{"id":7047,"date":"2012-09-14T00:28:20","date_gmt":"2012-09-13T22:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7047"},"modified":"2012-09-15T08:40:42","modified_gmt":"2012-09-15T06:40:42","slug":"die-raumliche-orientierung-von-raumsonden-und-satelliten-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/09\/14\/die-raumliche-orientierung-von-raumsonden-und-satelliten-teil-1\/","title":{"rendered":"Die r&auml;umliche Orientierung von Raumsonden und Satelliten &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>T.J. hat mich zu einem zweiten Artikel inspiriert, der auch weil er mit 26 K etwas lang ist in zwei Teilen im Blog erscheint, man findet ihn aber auch auf der Website, wenn man weiss, wo dort die Neuigkeiten verzeichnet sind ;-). Das Thema ist nicht gerade meine Kernkompetenz, sondern eher etwas f&uuml;r einen Gastblog (ich weis dass einige aus der Raumfahrtindustrie das lesen, also wenn Fehler gefunden werden, bitte mailen). In diesem Artikel geht es um die Feststellung der r&auml;umlichen Lage (heute) und wie man sie ver&auml;ndern kann (morgen).<\/p>\n<p>Neben der <a href=\"navigation-von-raumsonden.shtml\">Navigation<\/a>, also der Feststellung, wo sich ein Satellit oder eine Raumsonde befindet, ist auch die r&auml;umliche Orientierung wichtig, das bedeutet, man muss wissen, wie der K&ouml;rper im Raum ausgerichtet ist, schlie&szlig;lich ist er schwerelos, es muss also nicht automatisch so sein, dass die Kamera auf den Nadirpunkt (den Punkt der gerade auf der Erde &uuml;berflogen wird) zeigt oder eine Antenne einer Raumsonde zur Erde. In diesem kleinen Artikel m&ouml;chte ich einmal die verschiedenen Methoden, wie man die Lage im Raum feststellt und ver&auml;ndert, beleuchten. Es gibt nat&uuml;rlich auch Satelliten, die keine Ausrichtung ben&ouml;tigen (z.B. passive Laserreflektionssatelliten wie Lageos), oder bei denen darauf verzichtet wird, (wie bei kleinen Cubesats, aufgrund der Restriktionen in Gewicht und Masse). Es gibt auch den Sonderfall, dass es eine passive Stabilisierung, aber keine Feststellung der Ausrichtung im Raum gibt.<!--more--><\/p>\n<p>Die Ausrichtung ist nicht nur wichtig um ein Ziel zu beobachten. Sie auch wichtig um Schaden zu verhindern. Als bei ROSAT zum ersten Mal die Lageregelung versagte, schaute das Teleskop in der Phase ohne Kontrolle in die Sonne und das UV-Instrument war danach unbrauchbar (die intensive Strahlung hatte den CCD-Chip zerst&ouml;rt) und einer Der Z&auml;hler im R&ouml;ntgenteleskop war ausgefallen. Bei Satelliten gibt es &uuml;ber eine Niedriggewinnantenne immer Funkkontakt, doch bei Raumsonden kann er dauerhaft verloren gehen. Ein Softwarefehler f&uuml;hrte bei Phobos 1+2 zum Verlust des Kontaktes (bei Phobos 1 wurde die Lageregelung deaktiviert und bei Phobos 2 unterblieb das Zur&uuml;ckdrehen der Sonde zur Erde nach einer Aufnahmeserie). Auch der Mars Global Surveyor fiel aus, als ein Softwarefehler ihn in eine falsche Position drehte. Diese Raumsonde hatte zwar &#8222;Fail-Safe&#8220; Routinen, die in diesem Falle ansprangen, und die ihn auf die Sonne ausrichten sollten, damit die Energiezufuhr gew&auml;hrleistet war, aber da er schon 10 Jahre in Betrieb war, entluden sich die altersschwachen Batterien schneller als diese Routinen ihn wieder auf die Sonne ausrichten konnten.