{"id":6713,"date":"2012-07-11T00:15:33","date_gmt":"2012-07-10T22:15:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6713"},"modified":"2012-07-09T21:16:51","modified_gmt":"2012-07-09T19:16:51","slug":"die-lere-kalorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/07\/11\/die-lere-kalorie\/","title":{"rendered":"Die lere Kalorie"},"content":{"rendered":"<p>Zucker ist heute als \u201eleere Kalorie\u201c verschrien und genie&szlig;t einen sehr schlechten Ruf. Unter der Bezeichnung \u201eleere Kalorie\u201c versteht man Nahrungsmittel, welche Energie enthalten aber keine essenziellen Nahrungsbestandteile, sprich Vitamine, Mineralstoffe, essenzielle Fetts&auml;uren und Eiwei&szlig;. Nat&uuml;rlich enth&auml;lt wei&szlig;er Zucker keinerlei Mineralstoffe und Vitamine. Doch diese enth&auml;lt auch der braune Zucker nicht. Er ist nur durch Farbstoffreste braun gef&auml;rbt, die beim wei&szlig;en Zucker entfernt werden. Die kleinen Mengen an Farbstoffen sind ern&auml;hrungsphysiologisch ohne Bedeutung. Das gilt auch f&uuml;r andere angeblich \u201eges&uuml;ndere\u201c Zuckerformen, wie Rohzucker oder Honig. Sie bestehen nur eben nicht zu 100% aus Zucker, sondern nur zu 90-95%. Das macht keinen gro&szlig;en Unterschied.<!--more--><\/p>\n<p>Ist nun Zucker prinzipiell zu meiden? Nun sicher nicht. Wie bei anderen Dingen kommt es auf die Menge an. Es gibt viele Lebensmittel, in denen der Zucker ein Hauptbestandteil ist. Denken wir an Bonbons, Gummib&auml;rchen, Mohrenk&ouml;pfe. Dies ist bekannt und die meisten wissen, dass dieses \u201eNaschwerk\u201c an der Spitze der Ern&auml;hrungspyramide steht, also in kleinen Dosen verzehrt werden sollte.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch Lebensmittel in denen viel Zucker vorhanden ist, ohne das es offensichtlich ist, wie Ketchup, Fruchtjoghurt. Nat&uuml;rlich ist Zucker an und f&uuml;r sich nur ein Energietr&auml;ger. Aber das gilt f&uuml;r Margarine und Wei&szlig;mehl auch, ohne dass diese so verteufelt werden. Es h&auml;ngt zudem von der Menge ab. So bestehen Bonbons fast nur aus Zucker. Der Rest ist etwas Wasser und Aroma. Aber wie viele Bonbons essen Sie pro Tag? Mit einer Portion Ketchup nehmen Sie leicht mehr Zucker zu sich, als mit einigen Bonbons. Ausschlaggebend ist die Verzehrsmenge. Zudem muss Zucker nicht unbedingt nur in schlechten Lebensmitteln drin sein. In Obst stammt fast die gesamte Energie aus Zucker. Die DGE-Empfehlungen f&uuml;r den Zuckerkonsum liegen bei 60 g\/Tag, also etwa ein F&uuml;nftel bis Sechstel der Gesamtkohlenhydratmenge. Dies ist die Menge, die in Obst und Milch vorkommt, wenn man den DGE-Empfehlungen f&uuml;r die Ern&auml;hrung folgt. Bei den GDA-Kennzeichnungen, die Basis f&uuml;r die Verpackungsangaben von Lebensmitteln, wird dagegen eine Menge von 90 g Zucker zugrunde gelegt, das sind schon ein F&uuml;nftel des t&auml;glichen Energiebedarfs.<\/p>\n<p>Das Problem ist die ubiquit&auml;re Verwendung von Zucker: Nicht nur um zu s&uuml;&szlig;en, sondern auch um den Geschmack anzuheben. So findet sich Zucker in So&szlig;en, Salatdressings. Sehr oft wird aber auch in Lebensmitteln die s&uuml;&szlig; sein sollen, zu stark ges&uuml;&szlig;t. Wer selbst seinen Joghurt aus Fruchtmark, Zucker und Naturjoghurt mischt, w&uuml;rde nie soviel Zucker einsetzen, wie in k&auml;uflichen Produkten steckt. Die IST-Zufuhr liegt daher deutlich h&ouml;her als die DGE-Empfehlungen.