{"id":634,"date":"2009-02-16T15:20:53","date_gmt":"2009-02-16T14:20:53","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=634"},"modified":"2009-02-19T13:47:37","modified_gmt":"2009-02-19T12:47:37","slug":"ideen-fuer-die-venusforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/02\/16\/ideen-fuer-die-venusforschung\/","title":{"rendered":"Ideen f&uuml;r die Venusforschung"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Venus ist in gewisser Weise der am schlechtesten erforschte erdnahe Planet. Die Atmosph&auml;re h&uuml;llt sie ein, und ist auch mit neueren Instrumenten kaum zu durchdringen. Die ESA mag es als Erfolg feiern, wenn eine Thermalkarte von VENESIS in etwa deckungsgleich mit einer topografischen Karte von Magellan ist. Doch was interessiert uns denn eigentlich? Die Venus Oberfl&auml;che und zwar nicht als Radarkarte (die immer anders aussehen wird als ein Bild im optischen), sondern als reales Bild. Davon gibt es 4 Bilder, aufgenommen durch Fischaugenlinsen. Ich habe schon mal den <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/venus-landesonde.shtml\">Vorschlag<\/a> gemacht eine Sonde zur Venus zu schicken mit dem Hauptziel Bilder beim Abstieg und von der Oberfl&auml;che zu machen. Das macht wegen der hohen Datenrate einen vorbeifliegenden Bus oder besser einen Orbiter notwendig. Aber neben den einmaligen Bildern eines Landeortes k&ouml;nnte die Sonde eine Frage kl&auml;ren: Ab wann sieht man &uuml;berhaupt die Oberfl&auml;che?<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Es gibt keine Messung dessen. Alles was es gibt sind Bestimmungen der Aerosolkonzentration und Lichtintensit&auml;t unterhalb der wolkengrenze. Sie verraten etwas &uuml;ber die Durchsichtigkeit der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Atmosphere_of_Venus\">Atmosph&auml;re<\/a>. Aber sie ersetzen keine direkte Bestimmung. &Uuml;ber die H&ouml;he ab der die Venusatmosph&auml;re durchsichtig wird, gibt es auch daher nur Vermutungen und verschiedene Autoren setzen die Grenzen unterschiedlich an. Neben Aerosolen, die als Schwebeteilchen wie eine d&uuml;nne Nebelschicht wirken k&ouml;nnen (bei einigen Kilometern Dicke reichen auch kleine Aerosolpartikel aus um die Sicht nachhaltig zu beeinflussen). Weiterhin denke ich pers&ouml;nlich, dass eine kilometerdicke Schicht an Gas von 90 Bar Druck vielleicht auch einige Eigenschaften einer Fl&uuml;ssigkeit hat &#8211; inklusive der Verzerrung durch Str&ouml;mungen.<\/p>\n<p>Wenn die Sonde beim Abstieg Bilder macht, dann w&auml;re auch diese Frage gekl&auml;rt. Was w&auml;re der n&auml;chste Schritt? Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit einen Lander konstruieren werden k&ouml;nnen, der wirklich lange auf der Veens &uuml;berleben kann.&nbsp; Zu extrem sind die Bedingungen. Das Problem ist dabei nicht die absolute Temperatur &#8211; ich kann mich erinnern, dass f&uuml;r Bepi-Colombo mal ein Lander gedacht war und auf dem Merkur herrschen &auml;hnliche Temperaturen wie auf der Venus und die Raumsonden Helios 1+2 trotzen sogar einer noch h&ouml;heren Sonneneinstrahlung. Das Problem ist die W&auml;rmeaufnahme: &#8211; Bei einer Raumsonde die im Vakuum arbeitet, kann man den W&auml;rme&uuml;bergang gut kontrollieren. Wenn beispielsweise alle Oberfl&auml;chen verspiegelt werden, so kann der W&auml;rme&uuml;bergang um 9\/10 reduziert werden. Bei besonders guten Spiegeln sogar auf 5 % des Anfangswertes. W&auml;rmeleitung ist bei einem Lander nur durch die Beine m&ouml;glich und die k&ouml;nnen isoliert werden. Es ist sogar m&ouml;glich &uuml;bersch&uuml;ssige W&auml;rme abzugeben &#8211; z.B. auf&nbsp; der Landerunterseite, die ja v&ouml;llig im Schatten ist. Das alles macht zwar die Konstruktion eines Merkurlanders nicht gerade einfach, aber technisch m&ouml;glich. Doch wie soll dies bei der Venus funktionieren? Die dichte Atmosph&auml;re &uuml;bertr&auml;gt sehr gro&szlig;e Energiemengen durch W&auml;rmeleitung und es gibt praktisch keine M&ouml;glichkeit eigene &uuml;bersch&uuml;ssige W&auml;rme abzugeben.