{"id":6918,"date":"2012-08-18T00:19:54","date_gmt":"2012-08-17T22:19:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6918"},"modified":"2012-08-18T00:19:54","modified_gmt":"2012-08-17T22:19:54","slug":"training-fur-die-bemannte-marslandung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/08\/18\/training-fur-die-bemannte-marslandung\/","title":{"rendered":"Training f&uuml;r die bemannte Marslandung"},"content":{"rendered":"<p>Fr&uuml;her hie&szlig; es wir brauchen die ISS um uns auf die Marslandung vorzubereiten. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass dem nicht so ist, will ich mal einen Plan skizzieren wie man f&uuml;r eine bemannte Marslandung trainieren k&ouml;nnen. Ich will mal folgende Eckpunkte anreisen, die wir vielleicht vor der ersten bemannten Marsexpedition kl&auml;ren sollten:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie ist die Strahlenbelastung &uuml;ber die fast drei Jahre, in denen man sich au&szlig;erhalb des Erdmagnetfelds befindet?<\/li>\n<li>K&ouml;nnen wir die Besatzung &uuml;ber so lange Zeit versorgen?<\/li>\n<li>In welchem Zustand ist die Besatzung nach dieser Zeit unter reduzierter oder gar keiner Schwerelosigkeit?<\/li>\n<li>Erprobung der gesamten Ausr&uuml;stung soweit m&ouml;glich<!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf der anderen Seite soll das Risiko minimiert werden, also wenn ein wichtiges System ausf&auml;llt, die Vorr&auml;te nicht reichen oder die Besatzung strahlenkrank wird, sollten wir schnell wieder zur Erde zur&uuml;ckkehren.<\/p>\n<p>Nun mit der ISS kommen wir da nicht sehr weit. Zum einen geht das schon mit der Position los: sie ist ja noch innerhalb des Erdmagnetfelds, dass uns vor den meisten kosmischen Strahlen sch&uuml;tzt. Daneben ist es recht schwer in Schwerelosigkeit Arbeiten auf dem Mars zu trainieren.<\/p>\n<p>Aber wir haben den Mond vor der Haust&uuml;r und in der Tat gibt es einige Parallelen:<\/p>\n<ul>\n<li>Er hat eine reduzierte Schwerkraft, sogar noch st&auml;rker als die des Mars (man kann dies ausgleichen indem man die Raumanz&uuml;ge schwerer macht).<\/li>\n<li>Man kann nur mit einem Raumanzug das Labor verlassen<\/li>\n<li>Wir k&ouml;nnen dort genauso Bodenproben untersuchen und Expeditionen machen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was den Mond vo, Mars unterscheidet ist die Dauer des Tag\/Nachtzyklus und die Temperaturen. Es wird am Tag hei&szlig;er und in der Nacht k&auml;lter und es ist 14 Erdtage lang 14 Erdtage lang Nacht. Doch das kann man ausgleichen. Die Temperaturextreme sind nicht so wesentlich bei der Arbeit drau&szlig;en, da f&uuml;r gibt es sowieso die Raumanz&uuml;ge. Ob diese -70\u00b0C oder +100\u00b0C abhalten m&uuml;ssen &#8211; beides ist gleich viel von unserer Wohlf&uuml;hltemperatur von +20\u00b0C entfernt. Zur Temperaturregelung in den Labors kann man die Labors mit Regolith bedecken und so die Unterschiede ausgleichen. Dazu gibt es nat&uuml;rlich noch k&uuml;nstliches Licht und Heizung (RTG). Die Besatzung wechselt zwischen Expeditionsschichten (am Mondtag) und Analysenschichten (in der Mondnacht) ab. Auf dem Mond k&ouml;nnen wir so ziemlich die ganze Ausr&uuml;stung f&uuml;r den Mars erproben, auch die Verfahrensweisen.<\/p>\n<p>Was wir nicht erproben k&ouml;nnen ist die Landung, au&szlig;er den letzten Teil weil die Atmosph&auml;re fehlt.