{"id":7008,"date":"2012-09-05T00:35:58","date_gmt":"2012-09-04T22:35:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7008"},"modified":"2012-09-04T11:41:47","modified_gmt":"2012-09-04T09:41:47","slug":"warum-der-mars-nicht-bewohnbar-ist-die-atmosphare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/09\/05\/warum-der-mars-nicht-bewohnbar-ist-die-atmosphare\/","title":{"rendered":"Warum der Mars nicht bewohnbar ist &#8211; die Atmosph&auml;re"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder tauchen in der &Ouml;ffentlichkeit &Auml;u&szlig;erungen auf, man m&uuml;sse den Mars kolonisieren. Wahlweise weil auf der Erde kein Platz wird, oder weil es einfach den Menschen dazu dringt neue Regionen zu erobern. Ich will mich gar nicht mit den Argumenten aufhalten, sondern mal in einer lockeren Reihe beleuchten, warum das nicht klappt. Fangen wir in dieser Folge mit der Atmosph&auml;re an. Da Michael K. etwas erstaunt war wie lange ich f&uuml;r einen Blogeintrag brauche (hier: 6 Stunden) und auch sich jemand mal &uuml;ber die fehlenden Quellen beschwert hat, habe ich extra mal die gesamten Quellen f&uuml;r diesen Artikel mit eingebunden. Da er recht lang ist kommt er auch auf die Website und ihr habt einen Tag Pause um ihn vollst&auml;ndig durchzulesen.<!--more--><\/p>\n<h3>Die Zusammensetzung der heutigen Atmosph&auml;re und ihre Probleme f&uuml;r die Marskolonosation<\/h3>\n<p>Fangen wir mal damit an, wie die Atmosph&auml;re des Mars aussieht und wie sie aussehen sollte. Derzeit hat sie folgende Zusammensetzung:<\/p>\n<table class=\"linedtable\">\n<tbody>\n<tr class=\"linedtable\">\n<th class=\"lined\">Parameter<\/th>\n<th class=\"lined\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<tr class=\"linedtable\">\n<td class=\"linedtable\">Bodendruck (Null-Niveau)<\/td>\n<td class=\"linedtable\">6,1 hPa<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"linedtable\">\n<td class=\"linedtable\">mittlere Temperatur<\/td>\n<td class=\"linedtable\">-55 \u00b0C<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"linedtable\">\n<td class=\"linedtable\">Hauptgase:<\/td>\n<td class=\"linedtable\">Kohlendioxid: 95,32%<br \/>\nStickstoff: 2,70%<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"linedtable\">\n<td class=\"linedtable\">Temperaturextreme:<\/td>\n<td class=\"linedtable\">-143 bis +27\u00b0C<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"linedtable\">\n<td class=\"linedtable\">T&auml;gliche Schwankungen:<\/td>\n<td class=\"linedtable\">60-70 \u00b0C<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es fallen also gleich vier Probleme auf: Die Atmosph&auml;re ist nicht dicht genug, die Temperaturschwankungen sind zu hoch und die mittlere Temperatur zu gering und die Zusammensetzung ist nicht f&uuml;r Menschen geeignet. Alle Probleme h&auml;ngen aber zusammen. [Nadine Barlow: Mars: An Introduction to its Interior, Surface and Atmosphere]<\/p>\n<p>Diie Temperatur ist so gering, weil die Atmosph&auml;re keinen Treibhauseffekt verursacht, was nicht an der Zusammensetzung liegt, sondern dem niedrigen Bodendruck, der mit einer niedrigen Dichte einher geht. Weil sie wegen der geringen Dichte praktisch keine W&auml;rmespeicherkapazit&auml;t hat, sind auch die t&auml;glichen Temperaturschwankungen so hoch.<\/p>\n<p>Das g&auml;ngige Rezept von Lieschen M&uuml;ller, einfach Bakterien auf dem Mars auszusetzen um aus dem Kohlendioxid Sauerstoff zu machen muss daher leider scheitern. Denn dann hat man eine Sauerstoffatmosph&auml;re mit 6 mb Bodendruck. Wegen der UV-Strahlung w&uuml;rden die Bakterien auch nicht &uuml;berleben.