<\/p>\n<p>Es gibt immer wieder Ideen f&uuml;r solche L&auml;nder, doch ich denke von einer technischen Realisierung sind sie noch weit entfernt. Wenn ja so w&auml;re ein ausgiebiger Test in einer beheizten Druckkammer oder bei fahrbaren Ger&auml;ten nahe eines Lavastroms n&ouml;tig. Was ich f&uuml;r eher realisierbar halte ist ein Ballon in der Atmosph&auml;re, der pendelt &#8211; Zwischen einer H&ouml;he in der er die Oberfl&auml;che aufnehmen kann und einer in der es kalt genug ist, zu senden. Er wird dann beim Abstieg jeweils Gas ablassen und beim Aufstieg Gas in den Ballon pumpen. Der Ballon sollte dann schnell in eine H&ouml;he abtauchen in der die Oberfl&auml;che zu sehen ist &#8211; dort einige Fotos machen und dann schnell wieder aufsteigen. In der gem&auml;&szlig;igten Zone hat er dann gen&uuml;gend Zeit die Daten zu &uuml;bertragen &#8211; bei gen&uuml;gend langer Lebensdauer des Ballons auch direkt zur Erde (Wegen der gro&szlig;en Sendedistanz dann mit niedriger Datenrate).<\/p>\n<p>W&auml;hrend die gem&auml;&szlig;igte Zone recht gut definierbar ist:- Es ist die H&ouml;he von 55 km bei Temperaturen um 27 Grad Celsius und 0.5 Bar Druck &#8211; ist die Zone, ab der der Boden zu sehen ist, nicht genau definierbar. Die Meinungen gehen von 35 km (Abnahme der Aerosoldichte nach Messungen) bis zu 20 km (&Uuml;berschreiten einer Temperatur von 300 ?C &#8211; dem Siedepunkt von Schwefels&auml;ure, aus der auch die Aerosole bestehen). Nimmt man <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science?_ob=ArticleURL&amp;_udi=B6V6T-44P6R7R-1&amp;_user=4816517&amp;_rdoc=1&amp;_fmt=&amp;_orig=search&amp;_sort=d&amp;view=c&amp;_acct=C000065239&amp;_version=1&amp;_urlVersion=0&amp;_userid=4816517&amp;md5=72f5794b0dd5dd5b4d4b93d7d1fad67b\"> diesen j&uuml;ngeren<\/a> Artikel so sieht es sogar noch schlechter aus. Die optische Dichte ist definier &uuml;ber die logarithmische Abschw&auml;chung. Eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Extinktion_(Optik)\">optische Dichte<\/a> von 1 reduziert also das Licht auf ein Zehntel, bei 2 ist es schon ein Hundertstel. Nach diesem Artikel m&uuml;sste man im sichtbaren Bereich bis auf einige Kilometer an die Oberfl&auml;che herangehen. Im IR Bereich immerhin bis auf 15 km H&ouml;he (348?C Temperatur, 33 Bar Druck). Auf der Nachtseite w&auml;ren dagegen IR Aufnahmen der Oberfl&auml;che schon wenige Kilometer unterhalb der Wolkenuntergrenze bei 48 km m&ouml;glich (ich bin da wegen der auch auf der Nachtseite vorliegenden Aerosole skeptisch, doch schon 27-35 km, die als Grenzen von anderen Autoren f&uuml;r die Abnahme der Aerosole angegeben werden, w&auml;ren gut).<\/p>\n<p>Das Problem ist dann das Material &#8211; Die K&uuml;hlung der Messinstrumente ist f&uuml;r einige Stunden realisierbar, der Ballon muss eben dann schnell sinken und schnell steigen. Doch der d&uuml;nne Ballon d&uuml;rfte sich stark erhitzen. Heute sind alle Ballone aus Kunststoffen. Das hitzebest&auml;ndigste Material, das ich kenne, ist Polytetrafluor&auml;thylen (PTFE, den meisten als Teflon bekannt). Da f&uuml;r die Temperaturstabilit&auml;t die Anzahl der Fluoratome wichtig ist und dieser Kunststoff maximal Fluor ges&auml;ttigt ist, denke ich gibt es auch keinen besseren. PTFE schmilzt bei 304 Grad Celsius, doch es verliert schon bei 260 Grad an Festigkeit. Soll diese Grenze nicht &uuml;berschritten werden, so muss der Ballon oberhalb von 26 km H&ouml;he bleiben. Es k&auml;men dann also nur Nachtaufnahmen in Betracht. Immerhin: Die Dichte von 15 Bar in 25 km H&ouml;he macht es einfach einen Ballon zu konstruieren: Helium z.B. liefert bei diesem Druck einen Auftrieb von 2670 kg\/m?. Ein recht kleiner Ballon w&uuml;rde ausreichen und eine 50 l Heliumflasche mit 300 Bar Anfangsdruck w&auml;re ausreichend f&uuml;r rund 4 Ausfl&uuml;ge bis auf 25 km H&ouml;he (oder besser gesagt Tiefe, da es ja nach unten geht). (bei 200 kg Gesamtgewicht von Kapsel und Ballon). Je weniger &quot;tief&quot; man taucht, desto weniger Helium braucht man pro Trip.