{"id":7130,"date":"2012-11-10T00:40:54","date_gmt":"2012-11-09T23:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7130"},"modified":"2012-10-17T12:38:10","modified_gmt":"2012-10-17T10:38:10","slug":"der-kommerzielle-satellitenmarkt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/11\/10\/der-kommerzielle-satellitenmarkt-2\/","title":{"rendered":"Der kommerzielle Satellitenmarkt 2"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/wp.me\/p7C6H-1QY\" target=\"_blank\">ersten Teil<\/a> um den kommerziellen Satellitenmarkt ging es um den Markt. In diesem zweiten Teil beginnt die Vorstellung der Tr&auml;ger die sich dort tummeln. Fangen wir mit den drei Marktf&uuml;hrern an. Im <a href=\"http:\/\/wp.me\/p7C6H-1R5\" target=\"_blank\">dritten Teil<\/a> geht es dann um die Tr&auml;ger die noch nicht so viele Starts absolviert haben.<!--more--><\/p>\n<h2>Die Tr&auml;ger<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/ariane-5-eca.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"1190\" align=\"left\" \/><br \/>\nEs folgt nun nach Starts in den letzten Jahren geordnet die Tr&auml;ger, die in diesem Segment aktiv sind, bzw. Auftr&auml;ge haben. Der Tr&auml;ger mit den h&auml;ufigsten Starts also an erster Position, der Tr&auml;ger mit bisher 0 kommerziellen Starts (Falcon 9\/Heavy) am Ende.<\/p>\n<h3>Ariane 5<\/h3>\n<p>Das neueste Modell der Ariane 5, die <a href=\"\/ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5 ECA<\/a> ist seit 2002 im Einsatz. Der Jungfernflug scheiterte, aufgrund eines Designfehlers des Vulcains 2. Der zweite Start erfolgte erst 2004. Seitdem gab es keinerlei Probleme und Ariane 5 hat 50 erfolgreiche Fl&uuml;ge in Folge absolviert.<\/p>\n<p>Die Nutzlast wurde durch Optimierungen seit dem Jungfernflug leicht gesteigert und liegt nun bei &uuml;ber 10 t. Der Startpreis wurde in den letzten Jahren nicht mehr publiziert. Teilt man aber die Jahresbilanz von Arianespace durch die Anzahl der Fl&uuml;ge, so kommt man auf einen Startpreis von etwa 160 Millionen Euro, das passt auch zu der Aussage des Arianespace Chefs Le Gall, das Ariane pro Kilogramm genauso teuer wie die Proton w&auml;re, denn dies entspricht ungef&auml;hr 144 Millionen Dollar f&uuml;r einen 6 t Satelliten.<\/p>\n<p>Arianespace musste seit Jahren von der ESA gest&uuml;tzt werden. Zuerst f&uuml;r vier Jahre mit 960 Millionen Euro. Ziel sollte es auch sein die Produktion so umzustellen, dass danach keine Subvention n&ouml;tig ist. Doch das ist nicht erfolgt. Seitdem sind weitere 120 Millionen Euro pro Jahr n&ouml;tig. Die Industrie sagte verbindlich zu, dass die <a href=\"\/ariane-5-midlife-evolution.shtml\">Ariane 5 ME<\/a> ME: Midlife Evolution, fr&uuml;here Bezeichnung Ariane 6 ECB, mit der ESC-B Oberstufe) keine Subvention n&ouml;tig h&auml;tte, da diese neue Oberstufe die Nutzlast auf rund 12 t anhebt, die Produktionskosten aber gleich bleiben sollen. Die Entwicklung wird Teil des ESA-Konzils sein. Vor 2017\/8 ist aber nicht mit einem Einsatz zu rechnen. Es gibt leider auch einen franz&ouml;sischen Vorsto&szlig; die Ariane 5 nicht weiter zu entwickeln und stattdessen eine neue Tr&auml;gerrakete zu bauen, die nur die H&auml;lfte deren Nutzlast hat. Die ESA wird sich f&uuml;r eines von beiden entscheiden m&uuml;ssen, derzeit sieht es aber besser f&uuml;r die Weiterentwicklung der Ariane 5 aus, auch weil EADS\/Astrium sich daf&uuml;r ausgesprochen haben.<\/p>\n<p>Von allen Tr&auml;gern hat die Ariane 5 die h&ouml;chste Zuverl&auml;ssigkeit und auch die meisten Starts durchgef&uuml;hrt, auch wenn Arianespace nicht mehr den Markt so dominiert, wie in den neunziger Jahren. Als problematisch wird angesehen, dass Ariane 5 als teuerster Tr&auml;ger davon lebt, dass sie zwei Satelliten gleichzeitig starten kann. Bei immer schwereren Satelliten ist es aber schwierig, ein leichtes Gegenst&uuml;ck zu finden. Daher auch die Initiative der Industrie die Nutzlast auf 12 t anzuheben. Das w&uuml;rde den Start eines schweren mit einem mittelgro&szlig;en Satelliten gleichzeitig erlauben. Der zweite Vorschlag von Frankreich vertritt das genaue Gegenteil: ein kleinerer Tr&auml;ger, der nur einen Satelliten transportiert.