{"id":7201,"date":"2012-11-04T00:29:02","date_gmt":"2012-11-03T23:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7201"},"modified":"2012-10-17T12:31:19","modified_gmt":"2012-10-17T10:31:19","slug":"die-erforschung-der-venus-und-die-spekulationen-uber-leben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/11\/04\/die-erforschung-der-venus-und-die-spekulationen-uber-leben-2\/","title":{"rendered":"Die Erforschung der Venus und die Spekulationen &uuml;ber Leben \u2013 2"},"content":{"rendered":"<p>Am 14.121962 passierte die Raumsonde Mariner II die Venus und ihr Radiometer pr&auml;zisierte die Werte &uuml;ber die Tenperatur. Die NASA ver&ouml;ffentlichte als Ergebnis, dass die Oberfl&auml;chentemperatur 425\u00b0C betrugt und es nur geringe Temperaturvariationen gab. Auf einem Fleck war es nur 11 Grad k&auml;lter. Was dieser Fleck sein k&ouml;nnte, war offen. Russische Wissenschaftler vermuteten einen Berg, heute denken wir eher es ist das Hochland Ischtar Terra.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/mariner2.jpeg\" alt=\"Mariner 2\" width=\"530\" height=\"480\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Mariner II konnte die Wolkenuntergrenze in 72 km H&ouml;he ausmachen (93\u00b0C) und die Obergrenze bei 97 km und einer Temperatur von -55\u00b0C. Ein Magnetfeld wurde nicht festgestellt, keine Elektronen um den Planeten, auch keinen Strahlungsg&uuml;rtel. Wasserdampf war in der Atmosph&auml;re nicht nachweisbar, damit musste es weniger als ein Tausendestel der Wassermenge der irdischen Atmosph&auml;re geben und der Bodendruck wurde auf 20 Bar angenommen.<\/p>\n<p>1964 vermisst das Aercibo Radar die Venus und bestimmt die Dopplerverschiebung zur&uuml;ckgestreuter Strahlen. Damit wurde erstmals die Oberfl&auml;chenrotation bestimmt: Die Venus dreht sich in 243 Tagen und zwar retrograd. (Gegen die Richtung in der alle anderen Planeten rotieren).<\/p>\n<p>1967 passieren zwei Raumsonden die Venus. Venera 4 taucht in die Atmosph&auml;re ein und bleibt bis zu einem Druck von &uuml;ber 20 bar aktiv, obwohl sie nur bis 7,2 bar Au&szlig;endruck ausgelegt war. Trotzdem verstummt sie in knapp 25 km H&ouml;he. Mariner 5 findet erstmals Wasserdampf in kleinen Mengen in der Atmosph&auml;re und liefert nun ein genaueres Druck- und Temperaturprofil. Kohlendioxid sollte den Hauptbestandteil der Atmosph&auml;re stellen (72 bis 87%), Die Temperatur am Boden konnte nicht genau bestimmt werden und je nach Art wie die Daten ausgewertet wurden kam man auf Temperaturen zwischen 267 und 540\u00b0C. Daf&uuml;r wurde der Bodendruck mit 75 bis 100 Bar nun richtig eingesch&auml;tzt. Der Mariner 5 Vorbelfug wurde auch genutzt die astronomische Einheit auf 200 m genau und den Venusradius und die Masse zu bestimmen. Man erhielt 81,5% der Erdmasse und einen Radius von 6048 km. Vorher hatte man 6072 km angenommen, was die Sowjets, die Annahmen ihre Venera 4 w&auml;re auf der Oberfl&auml;che aufgesetzt. Bei dem kleineren Radius musste sie aber in &uuml;ber 20 km H&ouml;he ausgefallen sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/mariner5.jpeg\" alt=\"Mariner 5\" width=\"640\" height=\"445\" align=\"right\" \/>1969 machten die Russen den n&auml;chsten versuch einer Landung auf der Venus. Obwohl nun die verbesserten Daten von Mariner 5 vorlagen, waren die Sonden noch nicht f&uuml;r den Au&szlig;endruck von 90 Bar der an der Oberfl&auml;che herrscht ausgelegt. Venera 5-+6 waren druckfest bis zu einem Au&szlig;endruck von 25 bis 30 bar. Venera 5+6 fielen in 12 bzw. 23 km H&ouml;he aus. Die Daten beider Sonden lieferten ein Druck- und Temperaturprofil, dass wenn man es bis zur Oberfl&auml;che extrapoliert die richtigen Daten f&uuml;r Druck und Temperatur lieferte: 500\u00b0C und 100 bar Druck. Sie bestimmten auch noch genauer die Zusammensetzung der Atmosph&auml;re.