<\/p>\n<h3>Erzeugen eines Treibhauseffektes<\/h3>\n<p>Was wir zuerst einmal brauchen, ist ein echter Treibhauseffekt. Es ist m&ouml;glich, zu berechnen wie warm ein Himmelsk&ouml;rper mit ein bestimmter Albedo, aber ohne Atmosph&auml;re an der Stelle der Erde und des Mars ist. Man kommt auf 270 K bei der Erde und 210 K beim Mars. Die etwas dunkleren Marsmonde haben z.B. eine Temperatur von 233 K. Demgegen&uuml;ber ist die mittlere Temperatur auf dem Mars nur 218 K, also 8 K h&ouml;her als die Gleichgewichtstemperatur. Auf der Erde sind es 18 K. Das liegt am Treibhauseffekt. schauen wir uns mal an, was wir so in unserer Atmosph&auml;re haben:<\/p>\n<table class=\"linedtable\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"lined\">Gas<\/th>\n<th class=\"lined\">Konzentration (vorindustrielles Niveau)<\/th>\n<th class=\"lined\">anthropogene Emission pro Jahr<\/th>\n<th class=\"lined\">Konzentrationsanstieg pro Jahr<\/th>\n<th class=\"lined\">mittlere Verweilzeit in der Atmosph&auml;re<\/th>\n<th class=\"lined\">molekulare Treibhauspotential<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Kohlendioxid<\/td>\n<td class=\"linedtable\">350 (280) ppm<\/td>\n<td class=\"linedtable\">7 Gt Kohlenstoff<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,5%<\/td>\n<td class=\"linedtable\">5-10 Jahre<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Methan<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1,7 (0,8) ppm<\/td>\n<td class=\"linedtable\">200-500 Mt C<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,9%<\/td>\n<td class=\"linedtable\">10 Jahre<\/td>\n<td class=\"linedtable\">21<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">FCKW F11<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,3 (0) ppb<\/td>\n<td class=\"linedtable\"><\/td>\n<td class=\"linedtable\">4 %<\/td>\n<td class=\"linedtable\">65 Jahre<\/td>\n<td class=\"linedtable\">3500<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">FCKW F12<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,5 (0) ppb<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1 MT FCKW<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,25%<\/td>\n<td class=\"linedtable\">130 Jahre<\/td>\n<td class=\"linedtable\">7300<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Lachgas<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,31 (0,29) ppm<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1-7 Mt C<\/td>\n<td class=\"linedtable\">0,25%<\/td>\n<td class=\"linedtable\">100 Jahre<\/td>\n<td class=\"linedtable\">290<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Ozon<\/td>\n<td class=\"linedtable\">30 ppb<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1 GT<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1 %<\/td>\n<td class=\"linedtable\">1-3 Monate<\/td>\n<td class=\"linedtable\">2000<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>[Christian Dietrich Sch&ouml;nwiese: Das Problem menschlicher Eingriffe in das Globalklima &#8222;Treibhauseffekt&#8220; in aktueller &Uuml;bersicht]. In dieser &Uuml;bersicht fehlt der Wasserdampf, da er keine anthropogene Quelle hat. Er steht aber f&uuml;r 62% des Treibhauseffektes. Das Kohlendioxid macht 22% aus.<\/p>\n<p>Aufgrund der hohen Verweildauer der FCKW in der Atmosph&auml;re und ihrem hohen Treibhauseffekt wurde von Zubrin [Technological requirements for terraforming\u00a0Mars] schon vorgeschlagen, diese im Gro&szlig;ma&szlig;stab zu emittieren. Basierend auf den Daten die wir von der Erdatmosph&auml;re haben, m&uuml;ssten wir um die gleiche Temperatur wie auf der Erde beim Mars zu erreichen m&uuml;ssen wir die Temperatur um 70 K anheben.