{"id":6840,"date":"2012-08-04T00:32:52","date_gmt":"2012-08-03T22:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6840"},"modified":"2012-08-04T09:14:29","modified_gmt":"2012-08-04T07:14:29","slug":"militarische-bemannte-us-raumfahrt-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/08\/04\/militarische-bemannte-us-raumfahrt-3\/","title":{"rendered":"Milit&auml;rische bemannte US-Raumfahrt 3"},"content":{"rendered":"<p>Kurz nach dem Einstellen des MOL Projektes setzte die NASA die Space Task Group ein, die unter der Leitung des Vizepr&auml;sidenten Agnew die Richtlinien f&uuml;r die bemannte Raumfahrt nach Apollo erarbeiten sollte. Doch von ihren anspruchsvollen Projekten (einer Mission zum Mars, erweiterte Mondmissionen oder dem Aufbau einer Raumstation im erdnahen Orbit) fand keines richtig Zuspruch. alle waren zu teuer. Am ehesten w&auml;re noch die Raumstation umsetzbar, f&uuml;r die ein Raumgleiter als Versorgungsgef&auml;hrt vorgesehen war.<\/p>\n<p>Die NASA suchte nach politischer Unterst&uuml;tzung und so begann eine Zusammenarbeit mit der Air Force. Wenn das Space Shuttle milit&auml;rische Bedeutung hat, dann w&auml;re es leichter durchzusetzen.<!--more--><\/p>\n<p>Dies rettete das Space Shuttle Programm doch f&uuml;r einen hohen Preis, denn die Air Force forderte Dinge, die das Shuttle Projekt gravierend &auml;nderten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/P208.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"261\" align=\"left\" \/>Der Orbiter war bisher ausgelegt gewesen f&uuml;r die Versorgung einer Raumstation, eventuell auch f&uuml;r deren Aufbau. Es war ein kleiner Gleiter in der Form mehr vergleichbar mit Dyna Soar und dem X-37B, also Stummelfl&uuml;geln. Sie sollten Kontrolle in der Atmosph&auml;re erlauben, doch es gab nicht die Forderung &uuml;berall landen zu k&ouml;nnen. Einmal pro Tag w&uuml;rde der Gleiter in jedem Falle einen der US-Landepl&auml;tze &uuml;berfliegen. F&uuml;r ein ziviles Gef&auml;hrt ist dies v&ouml;llig ausreichend. Die Air Force verlangte eine sehr hohe Querreichweite von 1100 nmi (2000 km). Das bedeutet, der Gleiter k&ouml;nnte bei der Landung noch auf einem Flugplatz landen, der 2500 km &ouml;stlich oder westlich des Flugpfads liegt. Diese Forderung ergab sich aus den Pl&auml;nen die man schon bei Gemini B hatte: Man startet von Vandenberg in einen Orbit &uuml;berfliegt die Sowjetunion, macht Aufnahmen und landet weniger als eine Erdumrundung wieder bevor die Russen auch nur die Flugbahn bestimmen k&ouml;nnen. Da sich die Erde w&auml;hrend eines Umlaufs weiter dreht muss der Gleiter diese hohe Querreichweite haben. Der NASA Entwurf hatte nur eine von 230 nmi (426 km), Das Bild<\/p>\n<p>Das ergab die erste &Auml;nderung: Die Fl&uuml;gel wurden sehr viel gr&ouml;&szlig;er und schwerer.<\/p>\n<p>Die bisherigen Entw&uuml;rfe gingen von der Versorgung einer Raumstation aus, aber auch dem Aussetzen von Satelliten &#8211; zumindest denen die bei der NASA &uuml;blich waren. Der Nutzlastraum war je nach Entwurf daher 22 bis 30 Fu&szlig; lang (6,71 bis 9,14 m). Das war schon deutlich gr&ouml;&szlig;er als das Volumen der Nutzlastspitze der leistungsst&auml;rksten NASA Tr&auml;gerrakete der Atlas Centaur.<\/p>\n<p>Doch die Air Force hatte schon die KH-9 Satelliten in der Entwicklung die einen Durchmesser von 13 m hatten und bis zu 18 m lang waren. Selbst die aktuelle Generation der GAMBIT KH-8 Satelliten war l&auml;nger als die 22 Fu&szlig; die geplant waren.