{"id":705,"date":"2009-03-12T09:33:54","date_gmt":"2009-03-12T08:33:54","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=705"},"modified":"2012-06-28T19:08:15","modified_gmt":"2012-06-28T17:08:15","slug":"verschieben-wird-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/03\/12\/verschieben-wird-teuer\/","title":{"rendered":"Verschieben wird teuer"},"content":{"rendered":"\n<p>Martins Kommentare zu einigen der letzten Blogs brachten mich auf das heutige Thema. Er sprach an, dass man ja schon Geld in die Vinci Entwicklung gesteckt hat und sie heute dann sicher schneller und billiger w&auml;re. Schneller vielleicht, weil etwas Vorarbeit schon angefallen ist. Billiger wohl nicht. Zuerst mal zum Thema schneller: In 3 Jahren haben zwei Testtriebwerke insgesamt 2200 Sekunden akkumuliert. Es sollten einmal 8 Triebwerke werden und sicherlich wird man nicht weniger Tests fahren als beim Vulcain. Bei diesem waren es 86000 Sekunden bis zum Erststart und es kamen danach noch weitere Tests dazu. Vor allem nachdem beim Vulcain 2 sich ja Probleme herausstellten die man in den Tests nicht fand d&uuml;rfte es bei Vinci, das schwerer zu testen ist (Vakuum und Schwerelosigkeit sind schwer zu simulieren) nicht weniger sein.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Billiger wird es schon aus einem Grund nicht: Die rund 700 Millionen Euro f&uuml;r die Entwicklung waren im Wert von 2001, als die Entwicklung beschlossen wurde. Wenn man nun die Entwicklung neu aufnimmt d&uuml;rfte alleine die Inflationsrate daf&uuml;r sorgen das es teurer wird. Doch das ist nur ein Aspekt: Meiner Erfahrung nach werden Weltraumprojekte immer teuer wenn man sie verschiebt und zwar nicht ein bisschen, sondern massiv. Einige Beispiele:<\/p>\n<p>Galileo sollte z.B. einmal 285 Millionen Dollar kosten. Als 1979 klar war, dass sich der Space Shuttle versp&auml;ten w&uuml;rde und auch die Centaur Entwicklung offen war, ging man schon aufgrund dieser Verz&ouml;gerungen \/ konstruktiven &Auml;nderungen f&uuml;r Anpassungen an neue Tr&auml;gersysteme von Mehrkosten von 120-225 Millionen Dollar, je nach Startoption aus. Im Jahre 1982 waren es dann schon 700 Millionen Dollar. Urspr&uuml;nglich h&auml;tte die Raumsonde schon 1982 starten sollen. Als 1986 dann der Start wirklich anstand waren die Gesamtkosten auf 900 Millionen Dollar (700 Millionen f&uuml;r die Raumsonde und 200 Millionen f&uuml;r die Missionsdurchf&uuml;hrung) gestiegen. Nach der Challenger Katastrophe stiegen die Kosten f&uuml;r die Raumsonde auf 882 Millionen und die der Mission auf 472 Millionen.<\/p>\n<p>Die ISS ist ein zweites gutes Beispiel. Ihre Urspr&uuml;nge gingen zur&uuml;ck bis in die 80 er Jahre, als sie noch Freedom hie&szlig;. Damals sollte sie f&uuml;r 8 Milliarden Dollar gebaut werden. Doch w&auml;hrend man plante, machte die Challenger Katastrophe eine Revision des Konzeptes m&ouml;glich. Es konnte nicht gen&uuml;gend Fl&uuml;ge geben, um die Station in der geplanten Form zu bauen und es waren zu viele Au&szlig;enbordarbeiten notwendig. Bis Anfang der 90 er Jahre hatte die NASA alleine die urspr&uuml;nglich geplanten 8 Milliarden Dollar nur f&uuml;r die Planung und das Design ausgeben. Als dann die Russen mit ins Boot kamen, nahm endlich auch die Hardware Gestalt an. Die Fertigstellung wurde 1997 f&uuml;r 2004 geplant und die Kosten mit 61 Milliarden Dollar. Inzwischen ist 2004 verstrichen, die Kosten der USA haben schon vor 2 Jahren die 100 Milliarden Grenze gebrochen und sie steigen weiter.