{"id":6924,"date":"2012-08-20T10:50:41","date_gmt":"2012-08-20T08:50:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=6924"},"modified":"2012-08-20T10:53:08","modified_gmt":"2012-08-20T08:53:08","slug":"ein-historischer-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/08\/20\/ein-historischer-tag\/","title":{"rendered":"Ein historischer Tag &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>ist heute, denn am 20.8.1975 bracht Viking 1 auf und am 20.8.1977 Voyager 2 &#8211; beide die ersten Sonden eines P&auml;rchens die beide Geschichte schreiben sollten. Beides waren zu ihrer Zeit Gro&szlig;projekte. Viking kostete 914,6 Millionen Dollar bis zum Ende der Prim&auml;rmission, Voyager zwischen 450 und 487 Millionen, je nach Quelle. Nimmt man den GDP-Chain Index, denn die NASA als Basis nimmt, so entspricht dies 2494 und 1203 Millionen Dollar von 2011. Sie geh&ouml;ren damit zu den teuersten Raumsonden, wenn sie auch noch preiswert sind vergleichen mit anderen Projekten wie Galileo, Cassini oder gar Hubble oder dem JWST.<\/p>\n<p>Beide Projekte sind herausragend. Zu einer Zeit als die Elektronik noch auf einem v&ouml;llig anderen Stand war als heute, &uuml;bertrafen sie ihre vorgegebenen Prim&auml;rmissionen deutlich. F&uuml;r Viking waren 6 Monate angesetzt, f&uuml;r Voyager vier Jahre. Voyager h&auml;lt den absoluten Rekord an Betriebszeit von allen K&ouml;rpern die wire je gestartet haben (passive Satelliten ausgenommen). Beide Raumsonden waren breit instrumentiert, wobei mir die Qualit&auml;t erst Jahre sp&auml;ter klar wurde, als ich wusste wie die Instrumente funktionieren und vor allem wie empfindlich sie sind.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/voyager1start.jpeg\" alt=\"\" width=\"611\" height=\"768\" align=\"left\" \/>Bei Viking waren die Instrumente auch die Gr&uuml;nde, warum das Programm die geplanten Kosten von 400 Millionen Dollar soweit &uuml;berschritt und man die Landung auch um zwei Jahre verschob, weil vor allem die Entwicklung der Landerinstrumente sehr kompliziert war und teuer wurde. das traf allerdings auch auf die Kamera des Orbiters zu, die fast so viel kostete wie eine kleine Raumsonde.<\/p>\n<p>Trotzdem: Man hat im Vergleich viel bekommen, nicht nur an Erkenntnissen, sondern auch an Hardware. Bei beiden Programmen wurden drei Sonden gebaut. Bei Viking war das dritte Exemplar sogar in Bereitschaft, um es bei einem Problem vor dem Start mit einem der beiden Flugexemplare auszutauschen. Bei Voyager gab es Pl&auml;ne das dritte Exemplar 1979 &uuml;ber Jupiter zu Uranus und Neptun zu schicken, doch es gab nicht die daf&uuml;r n&ouml;tige Finanzierung, obwohl diese (wenn man sich an den Kosten f&uuml;r Tr&auml;gerraketen, RTG und Betrieb orientiert) nur weitere 75 Millionen Dollar gekostet h&auml;tte. Verglichen dazu ist New Horizons als Einzelsonde teurer, bei weniger F&auml;higkeiten. Selbst Viking ist noch billiger als das MSL, obwohl man daf&uuml;r drei Lander und drei Orbiter bekam. F&uuml;r 15% Mehrkosten h&auml;tte man den dritten Viking starten k&ouml;nnen. (Es gab dann Pl&auml;ne den Lander zu einem Rover umzubauen doch die wurden nie umgesetzt).<\/p>\n<p>Damals sah es aus, als w&uuml;rde die Planetenforschung in die n&auml;chste Phase gehen &#8211; die erste Phase das waren die Mariner und Pionieer Sonden, Vorbeifl&uuml;ge oder einfache Sonden zur ersten Erkundung. Mariner 8+9 waren zwar Orbiter, aber im Prinzip nichts anderes als Mariner 6+7 ausger&uuml;stet mit einem Tank und einem Triebwerk. Nun ging es an Orbiter und Lander und auch weiter ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem. Mit der Titan 3E hatten die USA auch die n&ouml;tige Rakete daf&uuml;r (so viel leistungsf&auml;higer sind die heutigen Modelle nicht &#8211; zwischen Titan 3E und Atlas 551 liegen gerade man 30% h&ouml;her (bezogen auf einen Fluchtkurs) &#8211; und sie war damals sogar noch erschwinglich (etwa 26-35 Millionen Dollar pro Tr&auml;ger). Aber es sollte ja noch besser kommen. Geplant waren eine Jupitersonde (Jupiter-Orbiter Probe, aus dieser wurde Galileo), VOIR als Radarsp&auml;her und eine Raumsonde welche wie heute Rosetta den Kometen Temple 2 begleiten sollte. wer das von mir w&auml;rmstens empfohlene Buch &#8222;100 x Raumfahrt&#8220; hat, sollte mal auf S.82 gehen, dort findet man die damals noch herrschenden optimistischen Pl&auml;ne.