<\/p>\n<p>Es w&auml;re an der Zeit nach einer Eintauchsonde dann wohl einen Ballon auszuprobieren. <\/p>\n<p>Soviel zu diesem Thema. Nun noch einige Nachlesen. Also zuerst mal zu den Korrekturlesern. Ich habe vielleicht vergessen zu erw&auml;hnen (oder stillschweigend vorrausgesetzt), das gute Deutschkenntnisse wichtig w&auml;ren. Das ist ja gerade mein pers&ouml;nliches Manko. Zum Zeitplan: Ich frage rechtzeitig vorher an, deswegen weil ich gen&uuml;gend Leser habe um die Arbeit aufzuteilen oder vielleicht sogar 2 Leser pro Kapitel anzusetzen &#8211; das Problem habe ich jetzt beim LM Buch wo ein Leser krank ist und die andere erst 4 Seiten durchgelesen hat.<\/p>\n<p>Hinsichtlich des Standes des Buchs: Derzeit sind es 260 Seiten (noch ohne Grafiken, also in der finalen Version kann man ein Drittel mehr Umfang hinzurechnen). Ich gehe so vor, dass ich Kapitel f&uuml;r Kapitel Daten sammele und ins Grobe schreibe. Das habe ich f&uuml;r die Black Arrow, Diamant und Europa erledigt. Bei Ariane bin ich ins schwimmen gekommen, da ich meist &uuml;ber Infos zu mehreren Typen stie&szlig;. Ich hoffe diese Woche die Vega abzuschlie&szlig;en und dann weiter an der Ariane 1-3 zu arbeiten, dann noch Ariane 4 und 5. Danach ist aber auch das Buch noch nicht fertig, sondern ich muss alles ins Reine schreiben, Zahlen gegenchecken, doppelt und dreifaches ausstreichen, Rechtschreibfehler und Formulieren &uuml;berpr&uuml;fen. Das dauert dann auch noch einige Zeit. Kurzum: Es dauert noch mindestens eine Monat, eher zwei bis die Korrekturleser dran sind.<\/p>\n<p>Immerhin habe ich jetzt R&uuml;ckmeldung vom Raumfahrthistorischen Archiv bekommen und vielleicht komme ich so an einige Bilder. Das Problem ist dass es praktisch alles, was vor etwa 1995 erschien, nur analog vorliegt und dann meist in gedruckter Form, also mit Musterrung und das ist ein Riesenproblem f&uuml;r die Reproduktion. EADS wird wohl nicht antworten. Ich habe inzwischen erfahren wie dort Emails behandelt werden: Ausdr&uuml;cken, Abheften, Archivieren. Da kann man sich die Kontaktadresse auf jeder Website auch sparen. Und das DLR hat ja schon durchblicken lassen, dass ihr die Arbeit zu viel ist Fragen zu beantworten oder Informationen herauszugeben.<\/p>\n<p>Wer das n&auml;chste Buch nicht erwarten kann, der k&ouml;nnte &#8211; wenn er nur an der Ariane 5 interessiert ist &#8211; auch das ATV Buch kaufen oder wie der Rezensent der DLR schreibt &quot;<b><em>Spezielles zum Teil &quot;Ariane&quot;:<\/em><o :p><em> <\/em><\/o> <\/b><em>Zur Struktur des Buches w&auml;re zu bemerken, dass die Leser sicherlich &uuml;berrascht sind ob der umfassenden und detailverliebten Abhandlung &uuml;ber die Ariane Rakete. Der Tr&auml;ger-Teil k&ouml;nnte sich auf die wesentlichen Punkte beschr&auml;nken, die f&uuml;r den Start der Mission relevant sind. Ob in diesem Zusammenhang die Einzelheiten zu den Fertigungsprozessen der Raketenkomponenten interessieren ist fraglich, wenngleich der umfassend interessierte Leser diesen Informationen auch nicht abgeneigt gegen&uuml;ber stehen wird.&quot;<\/em><\/p>\n<p>Raten sie mal, warum dieser Teil so &quot;Detailverliebt&quot; ist &#8230;.. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Bei der Umfrage stelle ich fest dass nun pl&ouml;tzlich die dritte Rubrik erheblich mehr Zuspruch bekommt. Ich hoffe doch wer einmal seine Stimme abgegeben hat tut dies nicht mehrmals. Es soll ja repr&auml;sentativ sein. Ansonsten l&auml;uft die Umfrage noch bis zur Ver&ouml;ffentlichung. Vielleicht teile ich auch schon alleine wegen des Umfangs in zwei B&uuml;cher. OTRAG und V-2 (A-4) kommen sp&auml;ter in ein seperates Buch. Es w&auml;re sonst zu viel und sie passen auch nicht ganz rein.<\/p>\n<div>Umfrage<\/p>\n<div>n<\/p>\n<div>{democracy:3}<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Venus ist in gewisser Weise der am schlechtesten erforschte erdnahe Planet. Die Atmosph&auml;re h&uuml;llt sie ein, und ist auch mit neueren Instrumenten kaum zu durchdringen. Die ESA mag es als Erfolg feiern, wenn eine Thermalkarte von VENESIS in etwa deckungsgleich mit einer topografischen Karte von Magellan ist. Doch was interessiert uns denn eigentlich? 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