{"id":6834,"date":"2012-07-31T00:21:23","date_gmt":"2012-07-30T22:21:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6834"},"modified":"2012-07-30T11:25:50","modified_gmt":"2012-07-30T09:25:50","slug":"militarische-bemannte-us-raumfahrt-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/07\/31\/militarische-bemannte-us-raumfahrt-1\/","title":{"rendered":"Milit&auml;rische bemannte US-Raumfahrt 1"},"content":{"rendered":"<p>So, damit ihr nicht Raumfahrtm&uuml;de werdet einen neuen\u00a0Artikel\u00a0der Website in drei Teilen im Blog. Wer nicht warten will, kann ja mal auf der Website nach dem\u00a0kompletten\u00a0Artikel\u00a0suchen. Den zweiten Teil gibt es &uuml;bermorgen.<\/p>\n<p>Schon fr&uuml;hzeitig entdeckte das Milit&auml;r die M&ouml;glichkeiten der Raumfahrt. Am 28.2.1959 startete der erste milit&auml;rische Satellit &#8222;Discoverer 1&#8220;. Schon 1958 scheiterte das Proekjekt Pilot, bei dem ein Minisatellit von einer von einem Flugzeug abgeworfenen Tr&auml;gerrakete in den Orbit gebracht werden sollte. Schon 1960 &uuml;berfl&uuml;gelten in den USA die milit&auml;rischen Starts die zivilen und dies ist bis heute so geblieben.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, das das Milit&auml;r bald auch ein eigenes bemanntes Programm haben wollte. In den USA kam es nie dazu, jedoch in der Sowjetunion. So waren von den Raumstationen Saljut 1-5 drei milit&auml;rischer Natur (ALMAZ 1-3). Mit Saljut 6 wurde das zivile mit dem milit&auml;rischen Programm verschmolzen. Soweit kam es in den USA nicht, jedoch gab es viele Versuche des Milit&auml;rs ein eigenes Programm zu etablieren. Dieser Artikel behandelt die wichtigsten Projekte die &uuml;ber das Planungsstadium hinaus kamen sowie die Einfl&uuml;sse auf das Shuttleprogramm.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Dyna Soar<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/dyna-soar.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"409\" align=\"left\" \/>Wenige Tage nach dem Start von Sputnik 1 wurde am 24.10.1957 Dyna Soar aus der Taufe gehoben. Ein Programm das enorm vielseitig angelegt war. In einer ersten Phase war ein Forschungsger&auml;t (Dyna Soar I) geplant, gefolgt von einem Aufkl&auml;rungsger&auml;t und einem strategischen Bomber. Weitere zuk&uuml;nftige Aufgaben waren die Reparatur von Satelliten und die Inspektion feindlicher Satelliten.<\/p>\n<p>Dyna Soar war anders als als die damaligen Raumkapseln ein Raumgleiter, mehr vergleichbar mit dem Space Shuttle oder der X-37B. Er hatte durch die Fl&uuml;gel die F&auml;higkeit in der Atmosph&auml;re zu navigieren und konnte die enorme kinetische Energie in Auftrieb umsetzen um auf einem Flugplatz zu landen, auch wenn dieser nicht direkt auf dem Flugpfad landete. Das war ein Kriterium f&uuml;r die Air Force, da nur so Geheimhaltung gew&auml;hrleistet war und so auch die Zeit bis der Gleiter mit seiner Fracht in einem sicheren Hangar war verk&uuml;rzt war, vergleichen mit der klassischen Bergung einer Raumkapsel.