{"id":6880,"date":"2012-08-08T00:56:48","date_gmt":"2012-08-07T22:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6880"},"modified":"2012-08-06T22:58:01","modified_gmt":"2012-08-06T20:58:01","slug":"wie-schwierig-ist-eine-landung-auf-dem-mars-oder-anderen-himmelskorpern-mit-atmosphare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/08\/08\/wie-schwierig-ist-eine-landung-auf-dem-mars-oder-anderen-himmelskorpern-mit-atmosphare\/","title":{"rendered":"Wie schwierig ist eine Landung auf dem Mars oder anderen Himmelsk&ouml;rpern mit Atmosph&auml;re?"},"content":{"rendered":"<p>Ich greife mal die Frage im letzten Blog auf. Ist es so schwer auf Himmelsk&ouml;rpern zu landen &uuml;ber die man nicht viel wei&szlig;? Nun wenn man in die Geschichte blickt, dann landeten Viking 1+2 und Huygens als man noch kaum etwas &uuml;ber die Atmosph&auml;ren der Himmelsk&ouml;rper wusste. Beide Sonden waren erfolgreich. Doch man kann auch die Veneras als Gegenbeispiel anf&uuml;hren. Zeit dem also auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem ersten an: Dem Atmosph&auml;reneintritt. Die erste Phase unterscheidet sich bei allen Planeten kaum: Die Hochatmosph&auml;re ist extrem d&uuml;nn, bremst aber einen aerodynamischen K&ouml;rper auf mehrfache Schallgeschwindigkeit ab, lange bevor er in den dichten Teil vorst&ouml;&szlig;t. Mars, Erde und Venus unterscheiden sich nur in der H&ouml;he in der dies erfolgt. Hat man also einen Hitzeschutzschild f&uuml;r die Landung auf der Erde entwickelt, kann man ihn auf dem Mars einsetzen und einen f&uuml;r die R&uuml;ckkehr vom Mond taugt f&uuml;r die Venus. In beiden F&auml;llen sind die Geschwindigkeiten vergleichbar. Im Zweifelsfall dimensioniert man das Ablativ abgetragene Material einfach gro&szlig;z&uuml;giger. Mit einem soclehn Schild konnte man schon den Eintritt der Galileo Sonde in die Jupiteratmosph&auml;re meistern und die traf mit 48 km\/s auf die Atmosph&auml;re!<!--more--><\/p>\n<p>Jeder K&ouml;rper wird dann abgebremst bis auf eine konstante Geschwindigkeit. Sie ist von der Dichte der Atmosph&auml;re abh&auml;ngig. Aerodynamische K&ouml;rper erreichen auf der Erde maximal 800 km\/h beim Fallen. Auf dem Mars sind es wegen der niedrigen Atmosph&auml;rendichte (in etwa so hoch wie in 30 km bei der Erde) rund Mach 2 (dies w&auml;ren auf der Erde rund 2400 km\/h). Bei der Venus ist die Atmosph&auml;re so dicht, dass man ohne Fallschirm nicht langsamer f&auml;llt als auf der Erde mit.\u00a0 Dazwischen liegt der Titan.<\/p>\n<p>Was nun kommt ist eine einfache Kalkulation: Mit einem Radar kann man H&ouml;he und Geschwindigkeit bestimmen. Unterschreitet man die Geschwindigkeit bei der der Fallschirm entfaltet werden kann, dann wird er entfaltet. Erreicht man eine vorgegebene H&ouml;he dann wirft man ihn ab und z&uuml;ndet die Triebwerke um die Restgeschwindigkeit zu vernichten. Es gibt verschiedene Strategien. Die einfachste ist es die den Fallschirm relativ oberfl&auml;chennah abzuwerfen und dann den Schub so zu regeln, dass man mit konstanter Geschwindigkeit sinkt. So landete Viking. Mit gen&uuml;gend Treibstoff kein Problem und auch das MSL hatte genug Reserven: 140,9 kg waren noch an Treibstoff vorhanden als der Rover aufsetzte.<\/p>\n<p>Diese Strategie ist nicht so neu. So &auml;hnlich landete auch Surveyor auf dem Mond: Ein Feststofftriebwerk z&uuml;ndete in bestimmter H&ouml;he, reduzierte die Fallgeschwindigkeit stark bis auf einen kleinen Rest der kurz &uuml;ber der Oberfl&auml;che erreicht war und dann z&uuml;ndeten die Triebwerke mit fl&uuml;ssigem Treibstoff und die Sonde fiel mit konstanter Geschwindigkeit. Den h&auml;ufigsten Fehler die Spieler bei &#8222;Moon Lander&#8220; begehen, ist der, dass sie zu fr&uuml;h steuern &#8211; erst kurz vor dem Aufsetzen darf man eingreifen.