<\/p>\n<h3>Die Feststellung der r&auml;umlichen Orientierung<\/h3>\n<p>Wichtig ist auch zu unterscheiden, welches Koordinatensystem man nutzt, um einen Satelliten auszurichten. Dies bestimmt die Sensoren die eingesetzt werden um die Ausrichtung festzustellen. Es gibt folgende F&auml;lle:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausrichtung relativ zur Erdoberfl&auml;che (typisch bei Erderkundungs- oder Kommunikationssatelliten)<\/li>\n<li>Ausrichtung relativ zur Sonne (f&uuml;r Sonnenbeobachtung, aber auch Raumsonden die sehr weit weg von der Erde sind, da in gro&szlig;er Entfernung die Erde nahe der Sonne ist)<\/li>\n<li>Ausrichtung relativ zu den Sternen (astronomische Beobachtung)<\/li>\n<li>Unabh&auml;ngige Ausrichtung im Raum (viele Raumsonden und Satelliten)<\/li>\n<li>Ausrichtung relativ zu einem anderen Raumgef&auml;hrt (Transporte zur ISS)<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/landsat.jpeg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"270\" align=\"left\" \/>F&uuml;r die Ausrichtung zur Erde ist die &auml;lteste Technik die eines Horizontsensors. Ein Erderkundungssatellit ist so ausgerichtet, dass die Kamera nach unten schaut, idealerweise auf den Nadir, also den Flugpfad, wo das Bild die h&ouml;chste Aufl&ouml;sung und kleinsten Verzerrungen aufweist. Die einfachste M&ouml;glichkeit dies zu bewerkstelligen, ist es, an der Seite Sensoren anzubringen, die dann die Erde, den dar&uuml;ber liegenden Horizont und den Weltraum sehen. Im einfachsten Fall reichen dazu vier Sensoren die an den vier Seiten die Infrarotstrahlung detektieren. Infrarotstrahlung deswegen, weil die Oberfl&auml;chentemperatur der Erde bei rund 220-320 K liegt und daher Strahlung im Infraroten bei etwa 10-12 \u00b5m Wellenl&auml;nge emittiert. (Benutzt wird &uuml;blicherweise der Bereich von 14-16 \u00b5m). Die Konstruktion ist im einfachsten Fall, wie sie vor einigen Jahrzehnten &uuml;blich war, sehr einfach: Man muss die vier einzelnen Sensoren an den vier Seiten nur kreuzweise verschalten, also den auf der Westseite mit dem auf der Ostseite und den auf der S&uuml;dseite mit dem auf der Nordseite. Nehmen wir nun an, der Satellit w&auml;re nicht korrekt in Ost-Westrichtung ausgerichtet, sondern w&uuml;rde schr&auml;g \u201eliegen\u201c. Dann sieht ein Sensor mehr Weltall (kalt, keine Infrarotstrahlung) und der andere mehr Erde (warm, Infrarotstrahlung). Das Signal, das wie bei einer Solarzelle im einfachsten Fall nur Strom ist, ist also auf einer Seite h&ouml;her als auf der anderen. Wird eine Schaltung so angelegt, dass die beiden Signale voneinander abgezogen werden, so bleibt eine Spannung &uuml;brig und die H&ouml;he dieser ist proportional zur Abweichung. Das kann genutzt werden, um nun Korrekturen durchzuf&uuml;hren, also den Satelliten zu drehen, bis beide wieder genau das Gleiche sehen, gleich viel Helligkeit erhalten und sich die Signale dann bei der Subtraktion ausl&ouml;schen. Eine Alternative ist ein scannender Horizontsensor, der ein kleines Gesichtsfeld hat, und auf und ab bewegt wird. Auch so kann man die Grenze zwischen Erde und Weltraum genau ermitteln.\u00a0 (Bild links: Landsat 1, die Instrumente sa&szlig;en unten in der Trommel und schauten senkrecht auf die Erde, die Sensoren am Ger&uuml;st wo die Solarpaneele angebracht sind).<\/p>\n<p>In der verfeinerten Form setzt man heute nicht einen Sensor mit einem gro&szlig;en Gesichtsfeld ein, sondern eine Reihe von Sensoren, die &uuml;bereinander in einer Spalte angeordnet sind. Dan kann man genau ermitteln, wo die Grenze zwischen Horizont und Weltall ist. Als Nebeneffekt kann man dann auch den Satelliten f&uuml;r schr&auml;ge Aufnahmen aus der Nadirposition herausdrehen, da man dann berechnen kann, wo die neue Grenze z.B. bei einer Drehung von 20 Grad verlaufen m&uuml;sste. Bei geostation&auml;ren Satelliten, wo die Erde als ganze Scheibe sichtbar ist, werden typischerweise acht Sensoren, jeder mit einem Gesichtsfeld von 16 x 10 Grad auf die Grenze zwischen Erde und Weltraum ausgerichtet. Auch hier gilt: F&uuml;r eine korrekte Ausrichtung sollten alle acht Sensoren die gleiche Menge an Infrarotstrahlung empfangen. Detektoren sind heute Mikro-Machine Thermopiles, Thermoelemente welche die Infrarotstrahlung in Strom umwandeln.