<\/p>\n<p>Die ersten Fl&uuml;ge des Forschungsger&auml;ts das noch nicht Orbitalgeschwindigkeit erreichen sollte, sollten mit <a href=\"titan12.shtml\">Titan I<\/a> Tr&auml;gerraketen erfolgen. Der operationelle Gleiter w&auml;re f&uuml;r sie zu schwer gewesen. Die Air Force hielt jedoch an dieser Tr&auml;gerrakete fest, anstatt auf die leistungsst&auml;rkere und von der NASA entwickelte <a href=\"atlas-centaur.shtml\">Atlas Centaur<\/a> zu wechseln. Es wurden verschiedene Oberstufen und Tr&auml;gerraketenkombinationen sowie die M&ouml;glichkeit eines eigenen Antriebs in Dyna Soar untersucht. schlie&szlig;lich f&uuml;hrte dies zur Entwicklung der Titan IIIC die mit &uuml;ber 11 t Nutzlast ohne Problem den 5,165 t schweren Gleiter h&auml;tte transportieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Das Projekt wurde jedoch sehr teuer, schlussendlich war es f&uuml;r die damalige Zeit sehr ambitioniert. Am 19.1.1963 fragte US-Verteidigungsminister McNamara nach ob Dyna Soar oder Gemini sich besser f&uuml;r ein weltraumbasiertes Waffensystem eignen w&uuml;rde. Als er die Untersuchung bekam, befand er dass die Air Force sich zu viel Hoffnung auf die M&ouml;glichkeiten eines kontrollierten Wiedereintritts gemacht h&auml;tte, aber sich zu wenig Gedanken &uuml;ber den wirklichen Nutzen des Systems gemacht h&auml;tte. Das f&uuml;hrte zum Einstellen des Projektes am 10.12.1963 eingestellt, nachdem bis dahin 660 Millionen Dollar (&uuml;ber 5 Milliarden Dollar im heutigen Wert) ausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Bis dahin waren 7 Piloten rekrutiert worden. Neil Armstrong hatte schon 1962 das Programm verlassen und zur NASA gewechselt. Er war der einzige der sp&auml;ter in den Orbit gelangte.<\/p>\n<table class=\"style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th colspan=\"2\">Dyna Soar<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>L&auml;nge:<\/td>\n<td>10,77 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Spannweite:<\/td>\n<td>6,84 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H&ouml;he:<\/td>\n<td>2,59 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>5.165 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Trockenmasse:<\/td>\n<td>4.715 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fl&uuml;gelfl&auml;che:<\/td>\n<td>32 m\u00b2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Besatzung:<\/td>\n<td>1 Pilot<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Blue Gemini und MOL<\/h2>\n<p>Schon fr&uuml;hzeitig bem&uuml;hte sich das US-Verteidigungsministerium um ein eigenes bemanntes milit&auml;risches Programm. Ziel war vor allem die Aufkl&auml;rung. In den sechziger Jahren war die Aufkl&auml;rung mittels Satelliten noch aufwendig und teuer. Die USA starteten zeitweise jede Woche einen Satelliten, der gro&szlig;e Teile der Sowjetunion und andere Krisengebiete auf Film ablichtete. Dieser musste dann geborgen, entwickelt und ausgewertet werden. Trotz des Aufwands war es nur ein Schnappschuss und zwischen Aufnahme und Auswertung lagen Wochen. So wurde auf den Aufnahmen z.B. der bevorstehende Krieg zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten im Jahre 1967 nicht erkannt. Als 1968 der Prager Fr&uuml;hling niedergeschlagen wurde, kamen die Aufnahmen, die einen Aufmarsch zeigten, gerade erst aus dem Labor.<\/p>\n<p>Von Menschen im Orbit erhoffte sich die Air Force mehr Selektivit&auml;t. Diese konnten auch &uuml;ber Funk &uuml;ber ihre Beobachtungen berichten. Die Aufkl&auml;rungssatelliten waren ein Ersatz f&uuml;r die U-2 Fl&uuml;ge, wobei Letztere nach dem Abschuss einer U-2 am 1.5.1960 eingestellt wurden. Doch Satelliten waren anfangs nur ein schlechter Ersatz und nicht selektiv.