<\/p>\n<p>Dann gibt es noch die interplanetare Reise zum Mars. Die dauert je nach Konstellation zwischen 200 und 270 Tagen. Auch das kann man simulieren. Man muss nur nicht die Besatzung auf der direkten Route zum Mond schicken. Langsam beschleunigt, mit Ionentriebwerken spart man zum einen Treibstoff ein, und zum andern kann man die Reise so simulieren. Daneben erh&ouml;ht es die Nutzlast. Die Besatzung w&uuml;rde wie bei einer Marsmission in einer kleinen Raumstation langsam zum Mond gebracht werden, dort in einen Orbit einschwenken und in einen Mondlander umsteigen, um bei der Forschungsstation zu landen. Diese kann man vorher auf dem gleichen Wege zum Mond bef&ouml;rdern, also mit Ionentriebwerken bis in die Mondumlaufbahn und dann chemisch abgebremst auf die Mondoberfl&auml;che.<\/p>\n<p>Was macht man bei Problemen? Nun dann sollte man schnell zur&uuml;ck kommen. Der einfachste Weg ist es eine kleine Kapsel wie sie gerade f&uuml;r CCDev entwickelt wird mitzuf&uuml;hren, verbunden mit einer Stufe mit lagerf&auml;higem Treibstoff. Eine Geschwindigkeits&auml;nderung von 1.500 m\/s reicht aus um aus jeder kreisf&ouml;rmigen Erdumlaufbahn eine elliptische mit einem Perig&auml;um von 100 km H&ouml;he zu machen. Das Maximum von 1492 m\/s tritt in rund 32500 km H&ouml;he auf. Danach sinkt der Geschwindigkeitsbedarf ab. Beim Mond sind es nur noch 1000 m\/s. Ein Servicemodul mit einem ausreichenden Treibstoffvorrat k&ouml;nnte die Besatzung in sp&auml;testens 3 Tagen wieder zur Erde zur&uuml;ckbringen.<\/p>\n<p>Selbst die Kommunikationsverz&ouml;gerung kann man nachbilden, ohne tricksen zu m&uuml;ssen. Wir m&uuml;ssen nur die Landung auf der Mondr&uuml;ckseite durchf&uuml;hren und die gesamte Kommunikation &uuml;ber einen Satelliten abwickeln. Dann gibt es keine direkte Funkverbindung mehr und die gew&uuml;nschte Verz&ouml;gerung ist sogar justierbar, wenn der Satellit seine Umlaufbahn anpasst (mondnah bei gro&szlig;er Verz&ouml;gerung, mondfern bei kleiner). Ein Satellit in einer 200 km Umlaufbahn hat z.B. eine Umlaufsdauer von 127 Minuten. Durch die nahe Umlaufbahn ist er auch nur kurz &uuml;ber dem Landeort. Je h&ouml;her die Umlaufbahn, desto mehr davon ist im Sichtbarkeitsbereich der erdgebunden Stationen und desto l&auml;nger gibt es Funkkontakt. Nat&uuml;rlich kann man auch dies einfach mit dem Store and Forward Prinzip simulieren.<\/p>\n<p>Wie k&ouml;nnte es aussehen? Nun ich nehme mal als Basis eine Rakete mit 100 t Startmasse. Bei einer Reisedauer von 230 Tagen, einem \u0394v von 6,5 km\/s (worst case), Solarzellen mit 809 W\/m\u00b2 f&uuml;r den Betrieb der Ionentriebwerke und deren spezifischem Impuls von 4500 s kommt man auf folgende Rechnung:<\/p>\n<ul>\n<li>Rettungs\/r&uuml;ckkehrkapsel: 5 t (Dragon: 4,2 t + Lebenserhaltungssystem f&uuml;r 3 Tage)<\/li>\n<li>Servicemodul: 4,1 t \/ 0,5 t<\/li>\n<li>25,5 t Treibstoff, 3,8 t Tanks<\/li>\n<li>6 t Triebwerke und Strukturen<\/li>\n<li>26,3 t Solargenerator<\/li>\n<li>29,3 t f&uuml;r Wohnmodul\/Vorr&auml;te etc.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei reinen Frachttransporten kommen rund 39 t in der Mondumlaufbahn an, wenn man sich mehr Zeit l&auml;sst wird die Nutzlast h&ouml;her. Bei 300 Tagen sind es z.B. schon 46,5 t.