<\/p>\n<p>Die Genauigkeit dieser Sensoren betr&auml;gt rund 6 Bogenminuten. Das ist ein F&uuml;nftel des Vollmonddurchmessers von der Erde aus gesehen.<\/p>\n<p>Eine zweite M&ouml;glichkeit der Orientierung relativ zur Erde ist die Messung des Magnetfelds der Erde. Das Magnetfeld der Erde kann in allen drei Raumachsen gemessen werden, indem man drei Magnetometer einsetzt. Aus den Daten kann man dann die Orientierung des Satelliten bestimmen, ben&ouml;tigt aber f&uuml;r eine Ausrichtung in allen drei Raumachsen noch weitere Informationen, da die Gleichungen zwei Freiheitsgrade haben, aber drei Unbekannte. Magnetfeldsensoren haben einen relativ hohen Fehler von 30 Bogenminuten, entsprechend dem Vollmonddurchmesser von der Erde aus gesehen.<\/p>\n<p>Die Ausrichtung auf die Sonne geschieht mit Sonnensensoren. Das Prinzip ist das gleiche wir bei den Horizontsensoren, nur ist die Sonne viel kleiner. Fr&uuml;her hat man vier lichtempfindliche Sensoren in Form eines Kleeblattes angeordnet. Die korrekte Ausrichtung lag dann vor, wenn alle vier Sensoren (das k&ouml;nnen im Extremfall einfache Solarzellen sein) gleich viel Strahlung erhalten und das gleiche Signal abgeben. Dieser Sensor muss aber auf die Sonne schon grob ausrichtet sein, wozu es meistens noch einen zweiten Sensor mit einem gr&ouml;&szlig;eren Gesichtsfeld zur Grobausrichtung gab.<\/p>\n<p>Heute wird ein Block aus einem lichtdurchl&auml;ssigen Material mit einem bekannten Brechungsindex (Kunststoff, Glas &#8230;) mit einem lichtundurchl&auml;ssigen Material so belegt, dass nur ein Schlitz frei bleibt. Dort wo der gebrochene Strahl landet, befindet sich dann eine Reihe von Lichtdetektoren wie Photozellen oder Photodioden. &Uuml;ber den Brechungsindex kann der Winkel zur Sonne ermittelt werden, das bedeutet, der Sensor muss nicht direkt auf die Sonne ausgerichtet sein. Ein solcher Sensor liefert den Winkel relativ zur Sonne in einer Raumachse, mit zwei senkrecht aufeinander stehende, kann man einen Satelliten in der X-Y Achse exakt auf die Sonne ausrichten. Derartige Sonnensensoren sind noch heute in Benutzung z.B. bei den TRACE Satelliten, welche die Sonne beobachten.<\/p>\n<p>Sternsensoren gibt es heute nicht mehr. Sie wurden fr&uuml;her bei Raumsonden benutzt, um die noch verbleibende Z-Achse genau festzulegen, wenn ein Sonnensensor die Ausrichtung in zwei Achsen festlegt. Voyager 1+2 hatten z.B. einen Sonnensensor neben den Sendern und Empf&auml;nger in der Mitte der Antenne (da die Erde vom &auml;u&szlig;eren Sonnensystem aus gesehen immer nahe der Sonne ist, reichte es, die Antenne auf die Sonne auszurichten, um eine Funkverbindung mit der Erde zu erhalten). Doch damit war noch nicht klar, wie der Ausleger mit den Instrumenten, relativ zur Sonne ausgerichtet war. Die Sonde konnte immer noch um die Achse senkrecht zur Linie Sonne-Antenne rotieren. Die L&ouml;sung war ein Sensor, dessen Bauprinzip dem Sonnensensor gleicht, nur das er viel empfindlicher ist, ein Sternsensor, meistens gekoppelt mit einem kleinen Teleskop um das Licht zu sammeln und zu verst&auml;rken. Das