<\/p>\n<p>Der erste Versuch eines eigenen Programmes, der Raumgleiter X-20 \u201eDyna Soar\u201c, wurde von 1961-1963 entwickelt und dann eingestellt, weil er mit Investitionen von mindestens 1 Milliarde Dollar zu teuer war. Danach entdeckte das US-Verteidigungsministerium Gemini und fand, dass zahlreiche Ziele von Gemini, wie Kopplungsman&ouml;ver und Langzeitmissionen, auch Ziele von Dyna Soar waren und so Gemini dieses Projekt ersetzen k&ouml;nnte. Der erste Vorschlag f&uuml;r ein milit&auml;risches Gemini Programm vom Dezember 1963 sah vor, dass die NASA sich bei den letzten Gemini Fl&uuml;gen zur&uuml;ckziehen sollte und zu Apollo &uuml;bergehen sollte. Stattdessen w&uuml;rde die USAF das Programm &uuml;bernehmen. Diesen Versuch konnte die NASA abwehren. Zwar k&ouml;nne die USAF gerne die Hardware von Gemini nutzen, nur m&uuml;sse sie dann eben eigene Vertr&auml;ge mit McDonnell abschlie&szlig;en.<\/p>\n<p>So entwickelte die USAF zuerst einmal das Pflichtenheft f&uuml;r eine milit&auml;rische <a href=\"gemini.shtml\">Gemini<\/a> Mission. Eine solche Mission h&auml;tte in einen Orbit von 230-280 km H&ouml;he gef&uuml;hrt bei einer Inklination von 43-61 Grad (entsprechend der geographischen Breite des \u201eZielgebietes\u201c \u2013 dies deckt unter anderem die Sowjetunion, Osteuropa und gro&szlig;e Teile Chinas ab). Anpassungen der Bahnh&ouml;he bis hinab zu 170 km waren vorgesehen. Der erste Umlauf h&auml;tte &uuml;ber das Zielgebiet gef&uuml;hrt, um dieses fotografisch zu erkunden. Die Folgenden f&uuml;nf waren f&uuml;r die Bahnvermessung und Kommunikation vorgesehen. Die Gemini Kapsel h&auml;tte mindestens 90 kg zus&auml;tzliche Ausr&uuml;stung mitf&uuml;hren k&ouml;nnen m&uuml;ssen, w&uuml;nschenswert w&auml;ren gar 680 kg gewesen. Dies war die Geburtsstunde von Blue Gemini. Zuerst bekam die USAF, nachdem sie zusammen mit der NASA eine Studie f&uuml;r Blue Gemini gemacht hatte, das Okay f&uuml;r zwei bis sechs zus&auml;tzliche milit&auml;rische \u201eBlue Gemini\u201c Missionen, da es in vielen Punkten gemeinsame Interessen gab:<\/p>\n<ul>\n<li>NASA und DoD w&uuml;nschten Erfahrungen mit Missionen bis zu 14 Tagen Dauer.<\/li>\n<li>NASA und DoD w&uuml;nschten Erfahrungen mit dem Andocken. Die NASA bezog dies auf das LM, w&auml;hrend das Milit&auml;r mit dieser Technik Satelliten inspizieren und abfangen wollte.<\/li>\n<li>Kurskorrekturen nach dem Andocken: Waren f&uuml;r die NASA weniger wichtig, die USAF legte hingegen gro&szlig;en Wert darauf. Raumschiffe sollten ihre Bahn &auml;ndern k&ouml;nnen, um verschiedene Gebiete am Boden genauer zu untersuchen.<\/li>\n<li>EVA Arbeit: War f&uuml;r die NASA eine Vorbereitung auf die Arbeit auf dem Mond und vor allem der Test der Ausr&uuml;stung (Raumanz&uuml;ge). Das Milit&auml;r dachte hier an konkrete Aufgaben wie Reparaturen an eigenen Satelliten, Spionage an gegnerischen Satelliten und das Nachf&uuml;llen von Film. Hier gab es die meisten Differenzen, da Gemini f&uuml;r die Mitf&uuml;hrung von Ausr&uuml;stung nicht ausgelegt war. Das Milit&auml;r war sogar bereit, die Schleudersitze auszubauen, um Platz f&uuml;r weitere Ausr&uuml;stung zu erhalten.