{"id":6496,"date":"2012-06-28T00:02:28","date_gmt":"2012-06-27T22:02:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6496"},"modified":"2012-06-28T14:39:23","modified_gmt":"2012-06-28T12:39:23","slug":"warum-ist-meeresfisch-gesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/06\/28\/warum-ist-meeresfisch-gesund\/","title":{"rendered":"Warum ist Meeresfisch gesund?"},"content":{"rendered":"<p>Es sind zwei Aspekte die Seefische von Flussfischen unterscheiden. Zum einen enthalten sie durch das Meerwasser Iod. Iod ist ein Mineral, das sehr gut wasserl&ouml;slich ist. Daher findet es sich nur in geringer Menge im Boden. Pflanzen und Tiere enthalten es kaum. Es wurde aber &uuml;ber Jahrmillionen ins Wasser gesp&uuml;lt und ist in geringer Konzentration im Meerwasser enthalten. Seefische reichern es an und sind daher die prim&auml;re Iodquelle in der Nahrung. Zumindest war dem so bis vor etwa drei&szlig;ig Jahren. Da es zu dieser Zeit trotz allgemein guter Ern&auml;hrung nach wie vor einen Iodmangel in S&uuml;ddeutschland gab, mit der Folge, dass viele unter einem Kropf litten, begann man zu diesem Zeitpunkt dem Speisesalz Iod zuzusetzen.<!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Iod ist im K&ouml;rper nur f&uuml;r eine, daf&uuml;r sehr spezifische Funktion notwendig. Iod ist Bestandteil von zwei Hormonen Triiodthyronin (T<sub>3<\/sub>) und Tetraiodthyronin (T<sub>4<\/sub>, Thyroxin), die den Grundumsatz des K&ouml;rpers steuern. Iodmangel bewirkt daher zuerst, dass die Schilddr&uuml;se, in der die Hormone gebildet werden, sich stark vergr&ouml;&szlig;ert um m&ouml;glichst alles Iod aus dem Blut zu filtern. Es kommt zur Kropfbildung. Sp&auml;ter bewirkt der Iodmangel ein Absinken des Grundumsatzes, das hei&szlig;t, die aufgenommene Nahrung wird nur zum Teil verbrannt und als Fett abgelagert. Die Personen sind m&uuml;de und chronisch ersch&ouml;pft.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Jodierung von Speisesalz wurde gew&auml;hlt, da Salz nahezu jede Person aufnehmen muss, und eine &Uuml;berdosierung schwer m&ouml;glich ist. Jodsalz enth&auml;lt mindestens 20 \u00b5g Jod pro Gramm Salz. Der t&auml;gliche Bedarf betr&auml;gt 0,15-0,2 mg. Praktisch das gesamte frei verk&auml;ufliche Speisesalz ist heute iodiert. Bei verarbeiteten Lebensmitteln, denen Salz zugesetzt wird wie K&auml;se, Wurst, Brot betr&auml;gt je nach Branche der Anteil des iodierten Salzes 50 bis 80%. F&uuml;r Iod ist heute also Seefisch nicht mehr die wichtigste Quelle, spielt aber eine Rolle, wenn man sich bewusst salzarm ern&auml;hren will oder muss.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Viel bedeutender ist Seefisch als Quelle von Omega-3 Fetts&auml;uren. F&uuml;r Fetts&auml;uren gibt es ein Benennungssystem, mit dem man die Position und Anzahl der Doppelbindungen bestimmt. Die Bezeichnung \u201eOmega\u201c gibt an, dass die Benennung vom Ende der Fetts&auml;ure aus erfolgt. Omega ist der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets und daher die Verkn&uuml;pfung mit den Ende der Fetts&auml;ure. Es gibt zwei Familien von essenziellen (lebensnotwendigen) Fetts&auml;uren, die Omega-6 und die Omega-3 Familie. Zu jeder geh&ouml;ren mehre \u201eFamilienmitglieder\u201c, also Fetts&auml;uren. Physiologisch wichtig ist, dass der K&ouml;rper vor der sechsten Position vom Ende aus keine Doppelbindung erzeugen kann, daher sind diese beiden Familien auch essenziell und die Omega-9 Familie ist es nicht (die Fetts&auml;uren der Omega-9 Gruppe kann der K&ouml;rper aus denen der Omega-6 und -3 Gruppe erzeugen). Ebenso bedeutet dies, dass der K&ouml;rper nicht eine Omega-6 Fetts&auml;ure in eine Omega-3 Fetts&auml;ure umwandeln kann.<\/p>\n<p>Sowohl Omega-3 wie <span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif;\">\u03c9<\/span>-6 Fetts&auml;uren sind essenziell. Allerdings haben sie unterschiedliche Funktionen f&uuml;r den Organismus. Aus beiden werden Hormone gebildet, jedoch unterschiedliche. Daher sind die beiden Familien nicht austauschbar.<\/p>\n<p>Lange Zeit wurde die Meinung vertreten, das Omega-3 Fetts&auml;uren einen positiven Einfluss auf dem Cholesterinspiegel im Blut haben. