{"id":669,"date":"2009-02-23T13:28:12","date_gmt":"2009-02-23T12:28:12","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=669"},"modified":"2010-01-27T20:41:27","modified_gmt":"2010-01-27T19:41:27","slug":"aufklaerungssatelliten-es-kommt-nicht-nur-auf-die-optik-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/02\/23\/aufklaerungssatelliten-es-kommt-nicht-nur-auf-die-optik-an\/","title":{"rendered":"Aufkl&auml;rungssatelliten &#8211; es kommt nicht nur auf die  \tOptik an&#8230;."},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe vor ein paar Monaten mich ja schon mal mit dem Thema Aufkl&auml;rungssatelliten und den Ger&uuml;chten (mehr ist es nicht), das diese Aufl&ouml;sungen von einigen Zentimetern haben sollten, besch&auml;ftigt. Heute soll es nicht um die Optik gehen, sondern ein anderes Problem: Die Belichtungszeit und Bewegungskompensation.<\/p>\n<p>Zuerst einmal: Was ist die Problematik?<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Nehmen wir an, Sie bauen einen Satelliten der in einer kreisf&ouml;rmigen Bahn von 300 km H&ouml;he die Erde umrundet und hochaufl&ouml;sende Bilder machen soll. 300 km ist eine H&ouml;he, bei der sie der Erde nah sind, aber nicht so nah, dass die Atmosph&auml;re den Satelliten rasch abbremst. Ein 300 km Orbit hat eine Lebensdauer von einigen Monaten bis zu einem Jahr, wenn er nicht angehoben wird. In dieser H&ouml;he hat ihr Satellit eine Geschwindigkeit von 7731.4 m\/s. Er umkreist also die Erde in 1 h, 30 Minuten und 21 Sekunden. Dividiert man den mittleren Erdumfang (40030 km) durch diese Zeit (5421 Sekunden), so legt der Satellit jede Sekunde auf der Erde 7384 m zur&uuml;ck. Deutschland, mit einer Nord-S&uuml;d Ausdehnung von rund 800 km, h&auml;tte er also in nicht ganz 2 Minuten &uuml;berflogen. <\/p>\n<p>Nehmen wir an sie haben eine CCD Kamera eingebaut, und um optimal belichtete Bilder zu machen, m&uuml;ssen sie 1\/1000 Sekunde belichten. Wenn ihre Kamera 20 m\/Pixel aufl&ouml;st, so ist das kein Problem. Es tritt nun das auf, dass sie eventuell kennen wenn sie aus einem fahrenden Auto die Landschaft fotografieren wollen: Durch die Bewegung des Autos erhalten sie eine Unsch&auml;rfe, die Bewegungsunsch&auml;rfe. In der Tausendstel Sekunde, w&auml;hrend der das Bild belichtet wird, hat sich der Satellit am Boden um rund 7.4 m weiter bewegt. Wenn nun die Kamera viel gr&ouml;ber aufl&ouml;st, (hier 20 m) so sehen sie dies nicht auf dem Foto. Doch f&uuml;r einen Aufkl&auml;rungssatelliten sind 20 m Aufl&ouml;sung wenig. Was passiert, wenn ich 1 m oder noch weniger aufl&ouml;sen m&ouml;chte?<\/p>\n<p>M&ouml;glichkeit 1: K&uuml;rzer belichten. Die Belichtungszeit h&auml;ngt von dem Licht ab, welches auf ein Sensorelement f&auml;llt. Je gr&ouml;&szlig;er meine Optik ist, desto mehr Licht f&auml;llt auf ein Pixel bei gleicher Gr&ouml;&szlig;e. Fotographen kennen den Begriff der Blende &#8211; Sie ist das Verh&auml;ltnis zwischen Brennweite und Objektivgr&ouml;&szlig;e. Je gr&ouml;&szlig;er ein Objektiv bei einer gegebenen Brennweite ist, desto lichtst&auml;rker ist es, desto k&uuml;rzer ist die Belichtungszeit. Ein Grund warum Aufkl&auml;rungssatelliten daher immer gr&ouml;&szlig;ere Spiegel haben, k&ouml;nnte sein, diese Bewegungsunsch&auml;rfe zu reduzieren und so bei gleicher Brennweite und gleichen Sensoren bessere Aufnahmen zu erhalten. Das zweite ist es jedes Pixel zu vergr&ouml;&szlig;ern, um mehr Licht aufzufangen. Das reduziert jedoch dann die Aufl&ouml;sung. Zu einem dritten Trick komme ich noch.