<\/p>\n<p>Die Air Force verlangte einen gr&ouml;&szlig;eren Nutzlastraum von 15 Fu&szlig; Durchmesser und 60 Fu&szlig; L&auml;nge. Diesmal gab es starke Widerst&auml;nde seitens der NASA, denn der Gleiter w&uuml;rde dadurch erheblich gr&ouml;&szlig;er, erheblich schwerer und das schl&auml;gt nat&uuml;rlich voll auf die Gr&ouml;&szlig;e der unteren Stufen durch. Die NASA offerierte als Kompromiss einen Nutzlastraum von 12 Fu&szlig; Durchmesser und 40 Fu&szlig; L&auml;nge (3,66 \/ 12,20 m). Die Air Force argumentierte dagegen, dass dann 71 von 149 Nutzlasten zwischen 1981 und 1990 und 129 von 232 Nutzlasten zwischen 1991 und 2000 dann den Einsatz von Titan Tr&auml;gerraketen n&ouml;tig machen w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Und nat&uuml;rlich waren auch die Nutzlasten schwerer. Die KH-9 Satelliten wogen schon 30.000 Pfund und gelangten in einen sonnensynchronen Orbit. Die NASA plante das <a href=\"space-shuttle.shtml\">Shuttle<\/a> zur Versorgung einer Raumstation in einer 55 Grad zum &Auml;quator geneigten Bahn. Die Nutzlast f&uuml;r diesen Orbit betrug etwa 25.000 Pfund (11.340 kg), was etwa 30.000 Pfund Maximalnutzlast entsprach.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/P211.jpg\" alt=\"\" width=\"242\" height=\"340\" align=\"right\" \/>Da nun schon die Nutzlasten der Air Force 30.000 Pfund wogen und zuk&uuml;nftige noch gr&ouml;&szlig;er werden w&uuml;rden, verlangte sie eine Nutzlast von 40.000 Pfund in den polaren Orbit (18.144 kg), das entspricht 65.000 Pfund Maximalnutzlast (29.484 kg). kurzum: Die Air Force wollte in etwa eine doppelt so gro&szlig;e Nutzlast. Dadurch wurde die Struktur noch schwerer und die neue Nutzlast w&uuml;rde erheblich h&ouml;here Anforderungen an das Tr&auml;gersystem stellen.<\/p>\n<p>Die Air Force bekam am Schluss alles was sie wollte. Die NASA brauchte die politische Unterst&uuml;tzung, denn w&auml;hrend die Planungen liefen, wurde die Raumstation gestrichen. Sie w&uuml;rde erst nach dem Space Shuttle entstehen. Da nun auch das Shuttleprojekt in Gefahr ist, schlussendlich war es f&uuml;r die Versorgung der Station ausgelegt worden, war die Unterst&uuml;tzung des Milit&auml;rs wichtig, damit war das Projekt von nationaler Dringlichkeit.<\/p>\n<p>Dies rettete den Shuttle, so bekam das Projekt als es in den Siebzigern den Kostenrahmen durch Probleme massiv sprengte Finanzspritzen, w&auml;hrend &uuml;berall sonst im NASA Haushalt gespart wurde. Die Air Force beteiligte sich aber nicht an den Kosten. Auf das System hatte es enormen Einfluss, denn die bisherigen Entw&uuml;rfe basierten auf ersten Stufen mit fl&uuml;ssigem Treibstoff. Die F-1 und J-1 Triebwerke wurden als Antriebe erwogen. Nun war ein Space Shuttle basierend auf dieser Technologie zu teuer. Der schwere Shuttle machte riesige Stufen n&ouml;tig, was schlussendlich dazu f&uuml;hrte, dass die NASA auf das heutige Konzept mit Feststoffboostern und externem Tank und Hochdrucktriebwerken wechselte.<\/p>\n<p>Die Bilder hier von fr&uuml;hen Shuttlekonzepten zeigen wie sehr diese Einflussnahme den Orbiter ver&auml;nderte.<\/p>\n<h2>Das Milit&auml;r und der Shuttle Einsatz<\/h2>\n<p>Wie immer in den USA ging die Trennung der Aufgaben weiter. So konnte der Shuttle nur niedrige Erdbahnen erreichen. F&uuml;r h&ouml;here Bahnen wie der geostation&auml;re Orbit ben&ouml;tigte er eine Stufe. Die NASA entwickelte die Centaur G Prime und die Air Force eine Variante davon, die Centaur G. Zus&auml;tzlich entwickelte sie noch die IUS.