<\/p>\n<p>Warum ist dem so?<\/p>\n<p>Nun es hat zwei Ursachen: Zum einen: Die Bauteile f&uuml;r die meisten Dinge in der Raumfahrt bekommt man nicht im Baumarkt nebenan. Es sind Spezialanfertigungen, und selbst wenn es handels&uuml;bliche Teile sind &quot;Fachausdruck &quot;off the shelf&quot;) dann muss gew&auml;hrleistet sein, dass diese auch verf&uuml;gbar sind wenn man sie braucht. Ein Satellit hat Entwicklungszeiten von einigen Jahren. Selbst das kann schon bei Elektronikkomponenten ein Problem sein. Versuchen sie einfach einmal einen neuen Athlon 3000 Prozessor, ein Standardbauteil von 2005 zu bekommen. Noch schwieriger ist es bei Tr&auml;gerraketen oder dem Space Shuttle, also Systemen die &uuml;ber Jahrzehnte im Einsatz sind. Die NASA wie andere Raumfahrtagenturen l&ouml;sen dies damit, dass sie Vertr&auml;ge mit allen Zulieferern, selbst f&uuml;r die kleinste Schraube abschlie&szlig;en. Sie bezahlen daf&uuml;r auch noch nach Jahrzehnten Teile bestellen zu k&ouml;nnen, die der Hersteller sonst nicht mehr fertigen w&uuml;rde. Ganz einfach weil dies noch billiger ist als laufend alle Subsysteme neu qualifizieren zu m&uuml;ssen, weil Teile ausgetauscht wurden.<\/p>\n<p>Die NASA hat so vorgerechnet, dass es &uuml;ber 2 Milliarden pro Jahr zus&auml;tzlich kosten w&uuml;rde, die Space Shuttles &uuml;ber 2010 noch aktiv zu halten &#8211; Das sind Fixkosten die einfach auflaufen ohne dass ein Start durchgef&uuml;hrt wird.<\/p>\n<p>Mit dem verbunden ist nat&uuml;rlich auch ein Personalaufwand. Teile alleine n&uuml;tzen nichts wenn niemand sich mit Ihnen auskennt. Es wird Erfahrung ben&ouml;tigt: Wie man sie herstellt, einbaut, wartet, wie sie ins Gesamtsystem sich einf&uuml;gen. Auch daf&uuml;r zahlt die NASA. Sonst k&ouml;nnte ein Hersteller auf die Idee kommen einfach gen&uuml;gend Bauteile zu produzieren, einzulagern und dann die antike Produktionsstra&szlig;e zu verschrotten und die Mitarbeiter zu entlassen. So beendete die NASA schon 2008 einige Kontrakte f&uuml;r den Space Shuttle. Schon im Oktober 2008 wurden beispielsweise 200 Arbeiter in Michoud entlassen, wo der externe Tank produziert wird. Es werden bis 2010 noch weitere 1300 der 1900 Arbeiter sein.<\/p>\n<p>Daher: Die ESC-Bi Entwicklung wird wohl nicht billiger werden, eher teurer. Das hei&szlig;t aber nun nicht, dass die ESC-B Entwicklung aufgeschoben werden sollte. Im Gegenteil. Wenn Europa durch das EGAS Programm 1 Milliarde Euro an Subventionen f&uuml;r Arianespace zahlt, dann sollte es doch das Eigeninteresse sein, dass dieser Produktionszuschuss nicht notwendig ist, indem die Nutzlast erh&ouml;ht wird und die Kosten pro Kilogramm sinken. Sonst wird bald eine neue Finanzspritze f&auml;llig (EGAS l&auml;uft dieses Jahr aus). Noch unverst&auml;ndlicher ist es dann in meinen Augen zum einen die Ariane zu subventionieren und auf der anderen Seite dann auch noch den Umbau von ELA2 in ein Launchpad der Sojus mit zu finanzieren. Arianespace mag ein Interesse daran haben und die Russen auch &#8211; aber hat es Europa? Ich meine das eher umgekehrt ein Schuh draus wird. Wenn die Russen ihre Raketen von Kourou aus starten d&uuml;rfen, sollten sie das CSG mit finanzieren, bei dem die ESA ja auch zuzahlt. Die eingesparten Millionen k&ouml;nnte man in die ESC-B Entwicklung stecken. <\/p>\n<p>Noch ein kleiner Irrtum