{"id":7113,"date":"2012-09-28T00:35:18","date_gmt":"2012-09-27T22:35:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7113"},"modified":"2012-09-28T16:01:27","modified_gmt":"2012-09-28T14:01:27","slug":"fragen-zu-mehl-und-brot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/09\/28\/fragen-zu-mehl-und-brot\/","title":{"rendered":"Fragen zu Mehl und Brot"},"content":{"rendered":"<p>So weiter geht es mit den Ern&auml;hrungsfragen. Heute zwei aus dem Bereich Mehl und Backwaren.<\/p>\n<h2>Was hat es mit den Typenzahlen bei Mehl auf sich?<\/h2>\n<p>Die Typenzahl gibt das Gewicht der Asche an, wenn man das Mehl verascht. Sie ist damit ein Ma&szlig; f&uuml;r den Mineralstoffgehalt. Das Getreidekorn besteht aus mehreren Schichten. Von au&szlig;en nach innen sind dies die Frucht- und Samenschale, diese ist besonders reich an Ballaststoffen (rund 25%), die Aleuronschicht, die zu 32% aus hochwertigen Eiwei&szlig; entsteht, der Mehlk&ouml;rper, der fast nur aus St&auml;rke besteht und der Keimling, der zu je etwa 30% aus Fett und Eiwei&szlig; besteht.<!--more--><\/p>\n<p>Bei der M&uuml;llerei wird das Korn gemahlen und durch Sieben werden die Bestandteile abgetrennt, die zu grob sind. Je feiner man das Korn mahlt, desto weniger Mehl bekommt man und desto feiner ist es. So enth&auml;lt Mehl mit einer niedrigen Typenzahl (Bsp: 405 f&uuml;r Wei&szlig;brot und Br&ouml;tchen 550 f&uuml;r helles Brot) wenig Mineralstoffe, weil es fast nur aus dem Mehlk&ouml;rper besteht und dunkles Mehl mehr der &auml;u&szlig;eren schalen, und damit mehr Eiwei&szlig;, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Alle diese stecken in den &auml;u&szlig;eren Mehlschichten. Der Keimling enth&auml;lt &Ouml;l, das reich an mehrfach unges&auml;ttigten Fetts&auml;uren und fettl&ouml;slichen Vitaminen ist.<\/p>\n<p>&Auml;hnliche Typenzahlen zwischen Weizenmehl und Roggenmehl entsprechen unterschiedlichen Ausmahlungsgraden, Roggenmehl ist mineralstoffreicher. So entspricht bei Weizen der Typ 550 einem Ausmahlungsgrad von 64-71%, aber bei Roggen der Typ 815 einem Ausmahlungsgrad von 69-72%. Vollkornmehle haben keine Typenzahl. Sie entsprechen aber vom Mineralstoffgehalt her dem Typ 1700 bei Weizen und 2200 bei Roggen.<\/p>\n<h2>Warum ben&ouml;tigt man f&uuml;r Roggenmehl Sauerteig und kann nur aus Roggen und Weizen Brot backen?<\/h2>\n<p>Verantwortlich daf&uuml;r, dass beim Backen das Brot nicht nur durch die von den Hefen gebildete Kohlens&auml;ure aufgeht, sondern auch diese Struktur erhalten bleibt, sind Proteine im Mehl. Nur Weizenmehl enth&auml;lt Gluten, ein Protein, auch als \u201eWeizenkleber\u201c bezeichnet. &Auml;hnliche Proteine, kommen auch in anderen Getreidearten vor, wie z.B. Hafer, aber nur bei Weizenmehl ist das Gluten f&auml;hig einen elastischen, leicht knetbaren und zusammenhaltenden Teig zu bilden, der beim Backen dann eine stabile Krume bildet, welche nicht zusammenf&auml;llt.