<\/p>\n<p>Insgesamt erfolgten bisher 64 Starts, davon zwei Fehlstarts und zwei stark abweichende Umlaufbahnen. Anders als bei den anderen Tr&auml;gern traten die Fehlstarts aber noch auf ,w&auml;hrend die Ariane jung war. Seit 2004 erfolgte kein Fehlstart mehr. Anders als die meisten anderen Modelle ist die Ariane 5 vollst&auml;ndig von den kommerziellen Auftr&auml;gen abh&auml;ngig. Bei den anderen Mustern dominieren Starts f&uuml;r die Regierung, die so eine Grundauslastung der Produktion ergeben.<\/p>\n<h3>Proton<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/proton-m-breeeze-n.jpg\" alt=\"\" width=\"656\" height=\"1000\" align=\"right\" \/>Die Geschichte der <a href=\"\/proton.shtml\">Proton<\/a> ist bis in die j&uuml;ngere Zeit wechselhaft. F&uuml;r kommerzielle Zwecke wurde sie modernisiert und um eine neue Oberstufe erweitert, da die alte nicht f&uuml;r Transporte in den GTO-Orbit ausgelegt war. Es entstand 2001 die Proton M (m f&uuml;r Modernisiert). Russland setzte noch einige Jahre lang die Version Proton K ein und nach wie vor die alte Oberstufe Block DM2. Vermarktet wird sie von ILS (International Launch Systems). Urspr&uuml;nglich von den Herstellern der Atlas und Proton &#8211; Lockheed Martin und Chrunitschew gegr&uuml;ndet, gab es Streit &uuml;ber die Vermarktung der Atlas. Die Kunden bevorzugten die Proton. Versuche von Lockheed Martin seinen Partner zum Anheben der Startpreise zu bewegen, scheiterten. Daraufhin verkaufte Lockheed Martin die Anteile an eine US-Investorengesellschaft.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat die Proton M, mit der Breeze-M Oberstufe, die seit 2001 im Dienst ist eine erschreckend niedrige Zuverl&auml;ssigkeit. Die meisten Fehlstarts beruhten auf der neuen Breeze M Oberstufe. Doch auch Starts mit anderen Oberstufen, wie sie f&uuml;r russische Nutzlasten noch &uuml;blich sind, scheiterten. Das ist f&uuml;r einen Tr&auml;ger, dessen Erstflug schon fast vierzig Jahre zur&uuml;ckliegt sehr ungew&ouml;hnlich. Von 58 Starts bis zum 1.9.2012 der Proton M scheiterten 5, das ist eine Zuverl&auml;ssigkeit von nur 91,4%.<\/p>\n<p>Die Proton war einmal ein sehr g&uuml;nstiger Tr&auml;ger. Die Startpreise sind jedoch in den letzten Jahren bedingt durch die hohe Inflation in Russland stark angestiegen.\u00a0 Der Kunde profitiert davon, dass er nur den Preis zahlt, der seiner Satellitenmasse entspricht.\u00a0 2011 kostet der Start des 3,76 t schweren Asiasat 111 Millionen Dollar. Inzwischen hat die Proton auch erstmals Doppelstarts durchgef&uuml;hrt &#8211; eine Dom&auml;ne, die bisher nur Ariane 5 hatte. Allerdings ist bei 6 t maximaler Nutzlast es schwer dieses Feature auszunutzen. Die Nutzlast ist relativ gering, weil die Oberstufe Breeze-M das Apog&auml;um anhebt und die Inklination durch mehrfache Z&uuml;ndungen abbaut, um einen mit dem Start vom &Auml;quator aus vergleichbaren Orbit zu erreichen. Sonst w&uuml;rde der Satellit sehr viel seines eigenen Treibstoffs ben&ouml;tigen, um die hohe Inklination abzubauen.<\/p>\n<p>Seit Langem ist eine kryogene Oberstufe geplant (eine solche hat Chrunitschew f&uuml;r Indien in Auftrag entwickelt), doch sie wird wahrscheinlich nicht mehr kommen. Sie wird nun f&uuml;r die Angara als Oberstufe angegeben.