<\/p>\n<p>Mit diesen Erkenntnissen wurde Venera 7 f&uuml;r einen Druck von 180 Bar und eine Au&szlig;entemperatur von 530\u00b0C ausgelegt und mit einem Fallschirm dessen Leinen bei 200\u00b0C schmolzen sank sie auch schneller durch die &uuml;ber 70 km hohe Atmosph&auml;re. Sie erreichte den Boden und funkte erstmals noch von der Oberfl&auml;che Daten zur Erde.<\/p>\n<p>Daraufhin konnte man bei Venera 8 (1972) die Sonde optimieren, den Schutzschild wieder reduzieren und den Abstieg noch mehr beschleunigen, da nun klar war, dass die Venusatmosph&auml;re in Bodenn&auml;he mehr einer Fl&uuml;ssigkeit als einem Gas &auml;hnelt. Venera 8 machte beim Abstieg zahlreiche Messungen. Sie identifizierte mit einem Lichtmesser mehrere Wolkenschichten und stellte fest dass auch noch zur Oberfl&auml;che licht kommt und bestimmte beim Abstieg das Bodenprofile, das sich als sehr flach entpuppte. Sogar der Gehalt an Radiogenen Elementen in der Kruste wurde bestimmt und er entsprach dem von Granit. Damit konnte Russland an die Konstruktion einer neuen Generation von Raumsonden gehen die auch Bilder des Bodens aufnahmen, chemische Analysen und andere Oberfl&auml;chenuntersuchungen, Diese Kapseln waren nun nicht mehr vorrangig f&uuml;r die Atmosph&auml;renuntersuchung als vielmehr f&uuml;r einen extrem kurzen aber m&ouml;glichst viele Erkenntnisse liefernden Oberfl&auml;chenbetrieb.<\/p>\n<p>Von 1975 bis 1982 landeten sechs dieser scheren Sonden auf der Venus. Venera 9+10 machten die ersten Aufnahmen von der Oberfl&auml;che eines anderen Planeten, die Wiederholung in Farbe scheiterte bei Venera 11+12 wegen eines Konstruktionsfehlers (die Kameradeckel schmolzen beim Abstieg) und gelang dann bei Venera 13+14. (Bild unten)<\/p>\n<p>Mit den beiden Landern Vega 1+2 wurden 1985 dann nochmals zwei Sonden gestartet die zwar wie ihre Vorg&auml;nger &uuml;berschwer waren, aber deren Fokus erneut wieder auf der Atmosph&auml;renforschung beim Abstieg lag. Sie setzten auch jeweils zwei Ballone aus, die von Frankreich stammten und deren Drift in der Atmosph&auml;re &uuml;ber zwei Tage beobachtet wurden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/venera13-i.jpeg\" alt=\"Venera 13 Panorama\" width=\"1000\" height=\"211\" align=\"right\" \/>Dazwischen lag die Mission von Venera 15+16. Sie waren die ersten Raumsonden mit einem abbildenden Radar. Dazu kamen andere Fernerkundungsinstrumente wie ein von Frankreich stammendes Spektrometer. Beide Sonden machten eine Radarkarte der n&ouml;rdlichen Halbkugel, bedingt dadurch, dass die Sonden sich auf elliptischen Bahnen um den Planeten befanden in denen sie sich bis auf 65.000 km Entfernung von der Venus entfernten konnten sie nur die Hemisph&auml;re gut abbilden &uuml;ber der der planetenn&auml;chste Punkt lag. Die Aufnahmen hatten eine Aufl&ouml;sung von 1-2 km. mehr als 10 mal besser als die von Pioneer Venus, aber doch bald von der Magellanmission in den Schatten gestellt. Auf den aufnahmen konnte man erkennen, dass die Venusoberfl&auml;che sehr glatt war und auch kaum Einschlagskrater aufweist &#8211; F&uuml;r K&ouml;rper mit mehr als 1 km Durchmesser ist die Venusatmosph&auml;re genauso durchl&auml;ssig wie die der Erde und es befanden sich erstaunlich wenige Krater auf der Venus.<\/p>\n<p>Die USA sandten nur wenige Missionen zur Venus. 1974 passierte Mariner 10 den Planeten, allerdings nur um ihn als Sprungbrett zum Merkur zu nutzen. Sie machte zahlreiche Aufnahmen und fertigte Spektren an. Str&ouml;mungen die der irdischen Hadley Str&ouml;mung entsprechen konnten auf der Venus nachgewiesen werden. Seite Mariner 10 gilt die Venus als der Traumplanet aller Atmosph&auml;renforscher. Alle Ph&auml;nomene die man auf der Erde nur andeutungsweise angedeutet sieht, kann man auf der Venus in Reinform sehen wie atmosph&auml;rische Str&ouml;mungen, Treibhauseffekt und Zerst&ouml;rung der Ozonschicht oder der Einfluss von Aerosolen auf die Atmosph&auml;re.