(von -55\u00b0C auf +15\u00b0C). Basierend auf den Daten der Erde, m&uuml;ssten wir pro Jahr, wenn wir F12 (CCl<sub>2<\/sub>F<sub>2<\/sub>)\u00a0emittieren, rund 4.500 Millionen Tonnen pro Jahr in die Luft pusten. Dann w&uuml;rden wir in 130 Jahren den obigen Treibhauseffekt erreichen. Das ist die 4.500 fache Menge die wir auf der Erde freisetzen und sie liegt in der Gr&ouml;&szlig;enordnung was wir derzeit an Kohlendioxid emittieren (7000 MT Kohlenstoff). Da dies rund 7 Milliarden Menschen tun, d&uuml;rfte klar sein, dass man das nicht so einfach mit ein paar Fabriken erreicht.<\/p>\n<p>Das l&ouml;st dann zwar das Temperaturproblem, aber daf&uuml;r wird es nie und nimmer eine Ozonschicht geben. Es kann also keine Dauerl&ouml;sung sein, sondern nur dazu dienen erst einmal den Mars zu erw&auml;rmen. Doch auch daf&uuml;r ist es keine ideale L&ouml;sung, denn die lange Verweilzeit in der Atmosph&auml;re bewirkt, dass wir das Gas sehr lange auf dem Mars haben. Die 130 Jahre beziehen sich auf die Konzentration auf der Erde in einer Sauerstoffatmosph&auml;re, beim Mars mit 4.500 fach h&ouml;herer Emission wird sie ungleich l&auml;nger sein.<\/p>\n<p>Besser w&auml;re es daher Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas f&uuml;r die dauerhafte Atmosph&auml;re einzusetzen. Allerdings ist nur Kohlendioxid langzeitstabil. Das in obiger Tabelle 5-10 Jahre angegeben werden, liegt darin dass die Biosph&auml;re laufend Kohlendioxid aufnimmt und es auch im Wasser gel&ouml;st wird. Die anderen Molek&uuml;le werden dagegen durch UV-Strahlen gespalten und haben auch auf dem Mars nur eine begrenzte Lebensdauer.<\/p>\n<p>Kohlendioxid hat aber einen viel geringeren Treibhauseffekt. Basierend auf dem bekannten Treibhauseffekt auf dem Mars m&uuml;ssten wir den Kohlendioxid-Partialdruck von 5,8 auf 50,8 mb erh&ouml;hen, also um rund das neunfache. Das w&uuml;rde bei einer Atmosph&auml;re mit 1000 hpa Bodendruck einem Volumenanteil von 5% entsprechen, Das ist an einer Grenze wo Menschen sch&auml;dliche Wirkungen sp&uuml;ren. 5% Kohlendioxid f&uuml;hren &uuml;ber kurze Zeit zu Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Kurzatmigkeit. Langezeituntersuchungen liegen nicht vor. 8% sind innerhalb 30 bis 60 Minuten t&ouml;dlich. Die maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen liegen bei 0,5%. [Die Technikerkrankenkasse: Rauchvergiftungen durch Gase] [EG: Sicherheitsdatenblatt Kohlendioxid] Damit d&uuml;rfte man also die Atmosph&auml;re nicht anreichern, wenn wir darin leben wollen. Bei der Erde macht der Wasserdampf den Gro&szlig;teil des Treibhauseffektes aus, 62% gegen&uuml;ber dem Kohlendioxid mit nur 22%. &Uuml;bertr&auml;gt man dies auf den Mars, so kann man die Konzentrationen senken, zumal Wasserdampf in einem anderen &#8222;Fenster&#8220; absorbiert. &Uuml;bertr&auml;gt man die Situation der Erde auf den Mars, so w&uuml;rde es reichen den Kohlendioxidgehalt auf 9 hPa\u00a0 zu erh&ouml;hen, immerhin noch mehr als 20-mal h&ouml;her als auf der Erde und &uuml;ber den Grenzwerten f&uuml;r die Arbeit (3-5 hPa). Doch zuest m&uuml;sste es mehr sein, denn Wasserdampf als weitere Treibhausgas bildet sich erst wenn die Temperatur deutlich angestiegen ist.