Prinzip ist recht einfach. Man ermittelt den Winkel zwischen der Sonne und einem hellen Stern, der als Referenz genutzt wird, und bringt den Sternsensor in diesem Winkel zum Sonnensensor an. Zur korrekten Ausrichtung muss nun die Sonde nur um die Z-Achse rotieren, bis der Sternsensor den Stern sieht und ein Signal liefert. Genutzt wird ein Stern, der zum einen Hell ist und zum andern alleine steht, damit es kein Fehlsignal durch andere Sterne gibt. Sehr oft wurde der Stern Kanopus im Sternbild Schiff, der zweithellste Stern am Himmel. Als Detektoren wurden Photomultiplier genutzt die ein schwaches Lichtsignal sehr stark verst&auml;rken.<\/p>\n<p>Ersetzt sind Sterndetektoren heute durch Startackerkameras. Ein Startracker ist eine Kamera, deren Optik bewusst defokussiert ist. Sterne erzeugen auf einem CCD-Chip so eine verschmierte Wolke. Dadurch kann man zum einen sehr leicht helle Pixel, die durch kosmische Strahlung erzeugt werden, von den Sternen unterscheiden. Zum andern erlaubt es die verschmierte Wolke, die Position eines Sterns subpixelgenau zu lokalisieren, indem man die theoretische Mitte berechnet. Eine Software nimmt nun die hellsten \u201eWolken\u201c, berechnet ihre relative Position zueinander und vergleicht diese mit einem Katalog von Sternen, in dem die Helligkeit und absolute Position enthalten ist. Damit ist ermittelbar, wohin die Kamera beim Aufnahmezeitpunkt schaute, und die absolute Position im Raum ist bestimmbar. Als kleiner Nachteil kann die Kamera nur sehr helle Sterne nutzen, weil ihr Licht nun auf mehrere Pixel verteilt ist.<\/p>\n<p><!--werbungbeginn--> <!--#include virtual=\"nav\/werbung1.html\"--> <!--werbungend--><\/p>\n<p>Startrackerkameras werden seit Anfang der neunziger Jahre eingesetzt und befinden sich heute auf fast allen Raumsonden und auch zahlreichen Satelliten wie dem Hubble Space Telescope. Mit Startracker Kameras (es w&uuml;rde eine ausreichen, aber f&uuml;r eine h&ouml;here Genauigkeit nimmt man meistens mehrere, die in verschiedene Richtungen schauen) kann man eine sehr hohe Positioniergenauigkeit von bis zu einer Bogensekunde erreichen. Die Genauigkeit h&auml;ngt vom Blickfeld ab. So hat eine Kamera mit einem Gesichtsfeld von 20 Grad eine Ausrichtungsgenauigkeit von 5 Bogensekunden, eine mit 8 Grad eine von 2 Bogensekunden. Zudem ist diese sensitiver, kann also auch noch lichtschw&auml;chere Sterne nutzen. Das ist wichtig, wenn man ein sternenarmes Gebiet nutzen muss. Systembedingt kann die relative Position der Sterne zueinander (X\/Y-Achse) genau bestimmt werden. Die Rotation dieses Bildes ist dagegen schwerer zu bestimmen, vor allem bei kleinen Winkeln. Die Genauigkeit in der Rollachse betr&auml;gt daher nur 40 Bogensekunden, das ist auch ein Grund, warum mehrere Kameras eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Startrackerkameras finden sich an Bord von Raumsonden, weil sie so einfach relativ zu den Sternen ausgerichtet werden k&ouml;nnen und Erd- oder Magnetfeldsensoren als Referenz ausscheiden. Inzwischen findet man sie aber auch bei Satelliten, die die Erde beobachten, aber eine hohe Ausrichtungsgenauigkeit erfordern, wie hochaufl&ouml;sende Erdbeoachtungssatelliten, bei denen eine Ausrichtungsgenauigkeit eines Bildes auf 10 m garantiert wird. Dies ist mit Horizontsensoren nicht erreichbar. Und nat&uuml;rlich nutzen alle astronomischen Satelliten Startrackerkameras, die auch viel leistungsf&auml;higer als die normalen bei anderen Satelliten sind, denn eine Bogensekunde Abweichung ein typischer Wert f&uuml;r die meisten Satelliten, ist bei Hubble Weltraumteleskop schon viel zu grob \u2013 das Teleskop kann Aufnahmen mit 0,02 Bogensekunden\/Pixel anfertigen.