<\/p>\n<p>Die Landung auf dem Mond kostet Treibstoff. Bei einem \u0394v von 2,3 km\/s (Apollo-Vorgabe) w&uuml;rden von 100 kg noch 40 kg Nutzlast (ohne die ausgebrannte Abstiegsstufe) auf dem Mond abgesetzt werden. Aber bei der Landung auf dem Mars d&uuml;rften von 100 t im Erdorbit im g&uuml;nstigsten Fall auch nur 25-28 t &uuml;brig bleiben. Beim Einbremsen in den Marsorbit und beim Start zur&uuml;ck sieht es sogar noch schlechter aus, genauso beim r&uuml;ckstart vom Mars sodass in der Summe man f&uuml;r den Aufbau einer Mondstation in etwa genauso viele Fl&uuml;ge braucht.<\/p>\n<p>So k&ouml;nnte es aussehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Flug 1: Wohnmodul auf den Mond (15,6 t)<\/li>\n<li>Flug 2: Labormodul auf den Mond (15,6 t)<\/li>\n<li>Flug 3: Ausr&uuml;stung zum Mond (15,6 t)<\/li>\n<li>Flug 4+5: Vorr&auml;te (f&uuml;r 500 Tage, 3 Astronauten, 14,6 kg\/Tag wie bei der ISS)<\/li>\n<li>Flug 6: Mondlander \/ R&uuml;ckkehrstufe in den Mondorbit (39 t), daran angebracht weitere Ausr&uuml;stung<\/li>\n<li>Flug 7+8 Ministation f&uuml;r die Reise zum Mond und Zur&uuml;ck, Rettungsraumschiff und Vorr&auml;te (78 t in Mondorbit, davon 21 t Vorr&auml;te)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind 800 t im Erdorbit, aufgeteilt in 8 Fl&uuml;ge einer SLS. Das ist in etwa auch das was f&uuml;r Marsmissionen veranschlagt wird. Gelingt es, den Verbrauch deutlich zu reduzieren (f&uuml;r drei Astronauten braucht man rund 43 t Vorr&auml;te f&uuml;r eine 985 Tage Marsmission, wenn man die ISS Zahlen zugrunde liegt), dann sieht es deutlich g&uuml;nstiger aus.<\/p>\n<p>Die zweite und alle folgenden Expeditionen kommen mit 5 Fl&uuml;gen aus, dabei wird es wenn man die Vorr&auml;te in Modulen wie dem MPLM verpackt mit der Zeit sogar deutlich mehr Wohnraum geben, da diese nach Verbrauch der Vorr&auml;te leer sind.<\/p>\n<p>So gesehen macht die R&uuml;ckkehr zum Mond wirklich Sinn, zumal wir ja noch keine echte mondbasis haben auf der Mondr&uuml;ckseite ist auch noch niemand gelandet. Nur muss man das dann wie eine Marsmission aufziehen. Eben nicht wie Bush mal Apollo-Equipment nachbauen und Missionen von einigen tagen oder Wochen planen.<\/p>\n<p>Wenn man es so aufzieht kann man das meiste simulieren, man kann notfalls in 3 Tagen zur&uuml;ckkommen. Was noch erprobt werden muss sind sehr gro&szlig;e Hitzeschutzschilde f&uuml;r den Mars um gro&szlig;e Module landen zu k&ouml;nnen. (Grund f&uuml;r das Skycrane Verfahren bei Curiosity war ja auch, weil man sonst den Rover nicht h&auml;tte absetzen k&ouml;nnen, es gibt in der Kapsel, obwohl sie doppelt so gro&szlig; wie die letzte ist, einfach zu wenig Platz, denn sie hat eine ung&uuml;nstige Doppelkegelform. Doch dass kann man auch unbemannt mit Ausr&uuml;stung oder Gewichten testen.<\/p>\n<p>Was machen die Astronauten? Nun auf dem Weg zum Mond recht wenig. Immerhin d&uuml;rfen sie 240 Tage lang die D&auml;umchen drehen, aber das w&uuml;rden sie bei eine, Trip zum Mars aus. Am Mond angekommen w&uuml;rden sie zuerst einmal einen Bulldozer in Betrieb nehmen und damit Regolith &uuml;ber ihre Quartiere und die Vorr&auml;te kippen, damit diese nicht so extremen Temperaturen ausgesetzt sind. Regolith, feiner Staub aus tausenden von Mikrometeoriten hat wie feine Vulkanasche nur eine geringe W&auml;rmeleitf&auml;higkeit. eine dicke Schickt sch&uuml;tzt so vor Temperaturschwankungen und senkt das Risiko das von den kosmischen Strahlungen ausgeht. Danach nehmen sie die Behausungen und Ger&auml;te in Betrieb. W&auml;hrend des Mondtages w&auml;ren l&auml;ngere Exkursionen m&ouml;glich, z.B. mit einem Mondmobil mit Schlafkojen in Wohnwagenform. Ein solches w&uuml;rde man wohl auch auf dem Mars einsetzen, denn sonst w&auml;re der Aktionsradius auf wenige Kilometer begrenzt. Nach 14 Tagen kommen sie zur Wohnung zur&uuml;ck. Nun k&ouml;nnen sie ausruhen und in Ruhe Bodenproben untersuchen, katalogisieren oder Werkzeug warten &#8211; es ist 14 Tage lang Nacht.