<\/p>\n<p>Sollte es &uuml;brigens tats&auml;chlich einmal eine Biosph&auml;re geben, so haben wir eher das Problem den hohen Kohlendioxidgehalt aufrecht zu erhalten, denn Organismen w&uuml;rden es bald in Biomasse umwandeln. Die h&ouml;chsten Kohlendioxidgehalte gab es bei uns im Jura und der Kreide, als 60% aller fossilen Brennstoffe gebildet wurden. Er lag damals bei 2000 ppm, was bei gleichem Druck rund 2 mb entspricht, also weitaus weniger als der Mars heute aufweist. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass der Gehalt &uuml;ber geologische Zeitr&auml;ume rasch abnehmen wird und wir von irgendwo her Nachschub erzeugen m&uuml;ssen, z.B. &uuml;ber das Brennen von Carbonaten (analog dem Brennen von Kalk bei dem dieser In Kalziumoxid und Kohlendioxid gespalten wird. Als positiver Nebeneffekt: Wir haben mehr als genug gebrannten Kalk f&uuml;r Beton und Zement.<\/p>\n<h3>Eine f&uuml;r Menschen atmenbare Atmosph&auml;re<\/h3>\n<p>In jedem Falle brauchen wir eine Sauerstoffatmosph&auml;re, wenn Menschen und Tiere auf dem Mars existieren sollen. Bei unter 18% Sauerstoffgehalt l&auml;sst schon unsere Urteilsf&auml;higkeit nach [Linde: Kampagne gegen Ersticken] und unter 10% sind t&ouml;dlich. Wenn wir also wollen, dass die Marsbewohner nicht unter eingeschr&auml;nkter Urteilsf&auml;higkeit und Kopfschmerzen leiden sollte der Sauerstoffpartialdruck mindestens 180 hPa und der Kohlendioxid Partialdruck unter 50 hPa liegen. Das sind die Grenzwerte. Doch woher soll der Sauerstoff kommen? Bei der Photosynthese passiert in Summe folgendes:<\/p>\n<p>6 CO<sub>2<\/sub> + 6 H<sub>2<\/sub>O \u2192 C<sub>6<\/sub>H<sub>12<\/sub>O<sub>6<\/sub> + 6 O<sub>2<\/sub>. [Stryer: Biochemie}<\/p>\n<p>Pro Molek&uuml;l CO<sub>2<\/sub> entsteht also ein Sauerstoffmolek&uuml;l. Wir w&uuml;rden also um einen Partialdruck von 180 hPa Sauerstoff am Ende zu erreichen, zuerst einmal den Kohlendioxidpartialdruck auf gr&ouml;&szlig;er als 180 hPa treiben und das ist ein Problem: Es mag noch Kohlendioxid in Wasser gebunden geben, als Clathrate, wie man sie auf der Erde von Methan kennt. Doch dass dies so viel ist, kann ausgeschlossen werden. Auf der Erde werden 1000 Gt in Gashydraten vermutet, vor allem Methan, dass sich viel besser als Kohlendioxid in das Kristallgitter des Wassers einf&uuml;gt. Auf dem Mars ist die Oberfl&auml;che kleiner und es gibt weniger Wasser (was an der Oberfl&auml;che beobachtbar ist reicht f&uuml;r einen globalen Ozean mit 29,6 m Dicke, unterirdische Vorkommen sollen bis zu 400 m erm&ouml;glichen) [Ulrike Flach: Gashydratforschung fest in die Forschungen \u201eSystem Erde\u201c und \u201eNeue Technologien\u201c integrieren., Nadine Barlow: Mars: An Introduction to its Interior, Surface and Atmosphere]. Doch selbst wenn man diese Zahl auf den Mars &uuml;bertr&auml;gt, so w&uuml;rden die 1000\u00a0 GT den Atmosph&auml;rendruck nur um 2,75 hPa erh&ouml;hen.<\/p>\n<p>Es fehlt also an Kohlendioxid um durch photosynthetische Prozesse eine Sauerstoffatmosph&auml;re zu generieren. Um die Photosynthese aufrecht zu erhalten, reicht das vorhandene aber aus. Der Stoff denn man auf dem Mars am einfachsten nutzen k&ouml;nnte, w&auml;re Wasser. Wasser kann durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden:<\/p>\n<p>H<sub>2<\/sub>O + 268,8 kJ\/Mol \u2192 O<sub>2<\/sub> + H<sub>2<\/sub> [Hollemann-Wiberg: Anorganische Chemie]<\/p>\n<p>Der Mensch m&uuml;sste also &uuml;bergehen, in gro&szlig;em Stil Wasser durch Elektrolyse zu spalten, wof&uuml;r man Unmengen an Energie ben&ouml;tigt (f&uuml;r 1 m\u00b3 Sauerstoff mit 180 hPa Partialdruck rund 0,6 kKh, das hei&szlig;t ein 1000 GW Kraftwerke m&uuml;ssten rund 425.000 Jahre arbeiten um das Wasser zu spalten. Immerhin, davon gibt es gen&uuml;gend.