{"id":6720,"date":"2012-07-13T00:58:28","date_gmt":"2012-07-12T22:58:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6720"},"modified":"2012-07-10T14:00:39","modified_gmt":"2012-07-10T12:00:39","slug":"ist-die-ampel-das-bessere-system-zur-nahrwertkennzeichnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/07\/13\/ist-die-ampel-das-bessere-system-zur-nahrwertkennzeichnung\/","title":{"rendered":"Ist \u201edie Ampel\u201c, das bessere System zur N&auml;hrwertkennzeichnung?"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit ist bei uns die GDA-Kenneziechnung verbreitet. Dieses System ist freiwillig und von der Industrie eingef&uuml;hrt worden. Es hat nichts mit der gesetzlich vorgeschriebenen N&auml;hrwertkennzeichnung zu tun. Als Alkternative zur GDA-Kennzeichnung wird die Ampelkennzeichnung propagiert.<\/p>\n<p>Unter der Ampel versteht man ein in England eingef&uuml;hrtes und in Deutschland unter anderem von Foodwatch e.V. propagiertes System. Es soll durch die Signalfarben einer Ampel (rot, gelb, gr&uuml;n) auf den ersten Blick signalisieren, ob ein Lebensmittel \u201egut\u201c oder \u201eschlecht\u201c sei. Die Lebensmittelindustrie hat einen ersten Versuch die Ampel im EU-Parlament als Kennzeichnungselement vorzuschreiben zum Fall gebracht. Deutsche EU-Abgeordneten berichteten, noch nie haben sie eine solch intensive Lobbyt&auml;tigkeit seitens der Industrie beobachtet. Die Industrie wehrt sich, durch die Farben w&uuml;rden Lebensmittel \u201ediskriminiert\u201c. Die GDA-Kennzeichnung arbeitet nicht mit Farben jeder muss sich die Angabe durchlesen und zudem gibt es die M&ouml;glichkeit &uuml;ber die Portionsgr&ouml;&szlig;e sich eine vorteilhafte Angabe zu verschaffen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Ampel hat folgende Elemente:<\/p>\n<p>Gekennzeichnet werden Fett, ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren, Zucker und Salz, also vier Elemente, die auch die GDA-Kennzeichnung umfasst und die man als mitverursachend f&uuml;r &Uuml;bergewicht oder ern&auml;hrungsbedingte Krankheiten ansieht.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Angabe ist, damit das Problem der selbst festgelegten Portionsgr&ouml;&szlig;e vom Tisch ist, immer pro 100 g bezogen.<\/li>\n<li>Es gibt einen Bereich f&uuml;r \u201egr&uuml;n\u201c, der signalisiert: Davon ist wenig enthalten, man kann viel von dem Lebensmittel essen.<\/li>\n<li>Ein weiterer Bereich f&uuml;r \u201egelb\u201c ist gedacht f&uuml;r Lebensmittel, die man &uuml;berlegt essen sollte.<\/li>\n<li>Ein roter Bereich f&uuml;r Lebensmittel mit einem hohen Gehalt soll dem Verbraucher sagen: Vorsicht, davon nicht zu viel essen.<\/li>\n<li>Da Getr&auml;nke mehr Wasser enthalten, gibt es f&uuml;r Getr&auml;nke eine eigene Festlegung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kriterien f&uuml;r die Ampel bei Lebensmitteln pro 100 g:<\/p>\n<table class=\"style2\">\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"style1\">Inhaltsstoff<\/th>\n<th class=\"style1\">Gr&uuml;n (niedriger Gehalt)<\/th>\n<th class=\"style1\">Gelb (mittlerer Gehalt)<\/th>\n<th class=\"style1\">Rot (hoher Gehalt)<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fett<\/td>\n<td>weniger als 3 g<\/td>\n<td>zwischen 3 g und 20 g<\/td>\n<td>mehr als 20 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren<\/td>\n<td>weniger als 1,5 g<\/td>\n<td>zwischen 1,5 g und 5 g<\/td>\n<td>mehr als 5 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zucker<\/td>\n<td>weniger als 5 g<\/td>\n<td>zwischen 5 g und 12,5 g<\/td>\n<td>mehr als 12,5 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Salz<\/td>\n<td>weniger als 0,3 g<\/td>\n<td>zwischen 0,3 g und 1,5 g<\/td>\n<td>mehr als 1,5 g<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Kriterien f&uuml;r die Ampel bei Getr&auml;nken pro 100 ml:<\/p>\n<table class=\"style2\">\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"style1\">Inhaltsstoff<\/th>\n<th class=\"style1\">Gr&uuml;n (niedriger Gehalt)<\/th>\n<th class=\"style1\">Gelb (mittlerer Gehalt)<\/th>\n<th class=\"style1\">Rot (hoher