{"id":7049,"date":"2012-09-15T00:34:20","date_gmt":"2012-09-14T22:34:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7049"},"modified":"2012-09-13T09:46:05","modified_gmt":"2012-09-13T07:46:05","slug":"die-raumliche-orientierung-von-raumsonden-und-satelliten-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/09\/15\/die-raumliche-orientierung-von-raumsonden-und-satelliten-teil-2\/","title":{"rendered":"Die r&auml;umliche Orientierung von Raumsonden und Satelliten &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>T.J. hat mich zu einem zweiten Artikel inspiriert, der auch weil er mit 2 K etwas lang ist in zwei Teilen im Blog erscheint, man findet ihn aber auch auf der Website, wenn man weiss, wo dort die Neuigkeiten verzeichnet sind ;-). Das Thema ist nicht gerade meine Kernkompetenz, sondern eher etwas f&uuml;r einen Gastblog (ich weis dass einige aus der Raumfahrtindustrie das lesen, also wenn Fehler gefunden werden, bitte mailen). In diesem Artikel geht es um die Feststellung der r&auml;umlichen Lage (<a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/09\/14\/die-raumliche-orientierung-von-raumsonden-und-satelliten-teil-1\/\">gestern<\/a>) und wie man sie ver&auml;ndern kann (morgen). Den ganzen Artikel findet ihr auch in der Website und zwar <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ausrichtung-satelliten.shtml\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<!--more--><\/p>\n<h2>Lageregelung<\/h2>\n<p>Die Feststellung der Lage alleine ist nutzlos, wenn man diese nicht ver&auml;ndern kann. Auch hier ein historischer R&uuml;ckblick. Die ersten Satelliten und Raumsonden nutzten dazu alleine einen Antrieb, also kleine Raketentriebwerke mit einem kleinen Schub (typisch: 0,2 bis 5 N) um die Sonde oder den Satelliten zu drehen. Je nachdem wie gro&szlig; der Antriebbedarf ist, kann man dazu Druckgas (wie z.B. Stickstoff: Eingesetzt z.B. bei Mariner 8-10, <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/viking.shtml\">Viking<\/a>, bei allen Missionen war die Ersch&ouml;pfung des Druckgases verantwortlich f&uuml;r das Missionsende), einen katalytisch zersetzbaren Treibstoff (in den sechziger Jahren Wasserstoffperoxid, heute Hydrazin) oder eine lagerf&auml;hige Treibstoffkombination nutzen. Das Letzte kommt vor allem zum Einsatz bei geostation&auml;ren Satelliten, die ja auch ein Antriebssystem haben, um aus der &Uuml;bergangsbahn in die geostation&auml;re Bahn zu gelangen. Hydrazin wird heute noch als monergoler Treibstoff von vielen US-Raumsonden genutzt. Allerdings wird es dort oft durch andere Systeme erg&auml;nzt. Sofern eine Raumsonde aber nicht zu viele Drehungen und Neuausrichtungen durchfuhren muss, wie dies z.B. bei Vorbeiflugsonden der Fall ist, kann man Treibstoff als einzige Lage&auml;nderungsm&ouml;glichkeit vorsehen. <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/voyager-sonde.shtml\">Voyager 1+2<\/a>, aber auch <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/new-horizons2.shtml\">New Horizons<\/a> haben nur Treibstoff um sich zu drehen oder neu auszurichten und bei Voyager wird der Treibstoff weit &uuml;ber das Jahr 2025 hinaus reichen, wenn der Strom soweit abgesunken ist, dass man kein wissenschaftliches Instrument mehr betrieben kann und damit auch die Notwendigkeit der Drehung wegf&auml;llt (vorher dreht sich die Sonde regelm&auml;&szlig;ig um die Z-Achse um mit dem Magnetometer und Plasmawelleninstrument einen 360\u00b0 Kreis um die Sonde abzufahren).