<\/p>\n<p>Roggen hat diese Eigenschaft nicht von Hause aus. Hier erh&auml;lt man den gleichen Effekt zum einen durch Pentosane, bestimmte Kohlenhydrate aus der Gruppe der Schleimstoffe, aber auch Eiwei&szlig;e. Diese quellen aber beim normalen pH-Wert des Mehles nicht auf, sondern nur im sauren Milieu, etwa bei pH 4,2. Dazu setzt man Sauerteig an. Wenn man Hefeteig lange stehen l&auml;sst, so siedelt sich neben den Hefen eine Bakterienflora an, die unter anderem Milchs&auml;ure aber auch charakterliche Aromastoffe bildet. Der Teig muss zur Bildung von Sauerteig bis zu 15-20 Stunden ruhen.<\/p>\n<p>Die nat&uuml;rliche Herstellung von Sauerteig verl&auml;uft folgenderma&szlig;en: Dem Sauerteig der heute zum Backen verwendet wird, wird ein Teil entnommen (Anstellsauer) und dieser mit der vielfachen Menge an Mehl und Wasser vermischt und bei 25 Grad ruhen gelassen. (Anfrischsauer). Nach einiger Zeit wird dieser Teig erneut mit dem mehrfachen an Mehl und Wasser vermischt und nun l&auml;ngere Zeit bei 35 Grad stehen gelassen. Es entsteht der Grundsauer. Wenn man ihn dann nochmals mit Mehl und Wasser vermischt und erneut bei 26 Grad ruhen l&auml;sst entsteht der Vollsauer, der nun am n&auml;chsten Tag f&uuml;r die Brotproduktion zur Verf&uuml;gung steht. Er beinhaltet eine gemischte Flora aus Hefen, Essigs&auml;ure- und Milchs&auml;urebakterien. Die Menge hat sich dabei rund verzweihundertfacht. Aus einem halben Kilo Anstellsauer erh&auml;lt man 100 kg Vollsauer, der f&uuml;r die Produktion von mrh als 200 kg Roggenbrot ausreicht. Dann kommen Mehl, B&auml;ckerhefe und Wasser hinzu und der endg&uuml;ltige Teig entsteht. Viele B&auml;cker scheuen diesen Prozess der 15-20 Stunden dauern kann. Sie verwenden den Anfrischsauer direkt, dieser senkt den pH-Wert soweit ab, dass die Pentosane aufquellen, die Teiglockerung wird dann durch die zugesetzten Hefen bewirkt. Bei dem Einsatz von Vollsauer, bei dem sich nicht nur Bakterien, sondern auch Hefen stark vermehrt haben, ben&ouml;tigt man weniger als die H&auml;lfte der Hefemenge f&uuml;r Weizenmehl. Die dreistufige F&uuml;hrung tr&auml;gt dem Rechnung dass sich Hefen, milchs&auml;urebildende und essigs&auml;urebildende Bakterien bei unterschiedlichen Temperaturen vermehren. Die niedrige Temperatur anfangs (20-25\u00b0C) beg&uuml;nstigt die Essigs&auml;urebakterien, die mittlere Temperatur die Hefen (25-30\u00b0C), die hohe Temperatur (30-35\u00b0C) die Milchs&auml;urebakterien. Daher ist der Teig anfangs reich an Essigs&auml;ure und der Anfrischsauer kann so den pH-Wert einer gro&szlig;en Teigmenge absenken.<\/p>\n<p>Diese traditionelle Vorgehensweise wird heute oft durch Kurzsauer abgel&ouml;st, wo sauer wirkende Backhilfsmittel den pH-Wert absenken. Zuggeben wird dann nur noch Anfrischsauer, wenn &uuml;berhaupt. Dann fehlen aber die Aromastoffe des Natursauerteigs. Auch bei Weizenmehl sind heute Backhilfsstoffe, vor allem Enzyme &uuml;blich. Sie sind n&ouml;tig wegen der kurzen Ruhezeiten von Teigen in Industriebetrieben und der Tatsache, dass Weizen auf hohen Ertrag gez&uuml;chtet