<\/li>\n<li>Punktlandung: Dies war sowohl ein DoD- als auch ein NASA-Ziel, was sich bei der NASA auch am Paragliderkonzept zeigte. F&uuml;r die NASA war die Reduzierung der Bergungskosten wichtig und um zu zeigen, dass ein Raumschiff durch Man&ouml;verfehler w&auml;hrend des Eintritts in den kleinen Eintrittskorridor ausgleichen konnte. Das Verteidigungsministerium wollte eine Landung auf einer US-Milit&auml;rbasis, um die Mission bis zum Schluss geheim zu halten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es zeigte sich, dass sich im Prinzip die wesentlichsten Ziele des DoD sich im NASA-Programm fanden, und so wurde &uuml;bereingekommen, dass die NASA ihre Erfahrungen mit der USAF teilen w&uuml;rde und Gemini zus&auml;tzliche milit&auml;rische Experimente testen sollten, welche f&uuml;r die NASA nicht prim&auml;re Missionsziele waren. So wurde die AMU bei Gemini 9 getestet.<\/p>\n<p>Gem&auml;&szlig; dem Wunsch des DoD sollten dem Gemini Programm zwei Erkundungsmissionen folgen. Eine sollte in den Flugplan der NASA eingebunden werden, die andere direkt danach folgen. Diese Missionen sollten nur zwei Tage dauern. Ein Pilot w&uuml;rde seinen Platz in der Kabine mit rund 450 kg Ausr&uuml;stung auf dem Copilotensitz teilen. Dieses Mehrgewicht limitierte den Einsatz auf einen niedrigen Orbit, maximal zwei Tage Missionsdauer und keine Kopplungsman&ouml;ver. Eine Punktlandung war aufgrund des beschr&auml;nkten Treibstoffvorrats auch nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Die NASA war mit dem Zeitplan nicht einverstanden, vor allem weil es bedeutet h&auml;tte, das Flugpersonal f&uuml;r weitere sechs Monate an Gemini binden \u2013 urspr&uuml;nglich waren die Apollo-Fl&uuml;ge direkt nach der Beendigung von Gemini geplant.<\/p>\n<p>Diesen ersten Erkundungsmissionen sollten dann weitere Missionen unter der Leitung der Air Force folgen. Es zeigten sich die Grenzen des Gemini Raumschiffs, insbesondere was die Zuladung betraf. Selbst wenn die Schleudersitze ausgebaut worden w&auml;ren und nur eine Person mitflog, bliebe die Nutzlastkapazit&auml;t beschr&auml;nkt. So wechselte die Air Force mit den Planungen auf die Titan 3C als Tr&auml;gerrakete. Sie hatte die dreifache Nutzlast der Titan 2. Dies erlaubte es, das ben&ouml;tigte Equipment mitzuf&uuml;hren. Zuerst wurde an ein verl&auml;ngertes Ausr&uuml;stungssegment gedacht. Einerseits sollte es mehr Treibstoff mitf&uuml;hren, um gr&ouml;&szlig;ere Bahn&auml;nderungen durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Andererseits konnte dort auch die Ausr&uuml;stung untergebracht werden, die dann von der Kapsel aus oder einer EVA bedient wurde. Aus diesem verl&auml;ngerten Ausr&uuml;stungssegment wurde dann ein \u201eVerbindungszylinder\u201c zwischen Raumschiff und Titan. Die Studie schloss, dass es auch m&ouml;glich w&auml;re, anstatt dem Verbindungszylinder eine kleine Raumstation mit einer Titan 3C zu bef&ouml;rdern, und dass es sich lohne, dieses Konzept weiter zu verfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, damit ihr nicht Raumfahrtm&uuml;de werdet einen neuen\u00a0Artikel\u00a0der Website in drei Teilen im Blog. 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