Gehalt)<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fett<\/td>\n<td>weniger als 1,5 g<\/td>\n<td>zwischen 1,5 g und 10 g<\/td>\n<td>mehr als 10 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren<\/td>\n<td>weniger als 0,75 g<\/td>\n<td>zwischen 0,75 g und 2,5 g<\/td>\n<td>mehr als 2,5 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zucker<\/td>\n<td>weniger als 2,5 g<\/td>\n<td>zwischen 2,5 g und 6,3 g<\/td>\n<td>mehr als 6,3 g<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Salz<\/td>\n<td>weniger als 0,3 g<\/td>\n<td>zwischen 0,3 g und 1,5 g<\/td>\n<td>mehr als 1,5 g<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>\nWas ist nun von der Ampel und anderen Kennzeichnungen zu halten?<\/h3>\n<p>Auch wenn es Verbraucherschutzverb&auml;nde nicht gerne h&ouml;ren, sehen Experten sowohl die \u201eAmpel\u201c (oder Ampelkennzeichnung) wie auch GDA-Kennzeichnung kritisch. Das Hauptproblem beider Kennzeichnungen ist es, dass sie versuchen alle Lebensmittel &uuml;ber einen Kamm zu scheren und das muss eben scheitern, weil sie zu unterschiedlich sind.<\/p>\n<p>Wir haben auf der einen Seite Gem&uuml;se, das sehr energiearm ist und auf der anderen Seite auch Limonade mit S&uuml;&szlig;stoffen, nach der Ampelkennzeichnung eine gr&uuml;ne Kennzeichnung erhalten w&uuml;rde. Sind Limonaden mit S&uuml;&szlig;stoff deswegen ges&uuml;nder als Fruchtsaft, der eine gelbe Ampel f&uuml;r Zucker wegen des nat&uuml;rlich vorhandenen Fruchtzuckers bekommt? Mehr noch, das gilt auch f&uuml;r praktisch alle Obstsorten. Genauso erhalten nat&uuml;rliche, ern&auml;hrungsphysiologisch wertvolle und empfohlene Lebensmittel wie K&auml;se nicht nur eine, sondern drei rote Ampeln (f&uuml;r Fett, ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren und Salz). Emmentaler ist daher genauso rot wie ein Schokoriegel (f&uuml;r Fett, ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren und Zucker), trotzdem d&uuml;rfte K&auml;se erheblich ges&uuml;nder sein.<\/p>\n<p>Wir haben Nahrungsmittel, die fast nur aus Zucker bestehen (Marmelade), andere nur aus Fett (&Ouml;l, Butter, Margarine). Es ist fast unm&ouml;glich alle Lebensmittel &uuml;ber einen Kamm zu scheren und eine Einteilung nach Gruppen (z.B. eine eigene Kennzeichnung f&uuml;r K&auml;sesorten, eine f&uuml;r Wurst mit jeweils anderen Kriterien) ist nicht vorgesehen und w&uuml;rde auch verwirrend sein, wenn ein Lebensmittel dort gr&uuml;n erh&auml;lt, in einer anderen Gruppe derselbe N&auml;hrstoffgehalt aber f&uuml;r Rot steht (so enthalten eben fast alle K&auml;sesorten viel Fett und bedingt durch die Zusammensetzung des Milchfetts immer auch ges&auml;ttigte Fetts&auml;uren in gro&szlig;er Menge).<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Fachleuten ist eine normale N&auml;hrwertkennzeichnung, die ja schon heute geregelt ist, nur eben nicht verpflichtend f&uuml;r alle Lebensmittel, die bessere L&ouml;sung. Sie enth&auml;lt zudem noch weitere wichtige Informationen wie &uuml;ber die anderen N&auml;hrstoffe (es fehlen bei der Ampel Eiwei&szlig; und Kohlenhydrate), wichtige erw&uuml;nschte Stoffe (Ballaststoffe, Omega-3 Fetts&auml;uren, mehrfach unges&auml;ttigte Fetts&auml;uren) und Vitamine und Mineralstoffe sowie &uuml;ber Cholesterin. Besser w&auml;re es, sie verpflichtend f&uuml;r alle Fertigverpackungen vorzuschreiben.<\/p>\n<p>Sie ist komplexer, aber Lebensmittel sind eben unterschiedlich. Der Vorteil w&auml;re, dass es nur eine Kennzeichnung gibt und nicht deren drei (N&auml;hrwertkennzeichnung, GDA-Angaben und Ampelkennzeichnung) und man so auch mehr Platz f&uuml;r sie hat und sie leserlicher ist.<\/p>\n<p>Untersuchungen zur Wirksamkeit der Ampel sind widerspr&uuml;chlich. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass nur etwa 9% aller Verbraucher sich N&auml;hrwertkennzeichnungen durchlesen und die Ampel soll keine signifikante Ver&auml;nderung des Verhaltens zur Folge haben. Fragt man dagegen Verbraucher nach ihrem pers&ouml;nlichen Eindruck, so geben sie in Befragungen die Antwort, die Ampel w&auml;re leichter verst&auml;ndlich und sie w&uuml;rde sich auf ihre Kaufgewohnheiten auswirken.