<\/p>\n<p>M&ouml;glichkeit 2: Ich kompensiere die Bewegung. Wenn, wie hier, die Umlaufbahn kreisf&ouml;rmig ist und der Satellit direkt nach unten sieht, dann bewegt sich die Oberfl&auml;che gleichf&ouml;rmig unter der Optik hinweg. Die Optik kann dann in der gleichen Richtung gedreht werden, mit einer Geschwindigkeit von 1 Umdrehung alle 90 Minuten. Dieses Prinzip ist abwandelbar, z.B. indem nur der Sensor bewegt wird und die Optik fest ausgerichtet bleibt. Es gibt nur zwei Einschr&auml;nkungen: Durch die Bewegung der Optik muss diese, nachdem sie einem Gebiet eine Weile gefolgt hat und ein Bild gewonnen wurde in die Ausgangsstellung zur&uuml;ckgedreht werden. Eine kontinuierliche Abtastung ist so nicht m&ouml;glich. Die zweite: Die Bewegung ist nur konstant wenn der Satellit sich auf einer kreisf&ouml;rmigen Umlaufbahn befindet und nicht zur Seite sieht. Die Seite sieht man unter einem anderen Blickwinkel, der sich durch die Bewegung noch dazu &auml;ndert &#8211; Fixieren sie einmal einen Baum beim Fahren mit dem Zug. Wenn er weit entfernt ist sehen sie ihn aus einem flachen Winkel, wenn er direkt vor ihnen steht ist er im Bruchteil einer Sekunde an ihnen vorbei geflogen. Wenn sie den Kameraschwenk auf die frontale Position justieren, dann wird das Bild von der Entfernung (Schr&auml;ge) verwischt.<\/p>\n<p>Gerade dies ist aber gegeben. Die KH-11\/12 Satelliten befinden sich auf einer elliptischen Umlaufbahn von typischerweise etwa 300 km minimaler und 900 km maximaler Entfernung von der Oberfl&auml;che. (Um die Abbremsung durch die Restatmosph&auml;re zu reduzieren). Und sie sollen auch Bilder schr&auml;g aufnehmen, weil so ein Gebiet nach k&uuml;rzerer Zeit erneut abgelichtet werden kann. Das erschwert die Ausf&uuml;hrung einer Nachf&uuml;hrung. Sie muss nun variable Geschwindigkeiten bieten.<\/p>\n<p>Je h&ouml;her die Aufl&ouml;sung, desto gr&ouml;&szlig;er werden die Anforderungen. Nehmen wir die 300 x 900 km Bahn. Die Geschwindigkeit betr&auml;gt dann in 300 km Entfernung 7890 m\/s und in 900 km Entfernung 7240 m\/s. Die Bewegung relativ zur Erdoberfl&auml;che betr&auml;gt 6344 m\/s im Apog&auml;um und 7.535 m\/s im Perig&auml;um. Nehmen wir an. Die Bewegungskompensation ist auf die Distanz von 300 km Entfernung justiert bei einer Belichtungszeit von 1\/1000 Sekunde. Die Bewegungskompensation entspricht im Perig&auml;um einer Drehung von 0.067 Grad pro Sekunde. Im erdfernsten Punkt sind es dagegen 0.57 Grad\/Sekunde. Bei 0.67 Grad pro Sekunde bewegt sich die Optik zu schnell und es resultiert eine Bewegungsunsch&auml;rfe von 1.2 m\/s im erdfernsten Punkt. <\/p>\n<p>Das bedeutet, die Bewegungskompensation muss sehr ausgekl&uuml;gelt sein, wenn sie verschiedene Geschwindigkeiten und Winkel bedienen muss.<\/p>\n<p>Nun habe ich noch von einer dritten M&ouml;glichkeit gesprochen. Sie wird heute bei hochaufl&ouml;senden &quot;semi-zivilen&quot; Satelliten eingesetzt, z.B. Ikonos oder Worldview. Es sind spezielle Sensoren, die TDI Sensoren. (TDI = Time Delayed Integration). Diese Sensoren werden auch bei Produktionsstra&szlig;en eingesetzt, z.B. um farbigen M&uuml;ll auszusortieren oder vorbeirauschende Flaschen auf Besch&auml;digungen zu &uuml;berpr&uuml;fen. Die Anforderungen sind die gleichen wie bei Aufkl&auml;rungssatelliten: Das zu untersuchende Objekt bewegt