{"id":6293,"date":"2012-05-22T00:54:23","date_gmt":"2012-05-21T22:54:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6293"},"modified":"2012-05-21T00:16:05","modified_gmt":"2012-05-20T22:16:05","slug":"kaffee-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/05\/22\/kaffee-teil-1\/","title":{"rendered":"Kaffee Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Da ich viel M&uuml;he in einen neuen Aufsatz auf der Website investiert habe, spare ich mir mal einen Blogeintrag und ver&ouml;ffentliche ihn auch hier in zwei Teilen.<\/p>\n<p>Das in Deutschland beliebteste Genussmittel ist der Kaffee. 1993 betrug der pro Kopf Konsum 7,4 kg. Das entspricht 900 Normtassen pro Jahr (150 ml, 5-8 g Kaffepulver pro Tasse) oder rund ein halber Liter pro Kopf pro Tag. Zeit dieses beliebte Getr&auml;nk genauer unter die Lupe zu nehmen.<!--more--><\/p>\n<h2>Verarbeitung<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/kaffee1.jpg\" alt=\"Kaffestrauch\" width=\"512\" height=\"384\" align=\"left\" \/>Bei der Kaffeebohne handelt es sich um das Endosperm der Frucht des Kaffeestrauches. In der freien Natur wird dieser 3-12 m hoch. In Plantagen wird er nach der Ernte auf 2 bis 2,5 m gestutzt. Nach 3-4 Jahren bl&uuml;ht er zum ersten Mal, nach 6 Jahren gibt es die erste Ernte, die nach 10-15 Jahren das Maximum erreicht. Etwa 8-12 Monate nach der Bl&uuml;te gibt es die reifen Fr&uuml;chte, die rot sind und etwa Kirschgro&szlig; sind. Im Inneren haben sie zwei Steinkerne, die Kaffeebohnen die von Fruchtfleisch umschlossen sind. Kaffee w&auml;chst in mittleren H&ouml;henlagen zwischen 600 und 1.200 m H&ouml;he bei nicht zu feuchtem und schattigem Klima (Jahresmitteltemperatur zwischen 15 und 25 Grad Celsius).<\/p>\n<p>Kaffee wird in S&uuml;d- und Mittelamerika angebaut, Afrika von wo er urspr&uuml;nglich stammt produziert heute nur wenig Kaffee. &Auml;thiopien ist das einzige afrikanische Land unter den zehn f&uuml;hrenden Anbaul&auml;ndern. Daf&uuml;r hat sich Vietnam auf Platz zwei geschoben.<\/p>\n<p>Es gibt rund 70 Coffea Arten. Aber nur zwei dominieren den Weltmarkt: Coffea Arabica etwa 75% und Coffea canephora, (als Coffea robusta im Handel) etwa 25 %. Die anderen Sorten machen weniger als 1% aus. Aus 6,38 kg Fr&uuml;chten von C. arabica gewinnt man 1 kg Kaffe, w&auml;hrend es bei C. canephora nur 4,35 kg sind. Die letztere Sorte ist daher beliebter da ergiebiger, gilt aber als die qualitativ schlechtere. Andererseits kann man mit der Zumischung von Robusta Kaffee das Aroma und den S&auml;uregrad von Arabica Sorten verbessern.<\/p>\n<p>Die Fr&uuml;chte werden vom Boden aufgelesen oder vom Strauch abgestreift. Danach m&uuml;ssen sie vom Fruchtfleisch befreit werden. In der trockenen Aufbereitung, in Brasilien als gr&ouml;&szlig;tem Produzenten, &uuml;blichen Verarbeitung werden die Fr&uuml;chte auf Trockenterasssen an der Sonne getrocknet bis sie in der Schale rascheln. Dann werden sie in Sch&auml;lmaschinen vom getrockneten Fruchtfleisch entfernt. Man erh&auml;lt ungewaschenen Rohkaffee, der in 60 kg S&auml;cken verpackt wird. Eine Variation ist das Selbstfermentieren &uuml;ber 3-4 Tage. Dazu werden die Fr&uuml;chte geschichtet bis das Fruchtfleisch fermentiert. Es wird auch dann abgetrennt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/kaffee2.jpg\" alt=\"Rohkaffee\" width=\"640\" height=\"480\" align=\"right\" \/>Aufwendiger ist die nasse Aufbereitung. Sie ist kostspieliger und das modernerer Verfahren und bei Arabica Arten &uuml;blich und wird in Afrika und Mittelamerika angewandt. Die Kaffeebohnen werden dem Pulper zugef&uuml;hrt, ein System angerauter Walzen, dass sie durch Dr&uuml;cken vom Fruchtfleisch befreit, das dann als D&uuml;ngemittel verwendet wird. Die Bohnen enthalten noch die Silberhaut und Pergamentschicht und Reste des Fruchtfleischs. Diese\u00a0 werden nun wasserdurchstr&ouml;mten G&auml;rbecken 12-48 Stunden fermentiert, wobei Enzyme diese Bestandteile soweit abbauen, dass sie sich beim anschlie&szlig;enden Waschen von alleine abl&ouml;sen. Danach werden die Bohnen getrocknet und wie beim Trockenverfahren weiterverarbeitet. Dies ist n&ouml;tig um die Pergamenthaut abzul&ouml;sen. Besonders hochwertige Bohnen werden auch zur Entfernung letzter Reste poliert. Bei diesem Verfahren erh&auml;lt man gewaschenen Kaffee.