<\/p>\n<p>Die letzte M&ouml;glichkeit ist eine interne Referenz. Anders als bei allen anderen Systemen ben&ouml;tigt man keinen Himmelsk&ouml;rper, dessen Licht oder Magnetfeld man als Referenz nutzt. Fr&uuml;her wurden dazu mechanische Kreisel genutzt, heute Laserkreisel. Die Sammelbezeichnung f&uuml;r beide Systeme ist \u201eGyroskope\u201c.<\/p>\n<p>Bei einem Laserkreisel wird ein Laserstrahl durch einen halbdurchl&auml;ssigen Spiegel in zwei Einzelstrahlen aufgeteilt. Diese durchlaufen unterschiedliche Wege, aber einen Kreis. Sie werden nach dem Durchlaufen des Kreises an einem Punkt wieder vereinigt, wobei sie sich, wenn der Weg genau gleich lang ist, gegenseitig ausl&ouml;schen, sodass die Helligkeit minimal ist. Bewegt sich die Sonde, so erreicht ein Strahl den Detektor eher, da nach Einstein f&uuml;r den anderen die Zeit gedehnt bzw. verk&uuml;rzt ist. Die Strahlen l&ouml;schen sich nicht mehr aus. Es verbleibt eine Helligkeit, mit der man die Beschleunigung f&uuml;r diese Raumachse berechnen kann. Mit drei senkrecht aufeinander stehenden Laserkreiseln kann man die Beschleunigung in allen drei Raumachsen messen. So wei&szlig; die Abstiegsstufe immer, wie schnell und in welche Richtung sie sich gerade bewegt. Die Bezeichnung \u201eLaserkreisel\u201c beruht darauf, dass fr&uuml;her f&uuml;r diese Messung mechanische Kreisel genutzt wurden. Diese wurden durch die Laser ersetzt, wobei man die Bezeichnung beibehielt. Mit einem Kreisel haben sie nichts zu tun, es gibt keinerlei rotierende Teile. Es gibt verschiedene Systeme die Spiegel oder Glasfasern zum Umlenken des Lichtes nutzen, doch das Messprinzip ist immer das gleiche. Die fr&uuml;her benutzten mechanischen Systeme mit echten sich schnell drehenden massiven Kreiseln, haben nicht nur den Nachteil, dass rotierende Teile einem Verschlei&szlig; unterliegen. Sie haben auch einen Drift, der zu einem immer gr&ouml;&szlig;eren Fehler f&uuml;hrt, je l&auml;nger sie in Betrieb sind. &Uuml;blicherweise werden Gyroskope mit anderen Systemen wie GPS oder Beschleunigungsmessern kombiniert. Beschleunigungsmesser ben&ouml;tigt man eher in einer Rakete. Zusammen bilden sie eine Inertial Measurement Unit (IMU), die dann nicht nur Informationen &uuml;ber die Ausrichtung im Raum, sondern auch die Bewegung (Geschwindigkeit\/Beschleunigung) liefert. Wie der Name \u201eInertial\u201c ist sie v&ouml;llig unabh&auml;ngig von der Umgebung.<\/p>\n<p>Die letzte M&ouml;glichkeit, die Position zu bestimmen, ist GPS. GPS arbeitet auf dem Prinzip, das 24 Satelliten die Erde in drei Bahnebenen umkreisen, sodass man mindestens drei Satelliten gleichzeitig im Gesichtsfeld hat. Alle Satelliten haben Atomuhren an Bord und senden ihre Position und die genaue Uhrzeit laufend aus. Ein Empf&auml;nger dekodiert das Signal und vergleicht es mit der eigenen Uhrzeit. Daraufhin weis er, in welchem Abstand er sich vom Satelliten befindet, dessen Position er durch das Signal auch kennt. Er muss sich, wenn er nur das Signal eines Satelliten empf&auml;ngt, dann in einer Kugelschale rund um diesen Satelliten befinden. Mit zwei Satelliten ist der Ort dann beschr&auml;nkt auf den Schnittpunkt beider Kugelschalen, das hei&szlig;t einen Kreis rund um beide Satelliten, und mit einem dritten Satelliten ist es dann genau ein Punkt, der als Schnittpunkt aller drei Kugelschalen &uuml;brig bleibt. Die Geschwindigkeit und Beschleunigung wird errechnet, indem man die Signale zu verschiedenen Zeitpunkten vergleicht. Die Differenz entspricht dem zur&uuml;ckgelegten Weg und die Geschwindigkeit wird erhalten, indem man den Weg durch die Zeit teilt.