sich mit enormer Geschwindigkeit vor der Optik. Die L&ouml;sung ist es mehrere Scanzeilen zu verwenden, aber nur die oberste auszulesen. Eine Flasche wird z.B. von der untersten Scanzeile erfasst, nun bewegt sie sich weiter, streicht nacheinander &uuml;ber die Scanzeilen und passiert schlie&szlig;lich die letzte Scanzeile. Der Trick besteht nun darin, die elektrische Ladung, die durch die Belichtung in jedem CCD Element resultiert synchron zu dieser Bewegung zu verschieben und dabei zu der schon vorhandenen zu addieren. Ein Element mit 16 Scanzeilen kann also im Idealfall die 16 fache Belichtungszeit eines einzelnen Elements aufweisen &#8211; oder umgekehrt die Belichtungszeit auf ein sechszehntel reduzieren. Dabei reicht die Belichtungszeit eines einzelnen CCD Elemente nicht aus f&uuml;r ein kontrastreiches Bild, aber die von 16 Elementen.<\/p>\n<p>Die derzeit modernsten haben bis zu 128 Zeilen. Ohne Bewegungskompensation erreichen damit heute Satelliten wie Worldview schon unter 50 cm Aufl&ouml;sung. Der begrenzende Faktor ist dabei dann nicht mehr die Belichtungszeit, sondern die Datenrate. F&uuml;r h&ouml;here Aufl&ouml;sungen m&uuml;ssten die Scanzeilen erheblich schneller ausgelesen werden als heute m&ouml;glich. Das <a href=\"http:\/\/www.fairchildimaging.com\/products\/fpa\/ccd\/tdi\/ccd21241.\">CCD 21241 von Fairchild<\/a>, eingesetzt bei Worldview 1, ist z.b. limitiert auf max. 18 KHz Ausleserate, also bei etwa 7 km\/s Bewegung &uuml;ber den Boden maximal 7000 m \/18000 = .0.39 m\/Pixel. Die erreichte Aufl&ouml;sung des Satelliten (0.45 m) liegt nahe an der Grenze.<\/p>\n<p>Das zeigt die Problematik die es gibt, wenn sehr hohe Aufl&ouml;sungen erreicht werden sollen. Da die Anforderungen quadratisch mit der Aufl&ouml;sung steigen, stellt sich auch bei Aufkl&auml;rungssatelliten die Frage nach der Umsetzung. Worldview unterscheidet sich von Ikonos nicht so sehr durch das gr&ouml;&szlig;ere Teleskop &#8211; das h&auml;tte man schon vor 10 Jahren in Ikonos einbauen k&ouml;nnen &#8211; sondern der Verf&uuml;gbarkeit von leistungsf&auml;higeren TDI Sensoren. Da das Milit&auml;r vielleicht eher die neueste Technologie im Einsatz hat, sich aber nicht von der technischen Entwicklung losl&ouml;sen kann (anders ausgedr&uuml;ckt: Das Milit&auml;r kann sich heute zwar die schnellsten Supercomputer leisten, aber diese bestehen aus den gleichen Speicherchips und Prozessoren wie andere Computer auch).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe vor ein paar Monaten mich ja schon mal mit dem Thema Aufkl&auml;rungssatelliten und den Ger&uuml;chten (mehr ist es nicht), das diese Aufl&ouml;sungen von einigen Zentimetern haben sollten, besch&auml;ftigt. Heute soll es nicht um die Optik gehen, sondern ein anderes Problem: Die Belichtungszeit und Bewegungskompensation. Zuerst einmal: Was ist die Problematik?<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[246,244],"class_list":["post-669","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-bewegungskompensation","tag-optik","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":384,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18511,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/27\/musks-ki-rechenzentren-im-orbit\/","url_meta":{"origin":669,"position":0},"title":"Musks KI-Rechenzentren im Orbit","author":"Bernd Leitenberger","date":"27. 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