<\/p>\n<p>Dieser Rohkaffee wird dann einer ersten Beurteilung unterzogen. Es gilt unreife und &uuml;berreife Bohnen, regenbesch&auml;digte oder vertrocknete Bohnen auszusortieren, da diese einzelnen sogenannten Fehlbohnen ganze Partien verderben k&ouml;nnen. Kaffee wird nicht nach den rund 80 Handelssorten, sondern der Herkunft (dem Land) bezeichnet. Da die Klimabedingungen gro&szlig;en Einfluss auf die Qualit&auml;t und das Aroma haben, ist dies sinnvoll. So gelten Hochlagen als wertvoller als Kaffe aus tieferen Lagen.<\/p>\n<p>Erst im Zielland werden die getrockneten Bohnen ger&ouml;stet, wobei die meisten Aromastoffe entstehen. Dies geschieht zwischen 100 und 200\u00b0C. Dabei vergr&ouml;&szlig;ert sich das Volumen um 50 bis 80%, das Gewicht nimmt um 11 bis 20% ab und das spezifische Gewicht ebenso ab. Die hornartige z&auml;he Bohne wird spr&ouml;de und m&uuml;rbe. Die R&ouml;stung durchl&auml;uft vier Phasen: Trocknung, Entwicklung, Zersetzung und Vollr&ouml;stung. Bei 50 bis 100 \u00b0C gerinnt das Eiwei&szlig; und das Wasser verdampft. Bis 150 \u00b0C schwillt die Bohne durch den Druck durch den Wasserdampf gelinde an und f&auml;ngt an sich braun zu verf&auml;rben (Maillardreaktion). Dann tritt durch trockene Destillation Wasserdampf aus, das Volumen vergr&ouml;&szlig;ert sich nun rapide und Zersetzungsprodukte wie Kohlenmonoxid und Kohlendioxid treten auf. Bei 180 bis 200\u00b0C beginnt die Zersetzungsphase, die Bohne bricht an der Furche auf und man h&ouml;rt ein charakteristisches Knacken. Es gibt bl&auml;ulichen Rauch und es bildet sich das typische Kaffeearoma. Bei der nun anschlie&szlig;enden Vollr&ouml;stung\u00a0 bildet sich Karamell und der Wassergehalt geht auf 1,5 bis 3,5% zur&uuml;ck.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/kaffee3.jpg\" alt=\"heller ger&ouml;steter Kaffee\" width=\"800\" height=\"600\" align=\"left\" \/>Es gibt sehr vielschichtige &Auml;nderungen beim R&ouml;sten. So werden Gerbstoffe abgebaut, &auml;therische &Ouml;le aufgeschlossen.<\/p>\n<p>Das R&ouml;sten erfolgt heute vor allem in Konvektionsr&ouml;stern, das fr&uuml;her &uuml;bliche Kontaktr&ouml;sten wird wegen der langen Prozesszeiten von 20 bis 30 Minuten kaum noch angewandt. Bei Konvektionsr&ouml;stern wird hei&szlig;e Luft durch das R&ouml;stgut getrieben. Das R&ouml;sten ist so in 6 bis 15 Minuten beendet. Beim neuesten Verfahren, dem Kurzzeitr&ouml;sten ist die Aufw&auml;rmphase verk&uuml;rzt, sodass die R&ouml;stung in 2-5 Minuten beendet ist, es kommt aber durch die schnelle Erw&auml;rmung zu einer st&auml;rkeren Volumenvergr&ouml;&szlig;erung als bei der normalen R&ouml;stung.<\/p>\n<p>Charakteristisch ist, dass die R&ouml;stung sehr l&auml;nderabh&auml;ngig ist. Es gibt hier ein deutliches Nord-S&uuml;dgef&auml;lle. In Skandinavien und den USA wird recht hell ger&ouml;stet. Dabei entstehen kaum Aromastoffe. In S&uuml;deuropa und im arabischen Raum werden Spitzentemperaturen von 230\u00b0C erreicht. Der Kaffee ist sehr dunkel, und es dominieren nun schon R&ouml;staromen, viel feine Aromen gehen bei dieser dunklen R&ouml;stung verloren. Die h&ouml;chste Aromenvielfalt (&uuml;ber Geschmack kann man sich streiten, &uuml;ber Analysenwerte jedoch kaum) weist der in Deutschland &uuml;bliche mittelstark ger&ouml;stete Kaffee auf.