<\/p>\n<p>Dich was w&uuml;rde es bringen? Das ist eine Frage die gerne vergessen wird, denn das die Atmosph&auml;re heute so ist, hat ja einen Grund. Es gibt einen Grund, warum der Druck so niedrig ist und der Kohlendioxidanateil so hoch ist. Verantwortlich sind daf&uuml;r nicht geologische Prozesse und auch nicht biologische Aktivit&auml;t. Der Schl&uuml;ssel zum Verst&auml;ndnis ist der Stickstoff. Stickstoff ist anders als Kohlendioxid oder Sauerstoff ein inertes Gas. Er reagiert nicht mit anderen Gasen, au&szlig;er bei extremen Bedingungen (Blitze, sehr energiereiche UV-Strahlung wie sie aber auch beim Mars nur in der obersten Atmosph&auml;re vorkommt). Nach den g&auml;ngigen Modellen sollten alle drei erd&auml;hnlichen Planeten aus ihrer Entstehungszeit gleich viel Stickstoff erhalten haben und in der Tat haben Erde und Venus in etwa gleich viel Stickstoff (er macht bei der Venus wegen der dichten Atmosph&auml;re eben nicht 80% sondern nur 3,5% aus) beim Mars ist es aber viel weniger. Warum?<\/p>\n<p>Nun weil der Mars so klein\u00a0ist, verliert er leichtere Molek&uuml;le schneller als die Erde. Das sieht man auch an dem leichten Molek&uuml;l Neon. Neon, mit Atommasse 23 hat auf der Erde einen Anteil von 20 ppm an einer Atmosph&auml;re mit 1013 hPa Druck (=0,2 hPa Partialdruck) und beim Mars nur 0,2 ppm bei 6 hPa Druck (0,000012 hPa). Auch dieses Edelgas ist inert. (Argon als schwereres Edelgas kann nicht als Vergleich herangezogen werden, da die Hauptquelle auf der Erde der Zerfall von Kalium-40 ist, durch die Aktivit&auml;t des Planeten bleibt das Zerfallsprodukt Argon-39 nicht im Gestein, beim Mars ist dies nicht gegeben). [Keppler: Die Planeten, Barlow: Mars: An Introduction to its Interior, Surface and Atmosphere].<\/p>\n<p>Der Mars hat sehr fr&uuml;hzeitig seine Atmosph&auml;re verloren. Das sie heute vor allem aus Kohlendioxid besteht liegt darin, dass es mit Atommasse 44 erheblich schwerer als der Stickstoff mit 28 ist. Wie schnell, das ist noch offen, genauso wie diskutiert wird, wie hoch die Atmosph&auml;re in der Fr&uuml;hzeit war. Hier laufen die Sch&auml;tzungen auseinander zwischen 100 hPa und 3500\u00a0 hPa. . [K&ouml;hler: Der Mars, William Cassata: Trapped Ar isotopes in meteorite ALH 84001 indicate\u00a0Mars\u00a0did not have a thick ancient\u00a0atmosphere]. Die n&auml;chste US-Mission MAVEN soll hier weitere Aufschl&uuml;sse bringen. Auch Curiosity k&ouml;nnte durch Isotopenmessungen hier einiges beitragen: Da der Verlust abh&auml;ngig von der Molek&uuml;lmasse ist, ist es so, dass Molek&uuml;le die leichter sind, schneller verloren gehen als schwerere. Nun gibt es in kleiner Menge auch schwere Isotope des Kohlenstoffs (C<sub>13<\/sub> anstatt dem normalen C<sub>12<\/sub>) und des Sauerstoffs (O<sub>17<\/sub>,O<sub>18<\/sub> anstatt dem normalen O<sub>16<\/sub>) und Kohlendioxidmolek&uuml;le, die eines dieser Isotope enthalten, d&uuml;rften daher angereichert sein.<\/p>\n<p>In jedem Falle wird man sich bei einer Zeit von 425.000 Jahren f&uuml;r den Aufbau der Atmosph&auml;re einem Zeitrahmen bewegen, bei dem man diesen Effekt ber&uuml;cksichtigen muss, das bedeutet, man wird die Kraftwerke dauernd weiter betrieben m&uuml;ssen, bis irgendwann mal das Wasser alle ist &#8211; doch das f&uuml;hrt uns zum n&auml;chsten Problem im n&auml;chsten Artikel<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Eine Roadmap, ungeachtet der bestehenden Probleme, und diese wohlwissend ignorierend, w&auml;re diese:<\/p>\n<p>Zuerst erzeugt man durch die massive Produktion des FCKW