{"id":7,"date":"2007-08-20T20:57:20","date_gmt":"2007-08-20T18:57:20","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/08\/20\/happy-birthday-voyager-2\/"},"modified":"2010-08-20T08:27:16","modified_gmt":"2010-08-20T06:27:16","slug":"happy-birthday-voyager-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/08\/20\/happy-birthday-voyager-2\/","title":{"rendered":"Happy Birthday Voyager 2!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/voyager-test.jpeg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"520\" \/>Heute vor 30 Jahren hob eine Titan 3E Centaur mit <a href=\"\/voyager.shtml\">Voyager 2<\/a> vom Cape Canaveral ab. Und sie arbeitet heute noch. Und das ist mit Sicherheit das faszinierendste an dieser Raumsonde. Voyager 1+2 wurden f&uuml;r eine 4 Jahremission konzipiert. Schon dies macht bei einigen Teilsystemen Probleme. So gab es eine Thermoelemente f&uuml;r Radioisotopenelemente die nach dieser Zeit noch viel Strom liefern. Die hohe Temperatur f&uuml;hrte zu Korrosion. Man l&ouml;ste das Problem und andere Missionen wie <a href=\"\/viking.shtml\">Viking<\/a> und <a href=\"\/pioneer10-11.shtml\">Pioneer 10+11<\/a> profitierten davon. Die Computersysteme zu jener Zeit waren nicht f&uuml;r eine solche Betriebsdauer ausgelegt. Die Bordrechner von Viking, von denen die Systeme abstammten waren nur einige Prozent der Missionszeit aktiv, wenn die Sonden nahe des Mars waren. Voyagers <a href=\"\/computer-raumfahrt3.shtml\">Computersysteme<\/a> sollten 20-30 % der Missionszeit aktiv sein, w&auml;hrend der Vorbeifl&uuml;gen nahezu pausenlos. Man l&ouml;ste das Problem durch extensive Tests und Redundanzen verbunden mit Automatischen Umschaltungen wenn sich ein Computer nach einem bestimmten Zeitpunkt nicht meldete.<\/p>\n<p>Voyagers Kommunikationssysteme waren 100 mal leistungsf&auml;higer als die von Pioneer 10+11 und sie waren die bis zu diesem Zeitpunkt am besten ausgestatten Raumsonden mit jeweils <a href=\"\/instrumente.shtml\">11 Experimenten<\/a> die von visuellen Aufnahmen. Radiowellenanalyse, Magnetfeldmessungen, Spektroskopie im UV und IR Bereich, Teilchendetektion, Lichtmessungen bis hin zur Detektion von Teilchen verschiedenster Art reichten. Das einzige was fehlte war ein Staubdetektor. Daher kann New Horizons nun erstmals Staubmessungen jenseits von Saturn machen (in dieser Distanz fiel der letzte an Bord der beiden Pioneer Sonden aus).<\/p>\n<p>Niemand rechnete beim Start damit wie viele Daten die Sonde von <a href=\"\/voyager-uranus-neptun.shtml\">Uranus<\/a> und Neptun senden w&uuml;rde. Zum einen setzte man die Wahrscheinlichkeit, dass die Sonde dann noch aktiv ist recht niedrig an. Zum anderen waren die Instrumente nicht f&uuml;r eine so gro&szlig;e Distanz ausgelegt, vor allem ging die Helligkeit der Objekte zur&uuml;ck. Dass man bei Uranus und Neptun &uuml;berhaupt so viele Daten bekam &#8211; Bei Neptun mit fast 9000 Bildern z.B. fast genauso viel wie bei dem Vorbeiflug an Jupiter &#8211; lag daran, dass man erstmals die Computer einer Raumsonde umprogrammierte, d.h. mit neuen Programmen versorgte, die es beim Start nicht gab und deren Einsatz man nie erwogen hatte, wie z.B. einem einfachen verfahren f&uuml;r die Datenreduktion. Dabei sind Voyagers Bordrechner nicht gerade besonders leistungsf&auml;hig. Der gesamte Speicher aller 6 Computer an Bord ist kleiner als der eines C-64, denn man 5 Jahre nach dem Start f&uuml;r knapp 1400 Mark kaufen konnte. Selbst wenn man Raumfahrzeuge als Vergleicher heranzieht so haben die Apollo Bordcomputer &uuml;ber mehr Speicher verf&uuml;gt als Voyager. Allerdings funktionieren von 12 gestarteten Rechnern heute immer noch 11.