<\/p>\n<p>Der ger&ouml;stete Kaffee wird nun auf Fehlbohnen untersucht, die aussortiert werden. dies geschieht heute bei gr&ouml;&szlig;eren R&ouml;stereien fotoelektrisch ausgelesen werden, danach wird er gemahlen und der Handelskaffee aus 8-12 Sorten gemischt. Neben dem Ausgleich von Defiziten erh&auml;lt man so ein Aroma das konstant ist, unabh&auml;ngig von qualitativen Schwankungen der Ernte. R&ouml;stkaffee bleibt ausgemahlen 8 bis 10 Wochen frisch. Das R&ouml;staroma geht zur&uuml;ck, die Lipide werden ranzig. Gemahlener Kaffee ist in sauerstofffreier Verpackung 6-8 Monate haltbar, sollte nach dem &Ouml;ffnen aber in 1-2 Wochen verbraucht werden.<\/p>\n<h2>Die Zusammensetzung<\/h2>\n<p>Kaffee besteht aus 6-12,5 % Kohlenhydraten, vorwiegend Oligosaccharide und Polysaccharide. Es gibt kaum Zucker, der reagierte beim R&ouml;sten und bildete die braune Farbe bzw. Karamellstoffe. Daf&uuml;r enth&auml;lt er 34-53% unl&ouml;sliche und unverdauliche Ballaststoffe, 8-18% Fett, 9-13% Protein, 6,7 bis 12% organischen S&auml;uren und 0,8 bis 4% Coffein. Es gibt gro&szlig;e Schwankungen in der Zusammensetzung in den Sorten, wie auch bei den beiden Hauptarten. So weisen Arabica Sorten 0,8 bis 1,4 % Coffein auf, Canephora Arten dagegen 1,7 bis 4,0 % Coffein auf.<\/p>\n<p>Charakteristisch ist bei den Proteinen dass auch nicht Protein-Stickstoff vorkommt wie das Coffein und Trigonellin (ein Abbauprodukt des Vitamins Niacin). Bei den Lipiden gibt es neben dem normalen Fett auch Terpene, das sogenannte Kaffee&ouml;l. Es wird beim Filterkaffee aber im Filter gebunden. Bei Expressokaffee bildet es den Schaum auf der Tasse, die sogenannte &#8222;Crema&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt zahlreiche organische S&auml;uren, die alle Derivate der Chlorogens&auml;ure sind. Ihre Gehalt ist stark von dem R&ouml;stgrad abh&auml;ngig. Hell ger&ouml;steter Kaffee enth&auml;lt viel S&auml;ure, er schmeckt daher auch deutlich saurer als stark ger&ouml;steter Kaffee.<\/p>\n<p>Der Gehalt an Coffein wird durch das R&ouml;sten kaum ver&auml;ndert. er ist vielmehr von der Kaffeesorte abh&auml;ngig.<\/p>\n<p>Kaffe enth&auml;lt sehr viele Aromastoffe. &Uuml;ber 850 sind bekannt, dabei dominieren vor allem R&ouml;staromen wie Pyrazinderivate. Kaffee ist das Lebensmittel mit den am meisten bekannten Aromastoffen. Dies macht es auch so schwer das Kaffearoma einfach zu substituieren, wie man dies ben&ouml;tigt wenn man nach Kaffe schmeckende Lebensmittel erhalten m&ouml;chte, ohne Kaffee einzusetzen wie z.B. Bonbons. Andere Lebensmittel haben einen Geruchsstoff, der das Aroma pr&auml;gt, die sogenannte &#8222;Charakter Impact Component&#8220;. dies ist bei Kaffee nicht der Fall. Immerhin riecht Furfurylmercaptan in etwa wie Kaffee. Versuche zeigten, dass 40 Aromastoffe notwendig sind um das Kaffeearoma nachzubilden und man mit 28-29 Aromen ein f&uuml;r viele Tester befriedigendes Kaffeearoma nachstellen kann.<\/p>\n<p>Zahlreiche Aromastoffe sind fl&uuml;chtig. Schon bei Normaltemperatur verdampfen innerhalb 30 Minuten rund zwei Drittel des Methanthiols. Dies ist auch ein Grund warum frisch gemahlener Kaffee anders schmeckt als fertiggemahlener. Auch das Kaffegetr&auml;nk verliert nach der Zubereitung fl&uuml;chtige Aromastoffe und ver&auml;ndert so seinen Geschmack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich viel M&uuml;he in einen neuen Aufsatz auf der Website investiert habe, spare ich mir mal einen Blogeintrag und ver&ouml;ffentliche ihn auch hier in zwei Teilen. Das in Deutschland beliebteste Genussmittel ist der Kaffee. 1993 betrug der pro Kopf Konsum 7,4 kg. 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