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass es keinen Zusammenhang gibt. Sie haben aber einen positiven Einfluss auf die Entz&uuml;ndung, die urs&auml;chlich f&uuml;r die Arteriosklerose ist. Aus ihnen werden Substanzen gebildet, die entz&uuml;ndungshemmend wirken. Diese Botenstoffe sollen das Herzinfarktrisiko und die Neigung der Blutbl&auml;ttchen zur Aggregation senken. Hormone, die aus ihnen gebildet werden, weiten die Blutgef&auml;&szlig;e und senken so den Blutdruck und das Risiko von Ablagerungen an den Gef&auml;&szlig;w&auml;nden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Omega-6 Fetts&auml;uren kommen viel h&auml;ufiger im K&ouml;rper vor. Sie sind Bestandteil der Zellmembranen und dadurch auch leicht oxidativ angreifbar. Zudem aktivieren sie ein Protein, das bei der Bildung der Arteriosklerose beteiligt ist. Radikale, die aus der Linols&auml;ure entstehen k&ouml;nnen, stehen im Verdacht sowohl Arteriosklerose wie auch Krebsentstehung zu beg&uuml;nstigen, da sie Vorl&auml;ufer f&uuml;r Verbindungen sind, die f&uuml;r Oxidationen von Fett verantwortlich sind, die auch in den Plaques ablaufen. Sie haben jedoch durch die Gewebshormone, die aus ihnen gebildet werden, auch positive Wirkungen bei rheumatischen Erkrankungen und der Behandlung von Neurodermitis.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Daher gilt fetter Seefisch wie Hering, Makrelen oder Sardinen als gesund. Die Omega-3 Fetts&auml;uren findet man nur in Seefisch, nicht in Flussfischen und die Menge ist abh&auml;ngig von der Umgebungstemperatur, da sie nicht von den Fischen gebildet werden, sondern aus ihrer Nahrung stammen. Kaltwasserfische wei&szlig;en mehr auf als Warmwasserfische. Da die Fetts&auml;uren nur im Fett vorkommen ist auch nur fetter Seefisch reich an Omega-3 Fetts&auml;uren, nicht jedoch magerer Fisch, also die so beliebten Fischst&auml;bchen oder Fischfilets sind zwar gute Eiwei&szlig;quellen, aber enthalten keine Omega-3 Fetts&auml;uren. Ansonsten sind Omega-3 Fetts&auml;uren in der Nahrung selten. Sie finden sich in kleiner Menge in gr&uuml;nem Gem&uuml;se. Lediglich Leinsamen enthalten relativ viele dieser Fetts&auml;uren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Neben dem hochwertigen Eiwei&szlig; ist Seefisch auch reich an den Mineralstoffen Eisen und Magnesium je nach Art auch Fluor (Hering, B&uuml;ckling), Kalzium (&Ouml;lsardinen), Vitamin A (Aal, Kaviar), B1 (Hering,Lachs,Aal),, B2 (ger&auml;uchertem Lachs), Eisen (&Ouml;lsardinen, Rotbarsch). Doch dies trifft auch f&uuml;r Flussfische zu.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&Uuml;brigens enthalten Seefische auch Cholesterin, je nach Art unterschiedlich viel, teilweise mehr als Fleisch von S&auml;ugetieren oder Gefl&uuml;gel.<\/p>\n<p>Diesen positiven Aspekten m&uuml;ssen die Negativen gegen&uuml;bergestellt werden. Fische akkumulieren Schadstoffe. Der Grund ist relativ einfach: Alle Schadstoffe und R&uuml;ckst&auml;nde, die der Mensch produziert, landen irgendwann einmal im Meer. Und wenn sie schwer abbaubar sind, bleiben sie dort auch f&uuml;r lange Zeit. Sie reichern sie dann &uuml;ber die Nahrungskette an. Bei manchen R&uuml;ckst&auml;nden wurde eine Anreicherung um den Faktor 10.000 gegen&uuml;ber dem wasser beobachtet. Leider ist es schwer zu verallgemeinern. So sind Raubfische st&auml;rker belastet als Friedfische, da sie diese fressen und daher noch mehr Schadstoffe aufnehmen und am Boden das Sediment durchw&uuml;hlende st&auml;rker belastet als Fische im freien Wasser, vor allem ist aber die K&uuml;stenregion st&auml;rker belastet als die hohe See. Man sieht dies am deutlichsten beim Quecksilber. Quecksilber wird durch Mikroorganismen zu Methylquecksilber verstoffwechselt, das fettl&ouml;slich ist und sich daher in der Nahrungskette stark anreichert. Trotzdem blieb der durchschnittliche Quecksilbergehalt w&auml;hrend der letzten Jahrzehnte konstant. Die Erkl&auml;rung: Es gibt im Meer 100 Millionen Tonnen Quecksilber, der durchschnittliche menschliche Eintrag betr&auml;gt aber nur 10.000 Tonnen pro Jahr. Doch dies ist nur der durchschnittliche Wert. So ist Fisch aus Ost- und Nordsee erheblich