<\/p>\n<p>Wie man wusste wurde nichts draus. In den sp&auml;ten Siebzigern wurde das Shuttle so teuer, dass es zeitweise 60% des NASA Etats ausmachte, in den Achtzigern lag das Interesse von Reagan an bemannter Raumfahrt und erst mit Clinton besserte es sich. Seitdem hatten wir bis vor wenigen Jahren eine Renaissance der Planetenforschung. So viele Missionen wie jetzt waren noch nie aktiv. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/voyager1-erde-mond.jpeg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"683\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Was allerdings heute von damals unterscheidet, ist der Anspruch. Wenn man von Curiosity absieht, so gibt es heute noch Missionen die preiswert sind, maximal &#8222;mittelteuer&#8220;. MAVEN der n&auml;chste Orbiter wird z.b. 450 Millionen Dollar kosten, das sind weniger als die 300 Millionen die Discovery Missionen 1998 kosten d&uuml;rften &#8211; inflationskorrigiert. Das man zu den &auml;u&szlig;eren Planeten aufbricht ist selten. Juno ist nun unterwegs, doch mit Galileo kann man sie nicht vergleichen. Die n&auml;chste geplante Mission ist die ESA-Mission JUICE. Doch die startet erst 2022. Zu Saturn, Uranus, Neptun ist gar nichts geplant.<\/p>\n<p>Was ich mir w&uuml;nschen w&uuml;rde, w&auml;hre mehr Erforschung des &auml;u&szlig;eren Sonnensystems, doch wird es dazu nicht kommen. Schon jetzt ist MAVEN die einzige US-Sonde die in der Planung ist. Bei Projektlaufzeiten von 4-6 Jahren bis zum Start bedeutet dies, dass vor 2016\/18 nichts neues mehr startet.<\/p>\n<p>Abhilfe? Zumindest einen Tipp h&auml;tte ich: R&uuml;ckkehr zu mehreren Sonden. Typisch kostet das zweite Exemplar einer Raumsonde nur noch 30-50% des ersten. Bei extrem komplexen kann es noch ung&uuml;nstiger sein (Viking: 15%). Bei einfachen ist es nicht ganz so g&uuml;nstig (Venus\/Mars Express= 70%). Bei Neuentwicklungen bekommt man so mehr Wissenschaft f&uuml;r wenig Mehrgeld. Das gilt vor allem bei Landern. Jeder Lander kann nur einen Ort erkunden. Bei Vorbeiflugsonden zeigten Voyager die Vorteile: Zum einen wurden die Vorbeifl&uuml;ge an den Monden zwischen beiden Sonden aufgeteilt, und zum anderen konnte Voyager 2 die Monate nach Voyager 1 bei Jupiter und Saturn ankam Dinge genauer untersuchen die Voyager 1 entdeckt hatte und so einige R&auml;tsel l&ouml;sen die Voyager 1 hinterlie&szlig;. Bei Orbitern ist zugegebenerma&szlig;en der Gewinn geringer. Hier geht es meist um eine Kartierungsmission und die ist dann eben doppelt so schnell abgeschlossen oder man kann doppelt so viel Fl&auml;che erfassen.<\/p>\n<p>Das war auch die Intension bei Voyager und Viking: Es ging hier nicht wie bei fr&uuml;heren Missionen um die Absicherung gegen einen Ausfall, sondern um mehr zu erkunden &#8211; einen zweiten Landeplatz bei Viking und mehr des Planeten durch die Orbiter und bei Voyager konnte man die Untersuchungszeit verdoppeln und alle Monde besuchen &#8211; das w&auml;re mit einer Sonde nicht m&ouml;glich gewesen.<\/p>\n<p>So gesehen w&auml;re ein Ansatz Curiosity nochmals zu bauen und vielleicht eine zweite JUICE mal zu Saturn zu schicken oder einen zweiten MAVEN zur Venus. Damit kann man auch noch Planetenforschung betreiben, wenn das Budget gek&uuml;rzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ist heute, denn am 20.8.1975 bracht Viking 1 auf und am 20.8.1977 Voyager 2 &#8211; beide die ersten Sonden eines P&auml;rchens die beide Geschichte schreiben sollten. Beides waren zu ihrer Zeit Gro&szlig;projekte. Viking kostete 914,6 Millionen Dollar bis zum Ende der Prim&auml;rmission, Voyager zwischen 450 und 487 Millionen, je nach Quelle. 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