<\/p>\n<p>Triebwerke mit ihrer endlichen Ressource Treibstoff werden aber aus einem anderen Grunde auch ben&ouml;tigt: Nur mit ihnen ist es nicht nur m&ouml;glich die Lage im Raum, sondern auch die Bewegung zu &auml;ndern. Bei Raumsonden z.B. die Bahn zu ver&auml;ndern und bei Satelliten einer Kollision auszuweichen. Bei geostation&auml;ren Satelliten ist auch ein Drift aus der Ausgangsposition durch das unregelm&auml;&szlig;ige Schwerefeld der Erde zu kompensieren. Heute setzen sich bei immer l&auml;ngeren Lebensdauern mehr und mehr Ionentriebwerke durch, die weitaus weniger Treibstoff ben&ouml;tigen. Sie werden bei geostation&auml;ren Satelliten schon teilweise zur Lagekontrolle eingesetzt, weil diese bei den heute geforderten Lebensdauern von 12-15 Jahren sonst zu zwei Dritteln aus Treibstoff bestehen w&uuml;rden. Der Antriebsbedarf f&uuml;r Bahnver&auml;nderungen ist bei geostation&auml;ren Satelliten h&ouml;her als bei niedrig fliegenden Satelliten, da diese nicht immer &uuml;ber dem gleichen Ort bleiben m&uuml;ssen. Eine Ausnahme sind sehr erdnahe Satelliten, die es heute aber kaum noch gibt. Spionagesatelliten hatten fr&uuml;her um eine erdnahe Bahn aufrecht zu erhalten sehr viel Treibstoff an Bord, da die obere Atmosph&auml;re sehr stark bremst. Bei der ISS, die sich in einer erdnahen Umlaufbahn befindet werden pro Jahr noch einige Tonnen Treibstoff ben&ouml;tigt. Schon das Anheben der Station mit ATV 2\/3 von 346 auf 407 km, H&ouml;he reduziert den Treibstoffbedarf um mehr als die H&auml;lfte. Oberhalb 500 km H&ouml;he ist die Lebensdauer der Bahn so hoch, dass der Treibstoffbedarf f&uuml;r ein Absinken kleiner ist als der f&uuml;r andere Man&ouml;ver wie dem Ents&auml;ttigen der Drallr&auml;der oder dem Ausweichen wenn Weltraumschrott auf Kollisionskurs ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/intelsat4a.jpeg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"366\" align=\"left\" \/>Die Stabilisierung der r&auml;umlichen Lage kann auch passiv erfolgen. So war bei Kommunikationssatelliten bis in die achtziger Jahre die &uuml;bliche Technik, dass die zylinderf&ouml;rmigen Satelliten um ihre eigene Achse rotierten und ein Motor die Antenne in die Gegenrichtung drehte, sodass in der Summe die Antenne auf die Erde ausgerichtet blieb. Auch fr&uuml;he <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/wettersatelliten.shtml\">Wettersatelliten<\/a> (TIROS) arbeiteten nach diesem Prinzip. Dabei wurde das Bild streifenweise aus Scanzeilen zusammengesetzt. Meteosat setzt in der aktuellen Generation (MSG) auch noch die Spinnstabilisierung ein. Ein rotierender K&ouml;rper ist durch die Rotation stabil. Aus demselben Grund werden auch Projektile durch spiralf&ouml;rmige Vertiefungen in den L&auml;ufen von Gewehren und Kanonen in Rotation versetzt. (Bild links: INTELSAT 4A, gestartet Ende der siebziger Jahre)<\/p>\n<p>Heute &uuml;blich ist die Dreiachsenstabilisierung. Das bedeutet, der K&ouml;rper nimmt eine feste Position im dreidimensionalen Raum ein, er kann um jede Achse gedreht werden. Bei der Drallstabilisierung war eine Bewegung nur entlang der Rotationsachse m&ouml;glich ohne eine Nutation des Satelliten zu erzeugen. Um von einem in den anderen Zustand zu wechseln, gibt es verschiedene Techniken. Satelliten werden von den Raketenstufen &uuml;blicherweise in Rotation versetzt, bevor sie abgetrennt werden. Das vermeidet eine einseitige Aufheizung und bewirkt, dass die Solarpaneele zumindest periodisch von der Sonne beschienen werden und so die Batterien geschont werden. Um diese abzubauen, ist ein Jo-Jo System &uuml;blich: Gewichte an Seilen werden abgerollt und nehmen einen Gro&szlig;teil des Drehmomentes mit, analog wie, wenn ein Piroettendreher die Arme ausbreitet und die Rotation langsamer wird. Danach werden die Seile gekappt und die Gewichte fliegen weg. Das Drehmoment wird dabei in kinetische Energie umgewandelt. Den Restimpuls kann man dann mit den Triebwerken abbauen. Um einen Satelliten, nachdem er die Zielposition erreicht hat, in Rotation zu versetzen, werden dann Triebwerke in der Rotationsachse genutzt.<\/p>\n<p><!--werbungbeginn--> <!--#include virtual=\"nav\/werbung2.html\"--> <!