{"id":6318,"date":"2012-05-24T00:03:26","date_gmt":"2012-05-23T22:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6318"},"modified":"2012-05-22T14:04:30","modified_gmt":"2012-05-22T12:04:30","slug":"sind-vorbeiflugmissionen-auser-der-mode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/05\/24\/sind-vorbeiflugmissionen-auser-der-mode\/","title":{"rendered":"Sind Vorbeiflugmissionen au&szlig;er der Mode?"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist ja mit JUICE wieder eine Mission zu Jupiter geplant &#8211; die erste seit Galileo welche sich auf die vier gro&szlig;en Monde konzentriert (JUNO soll ja vor allem die Plasmaumgebung erforschen). JUICE k&ouml;nnte man fast als &#8222;Galileo 2&#8220; ansehen &#8211; sie wird auch drei der Monde mehrmals nahe passieren, Ganymed sogar umkreisen. Io wird nicht passiert werden, doch der war in der Prim&auml;rmission von Galileo auch nicht vorgesehen und wurde nur beim Einschwenken in den Orbit passiert.<\/p>\n<p>Die Frage die ich heute untersuchen will ist die &#8211; bringen Missionen die Himmelsk&ouml;rper (dazu z&auml;hlen auch die Monde eines Riesenplaneten) nur im Vorbeiflug passieren uns gen&uuml;gend Wissenschaft, oder sollten wir unser Geld lieber in Orbiter oder Landesonden stecken. Au&szlig;en vor m&ouml;chte ich lassen, dass wir viele Orbiter- und Landemissionen heute technisch nicht durchf&uuml;hren k&ouml;nnen. Aber wir k&ouml;nnten ja anstatt einen Orbiter um Europa zu bauen (eine projektierte Mission) einen um Phobos oder die Venus.<!--more--><\/p>\n<h3>Was wird sich nie &auml;ndern?<\/h3>\n<p>Das sofort verst&auml;ndliche ist, dass jede Vorbeiflugmission eine Momentaufnahme ist. Eine Momentaufnahme im Raum und in der Zeit. Der Raum ist meist nicht so bedeutet, legt aber die Lichtbedingungen fest und was wir sehen &#8211; mit optischen Instrumenten wird immer nur eine H&auml;lfte der Oberfl&auml;che beobachtbar sein, der Rest liegt im Dunkel. Aber es ist auch eine Momentaufnahme in der Zeit. Nun rechnen wir bei den meisten Himmelsk&ouml;rpern nicht mit zeitlichen Ver&auml;nderungen. Unser Mond und Merkur sehen wahrscheinlich in 100 Jahren noch genauso aus und Aktivit&auml;t hat man nicht beobachtet. Die Venus scheint aber aktiv zu sein. Dumm nur dass alle Indizien nur indirekt beobachtbar sind weil die Wolken einen Blick auf die Oberfl&auml;che verwehren, doch es gibt wechselnde Konzentrationen von Spurengasen und W&auml;rmeinseln. Beim Mars gibt es Wetter und auch geologische Ver&auml;nderungen (D&uuml;nen, Hangabbr&uuml;che), aber die meisten dieser Ph&auml;nomene sind sehr kleinskalig. Sie auf einem Vorbeiflug zu entdecken, selbst wenn mehrere erfolgen, ist recht schwer.<\/p>\n<p>Die Riesenplaneten sind aktiv-. Sie haben eine Atmosph&auml;re die sich ver&auml;ndert, aber auch Strahlungsg&uuml;rtel und Magnetfelder die Ver&auml;nderungen unterworfen sind. Doch ihre Monde, so dachte man lange Zeit sind ebenfalls unver&auml;nderliche Eiswelten. Dem ist nicht so. Io ist vulkanisch aktiv. Seine Oberfl&auml;che wird laufend ver&auml;ndert. Die Oberfl&auml;che von Galileo wird sich auch ver&auml;ndern, Gezeitenkr&auml;fte walken diesen Mond genauso wie Io durch, nur offen ist, welche Zeitskalen wir hier haben, ob wir dies also noch beobachten k&ouml;nnen. Enceladus hat heute noch aktive Geysire und Titan zeigt ebenfalls Ver&auml;nderungen der Oberfl&auml;che. Die Saturnringe ver&auml;ndern sich durch die Gravitationswirkung von Hirtenmonden in kurzen Zeitskalen.<\/p>\n<p>Vorbeifl&uuml;ge k&ouml;nnen nur eine Momentaufnahme liefern. Manchmal entdecken wir, dass da was ist, so wie als Voyager 1 1979 beim Vorbeiflug an Io aktive Vulkane aufnahm, manchmal haben wir Pech, so konnten die beiden Voyager auf Enceladus keinerlei Aktivit&auml;t erkennen, das gelang erst Cassini, 20 Jahre sp&auml;ter.<\/p>\n<p>Die Haupteinschr&auml;nkung ist aber, dass wir nur einen Teil beobachten k&ouml;nnen. Neben der beleuchteten Phase gibt es oft Einschr&auml;nkungen in der Distanz (so ist bei einem Uranusvorbeiflug es nur alle 42 Jahre m&ouml;glich alle Monde in geringer Distanz zu beobachten. Wegen der Achsenlage bedeutet sonst ein Vorbeiflug der aus der Ekliptik erfolgt, dass man nur einen Mond nahe passieren kann. Das ist extrem, doch was immer gegeben ist, ist die geometrische Verzerrung. Man muss nur auf dieses Bild von Meteosat schauen: Europa ist schon sehr verzerrt, Brasilien ebenfalls. Afrika, wor&uuml;ber der Satellit steht dagegen kaum. F&uuml;r die Beobachtung der Erde mit Wettersatelliten sollte alle 60 Grad einer stehen, das bedeutet, dass man wenn eine Karte nur durch Vorbeifl&uuml;gen erstellt werden soll, man sechs Vorbeifl&uuml;ge am &Auml;quator und zwei am Pol braucht. N&auml;hert man sich zu sehr einem Himmelsk&ouml;rper so gibt es eine weitere Verzerrung durch den schr&auml;gen Blickwinkel, das limitiert die globale Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<h3>Was hat sich ge&auml;ndert?