Martin: F&uuml;r Planetensonden braucht man keine Wiederz&uuml;ndbarkeit. Das vereinfacht die Mission etwas, die Startfenster werden gr&ouml;&szlig;er, aber alle Raumsonden die Europa bislang startete kamen ohne Wiederz&uuml;ndung aus. Auch Herschel\/Planck kommen ohne aus. Das gleiche gilt f&uuml;r die meisten fr&uuml;hen russischen Starts und alle Starts von Ranger, Lunar Orbiter, Surveyor und Mariner bis zur letzten Sonde, (vorher war der NASA die Wiederz&uuml;ndung der Centaur zu riskant). Die ESC-B d&uuml;rfte aber die Nutzlast erh&ouml;hen. Zum Mond z.B. um 4 t (von 6.8 auf 10.8 (nach diesen <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;source=web&amp;ct=res&amp;cd=3&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.authorstream.com%2FPresentation%2FSigfrid-39660-Iranzo-Ariane5-LOFARworkshop-Ariane-5-European-Launcher-Space-Exploration-Flight-already-options-Entertainment-ppt-powerpoint%2F&amp;ei=HMG4SZyLBJSTsAatqYmzCA&amp;usg=AFQjCNGLHsm8pf1X6I8mqAn4u815S7iAZw&amp;sig2=8W5EdD0-yCmX-xSnJY2yJw\"> Angaben<\/a>, ich finde sie etwas zu hoch und halte 9 t f&uuml;r realistischer).<\/p>\n<p>Nun zu dem Thema an dem man heute morgen wohl nicht vorbei kommt: Der Amoklauf von Winnenden. Wie immer kommt danach die Frage: H&auml;tte man das verhindern k&ouml;nnen? Ich denke die Waffengesetzte sind streng genug. Was will man da noch &auml;ndern? Wie will man verhindern, das Eltern bei denen das Verantwortungsbewusstsein nicht so ausgepr&auml;gt ist (oder das Vertrauen in die eigenen Kinder zu gro&szlig;) ihnen Zugang zu Waffen erlauben? Sollen nun an jeder Schule Metalldetektoren aufgestellt werden? Und wie soll das praktisch gehen angesichts des Metalls in Schulranzen, Taschen, F&uuml;llern oder am K&ouml;rper (bis hin zu Piercings &#8211; ich stelle mir mal die Szene vor wenn sich Sch&uuml;ler ausziehen m&uuml;ssen wegen eines Bauchnabelpiercings). Zumindest eines scheint bislang klar zu sein: Der T&auml;ter f&auml;llt nicht in die Stereotypen, welche die Politik so gerne bem&uuml;ht: Ego-Shooter Spieler und Waffennarr. Ich glaube man wird nichts tun k&ouml;nnen gegen Leute die durchdrehen. Wenn man sie von Waffen fernh&auml;lt, dann klauen sie vielleicht ein Auto und fahren damit mit Vollgas in der gro&szlig;en Pause auf den Schulhof. Es ist m&ouml;glich aus vielen Dingen eine Waffe zu machen. Den einzigen konstruktiven Vorschlag denn ich habe w&auml;re eine bessere psychologische Betreuung der Sch&uuml;ler &#8211; und zwar dauerhaft, damit es gar nicht zu solchen Verzweiflungstaten kommt. Dazu geh&ouml;rt aber eine Einstellungspolitik die auch daf&uuml;r sorgt, dass die Schulen ausreichend mit Sozialarbeitern und Psychologen ausgestattet sind. Aber das kostet Geld, und Geld hat unser Staat nur f&uuml;r Materialinvestitionen &uuml;brig. Das kennt man ja vom Krisenpackt II, aber auch an unserer Hochschule ist es nicht anders. Ein Cluster f&uuml;r 250.000 Euro ist kein Problem, aber eine Dauerstelle f&uuml;r jemanden der ihn betreut? Unm&ouml;glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martins Kommentare zu einigen der letzten Blogs brachten mich auf das heutige Thema. Er sprach an, dass man ja schon Geld in die Vinci Entwicklung gesteckt hat und sie heute dann sicher schneller und billiger w&auml;re. Schneller vielleicht, weil etwas Vorarbeit schon angefallen ist. Billiger wohl nicht. 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