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/venera14-ii.jpeg\" alt=\"Venera 14 Panorama\" width=\"992\" height=\"206\" align=\"right\" \/>Dem folgten 1978 die Pioneer Venus Doppelmission. Pioneer Venus 1, ein Orbiter untersuchte die Venusumgebung und die Atmosph&auml;re und machte erstmals eine grobe Radarkarte der Oberfl&auml;che, aber nur mit 20 bis 100 km pro Pixel. Es gab schon vorher genauere Aufnahmen von der Erde aus, aber sie waren auf eine Hemisph&auml;re und den &Auml;quator beschr&auml;nkt. Pioneer Venus zeigte, dass die Oberfl&auml;che sehr flach ist. Es gibt nur eine gr&ouml;&szlig;ere Landmasse die sich stark vom Profil abhebt. Die Schwestersonde Pioneer Venus 2 setzte vier Atmosph&auml;rensonden aus, welche die russischen Messungen der zeitgleich gestarteten Venera 11+12 best&auml;tigten.<\/p>\n<p>Offen war auch lange Zeit, ob die Venus einen Mond hat. Immer wieder wurde einer vermeldet, konnte aber nie von anderen Beobachtern identifiziert werden. Selbst als Mariner 10, die erste Raumsonde mit einer Kamera an Bord (vorher hielt man dies wegen der strukturlosen Atmosph&auml;re nicht f&uuml;r n&ouml;tig) an der Venus vorbeiflog, war der Suche nach Monden noch ein Punkt auf dem Forschungsprogramm: mehrmals nahm die Raumsonde rund um den Planeten ganze Areale des Weltraums auf. Gefunden wurde kein Satellit.<\/p>\n<p>Magellan fertigte dann von 1990 bis 1994 die bisher genauste Karte der Venus mit rund 250 m Aufl&ouml;sung mit einem Radarger&auml;t an. Die Venusoberfl&auml;che ist demnach jung, maximal 500 bis 800 Jahre alt. Es gibt Vulkane aber kaum Krater und keine tektonischen Br&uuml;che.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/venera13-ii.jpeg\" alt=\"Venera 13 Panorama\" width=\"1000\" height=\"210\" align=\"left\" \/>Seit 2005 umkreist Venus Express den Planeten. Er untersucht vor allem die Atmosph&auml;re und die Plasmaumgebung. Seine Daten, die mit denen von Pioneer Venus verglichen wurden zeigten, dass sich die Zusammensetzung der Atmosph&auml;re in den letzten 30 Jahren stark &auml;nderte. Das wird auf einen heute noch aktiven Vulkanismus zur&uuml;ckgef&uuml;hrt. Ein japanischer Orbiter Akatsuki, der noch detaillierte Aufnahmen der Atmosph&auml;re machen sollte, scheiterte 2011 beim Einschwenken in den Orbit. Eventuell wird er die Venus erst in einigen Jahren erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14.121962 passierte die Raumsonde Mariner II die Venus und ihr Radiometer pr&auml;zisierte die Werte &uuml;ber die Tenperatur. Die NASA ver&ouml;ffentlichte als Ergebnis, dass die Oberfl&auml;chentemperatur 425\u00b0C betrugt und es nur geringe Temperaturvariationen gab. Auf einem Fleck war es nur 11 Grad k&auml;lter. Was dieser Fleck sein k&ouml;nnte, war offen. Russische Wissenschaftler vermuteten einen Berg, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[196,195,108],"class_list":["post-7201","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-mariner","tag-venera","tag-venus","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":470,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18430,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/06\/treibstoffgewinnung-auf-dem-mars\/","url_meta":{"origin":7201,"position":0},"title":"Treibstoffgewinnung auf dem Mars","author":"Bernd Leitenberger","date":"6. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Bis es eine Kolonie auf dem Mars gibt wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, wenn \u00fcberhaupt. 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