<\/h3>\n<p>Seit Galileo haben Instrumente gro&szlig;e Fortschritte gemacht. Es sind weniger die optischen Instrumente als vielmehr die Detektoren und die Datenverarbeitung. Damit wir vergleichen k&ouml;nnen, hier die wesentlichen Daten der Kamera von Galileo: 800 x 800 Pixel CCD Sensor, maximale Datenrate: 134,4 kbit\/s beim direkten senden, 806,4 kbit\/s beim Speichern auf Band.<\/p>\n<p>Heute gibt es CCD Sensoren bis bis zu 50 MP f&uuml;r astronomische Zwecke. Das erlaubt es ein gr&ouml;&szlig;eres Areal mit einem Bild zu &uuml;bertragen. Noch viel st&auml;rker ist die Datenrate angestiegen die verarbeitet werden kann. Die Plejades Satelliten liefern 4,5 GBit\/s an Daten, die komprimiert werden und mit bis zu 1,5 GBit\/s auf einem Flash Speicher abgelegt werden. Die Datenrate ist also um den Faktor 2000 angestiegen. War bei Galileo noch das Ablegen auf den Bandspeicher (oder wenn dieser voll war, das direkte Senden zur erde). Damals war das Auslesen geschwindigkeitsbestimmend, heute ist es die Neupositionierung der Instrumentenplattform, bzw., wenn man die ganze Raumsonde dreht, wie schnell dies erfolgt.<\/p>\n<p>Ich habe mal eine Simulation gemacht. Sie ist recht einfach und berechnet nur die Fl&auml;che die ausgehend von der Minimalentfernung erfasst wird, bis der ganze Mond abgelichtet ist. W&uuml;rde man JUICE mit dem derzeit leistungsf&auml;higsten CCD Chip ausstatten und die gleiche Optik wie Galileo verwenden, ein Bild alle 1,2 s machen (Auslesezeit betr&auml;gt 1 Bild\/s), so k&ouml;nnte man Europa bei einer Vorbeifluggeschwindigkeit von 20 km\/s zwischen 1000 und 8400 km komplett erfassen mit einer Aufl&ouml;sung von 34 m\/Pixel.<\/p>\n<p>Bei Galileo war es noch die zehnfache Distanz (85600 km) und eine Aufl&ouml;sung von 870 m\/Pixel (auch weil dort die Pixelgr&ouml;&szlig;e weitaus gr&ouml;&szlig;er war), bei ansonsten gleichen Simulationsparametern.<\/p>\n<p>Noch gravierender sind die &Auml;nderungen bei abbildenden Spektrometern. Galileo war die erste Raumsonde die eines einsetzte. Dort gab es 20 Elemente. Das leistungsf&auml;higste heute eingesetzte hat 640 x 480 Elemente, verf&uuml;gbar sind bis zu 1024 x 1024 Pixel. Sie k&ouml;nnen gleichzeitig ein Bild in bis zu 1024 Spektralkan&auml;len erzeugen und erzeugen so auch eine enorme Datenmenge. Verglichen mit den wenigen Elementen von Galileo ist der Sprung enorm. Sowohl in der r&auml;umlichen Aufl&ouml;sung wie auch der spektralen Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<p>Mehr noch: Verwendet man dieselben CCD als Kamerachips so kann man Aufnahmen im mittleren Infrarot anfertigen. Das erlaubt es auf der Nachtseite Aufnahmen anzufertigen, wenn auch in niedriger Aufl&ouml;sung, da die Chips die dort abgegebene W&auml;rmestrahlung detektieren k&ouml;nnen, ausreichende K&uuml;hlung vorausgesetzt.<\/p>\n<p>Auch andere Instrumente haben sich weiterentwickelt. So sind nun erstmals Magnetometer f&auml;hig ein dreidimensionales Abbild der Plasmaumgebung anzufertigen. Staubdetektoren k&ouml;nnen nicht nur Masse und Geschwindigkeit, sondern auch chemische Zusammensetzung erforschen.<\/p>\n<p>Das alles w&auml;re aber relativ nutzlos, g&auml;be es nicht die M&ouml;glichkeit die Daten schnell und sicher zu speichern. Galileo arbeitete noch mit einem Bandrekorder. Wer jemals mit einem der Ger&auml;t zu tun hat, wei&szlig; wie schnell und zuverl&auml;ssig die sind. Heute gibt es auch in Raumsonden Solid State Disks, bestehend aus Flash-ROM Bausteinen &#8211; in etwa dieselbe Technologie wie bei der SSD zuhause. Da gehen Hunderte von Gigabytes drauf und es wiegt fast nichts. Begrenzend ist dann vielmehr, dass man alles auch &uuml;bertragen muss, selbst wenn man die Daten innerhalb k&uuml;rzester Zeit gewinnen konnte, muss man sie doch langsam zur Erde &uuml;bertragen. New Horizons zeichnet 107,8 GBit auf, von denen aber trotz Komprimierung nur ein Teil &uuml;bertragen wird. Es w&uuml;rde sonst (wegen der kleinen Hauptantenne und schwachen Sendern) zu lange dauern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist ja mit JUICE wieder eine Mission zu Jupiter geplant &#8211; die erste seit Galileo welche sich auf die vier gro&szlig;en Monde konzentriert (JUNO soll ja vor allem die Plasmaumgebung erforschen). 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