{"id":7177,"date":"2012-10-13T00:27:25","date_gmt":"2012-10-12T22:27:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7177"},"modified":"2012-10-13T02:55:15","modified_gmt":"2012-10-13T00:55:15","slug":"skytron","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/10\/13\/skytron\/","title":{"rendered":"Skylon"},"content":{"rendered":"<p>Ich wurde gefragt was ich von diesem Konzept hatte, und muss sagen, ich hatte bisher nichts davon geh&ouml;rt. Wenn das verwundert, ich verfolge nicht jedes Konzept das es irgendwie schafft gen&uuml;gend Kapital f&uuml;r Entwicklungen zu bekommen, denn ich habe schon zu viele scheitern gesehen (Kistler, Kelly Aerospace, Rocketplane &#8230;) und die wo es schaffen pr&auml;sentieren dauernd irgendwelche neuen Entwicklungen ohne viel &uuml;ber die Technik zu verlieren, machen es also Berichterstattern unn&ouml;tig schwer (SpaceX, Scaled Composites, Bigelow).<\/p>\n<p>Also habe ich mir zuerst einmal angesehen, was die Wikipedia und der Hersteller dr&uuml;ber schreibt. So wie es dort steht haben wir ein Flugzeug, dass ab Mach 5,4 auf einen Raketenantrieb umschaltet. Sofort fallen mir einige Wenn&#8217;s auf:<!--more--><\/p>\n<p>Ich kenne kein Triebwerk, das gleichzeitig wie ein Raketentriebwerk arbeitet oder wie ein D&uuml;sentriebwerk. Scramjets oder Staustrahltriebwerke kommen zwar ohne die Turbinen aus, die Luft komprimieren und die man bei D&uuml;sentriebwerken braucht und &auml;hneln so schon mehr einem Raketentriebwerk als einem D&uuml;sentriebwerk, aber sie ben&ouml;tigen daf&uuml;r einen gro&szlig;en Luftstrom, arbeiten also erst bei hohen Machzahlen. Derzeit erproben DoD und NASA solche Konzepte und hier beschleunigt eine Pegasus-Erststufe den Scramjet auf die erforderliche Geschwindigkeit. So war dies auch bei den Konzepten vorgesehen, als man in den f&uuml;nfziger Jahren an Scramjets dachte um Atomwaffen nach Russland zu bef&ouml;rdern. Diese Konzepte wurden dann zugunsten der Interkontinentalrakete aufgegeben.<\/p>\n<p>Das Sabre Triebwerk scheint irgendetwas dazwischen zu sein. Vorne hat es eine normale Turbine, dann folgt ein Raketentriebwerk. Nun sind aber die Turbinen sehr hohen Temperaturbelastungen bei hohen Geschwindigkeiten ausgesetzt, denn ihre Rotorbl&auml;tter erzeugen viel Widerstand.<\/p>\n<p>Die NASA arbeitete in den Achtzigern an der Erforschung eines Systems das den Shuttle ersetzen k&ouml;nnte. Es bestand aus einer Grundstufe mit Staustrahltriebwerken, die eine herk&ouml;mmliche Raketenoberstufe startet. Sie stellten es ein, weil sie massive Probleme bekamen. Nicht mit den Triebwerken, sondern der Reibung bei Mach 6. Die Oberfl&auml;che erhitzte sich soweit, dass auch hochtemperaturfeste Werkstoffe an Stabilit&auml;t verloren. Schon das schnellste Flugzeug das gebaut wurde, die SR-71 erreichte an den Triebwerkseinl&auml;ssen 480 &#8211; 585 \u00b0C. Das nimmt mit h&ouml;herer Geschwindigkeit stark zu, auch ein Grund, warum Jagdflugzeuge sich auf Mach 2 beschr&auml;nken. Ein weiterer Grund ist der hohe Treibstoffverbrauch. Bei der SR-71 betrug der Treibstoffanteil 47% bei 4.800 km Reichweite. Beim A-380 sind es bei 47% bei 14.200 km Reichweite. Der Treibstoffverbauch ist also dreimal so hoch. Der Effekt ist auch bei der Concorde zu sehen, die mit 51% Treibstoffanteil nur 6660 km weit kam.<\/p>\n<p>Ich kann nicht beurteilen ob dieses Triebwerk technisch m&ouml;glich ist, aber es wird dieselben Temperaturprobleme haben wie die NASA Entwicklungen die schlie&szlig;lich, weil sie nicht l&ouml;sbar waren aufgegeben wurden und es wird Treibstoff ben&ouml;tigt um Mach 5,4 zu erreichen und nach der R&uuml;ckkehr wieder zu landen. Nehmen wir an, dies w&auml;re doppelt so viel wie die SR-71 ben&ouml;tigt und wir reden von einer Gesamtstrecke f&uuml;r den angetriebenen Flug in der Atmosph&auml;re so sind dies schon 19% der Startmasse bei Kerosin, entsprechend rund 6,3% bei Wasserstoff.