--werbungend--><\/p>\n<p>Die Dreiachsenstabilisierung setzen die meisten Satelliten ein. Sie erm&ouml;glicht gr&ouml;&szlig;ere Solarpaneele. Bei der Drallstabilisierung sind diese an der Oberfl&auml;che des Zylinders angebracht und diese ist beschr&auml;nkt. Nur mit der Lagever&auml;nderung durch Triebwerke w&auml;re die Lebensdauer aber zu kurz oder der Satellit m&uuml;sste zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus Treibstoff bestehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/lro-reaction-wheel.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" align=\"right\" \/>Bei der Dreiachsenstabilisierung werden heute Reaktionsschwungr&auml;der und Control-Momentum-Gyros (CMG) eingesetzt. Reaktionsschwungr&auml;der sind massive R&auml;der, die von einem Elektromotor in rasche Rotation gebracht werden. (Typisch 6000 U\/min). Wird ein Rad in Rotation gebracht, so induziert es ein Drehmoment, das dann den ganzen Satelliten in die Gegenrichtung dreht. Mit drei R&auml;dern senkrecht zueinander positioniert, kann man somit die Lage in allen drei Raumachsen sehr feinf&uuml;hlig kontrollieren. Beim Erreichen der neuen Lage wird das Rad dann durch einen entgegengesetzten Impuls gestoppt. Mit der Zeit akkumulieren sich aber die in den Kreiseln gespeicherten Energien und die R&auml;der m&uuml;ssen entdrallt werden. Daf&uuml;r werden dann Triebwerke oder eine andere Stabilisierungstechnik ben&ouml;tigt. Da Reaktionsschwungr&auml;der sehr geringe Momente haben, die gr&ouml;&szlig;ten an Bord der <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/iss-index.shtml\">ISS<\/a> z.B. 4760 Nms, bei Satelliten eher 10-70 Nms, kann man heute mit Ionentriebwerken eine Des&auml;ttigung durchf&uuml;hren. Ein Ionentriebwerk wie der Boeing 702 Thruster hat einen Schub von 165 mN. Es kann das Moment eines 68 Nms Reaktionsschwungrades (ausreichend f&uuml;r einen bis zu 7000 kg schweren Satelliten) in 412 s abbauen. F&uuml;r Satelliten, die schnell neu ausgerichtet werden m&uuml;ssen, sind Reaktionsschwungr&auml;der wegen ihres geringen Moments allerdings nicht geeignet. (Bild rechts: Reaktionsschwungrad des Mondorbiters <a href=\"lro.shtml\">LRO<\/a>).<\/p>\n<p>Da Reaktionsschwungr&auml;der mechanisch hoch beanspruchte Systeme sind, haben viele Satelliten mehr als drei an Bord. &Uuml;blich ist ein Reserverad, das gekippt werden kann, um einen Ausfall in einer der drei Raumachsen abzufangen. Bei Hubble wurden sie ausgetauscht, bei <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/rosat.shtml\">Rosat<\/a> ging man nach dem Ausfall von zwei Schwungr&auml;dern zur Magnetfeldstabilisierung &uuml;ber, wegen der langsameren Drehung konnte man dann aber nur noch eine anstatt 30 Quellen pro Tag beobachten. Bei Dawn sind nach dem Besuch von Vesta auch zwei Schwungr&auml;der ausgefallen. Hier wird man mit den Triebwerken die Drehungen in einer Raumachse durchf&uuml;hren. Gen&uuml;gend Treibstoff gibt es bei dieser Sonde zum Gl&uuml;ck. Die ISS hat sogar sechs Schwungr&auml;der, je zwei pro Raumachse. Verglichen mit der Masse des Raumschiffs sind Reaktionsschwungr&auml;der recht leicht. Sie wiegen je nach Satellitengr&ouml;&szlig;e etwa 2-20 kg, weniger als ein Prozent der Satellitenmasse. Daher kann man Reserver&auml;der vorsehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/isss-cmg.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"532\" align=\"left\" \/>Bei sehr gro&szlig;en Satelliten oder der Raumstation ISS ist es gewichtsm&auml;&szlig;ig g&uuml;nstiger, anstatt mehrere Reaktionsschwungr&auml;dern einzusetzen, ein sehr gro&szlig;es Rad in Rotation zu bringen und dieses in einer in zwei Achsen kippbaren Plattform einzuspannen. Was man dann hat, ist im Prinzip eine Drallstabilisierung, nur im Inneren des Satelliten. Wird das schnell rotierende Rad gekippt, so induziert es eine entgegen der Kipprichtung gerichtete Kraft, die den ganzen Satelliten dreht, bis dieser die gew&uuml;nschte Orientierung im Raum erreicht hat. Auch hier ist dieses System redundant ausgelegt. CMG werden dauernd betrieben und die Drehungen werden durch das Kippen der CMG erzeugt. Das CMG von <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/skylab-station.shtml\">Skylab<\/a> wog 190 kg, davon entfielen 66 kg auf die Kreisel. Es war f&auml;hig die Station mit einem angekoppelten Apolloraumschiff, das sind rund 96 t Masse zu drehen. Je nach Achse war eine Drehung um bis zu 7 Grad\/s m&ouml;glich.