<\/p>\n<p>Nach rund 500 tagen geht&#8217;s dann zur&uuml;ck zur Erde. Der Lander wird mit Bodenproben beladen, er koppelt an die Transferstation mit der Kapsel im Mondorbit an und wiederum dauert es 240 Tage bis man wieder in einer niedrigen Umlaufbahn angekommen ist. Dort koppelt die Kapsel ab, z&uuml;ndet ihre Triebwerke und die Besatzung landet wie bei einer ISS Mission. Das Raumschiff im Erdorbit k&ouml;nnte man erneut verwenden, sodass man f&uuml;r die zweite Mission nur 436 t anstatt 800 t ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p>In der Summe w&auml;re es die wohl risikoloseste Trainingsmethode und vieles kann dort schon getestet werden und muss nur f&uuml;r eine Marsexpedition nochmal gebaut werden, so die gesamte Ausr&uuml;stung auf dem Mond und das Transfermodul. Der wesentliche Zusatzaufwand besteht nur darin einen Mondlander wie das LM zu entwickeln um die Astronauten zu transferieren und auf Basis dessen Abstiegsstufen f&uuml;r die unbemannten Teile die man auch weich absetzen muss. W&uuml;rde man wie zu Apollo Zeiten vorgehen und sich langsam an die Aufgabe herantasten (Apollo 7: CM\/SM im Erdorbit testen, Apollo 8, CM\/SM im Mondorbit testen, Apollo 09 : LM im Erdorbit testen Apollo 10: LM im Mondorbit testen Apollo 11: Landung) so wird man fast zwangsl&auml;ufig auf den Mond als trainingsplatz kommen. Doch heute denke ich ist man nicht so geduldig.<\/p>\n<p>Was k&ouml;nnte man mit der ISS machen? Nun eine Sache kann man kl&auml;ren. &Uuml;berstehen die Leute den Trip gesundheitlich. Also zuerst mal einige Astronauten zuerst 240 Tage auf der ISS behalten, dann f&uuml;r 500 Tage zur Erde und dann nochmals 240 Tage auf die ISS und man hat eine Vorstellung wie sie am Ende gesundheitlich dastehen. Noch optimaler w&auml;re nat&uuml;rlich ein Aufenthalt &uuml;ber die vollen 900-1000 Tage an Bord der ISS. Wenn sie dann nicht mehr alleine aus der Kapsel rauskommen oder bei der Landung sich Knochen gebrochen haben, dann wei&szlig; man wenigstens, dass es nix ist mit der Marsexpedition.<\/p>\n<p>Warum das keiner macht? Weil man schon von fr&uuml;heren Rekorden von Kosmonauten wei&szlig;, wie es ausgeht: nach derzeitigem Stand der Wissenschaft werden die Astronauten nach 240 Tagen selbst bei intensivem Training auf der Erde alleine nichts machen k&ouml;nnen, dazu haben sie zu viel Muskelmasse verloren. Ob es auf dem Mars noch geht (bei 40% unserer Schwerkraft) &#8211; ich bin skeptisch, denn der Raumanzug und das &Uuml;berlebenspack kommen ja an Extragewicht noch dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr&uuml;her hie&szlig; es wir brauchen die ISS um uns auf die Marslandung vorzubereiten. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass dem nicht so ist, will ich mal einen Plan skizzieren wie man f&uuml;r eine bemannte Marslandung trainieren k&ouml;nnen. 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