wurde und Enzyme, die St&auml;rke abbauen, Proteine vernetzen etc. kaum noch vorhanden sind. Sie sind aber f&uuml;r den Teig wichtig. Ohne sie gibt es Backfehler: Der Teig geht nicht gut auf, die Kruste wird weich, es gibt gro&szlig;e Luftl&ouml;cher im Teig oder er rei&szlig;t innen auf. Diese Enzyme werden genauso wie andere Substanzen die die Backeigenschaften verbessern sollen oder den Teig in Backstra&szlig;en bearbeitbar machen sollen zugesetzt (ohne Diacetylweins&auml;ureester w&uuml;rde er z.B. an den Metallblechen kleben bleiben. Emulgatoren stabilisieren die Luft im Teig. Sie sorgen f&uuml;r viele kleine Luftl&ouml;cher, sonst ist die Neigung zur Bildung weniger gro&szlig;er L&ouml;cher gegeben. Reduktionsmittel wie L-Ascorbins&auml;ure oder Cystein reduzieren intermolekulare Br&uuml;cken des Kleberproteins, wodurch der Teig leichter knetbar wird.<\/p>\n<p>Aber Weizen- und Roggenmehl kann man, wenn man gen&uuml;gend Zeit hat, auch ohne Zusatzstoffe zu Brot verarbeiten. Mit allen anderen Getreidemehlen (popul&auml;r: Gerste, Mais, Hafer, Dinkel aber auch Kartoffelmehl) geht dies nicht. Aus ihnen kann man nur Fladen herstellen. So ist auch der Zusatz solcher Mehle zu Broten begrenzt, wenn die Backeigenschaften nicht zu sehr leiden sollen. Schon Roggenbrot ist dichter und geht nicht so sehr auf wie Weizenbrot. Sogenannte \u201eMehrkornbrote\u201c sind zwar popul&auml;r, aber ern&auml;hrungsphysiologisch nicht wertvoller als normales Brot. Die gerne aufgestreuten und dann an der Kruste ger&ouml;steten Samen sehen zwar sch&ouml;n aus, sind durch die Hitzebehandlung und unzerkleinert aber nahezu unverdaulich. Wichtiger w&auml;re es vielmehr, anstatt diesen K&ouml;rnerbroten mehr Vollkornprodukte zu essen. Roggenbrot gibt es &uuml;brigens nur in Mittel, Ost- und Nordeuropa, weil Roggen noch unter klimatischen Bedingungen w&auml;chst, bei denen der Wizen nur wenig Ertrag liefert. Daher wurde er bei uns als Brotgetreide genutzt. Woanders kann man mit dem s&auml;uerlichen Geschmack des Brotes nichts anfangen und h&auml;lt es f&uuml;r verdorben. Die Sendung Quarks &amp; Co lies einmal Pumpernickel von ARD-Korrespondenten in der ganzen Welt verkosten und erhielt dabei Urteile wie \u201eungenie&szlig;bar\u201c und \u201edas ist doch Hundefutter\u201c&#8230;.<\/p>\n<p>So vorteilhaft das Gluten f&uuml;r die Backeigenschaften ist, so ist es auch Ausl&ouml;ser f&uuml;r eine Autoimmunkrankheit, die Z&ouml;liakie. (siehe S.190). Personen die diese haben m&uuml;ssen Produkte aus Weizenmehl (St&auml;rke ist kein Problem) meiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So weiter geht es mit den Ern&auml;hrungsfragen. Heute zwei aus dem Bereich Mehl und Backwaren. Was hat es mit den Typenzahlen bei Mehl auf sich? Die Typenzahl gibt das Gewicht der Asche an, wenn man das Mehl verascht. Sie ist damit ein Ma&szlig; f&uuml;r den Mineralstoffgehalt. Das Getreidekorn besteht aus mehreren Schichten. 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