<\/p>\n<p>Das leitet mich zum n&auml;chsten Punkt &uuml;ber. Ich halte die angegebene Nutzlast f&uuml;r unm&ouml;glich. F&uuml;r den mit Raketenantrieb zur&uuml;ckgelegten Teil kann man mit bekannten Gleichungen rechnen. Nehmen wir an, das Triebwerk erreicht die Leistung des SSME (Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit 4460 m\/s) und eine Gesamtgeschwindigkeit von 9.100 m\/s (1.300 m\/s Gravitationsverluste und H&ouml;henarbeit) so muss bei einem Start mit Mach 5,4 (1837 m\/s) noch 7263 m\/s aufgebracht werden. Nach der Ziolkowski Gleichung muss dann das Start\/Endlmasseverh&auml;ltnis 5,096 betragen. Bei 56 t im Orbit also rund 285,38 t beim Start. Nun betr&auml;gt die Startmasse aber nur 275 t und dies ist die mit dem Wasserstoff den man auch in der Atmosph&auml;re braucht. Bei einer Landung von 66 t Wasserstoff und 150 t Sauerstoff (nach Hersteller( betr&auml;gt das Verh&auml;ltnis 2,27:1. Raketentriebwerke arbeiten mit 6:1, also rund 41 t Wasserstoff wurden verbraucht um die Geschwindigkeit Mach 5,4 zu erreichen. Das passt auch zu den 250 t Sauerstoff aus der Luft die bis dahin aufgenommen wurden (6,09 zu 1).<\/p>\n<p>Nur betr&auml;gt dann die Startmasse beim Start mit Mach 5,4 nur noch 234 t und im Orbit sollten dann noch 46 t ankommen &#8211; 5 t anstatt 12 t Nutzlast.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste ist die Frage wo der Treibstoff denn hinkommen soll. Das Skylon hat eine maximalen Durchmesser von 6,25 m und eine L&auml;nge von 82 m. Da es pfeilf&ouml;rmig geformt ist, nehme ich mal als Volumen die H&auml;lfte eines Zylinders dieser Gr&ouml;&szlig;e an. Davon gehen noch 12,3 m f&uuml;r die Nutzlastbucht ab. Das w&auml;re ein Volumen von 920 m\u00b3. 66 t LH2 haben ein Volumen von 956 m\u00b3, 150 t LOX 132 m\u00b3. Das sind also schon mal mehr, als das Innenvolumen betr&auml;gt,<\/p>\n<p>Das n&auml;chste ist dann die Rechnung ob es sich finanziell lohnt. Wie beim Space Shuttle wird eine Reduktion der Kosten in den Orbit versprochen. Sie sollen nur noch 800 Euro\/kg betragen. Doch daf&uuml;r m&uuml;sste man 12 Milliarden Dollar investieren. Erstmals: Gerade das Shuttle lehrte, dass es nicht so einfach ist. Es flog weniger oft, die Wartung war teuer und lang andauernd. Das k&ouml;nnte auch beim Skylon so sein. Selbst wenn: Es geh&ouml;rt sich f&uuml;r eine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht nur den Treibstoff und den Flugk&ouml;rper zu berechnen sondern auch die Entwicklungskosten. 12 Milliarden f&uuml;r 12 t Nutzlast sind viel. Bei Ariane 6 rechnet man mit mehr Nutzlast mit nur 4 Milliarden. Also diese 8 Milliarden mehr, m&uuml;sste man auf die Fl&uuml;ge umrechnen.<\/p>\n<p>Vor allem gibt es aber nicht die Nutzlasten. 12 t gelangen nur in einen 300 km Equatorialorbit. Schon zur ISS, werden es weniger sein, wenn ich obige Zahlen nehme, wahrscheinlich nur noch 9-10 t. Der lukrative Transport in den GTO geht gar nicht. Damit wird es sicher nicht viele Fl&uuml;ge geben, denn wir reden ja von einem europ&auml;ischen System. Auftr&auml;ge seitens der US-Regierung gibt es dann nicht und in Europa allerh&ouml;chstens die wenigen Fl&uuml;ge der Vega oder Sojus in erdnahe Orbits. Wenn man eine zus&auml;tzliche Stufe mitf&uuml;hrt unter g&uuml;nstigen Umst&auml;nden vielleicht noch 6 t. Diese ist nat&uuml;rlich nicht wiederverwendbar und erh&ouml;ht dann den Startpreis dramatisch. Doch dies nur wenn es wirklich 12 t sind. Wie oben errechnet sind es eher 5 t. Bei 12 t Nutzlast d&uuml;rfte das Gef&auml;hrt nach Verbrauch der 41 t LH2 entweder nur noch eine Endgeschwindigkeit von 8460 m\/s (mit Verlusten) erreichen oder es m&uuml;sste eine Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit von 4890 m\/s aufweisen, was technisch unm&ouml;glich ist, vor allem wenn man die kurzen Entspannungsd&uuml;sen sieht. Wie alle Einstufenkonzepte ist Skylon sehr anf&auml;llig gegen&uuml;ber dem Ansteigen der Leermasse. Hier sind es 43 t Leermasse und nur 12 t Nutzlast. Steigt sie nur um 10%, so kostet das ein Drittel der Nutzlast. Dabei ist diese schon sehr g&uuml;nstig gerechnet. Nur als Vergleich, der Space Shuttle Tank, der nicht einen Wiedereintritt &uuml;bersteht wiegt 27,2 t bei 8,38 m Durchmesser und 47 m H&ouml;he Skylon ist schlanker (6,25 m Durchmesser) aber fast doppelt so lang (82 m).<\/p>\n<p>Also ich sehe viele Wenn&#8217;s und Aber&#8217;s. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren, nur bezweifle ich dass ein privater Unternehmer die 12 Milliarden Entwicklungkosten zusammenbekommt und wenn, dann ist der Markt relativ klein.<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde gefragt was ich von diesem Konzept hatte, und muss sagen, ich hatte bisher nichts davon geh&ouml;rt. 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