<\/p>\n<p>GPS ist als System schon im zivilen Bereich weit verbreitet, bei Raumfahrzeugen jedoch noch eher selten anzutreffen. Es setzt sich als Low-Cost Alternative aber mehr und mehr durch. Tr&auml;gerraketen nutzen es schon. Genutzt wird es vor allem f&uuml;r ISS-Transporter, die ja punktgenau an die Kopplungsstellen bugsiert werden m&uuml;ssen (Cygnus, Dragon, <a href=\"htv.shtml\">HTV<\/a>), oder sogar selbst automatisch andocken k&ouml;nnen (ATV, <a href=\"progress.shtml\">Progress<\/a>). Hier wird differenzielles GPS genutzt, indem man die Position relativ zur ISS bestimmt. Die ISS sendet ihre GPS-Koordinaten und deren Signal kann man in einem Radius von 20-30 km empfangen. Dadurch kann man die Position relativ zur ISS bestimmen. Schlussendlich ist nicht wichtig, wo sich der Transporter absolut im Raum befindet, sondern wo er sich relativ zur ISS befindet. Bedingt durch die Position der GPS-Satelliten, aber auch der russischen Glonass oder des europ&auml;ischen Galileonetzes in 20-24.000 km H&ouml;he, kann man GPS nur bei erdnahen Satelliten, aber nicht geostation&auml;ren Satelliten nutzen und au&szlig;erhalb der Erde ist es ebenfalls nutzlos. Es gab schon Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine bemannte Marslandung f&uuml;r die pr&auml;zise Ankopplung und Ortsbestimmung ein GPS-System f&uuml;r den Mars aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T.J. hat mich zu einem zweiten Artikel inspiriert, der auch weil er mit 26 K etwas lang ist in zwei Teilen im Blog erscheint, man findet ihn aber auch auf der Website, wenn man weiss, wo dort die Neuigkeiten verzeichnet sind ;-). Das Thema ist nicht gerade meine Kernkompetenz, sondern eher etwas f&uuml;r einen Gastblog [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2882,2879,2880,2881,2883],"class_list":["post-7047","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-horizontsensor","tag-orientierung","tag-sonnensensor","tag-sternsensor","tag-stratrackerkamera","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":611,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18504,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/25\/die-glorreichen-10-satellitenrekorde\/","url_meta":{"origin":7047,"position":0},"title":"Die glorreichen 10 &#8211; Satellitenrekorde","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. Januar 2026","format":false,"excerpt":"Ich denke, es wird mal wieder Zeit f\u00fcr etwas leichte Unterhaltung die etwas Wissen vermittelt. Also einen Blog \u00fcber 10 Rekorde bei Satelliten, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Um eines klarzustellen - es geht nur um Satelliten. Raumsonden sind au\u00dfen vor, weil bei ihnen vieles anderes ist, so kann\u2026","rel":"","context":"In &quot;Die Glorreichen 10&quot;","block_context":{"text":"Die Glorreichen 10","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/die-glorreichen-10\/"},"img":{"alt_text":"","src":"\/img\/1kgsats.png","width":350,"height":200,"srcset":"\/img\/1kgsats.png 1x, \/img\/1kgsats.png 1.5x, \/img\/1kgsats.png 2x, \/img\/1kgsats.png 3x"},"classes":[]},{"id":18610,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/27\/galileos-cds-teil-1\/","url_meta":{"origin":7047,"position":1},"title":"Galileos CDS &#8211; Teil 1","author":"Bernd Leitenberger","date":"27. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"Hall\u00f6chen, es wird Zeit das ich mich mal wieder melde. Es gab zwei Gr\u00fcnde, warum ich mich so rar gemacht habe. Das eine ist das es gerade nicht so viel aktuelles gibt, au\u00dfer einem Update zu Artemis, zu dem ich vielleicht noch etwas schreibe. W\u00e4hrend Trump das ganze Programm nach\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4fb81c7bafbd4d9d88b5695abdb33d29","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":13317,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/04\/04\/die-aufklaerung-des-aprilscherzes\/","url_meta":{"origin":7047,"position":2},"title":"Die Aufkl&auml;rung des Aprilscherzes","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. April 2018","format":false,"excerpt":"So, nun komme ich wieder mal zu einem Blog. Derzeit arbeite ich noch flei\u00dfig an der Aufstiegssimulation, nun vor allem im Pflegen der alten Daten. Rund 200 Tr\u00e4ger wollen schlie\u00dflich erg\u00e4nzt werden. Anscheinend hat es keiner gemerkt: Der letzte Blog war ein Aprilscherz. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde unsere Regierung nie auf seinen\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"\/img\/sapcex-falcons.jpg","width":350,"height":200,"srcset":"\/img\/sapcex-falcons.jpg 1x, \/img\/sapcex-falcons.jpg 1.5x, \/img\/sapcex-falcons.jpg 2x"},"classes":[]},{"id":18485,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/13\/programm-437\/","url_meta":{"origin":7047,"position":3},"title":"Programm 437","author":"Bernd Leitenberger","date":"13. Januar 2026","format":false,"excerpt":"Ich wei\u00df, ich mache mich in den letzten Wochen etwas rar. Daf\u00fcr gibt es zwei Gr\u00fcnde. Da ist zum einen die gesamte politische Lage. Prim\u00e4r nat\u00fcrlich in dem Land des unbegrenzten Irrsinns. Wenn der Machthaber von Venezuela entf\u00fchrt wird und unter falscher Begr\u00fcndung angeklagt wird - weil es ja in\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/3d6eb16326d743baa56f5ece884b5d21","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18515,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/30\/thor-agena-a-und-kh-1\/","url_meta":{"origin":7047,"position":4},"title":"Thor Agena A und KH-1","author":"Bernd Leitenberger","date":"30. Januar 2026","format":false,"excerpt":"Heute gibt es wieder als Blog-Artikel einen kleinen Auszug aus dem aktuellen Buchmanuskript. Diesmal der Artikel \u00fcber die Thor Agena A, eine der fr\u00fchen Versionen die nicht oft flog. Der Artikel ist trotzdem l\u00e4nger geworden, weil eine der Neuerung, die ich beim laufenden Manuskript eingef\u00fchrt habe, ist das ich auch\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/8002b5135f8349af8dcfab89af02a721","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18488,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/16\/die-raumfahrtnachlese-2025\/","url_meta":{"origin":7047,"position":5},"title":"Die Raumfahrtnachlese 2025","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. Januar 2026","format":false,"excerpt":"Ich schiebe etwas sp\u00e4t eine kurze Raumfahrtnachlese f\u00fcr 2025 nach. Das auff\u00e4lligste ist nat\u00fcrlich der rasante Anstieg der Starts bzw. Startversuche, 325 waren es letztes Jahr. Eine Steigerung um 58 gegen\u00fcber letztem Jahr und damit nicht nur in der H\u00f6he ein Rekord, sondern auch im Zuwachs. Nur mal als Vergleich\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/25bb1cf6b21949af835bc77482e531d6","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7047\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}