nicht einmal die technisch optimale L&ouml;sung (die letzte Stufe ist zu gro&szlig; &#8211; so gelangen neben 2 t Nutzlast auch eine 1,5 t schwere ausgebrannte Stufe in den Orbit. Immerhin zeigt dies wie man hier die Serienbauweise ideal einsetzen kann. Durch weitere Booster in einem &auml;u&szlig;eren Ring w&auml;re so die Rakete sogar begrenzt an die geforderte Nutzlast anpassbar.<\/p>\n<p>Eine technisch bessere L&ouml;sung bietet sich bei Boostern an, die aus mehreren Segmenten bestehen. Dann kann man z.B. die Oberstufe aus einem Segment bestehen, die zweite aus vier Segmenten und die erste aus 4 x 4 Segmenten. Anpassungen m&uuml;sste es geben, so muss die D&uuml;se bei weniger Segmenten verengt werden, allerdings steigt so auch das Fl&auml;chenverh&auml;ltnis und der spezifische Impuls an.<\/p>\n<p>Basierend auf dem Titan 3C Booster w&auml;re eine m&ouml;gliche Kombination z.B. 280 \/ 60 \/ 12,5 t schwer. Bei einem spezifischen Impuls von 2.600 m\/s bei der ersten Stufe und 2.750 bei den beiden oberen kommt man immerhin auf 3.300 kg Nutzlast. W&auml;re er doppelt so teuer wie ein einzelner Booster, so w&auml;ren das 30 Millionen bei 3,3 t Nutzlast. Auch hier ist die Leermasse der letzten Stufe mit 1.750 kg recht hoch, weshalb wohl eine vierstufige Bauweise angebracht w&auml;re.<\/p>\n<p>Wie gro&szlig; kann man bauen? Am Boden getestet, jedoch nie geflogen sind die AJ-260 Booster. Dies waren Feststoffbooster von 260&#8243; Durchmesser (660 cm: Die SRB haben nur 374 cm Durchmesser). Jeder Booster wog 842,3 t, davon 768 t (nutzbar: 746.114 kg Treibstoff). Diese Booster hatten einen mittleren Schub von 17.695 kN im Vakuum, bei einer Brennzeit von 114 Sekunden. Der Maximalschub betrug sogar 22,2 MN. Sie wurden 1966\/7 getestet. Der Motor war 24,4 m hoch. Der mittlere spezifische Impuls betrug 2186 m\/s, bei einem Brennkammerdruck von 41 bar. Nehmen wir eine heutige Treibstoffmischung und einen h&ouml;heren Brennkammerdruck von etwa 60 bar an, so ist er vergleichbar mit heutigen Boostern. Das Voll\/Leermasseverh&auml;ltnis liegt sogar etwas g&uuml;nstiger. Vier dieser Booster als erste Stufe, ein weiterer als zweite Stufe und ein Titan 3C Booster w&uuml;rden rund 55 bis 60 t in die Umlaufbahn bef&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Das Grundproblem des Big Dump Solid Boosters ist der niedrige spezifische Impuls und der hohe Strukturfaktor. Er eignet sich daher vor allem f&uuml;r erdnahe Umlaufbahnen. Relativ schwierig wird das erreichen kreisf&ouml;rmiger hoher Umlaufbahnen. Die daf&uuml;r notwendige Aufstiegsbahn ist eine mit einem hohen Apog&auml;um, das ist energetisch bei kurzen Brennzeiten sehr ung&uuml;nstig. Die Abhilfe ist die Ausr&uuml;stung der Steuerung mit einem kleinen Vorrat an fl&uuml;ssigen Treibstoff und einem kleinen Triebwerk, z.B. einem Satellitenapog&auml;umsmotor. Der Feststoffantrieb muss dann nur eine elliptische Umlaufbahn erreichen die stabil ist. Dann steht viel Zeit zur Verf&uuml;gung um sie zu zirkularisieren. Das k&ouml;nnte auch der Satellit &uuml;bernehmen, doch das ist heute eher ungew&ouml;hnlich. Sowohl Antares wie auch Vega und Athena nutzen diese Strategie, bei der Pegasus steht sie als Option zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich mal das Thema schon mal aufgegriffen habe, heute eine zweite Sichtweise auf die Idee der &#8222;billigen&#8220; Tr&auml;gerrakete. Am einfachsten geht dies nat&uuml;rlich mit festen Antrieben. 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