<\/p>\n<p>ILS plant die Proton auch nach Einf&uuml;hrung der Angara einzusetzen. Zumindest bis diese einige Einsatzjahre hinter sich hat und bew&auml;hrt ist. Da die Angara Jahre hinter dem Zeitplan her hinkt und Starts der leistungsf&auml;higeren und f&uuml;r GTO Missionen vorgesehenen Modelle erst in einigen Jahren zu erwarten sind wird die Proton sicher ihr 50-J&auml;hreiges Einsatzjahr (2014) &uuml;berleben.<\/p>\n<h3>Zenit<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/zenith3sl.jpeg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"627\" align=\"left\" \/>Die ukrainische Zenit wird von Sea Launch vertrieben. Auch hier handelt es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen des ukrainischen Herstellers und westlichen Partnern. Hinter Sea Launch stehen der Hersteller der <a href=\"\/zenit.shtml\">Zenit<\/a> KB Juschoje, RKK Energija, Hersteller der russischen Oberstufe <a href=\"\/block-d.shtml\">Block DM<\/a>, Boeing als westlicher Vertriebspartner (Hersteller von Satelliten und der Delta 4) und Aker aus Norwegen als Hersteller der Startplattform.<\/p>\n<p>Die Zenit wird von einer umgebauten &Ouml;lbohrplattform vom Pazifik aus gestartet. Diese hat schon die Explosion einer Zenit auf der Startrampe &uuml;berlebt. Der Vorteil ist, dass die Rakete so vom &Auml;quator aus starten kann, genauso wie Ariane 5. Die Proton startet dagegen von Baikonur aus mit einer Bahnneigung von 51 Grad. Damit die Nutzlast in einem energetisch gleichwertigen Orbit gelangt, muss die Breeze-M das Apog&auml;um anheben, was viel Nutzlast kostet. F&uuml;r kleinere Nutzlasten steht als Variante die Zenit 3 LL (LL steht f&uuml;r Land Launch) zur Verf&uuml;gung, die von Baikonur aus startet. Auch hier ist wie bei der Proton die Anhebung des Perig&auml;ums von 200 auf 4.100 km n&ouml;tig, um einen energetisch gleichwertigen Orbit wie beim Start vom &Auml;quator aus zu erreichen. Die Nutzlast betr&auml;gt dann nur noch 3.600 kg anstatt &uuml;ber 6.000 kg. Die Starts der Land Launch Variante gingen auch weiter als Sea Launch unter Chapter 11 des US-Insolvenzrechts war. Am 22. Juni 2009 musste Sea Launch Insolvenz, nach US-Insolvenzrecht Chapter 11, anmelden. Grund f&uuml;r die Insolvenzanmeldung war &Uuml;berschuldung \u2013 Aktiva von gesch&auml;tzten 100 bis 500 Millionen US-Dollar standen Verbindlichkeiten von bis zu zwei Milliarden US-Dollar entgegen. 2011 entkam die Firma dem Chapter 11. Seitdem hat Sea Launch innerhalb eines Jahres vier Starts durchgef&uuml;hrt. Auch Russland nutzt nun die Tr&auml;gerrakete wieder &ouml;fter. Anders als die Proton wurde die Zenit nach Spaltung der Sowjetunion in einzelne Republiken vor allem f&uuml;r kommerzielle Starts genutzt. Von 40 Starts schlugen zwei fehl. Bei zwei weiteren konnten die Satelliten im Orbit nicht ihre Solarzellen entfalten. Ein Zusammenhang mit dem Start wird nicht ausgeschlossen. Vieles spricht daf&uuml;r, dass diese Satelliten nicht kompatibel mit der Nutzlastverkleidung waren und beim Start besch&auml;digt wurden. Dies hat sich aber nicht auf die Auftragslage ausgewirkt. Die Zuverl&auml;ssigkeit mit 95% (mit den besch&auml;digten Satelliten nur 90%) ist daher nicht sehr hoch.<\/p>\n<p>Lange Zeit hatten die Proton und Zenit gleich viele Starts pro Jahr. Die Krise von Sea Launch hat dazu gef&uuml;hrt, dass die Proton in den letzten Jahren erheblich mehr Zulauf bekam. Bedingt dadurch dass die Proton sich nun aber als ein sehr unzuverl&auml;ssiges Modell herausstellt, k&ouml;nnte sich dies wieder &auml;ndern, vor allem waren vor der Krise die Startzahlen ansteigend auf 4-5 Starts pro Jahr. Seit dem Erststart 1999 hat Sea Launch insgesamt 33 Starts auf See und 7 an Land durchgef&uuml;hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Teil um den kommerziellen Satellitenmarkt ging es um den Markt. In diesem zweiten Teil beginnt die Vorstellung der Tr&auml;ger die sich dort tummeln. Fangen wir mit den drei Marktf&uuml;hrern an. 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