<\/p>\n<p>Dieser Widerspruch ist f&uuml;r die Ern&auml;hrungsforschung nicht neu. Fragt man Verbraucher nach dem, was sie essen und vergleicht dies mit Verzehrstudien, bei denen ermittelt wird, was sie tats&auml;chlich gegessen haben, dann taucht derselbe Widerspruch auf. Verbraucher geben ihre Erinnerung wieder und die betont bestimmte Lebensmittel, andere werden verdr&auml;ngt. Die Mengenangaben zum tats&auml;chlichen Konsum sind daher sehr unterschiedlich. Wahrscheinlich gibt es dasselbe Paradoxon bei der Verbraucherbefragung und der Untersuchung des Verhaltens.<\/p>\n<p>Was vielmehr wohl der Vorsto&szlig; von Bef&uuml;rwortern der Ampel ist, ist das Hersteller dann beginnen ihre Rezepturen zu ver&auml;ndern, also zu achten, dass sie gerade noch in die n&auml;chstniedrige Rubrik kommen. Doch dies ist leicht auch ohne positive Folgen f&uuml;r den Verbraucher m&ouml;glich. So kann man Zucker durch Zuckeralkohole ersetzen. Sie gelten nicht als Zucker, sind aber genauso s&uuml;&szlig; und liefern genauso viel Energie, k&ouml;nnen aber in gr&ouml;&szlig;eren Mengen Durchfall und Bl&auml;hungen verursachen.<\/p>\n<p>Gerade der Zucker zeigt, wie undurchsichtig eigentlich die Ampelkennzeichnungen sein k&ouml;nnen. Denn hier wird bei Getr&auml;nken genau unterschieden, woher der Zucker stammt:<\/p>\n<ul>\n<li>Gr&uuml;n, wenn der gesamte Zucker weniger als 2,5 g\/100 ml betr&auml;gt.<\/li>\n<li>Gelb, wenn der gesamte Zucker 2,5 g\/100 ml &uuml;bersteigt und der zugesetzte kleiner als 6,3 g\/100 ml betr&auml;gt.<\/li>\n<li>Rot, wenn der zugesetzte Zucker 6,3 g\/100 ml &uuml;bersteigt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das hei&szlig;t, es wird unterschieden zwischen nat&uuml;rlichem und zugesetztem Zucker. Jeder Obstsaft, der per Gesetz keinen Zuckerzusatz erfahren darf, landet so in der gelben Rubrik. (Es gibt kein Obst das so wenig Zucker enth&auml;lt, dass es f&uuml;r Gr&uuml;n reichen w&uuml;rde). Aber praktisch alle Limonaden bekommen rot. Nun ist sicher Obstsaft ges&uuml;nder, weil er auch Vitamine und Mineralstoffe enth&auml;lt, doch nicht so arg gesund, als dass man davon viel trinken sollte. 540 ml Apfelsaft enthalten so viel Zucker wie die DGE f&uuml;r den gesamten Tag empfiehlt. Selbst Milch landet wegen des Milchzuckers in der gelben Kategorie. Vor allem bedeutet dies, dass Traubensaft mit rund 16 g Zucker\/100 ml gr&uuml;n bekommt, handels&uuml;bliche Limonaden mit rund 8 g Zucker dagegen rot. Also der eine Zucker ist \u201eb&ouml;se\u201c, der andere \u201eok\u201c. Das ist f&uuml;r jeden Ern&auml;hrungswissenschaftler und Lebensmittelchemiker blanker Unsinn.<\/p>\n<p>Die Meinung, die ich vertrete, ist die, dass die Ampel nicht die L&ouml;sung, sondern das letzte Symptom eines Problems ist. Verbraucher wissen immer weniger &uuml;ber Lebensmittel. Das bezieht sich nicht nur auf neue Lebensmittel oder von der Industrie hergestellte, sondern auch normale, wie eben Fruchtsaft, Ketchup etc. Fruchtsaft enth&auml;lt von Natur aus Zucker und bei vielen Fr&uuml;chten sogar mehr, als in Limonade steckt und in Ketchup ist Zucker drin wegen des Geschmacks, damit er nicht verdirbt und dass er dickfl&uuml;ssig ist. Die L&ouml;sung ist aber dann kein Ampelsystem, sondern Wissen. Ich m&ouml;chte als Verbraucher lieber die Freiheit haben umfassend informiert zu werden (durch die normale N&auml;hrwertkennzeichnung) oder diese eben zu ignorieren, wenn ich mich daf&uuml;r nicht interessiere. Ich will aber nicht bevormundet werden, indem mir jemand anders vorschl&auml;gt, was nach einem starren Raster f&uuml;r mich gut und was schlecht sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit ist bei uns die GDA-Kenneziechnung verbreitet. Dieses System ist freiwillig und von der Industrie eingef&uuml;hrt worden. Es hat nichts mit der gesetzlich vorgeschriebenen N&auml;hrwertkennzeichnung zu tun. Als Alkternative zur GDA-Kennzeichnung wird die Ampelkennzeichnung propagiert. Unter der Ampel versteht man ein in England eingef&uuml;hrtes und in Deutschland unter anderem von Foodwatch e.V. propagiertes System. 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