\u00a0 (Bild links: Die vier Kreisel des CMG der ISS).<\/p>\n<p>Die dritte M&ouml;glichkeit ist es &auml;u&szlig;ere Einfl&uuml;sse zur Stabilisierung zu nutzen. Bei kleinen Satelliten ist es &uuml;blich, als passive Stabilisierung das Magnetfeld der Erde zu nutzen. Die Magnetfeldlinien verlaufen au&szlig;er an den Polen parallel zur Erdoberfl&auml;che. Wird nun im Erdmagnetfeld ein zweites Magnetfeld erzeugt, so wirkt eine Kraft auf den K&ouml;rper. Die Kraft ist bestrebt, die Absto&szlig;ungskr&auml;fte zu minimieren. Dies kennt man auch von Magneten, die sich absto&szlig;en. F&uuml;r eine gezielte Drehung m&uuml;ssen die Magnetfelder um den Satelliten asymmetrisch sein. Bei kleinen Satelliten (Nano- oder Picosats) reichen Permanentmagneten, die vorberechnet platziert sind. Sie haben dann nur eine vorgegebene r&auml;umliche Lage. Das ist jedoch bei diesen Satelliten, die oft nur ihre Kamera auf die Erde ausrichten wollen, ausreichend. Gr&ouml;&szlig;ere Satelliten verwenden Elektromagnete, die programmgesteuert ein\/ausgeschaltet werden k&ouml;nnen. Die durch das Magnetfeld induzierten Kr&auml;fte sind sehr klein, sodass man Satelliten nicht schnell drehen kann und sie h&auml;ngen von der Magnetfeldst&auml;rke (sowohl des Erdmagnetfeldes wie auch des erzeugten Feldes) ab, sodass diese Technik bei geostation&auml;ren Satelliten kaum effektiv ist und bei Merkur, Venus, Mond und Mars unwirksam ist. Bei den starken Magnetfeldern von Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun w&auml;re es aber dort eine sehr effektive Technik, wurde aber bisher noch nicht genutzt. Der Hauptvorteil ist, dass es keine mechanisch beweglichen Teile gibt, damit gibt es nicht die M&ouml;glichkeit, wie bei R&auml;dern, dass diese ausfallen. Weiterhin ben&ouml;tigt man keinen Treibstoff und muss keine Momente ents&auml;ttigen wie bei den Reaktionsschwungr&auml;dern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/mariner4.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"380\" align=\"right\" \/>Experimentell nutzte man zumindest bei den ersten <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner34.shtml\">Mariner Sonden<\/a> Sonnensegel. Das Licht hat einen Strahlungsdruck, der auf jede Fl&auml;che wirkt. Er ist aber klein und betr&auml;gt nur 9 N\/km\u00b2. Um die 0,165 N des obigen Ionentriebwerks zu ersetzen, m&uuml;sste ein Solarsegel &uuml;ber 18.000 m\u00b2 gro&szlig; sein. Trotzdem sind die Kr&auml;fte &uuml;ber l&auml;ngere Zeiten nicht zu verachten, denn sie akkumulieren sich. So hatte der <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mco.shtml\">Mars Climate Orbite<\/a>r nur ein gro&szlig;es Sonnensegel, dass daher eine asymmetrische Kraft auf das Raumschiff aus&uuml;bte. Zur Kompensation dieser Kraft, aber auch Ents&auml;ttigung der Reaktionsschwungr&auml;der, musste man regelm&auml;&szlig;ig die Triebwerke z&uuml;nden was auch Bahnver&auml;nderungen verursachte, die man dann auch kompensieren musste. Die &Uuml;berkompensation dessen war Ursache des Verlustes dieses Marssatelliten. (Bild rechts: die Fl&auml;chen am Ende der Solarpaneele sind Sonnensegel die bei Mariner 3+4 erprobt wurden)<\/p>\n<p>Die letzte Stabilisierung ist die durch den Gravitationsgradienten. Auch wenn ein Satellit schwerelos ist, so ist doch ein Teil des Satelliten weiter von der Erdoberfl&auml;che entfernt als der andere. Das bedeutet, die Anziehungskraft