<\/p>\n<p>Die NASA Startanlagen (39A und 39B am Cape Canaveral) lie&szlig;en keine h&ouml;heren Bahnneigungen als 57 Grad zu. F&uuml;r die Aufkl&auml;rungssatelliten der Air Force die in sonnensynchrone Umlaufbahnen f&uuml;hrten war ein Start vom Cape aus keine Option. Die Bahnneigung war zu gering. So baute die Air Force in der Vandenberg Air Force Base, von der aus auch milit&auml;rische Starts ihrer Satelliten stattfanden eine eigene Startrampe (SLC-6), dazu einen eigenen Hangar, vergleichbar dem VAB am Cape und verl&auml;ngerte die Landebahn von 1.700 um 3,000 m. Die Investitionen erreichten eine Summe von 3,2 Milliarden Dollar. Die erste Mission w&auml;re STS-62A am 19.10.1986 gewesen, als die Explosion der Challenger das komplette Konzept in Frage stellte.<\/p>\n<p>Schon vorher war die US-AF nicht mit dem Space Shuttle zufrieden. Was sie wollte waren urspr&uuml;nglich zwei eigene Space Shuttles, genannt Blue Shuttles, wie Blue Gemini. Sie sollten exklusiv von Vandenberg aus starten. Doch die NASA bekam nicht ihre gew&uuml;nschten f&uuml;nf Orbiter genehmigt und musste sich so mit der gemeinsamen Nutzung der Flotte abgeben. Am 24.1.1985 fand der erste rein milit&auml;rische STS-51C Mission statt, schon vorher wurden (z.B. bei STS-4) milit&auml;rische Nutzlasten mitgef&uuml;hrt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/STS-44_DSP_deployment.jpg\" alt=\"\" align=\"right\" \/>Da das Shuttle sich im Einsatz verz&ouml;gerte orderte die Air Force eine neue Generation der Titan, die <a href=\"titan34.shtml\">Titan 34D<\/a>, da neue Satelliten schon auf den Space Shuttle ausgelegt waren, reichte die Nutzlast der alten Titan nicht mehr. Die Atlas und Delta wurden l&auml;nger in der Produktion gelassen. Vor allem aber war das Milit&auml;r sehr unzufrieden mit dem &ouml;ffentlichen Interesse an den Starts. Zwar galt hier dasselbe wie bei milit&auml;rischen Starts: Der Starts selbst wurde bekannt gegeben, und ob er erfolgreich war, die Nutzlast blieb jedoch geheim, doch w&auml;hrend ein Start einer Titan II kaum jemanden interessierte war eine geheime milit&auml;rische Shuttle Mission Gegenstand der Hauptnachrichtensendung.<\/p>\n<p>Nach dem Verlust der Challenger stieg das Milit&auml;r aus dem Shuttle Programm aus. Alle Arbeiten am SLC 6 wurden eingestellt. Zusammen mit den Kosten f&uuml;r die Aufl&ouml;sung von Vertr&auml;gen hatte die Luftwaffe ann&auml;hernd 4 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investiert. Eine neue Version der Titan, die Titan 4 wurde in Auftrag gegeben um die schweren Nutzlasten zu transportieren. Es erfolgten nur die Fl&uuml;ge, f&uuml;r die es keine Alternative mehr zum Space Shuttle gab. Insgesamt fanden nur neun rein milit&auml;rische Missionen statt, die letzte war STS-44 am 24.11.1991. (Bild rechts: Ausstzen eines DSP Satelliten bei der letzten milit&auml;rischen Mission)<\/p>\n<p>Eine Folge hatte das Interesse am NASA Projekt aber: Die Bedrohung die von dem Shuttle ausging wurde von Russland als garvierend empfunden. Schlie&szlig;lich gab es Abbildungen die zeigten wie ein Shuttle eine Saljut Raumstation in den Nutzlastbucht hievt. Das Shuttle k&ouml;nnte in einem Orbit einen Satelliten einfangen, bergen und zur erde zur&uuml;ckkehren ohne das man davon etwas mitbek&auml;me. Man k&ouml;nnte mit ihm, was noch viel wichtiger erschien sehr gro&szlig;e und schwere Weltraumwaffen entwickeln und aussetzen.- Das f&uuml;hrte zur Entwicklung eines russischen Systems, das dasselbe konnte &#8211; <a href=\"energija.shtml\">Energija<\/a> und <a href=\"buran.shtml\">Buran<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz nach dem Einstellen des MOL Projektes setzte die NASA die Space Task Group ein, die unter der Leitung des Vizepr&auml;sidenten Agnew die Richtlinien f&uuml;r die bemannte Raumfahrt nach Apollo erarbeiten sollte. Doch von ihren anspruchsvollen Projekten (einer Mission zum Mars, erweiterte Mondmissionen oder dem Aufbau einer Raumstation im erdnahen Orbit) fand keines richtig Zuspruch. 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