F12 einen massiven Triebhauseffekt, der die Temperatur soweit anhebt, dass Wasser fl&uuml;ssig wird (globale Mitteltemperatur um 55\u00b0C anzuheben). Dies ist noch in relativ kleinen Zeitr&auml;umen, spricht Hunderten von Jahren m&ouml;glich. Dann kann man daran gehen, das Wasser elektrolytisch zu spalten. Tausende Kernkraftwerke werden dazu ben&ouml;tigt und wir reden von geologischen Zeitr&auml;umen (w&uuml;rde man s&auml;mtliche Atomkraftwerke der Erde auf den Mars transplantieren, man ben&ouml;tigte 2.000.000 Jahre, das hei&szlig;t, auf der Erde m&uuml;sste der Homo erectus diese Aufgabe angegangen haben). Ob es so viel Uran auf dem Mars gibt w&auml;re noch zu kl&auml;ren. Auf der Erde w&uuml;rden die Vorr&auml;te auf jeden Fall nicht ausreichen. Schnelle Br&uuml;ter m&ouml;gen die Vorr&auml;te strecken, doch da bei uns sie maximal einige Hundert Jahre reichen ist es unwahrscheinlich, dass dieser Plan aufgeht. alternativ kann man nat&uuml;rlich Solarenergie einsetzen. Bei 20% Wirkungsgrad und 500 Watt\/m\u00b2 Sonneneinstrahlung am Boden (im Weltall: 618 Watt\/m\u00b2) braucht man eine Fl&auml;che von 20 km\u00b2 um ein Kernkraftwerk zu ersetzen. (Nacht mit ber&uuml;cksichtigt).<\/p>\n<p>Bedingt durch das teilweise im Wasser gel&ouml;ste Kohlendioxid w&uuml;rde auch der Kohlendioxidgehalt ansteigen. Das w&uuml;rde zusammen mit dem entstehenden Wasserdampf dann einen stabilen Treibhauseffekt ergeben. Die Wassermenge die so gespaltet wird entspricht einer Schicht von 2,2 m Dicke auf dem Mars. &Uuml;ber diese lange Zeit w&uuml;rde sich auch das FCKW abbauen, sodass sich eine Ozonschicht ausbilden k&ouml;nnte. Allerdings w&auml;re ohne Magnetfeld und bei einer d&uuml;nneren Atmosph&auml;re, die Strahlenbelastung immer noch deutlich h&ouml;her als auf der Erde.<\/p>\n<p>Weiterhin gibt es noch ein ungel&ouml;stes Problem: Die Atmosph&auml;re w&auml;re eine reine Sauerstoffatmosph&auml;re, ohne Stickstoff. Dieser fehlt auf dem Mars und wir kennen keine unterirdischen Vorkommen. Eine reine Sauerstoffatmosph&auml;re ist aber gef&auml;hrlich. Br&auml;nde breiten sich viel schneller aus, wie wir sp&auml;testens nach dem Brand bei Apollo 1 wissen.<\/p>\n<p>Offen ist weiterhin, wie lange die Atmosph&auml;re Bestand haben wird. Die Verlustrate der heutigen Atmosph&auml;re ist leider nicht auf eine fr&uuml;here, dichte, &uuml;bertragbar. F&uuml;r eine dichte Atmosph&auml;re gibt es nur Modelle, die differieren. Kass, Yang [Loss of atmosphere from Mars due to solar wind-induced sputtering] kamen zu dem Schluss, dass der Planet 3 Bar Kohlendioxid &uuml;ber 3,5 Milliarden Jahre verloren hat, was wenn dies linear ist, bedeuten w&uuml;rde, dass wir nach dem Aufbau der Atmosph&auml;re nur noch ein F&uuml;nfhundertstell der Kraftwerke weiter betrieben m&uuml;ssen, um die Atmosph&auml;re konstant zu halten. Dagegen prognostizieren Cassata et Al\u00a0 einen Verlust von 1,1 Bar in nur 400 Millionen Jahren [William Cassata: Trapped Ar isotopes in meteorite ALH 84001 indicate\u00a0Mars\u00a0did not have a thick ancient\u00a0atmosphere]. Das ist rund dreimal mehr als im oberen Modell.<\/p>\n<p>In jedem Falle ist der Mars keine Wohnstatt f&uuml;r ewig. Wir verbrauchen dauernd Wasser um Sauerstoff zu gewinnen. Nimmt man die bekannten Wasservorr&auml;te und die h&ouml;here Verlustrate, so sollte es aber f&uuml;r rund 1 Milliarde Jahre ausreichen.