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/miranda2.jpeg\" alt=\"Miranda\" width=\"0\" \/>Voyager ist meiner Ansicht nach das erfolgreichste unbemannte Weltraumunternehmen. Die beiden Sonden haben 4 Planeten und etwa zwei Dutzend Monde besucht und zumindest grob photographiert. Von einigen wie den Jupitermonden oder Triton haben wir sogar so gute Fotos, dass es zum Erstellen mittelaufl&ouml;sender topographischer Karten reicht. Voyager hat uns eine neue Sichtweise des &auml;u&szlig;eren Planetensystems gebracht: Das es eben nicht eine tote Welt ist, erstarrt in Eis, sondern selbst dort es geologisch aktive Vorg&auml;nge gibt: Die Schwefelvulkane auf Io. Der Ozean unter der Eisdecke bei Europa. Plattenbewegungen bei Ganymed. Einen weitgehend kraterfreien Enceladus (der nach den Cassini Erkenntnissen ebenfalls Geysire aufweis) und Titan mit seiner Atmosph&auml;re und Regen aus Methan. Noch weiter au&szlig;en, in Neptunentfernung weist Triton Geysire auf und bizarre Landformationen aber kaum Krater.<\/p>\n<p>Auch die Planeten gaben &Uuml;berraschungen preis: <a href=\"\/voyager-jupiter-saturn.shtml\">Jupiters<\/a> B&auml;nder und Zonen waren viel komplexer als gedacht, mit Verwirbelungen an den Kontaktstellen und kleinen Wirbeln dies ich bildeten und verschwanden. Blitzentladungen und Nordlichter konnten nachgewiesen werden. Saturn wies ebenfalls kleinere St&uuml;rme auf, die Windgeschwindigkeiten warn sogar noch h&ouml;her als bei Jupiter trotz geringerer Sonneneinstrahlung und die Ringe zeigten sich nicht als gleichm&auml;&szlig;ige Masse, sondern bestehend aus vielen kleinen Einzelringen in denen Speichen auftauchten und verschwanden.<\/p>\n<p>Uranus zeigte sich dagegen v&ouml;llig konturlos. Nur im IR h&auml;tte Voyager unter die Smogschicht sehen k&ouml;nnen, doch ihre Videoconr&ouml;hren waren nicht empfindlich in diesem Spektralbereich. Dagegen konnte man auf Neptun einen Sturm sehen, der im Verh&auml;ltnis zu der Gr&ouml;&szlig;e des Planeten noch gr&ouml;&szlig;er als der rote Fleck des Jupiters war.<\/p>\n<p>Vier Planeten, Entdeckungen &uuml;ber 10 Jahre und dies alles nur mit 2 Sonden die bis zum Start etwa 500 Millionen US-$ kosteten, in etwa so viel wie heute der Unterhalt der ISS f&uuml;r ein Jahr (inflationskorrigiert) oder 1 Tag Irak Krieg. Wenn es einen Award gibt &#8222;Erfolgreichste Weltraummission aller Zeiten&#8220; so verdient es Voyager, insbesondere Voyager 2.<\/p>\n<p>Trotz allem gibt es alle Jahre wieder Pl&auml;ne die Sonden abzuschalten. Sie werden pro Woche f&uuml;r einige Stunden kontaktiert und senden die auf Band zwischengespeicherten Daten zur Erde. Man muss nach und nach mehr und mehr Experimente abschalten, da der Strom langsam aber sicher abnimmt. Bis zum Jahr 2020 wird man mit Sicherheit noch die <a href=\"\/voyager-instrumente.shtml\">Experimente<\/a> betreiben k&ouml;nnen, vor allem im Time-Sharing Betrieb, also nur eines zu einer bestimmten Zeit aktiv. Die Sonden sollen die <a href=\"\/voyager-interstellar.shtml\">Grenze der Heliosph&auml;re<\/a> erreichen, wo es einen Wechsel gibt von Teilchen die von der Sonne kommen und mit dem Sonnenwind weggeblasen werden zum interstellaren Medium. Mut etwas gl&uuml;ck erreicht eine der Sonden diese grenze (man weis nicht wo sie genau liegt). Einige Anzeichen, dass sie nahe an ihr sind gab es schon in den letzten Jahren. Bislang konnte man dieses Schicksal abwenden, vor allem durch Proteste der wissenschaftlichen Gemeinde. Dabei sind die Sonden nicht teuer. Ihr Unterhalt kostet nun einige Millionen US-4 pro Jahr. Ein Klacks bei dem NASA Budget. Alleine mit den Kosten welcher die Verschiebung des Starts der Dawn Sonde von Juni auf September zus&auml;tzlich aufwarf k&ouml;nnte man die Sonden 6 Jahre lang weiter betreiben.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass sie noch weiter durchhalten und ich in 10 Jahren hier das vierzigj&auml;hrige Jubil&auml;um feiern kann.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13.3333px;\">Und hier noch ein link zu einem Buch, das vor allem die Vorgeschichte des Voyager Projektes gut beschreibt:<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 30 Jahren hob eine Titan 3E Centaur mit Voyager 2 vom Cape Canaveral ab. Und sie arbeitet heute noch. Und das ist mit Sicherheit das faszinierendste an dieser Raumsonde. Voyager 1+2 wurden f&uuml;r eine 4 Jahremission konzipiert. Schon dies macht bei einigen Teilsystemen Probleme. 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