<\/p>\n<p>Doch warum brauchten die Sowjets drei Versuche, bis mit Venera 7 die erste Raumsonde bis zum Boden gelangte? Weil Russland nicht US-Daten von Mariner 2+5 glaubte und die Raumsonden nicht f&uuml;r den erwarteten Bodendruck auslegte. Sie wurden bei rund 20-25 Bar zerquetscht. Erst Venera 7 gelangte zum Boden und sie fiel obwohl ihr Fallschirm wieder zusammenfiel recht langsam. So verzichtete man bei den folgenden Missionen\u00a0 auf dem Fallschirm und warf ihn in mittlerer H&ouml;he ab &#8211; die dichte Atmosph&auml;re der Venus hat eher eine &Auml;hnlichkeit mit einer Fl&uuml;ssigkeit als mit Gasen und in einer Fl&uuml;ssigkeit braucht man keinen Fallschirm.<\/p>\n<p>Das ganze ist beherrschbar und auch berechenbar. Was nicht hei&szlig;t dass nicht Dinge schiefgehen k&ouml;nnen. Bei Tests der Fallschirme der letzten Marssonden kam es zum Verheddern von Leinen oder bei den MER platzten die Airbags bei Tests als sie gez&uuml;ndet wurden. Aber daf&uuml;r testet man ja alles. Oder auch nicht wie der Verlust des Mars Polar Landers zeigte, als man verga&szlig; einen Sensor zu testen der beim Ausfahren der Landebeine, ein &#8222;Boden ber&uuml;hrt&#8220; Signal abgab, solange bis die vom Ausfahren induzierte Schwingung sich beruhigt hatte. Als folge schaltete der MPL seine Triebwerke beim Entfalten der Landebeine in 80 m H&ouml;he ab und fiel dann die Strecke auf den Boden.<\/p>\n<p>Was war nun an Curiosity das besondere? Nun zum einen die F&auml;higkeit aktiv durch die Atmosph&auml;re zu steuern indem man den Auftrieb steuert (durch Verlagerung von Gewichten in der Decent Stage). Einen Eintrittskorridor genau zu treffen ist heute schon m&ouml;glich. Bei Spirit betrug die Abweichung nur 300 m, trotzdem landete er 9,8 km vom Zielpunkt entfernt. Das zweite war das Abseilen von der Decent Stage. F&uuml;r diese ist die Landung nicht anders als wie bisher: Ab einer bestimmten H&ouml;he sinkt sie nur noch mit konstant 0,75 m\/s. Nur ist vorher der Lander heruntergelassen worden. Die Seile d&uuml;rfen nicht zu sehr schwingen, weswegen die horizontale Drift sehr klein sein muss. Dazu setzte die Decent Stage ein RADAR mit 6 Strahlen ein um genauer H&ouml;he, horizontale und vertikale Geschwindigkeit zu bestimmen. Das wurde vorher mit einem Kampflugzeug (Betrieb in gro&szlig;er H&ouml;he und Geschwindigkeit) und einem Helikopter (Betrieb nahe des Bodens bei niedriger Geschwindigkeit) getestet.<\/p>\n<p>Und wie man sah klappte auch alles. Curiosity landete wie geplant mit einem neuen Rekord an Landegenauigkeit (weniger als 2,24 km Abweichung vom Soll), Geschwindigkeit (0,67 m\/s, vorher minimal 2,4 m\/s). Das Geheimnis: Testen, Testen, Testen. Das hat man getan, w&auml;hrend man vor 15 Jahren dass noch f&uuml;r ein kostensteigerndes Luxusgut ansah. Doch nachdem das Discovery Programm zwar &#8222;cheaper and faster&#8220; war, aber nicht &#8222;better&#8220; (es gingen dann doch viele Raumsonden verloren oder fielen wie DS-1 und Deep Space 1 aus, wenn&#8217;s interessant wurde) ist man zur teureren Vorgehensweise zur&uuml;ckgekehrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich greife mal die Frage im letzten Blog auf. Ist es so schwer auf Himmelsk&ouml;rpern zu landen &uuml;ber die man nicht viel wei&szlig;? Nun wenn man in die Geschichte blickt, dann landeten Viking 1+2 und Huygens als man noch kaum etwas &uuml;ber die Atmosph&auml;ren der Himmelsk&ouml;rper wusste. Beide Sonden waren erfolgreich. 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