<\/p>\n<h3>Zucker und die Psychologie<\/h3>\n<p>Kinder lieben Zucker, Erwachsene lieben Zucker, jeder liebt Zucker. Warum? Nun weil wir genetisch gesehen, immer noch die gleichen Menschen, wie vor 10.000 Jahren sind. Bis vor 200 Jahren spielte Zucker bei uns in der Ern&auml;hrung keine gro&szlig;e Rolle. Er war ein Luxusprodukt. Zucker konnte damals nur aus Zuckerrohr gewonnen werden, er musste importiert werden. Honig war vorher die wichtigste M&ouml;glichkeit zu s&uuml;&szlig;en. Erst gegen Ende des 18.ten Jahrhunderts kreuzten Forscher Runkelr&uuml;ben untereinander und erreichten so einen hohen Zuckergehalt. Dies machte die Gewinnung von Zucker aus R&uuml;ben lukrativ. Mit der industriellen Revolution war es m&ouml;glich die Zuckergewinnung zu verbilligen und die Entwicklung von Kunstd&uuml;ngern machte hohe Ernteertr&auml;ge der stark zehrenden Pflanze m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Vorher war Zucker f&uuml;r den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Menschheitsgeschichte selten. S&uuml;&szlig; waren Fr&uuml;chte, die es nur zu bestimmten Zeiten und in kleiner Menge gab. Unser K&ouml;rper liefert uns daher ein Signal um uns zu sagen \u201eHoppla, das ist gut\u201c. Denn f&uuml;r den K&ouml;rper bedeutet Zucker eine schnelle Energiequelle, die leicht verdaulich ist. Die Geschmacksrezeptoren auf unserer Zunge sind so ausgelegt, dass die Zuckerarten (nicht nur die Saccharose) in einen <strong>S&uuml;&szlig;rezeptor<\/strong> passen und daher den S&uuml;&szlig;eindruck ausl&ouml;sen.<\/p>\n<p>F&uuml;r den K&ouml;rper bedeutet dies: Schnell verf&uuml;gbare Kalorien mit hohem N&auml;hrwert werden aufgenommen \u2013 sofort ein Gl&uuml;cksgef&uuml;hl ausl&ouml;sen, damit mehr gegessen wird. Dieser Reiz ist fest verankert, der Mensch kann sich ihm nicht entziehen, auch wenn heute an Zucker kein Mangel mehr ist. S&uuml;&szlig;geschmack, auch von S&uuml;&szlig;stoffen erzeugter, aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch einen zweiten Aspekt. Der Zucker wird sehr schnell resorbiert, schon in den ersten Windungen des Zw&ouml;lffingerdarms und dann wird er in der Darmwand in Glucose und Fructose gespalten. Was fehlt ist ein S&auml;ttigungsgef&uuml;hl, das volumin&ouml;sere Nahrung liefert, auch nat&uuml;rliche Fr&uuml;chte die eben nur zu 10% aus Zucker bestehen. Daher wird man, wenn man S&uuml;&szlig;igkeiten isst, mehr essen, als einem gut tut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zucker ist heute als \u201eleere Kalorie\u201c verschrien und genie&szlig;t einen sehr schlechten Ruf. Unter der Bezeichnung \u201eleere Kalorie\u201c versteht man Nahrungsmittel, welche Energie enthalten aber keine essenziellen Nahrungsbestandteile, sprich Vitamine, Mineralstoffe, essenzielle Fetts&auml;uren und Eiwei&szlig;. Nat&uuml;rlich enth&auml;lt wei&szlig;er Zucker keinerlei Mineralstoffe und Vitamine. Doch diese enth&auml;lt auch der braune Zucker nicht. 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