h&ouml;her belastet und nahe den Flussm&uuml;ndungen ist die Situation noch schlimmer. Man erkennt das auch an den unterschiedlichen europ&auml;ischen Grenzwerten f&uuml;r Quecksilber. Sie liegen bei Staaten die Nordsee- oder Ostseeanleger sind h&ouml;her als bei L&auml;ndern die Fisch aus dem Atlantik beziehen. In Deutschland sind so ausgelegt, dass eine Fischmahlzeit pro Woche 10% der Quecksilberbelastung entspricht. Doch das gilt nur f&uuml;r den durchschnittlichen Wert. K&uuml;stennaher Fisch kann f&uuml;nd- bis zehnfach h&ouml;her belastet sein. Der Grenzwert f&uuml;r Quecksilber wird nicht nach der Toxizit&auml;t festgelegt, sondern so, dass Fisch noch gehandelt werden kann. Er betr&auml;gt in der EU f&uuml;r fettarme Fische 0,5 mg\/kg und f&uuml;r fettreiche Fische 1 mg\/kg. Demgegen&uuml;ber betr&auml;gt nach WHO die maximale duldbare Aufnahmemenge nur 0,0016 mg\/kg K&ouml;rpergewicht nach den Empfehlungen der USA nur 0,0007 mg\/kg. Das bedeutet, dass 100 g fettreicher Fisch, der gerade noch den Grenzwert einh&auml;lt, gerade die gesamte t&auml;gliche duldbare Quecksilbermenge (nach WHO) enth&auml;lt, nach den USA Empfehlungen sogar um 240% &uuml;berschreiten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Quecksilber ist bei den Schwermetallen die Hauptbelastung bei Fisch. Hoch belastet sind Raubfische wie Haiarten (Schillerlocken), Seekatzen, Rochen aber auch Grundfische wie Heilbutt. Bei Aal ist je nach Lebensraum (Meer\/Fluss) die Belastung unterschiedlich hoch.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bei den R&uuml;ckst&auml;nden gehen die Belastungen f&uuml;r die langlebigen chlororganischen Pestizide wie DDT, Aldrin und Dieldrin zur&uuml;ck. Bei Umweltchemikalien wie PCB (Polychlorierte Biphenyle) und PCP (Pentachlorphenol) ist es nun so, dass Flussfische die h&ouml;chsten Belastungen aufweisen, w&auml;hrend sie in Teichwirtschaft oder bei Hochseefischen eher niedrig ist.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bei Fischen aus Fischzucht kommt zu der Umweltbelastung noch eine Belastung mit Tierarzneimitteln und Malachitgr&uuml;n (bei Karpfen und Forellen) hinzu. Besonders hoch belastet sind Garnelen, die aus Asien stammen und die unter einer enorm hohen Besatzdichte gezogen werden. Ohne den Einsatz von Antibiotika und Pestiziden geht dort gar nichts und alleine durch die Abw&auml;sser dieser Farmen sind schon die Fl&uuml;sse weitgehend biologisch tot.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Hoch belastet k&ouml;nnen auch Muscheln und Krebse sein. Sie kommen zum einen vor allem aus Ufern&auml;he, wo die Schadstoffkonzentration sehr hoch ist, daneben k&ouml;nnen sie anders als Fische die Schadstoffe direkt anreichen. Miesmuscheln k&ouml;nnen Blei um den Faktor 2500 anreichern. Muscheln akkumulieren besonders gut Arsen, Cadmium und Blei. Krebstiere wie Hummer und Garnelen ebenfalls Arsen. Auch hier gibt es starke regionale Unterschiede. Im vom Atlantik abgeschlossenen Mittelmeer enthalten Miesmuscheln z.B. 3,9 bis 9,5 mg\/kg Blei (Grenzwert: 0,5 mg\/kg). Miesmuscheln sind noch aus anderer Sicht problematisch. Sie nehmen auch Algen aus dem Wasser auf, die Gifte bilden und lagern dies ein und sind so selbst giftig. Den Muscheln macht dies nichts aus und sie unterscheiden sich nicht von anderen Muscheln. In Europa gibt es Grenzwerte von 400 bis 800 \u00b5g Toxin pro Kilogramm Muscheln. Empfindliche Personen haben jedoch schon Vergiftungssymptome ab 125 \u00b5g. Gegen die Belastung mit Saxitoxin gibt es nach heutigem Stand nur die M&ouml;glichkeit, wenn eine Algenbl&uuml;te droht, (vor allem im Sommer) keine Austern, Miesmuscheln oder Pfahlmuscheln zu ernten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Daher ist es bei Fisch, wie auch bei anderem Meeresgetier sehr wichtig wo er gefangen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind zwei Aspekte die Seefische von Flussfischen unterscheiden. Zum einen enthalten sie durch das Meerwasser Iod. Iod ist ein Mineral, das sehr gut wasserl&ouml;slich ist. Daher findet es sich nur in geringer Menge im Boden. Pflanzen und Tiere enthalten es kaum. 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