ist am einen Ende h&ouml;her als beim anderen. Was passiert ist, dass sich der Satellit solange dreht, bis er eine Lage erreicht hat, bei dem die Unterschiede minimal sind. Wenn der Satellit z.B. die Form eines langen Zylinders hat, so ist die optimale Lage die, bei der die L&auml;ngsachse parallel zur Erdoberfl&auml;che ist. Bei Skylab nutzte man diesen Effekt, um die CMG dieser Station zu ents&auml;ttigen, die genutzt wurden, um die Station zu drehen, wenn Erdbeobachtungen anstanden. Der Gravitationsgradient drehte die Station wieder in die Horizontale und ents&auml;ttigte dabei die CMG. Als die Station direkt nach dem Start in eine andere Lage gebracht werden musste, um die Auswirkungen des Ausfalls des Mikrometoritenschutzschilds zu minimieren, verbrauchte sie in 10 Tagen rund ein Drittel des Stickstoffdruckgases.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/goce.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"478\" align=\"left\" \/>F&uuml;r kleine Satelliten, die sehr nahe der Erde sind und auch nur begrenzte Lebensdauer haben, wurde auch die aerodynamische Stabilisierung vorgeschlagen \u2013 in niedriger H&ouml;he ist die Atmosph&auml;re dicht genug, dass abstehende Fl&auml;chen vom Satelliten (zum Beispiel schr&auml;g nach hinten angebrachte Solarpaneele) zur Stabilisierung genutzt werden k&ouml;nnen. Im Normalfall ist man aber an einer aerodynamischen Form interessiert, um die Abbremsung zu minimieren. So hatten die Satelliten des Keyholeprogramms die in erdnahen Umlaufbahnen operierten\u00b4, die Form eines F&uuml;llers (ein Zylinder mit einer Kegelspitze) und auch der ESA-Satellit GOCE ist aerodynamisch geformt, damit die Atmosph&auml;re die Gravitationsfeldmessungen m&ouml;glichst wenig st&ouml;rt. (Bild links).<\/p>\n<p>Heute bildet die Lagefeststellung und die Lageregelung ein eigenes System, das \u201eAttitude and Orbital Control System\u201c (AOCS). F&uuml;r viele Satelliten kann man es aus Standardbauteilen wie Reaktionsschwungr&auml;dern in verschiedenen Gr&ouml;&szlig;en, Treibstofftanks mit abgestuften Abmessungen und Triebwerken mit gebr&auml;uchlichen Sch&uuml;ben zusammenstellen. F&uuml;r Kommunikationssatelliten mit definierten Startmassen ist das AOCS\u00a0 Bestandteil eines weitgehend fertig vorkonfektionierten Satellitenbusses der dann nur noch an die funktechnische Nutzlast und ihre Anforderungen (Strombedarf, Lebendauer im Orbit) angepasst wird. F&uuml;r astronomische Satelliten mit sehr hohen Anforderungen wird es aber noch f&uuml;r diesen einen Einsatzzweck entwickelt. Dies ist auch ein Grund, warum diese Missionen meist deutlich teurer als gew&ouml;hnliche Satelliten sind.<\/p>\n<h3>Links \/ Referenzen<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.princeton.edu\/~stengel\/MAE342Lecture13.pdf\">http:\/\/www.princeton.edu\/~stengel\/MAE342Lecture13.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.princeton.edu\/~stengel\/MAE342Lecture13.pdf\">http:\/\/www.princeton.edu\/~stengel\/MAE342Lecture14.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reactionwheel.com\/resources\/reactionwheel.pdf\">http:\/\/www.reactionwheel.com\/resources\/reactionwheel.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ntrs.nasa.gov\/archive\/nasa\/casi.ntrs.nasa.gov\/20100021932_2010023824.pdf\">http:\/\/ntrs.nasa.gov\/archive\/nasa\/casi.ntrs.nasa.gov\/20100021932_2010023824.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spacecraftresearch.com\/files\/Brown_GNC2008.pdf\">http:\/\/www.spacecraftresearch.com\/files\/Brown_GNC2008.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T.J. hat mich zu einem zweiten Artikel inspiriert, der auch weil er mit 2 K etwas lang ist in zwei Teilen im Blog erscheint, man findet ihn aber auch auf der Website, wenn man weiss, wo dort die Neuigkeiten verzeichnet sind ;-). 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