<\/p>\n<p>Was klar ist: Wir reden hier von einer hohen Industrialisierung ohne das die Oberfl&auml;che f&uuml;r die Allgemeinheit bewohnbar w&auml;re. Alleine die f&uuml;r die Bildung der Atmosph&auml;re n&ouml;tigen Kernkraftwerke w&uuml;rden den gesamten irdischen Strombedarf decken k&ouml;nnen. Trotzdem w&uuml;rden alle Personen die dort arbeiten &uuml;ber Hunderttausende von Jahren nur in Raumanz&uuml;gen die Oberfl&auml;che betreten k&ouml;nnen. Wahrscheinlich w&uuml;rden die kleinen Kolonien mit Glas &uuml;berdacht sein, auch um Pflanzen und Tiere zu halten. Bei einer kleinen Kolonie mit isolierter Atmosph&auml;re w&auml;re auch Stickstoff als F&uuml;llgas einsetzbar. Auf dem Mars selbst w&uuml;rde es fehlen, was ausgekl&uuml;gelte Strategien zur Vermeidung der Ausbreitung von Feuern, die ja auch durch Gewitter im Freien entstehen k&ouml;nnen voraussetzt (wie Wassergr&auml;ben oder W&uuml;stenstreifen, die Gebiete mit Vegetation in kleine Quadrate unterteilen und eine zu starke Ausbreitung von Feuern verhindern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder tauchen in der &Ouml;ffentlichkeit &Auml;u&szlig;erungen auf, man m&uuml;sse den Mars kolonisieren. Wahlweise weil auf der Erde kein Platz wird, oder weil es einfach den Menschen dazu dringt neue Regionen zu erobern. Ich will mich gar nicht mit den Argumenten aufhalten, sondern mal in einer lockeren Reihe beleuchten, warum das nicht klappt. 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Die Grundproblematik ist die gleiche wie f\u00fcr Raumsonden: Der Mars hat eine extrem d\u00fcnne Atmosph\u00e4re. Deren Bodendruck liegt bei \"Normalnull\" (mangels Meeren willk\u00fcrlich festgelegt\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/0c873c0799fe4a22aedc6879d71e9a71","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18423,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/04\/die-schwere-landung-des-starships-auf-dem-mars-2\/","url_meta":{"origin":7008,"position":3},"title":"Die schwere Landung des Starships auf dem Mars (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Ich m\u00f6chte an meinen Beitrag vor einigen Tagen \u00fcber die Landung des Starships (https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/starship.shtml) auf dem Mars eingehen und sowohl auf einige Kommentare eingehen, wie auch neue Aspekte herausarbeiten. Ich habe inzwischen meine Simulation erweitert und kann einige F\u00e4lle mehr durchrechnen. Doch ich will auch vermitteln, dass man zu einer\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/34af58916c19453fae3b655602c04a41","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":12850,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/11\/24\/the-expanse-fernsehserie\/","url_meta":{"origin":7008,"position":4},"title":"The Expanse (Fernsehserie)","author":"Thierry Gschwind","date":"24. 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September 2016","format":false,"excerpt":"Eines der Dauerbrennerthemen bei Sendungen \u00fcber Astronomie ist es, wo es noch Leben geben k\u00f6nnte. Man kann ja viel spekulieren \u00fcber fremde Planeten, doch am meisten wird nat\u00fcrlich \u00fcber Leben in unserem Sonnensystem spekuliert. Die NASA n\u00e4hrt das sehr gut, vor allem beim Mars. Auch wenn sie von \"Der Suche\u2026","rel":"","context":"In &quot;Allgemein&quot;","block_context":{"text":"Allgemein","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/"},"img":{"alt_text":"","src":"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4e11b05707214a29aee07687a953aec8","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7008"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7008\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}