{"id":7222,"date":"2012-10-21T00:03:28","date_gmt":"2012-10-20T22:03:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7222"},"modified":"2013-07-04T07:59:29","modified_gmt":"2013-07-04T05:59:29","slug":"mars-one-meine-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/10\/21\/mars-one-meine-meinung\/","title":{"rendered":"Mars One \u2013 Meine Meinung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Heute ein Gastbeitrag von Thierry Gschwindt:<\/p>\n<p>Ihr habt sicher alle vom Mars One Projekt geh&ouml;rt: <a href=\"http:\/\/mars-one.com\/en\/\">http:\/\/mars-one.com\/en\/<\/a><\/p>\n<div>Ich habe lange dar&uuml;ber nachgedacht, ob das Ding durchzuziehen ist.<\/div>\n<\/div>\n<p>Das Konzept ist es, eine Marsmission zustarten, bei dem die Astronauten auf dem Mars bleiben. Bei jedem Fenster werden zus&auml;tzliche Leute hingeschickt. Finanziert soll das ganze, mit dem als die gr&ouml;sste Realityshow aller Zeiten verkauft wird. Es wird dann eine Realityshow, bei dem man nie mehr aus dem Container, und bei dem die Teilnehmer auch sterben k&ouml;nnen. Findet man Leute daf&uuml;r? Ohne Zweifel. Bei einem Erfolg haben die ersten einen Platz in der Weltgeschichte neben Kolumbus, Magellan, Roald Amundsen und Neil Amstrong. Geht man drauf, ist man auch ein Held (erster Mensch, der nicht auf der Erde starb) Auf einem Aspekt anderer Realityshow sollte man aber tunlichst vermeiden, dass sich die Teilnehmer hassen und dauernd die Fetzen fliegen. Braucht es auch nicht, ein Superteam bringt auch die Quoten.<!--more--><\/p>\n<p>Findet man Sponsoren? Momentan noch nicht, die Idee ist noch genug konkret, damit sie die Kassen &ouml;ffnen, aber wenn man bedenkt welche Summen ausgeben werden, damit man an einem Grosssportanlass pr&auml;sent ist, dann sieht es gut aus. Auch f&uuml;r die jetzigen Partner und Zulieferer kann es schon interssant, z.B. SpaceX. F&uuml;r Elon Musks Ego kann es nicht gross genug geben. Schliesslich w&uuml;rde seine Firma, die ersten Menschen auf dem Mars bringen. Und der Name SpaceX w&uuml;rde allen bekannt sein, die k&ouml;nnten dann ihren Slogan &auml;ndern: \u201eSpaceX \u2013 We brought the first man to Mars.\u201c Oder so &auml;hnlich.<\/p>\n<p>Wenn dann die Astronauten auf dem Mars in ihren Anz&uuml;gen rumspazieren, werden diese vermutlich mit allerlei Logos von Sponsoren bedeckt sein. Die ersten Bilder werden bis in alle Ewigkeit pr&auml;sent sein, und da tut man gut, dass das Logo drauf sein wird. Beim ersten Schritt auf dem Mars muss etwas gesagt werden, das bis in alle Ewigkeiten in den Geschichtsb&uuml;cher sein wird. Da wird der Hauptsponsor schon seine Finger im Spiel haben, damit dieser sp&auml;testens im zweiten Satz erw&auml;hnt wird.<\/p>\n<p>Man muss nicht vergessen, dass alle grosse Entdeckungsreisen in erster Linie kommerziell waren (Gew&uuml;rze finden). Da man auf dem Mars nicht seines gleiches hat, muss die Ressource etwas anders sein: Werbung und PR.<\/p>\n<p>Schauen wir uns die Technik an, angeblich soll alles schon erh&auml;ltlich sein, oder bedarf nur wenig Entwicklung<\/p>\n<p>Als Tr&auml;ger sollen Falcon Heavy verwendet werden. SpaceX arbeitet ja schon dran, und der Jungfernflug ist n&auml;chstes Jahr, nach offiziellen Angaben.<\/p>\n<p>Kritisch wird es nur, wenn sie die Vorgaben nicht erreichen k&ouml;nnen, dann scheitert der ganze Plan. Auf einem anderen Tr&auml;ger kann man kaum weichen, es sei den die NASA stellt ihr SLS zu Verf&uuml;gung (falls es gebaut wird)<\/p>\n<p>Zuerst soll 2014 ein Kommunikationssatellit gestartet, der dann in einem Marsstation&auml;ren Orbit platziert wird. Dieser Satellit muss zwei Antennen haben, eine f&uuml;r die Kommunikation zur Basis auf dem Mars und eine zu Erde. Man k&ouml;nnte ein Design &auml;hnlich eines TRD behilflich sein. Wenn m&ouml;glich k&ouml;nnte man das Ding auch mit Laserkommunikationsanlagen ausstatten, damit die &uuml;bertragen in HD und 3D in Echtzeit m&ouml;glich ist. Bis die Mission startet, k&ouml;nnte man den Geld machen, in dem man die Kommunikationsdienste an die NASA vermietet.<\/p>\n<p>Als Antrieb w&auml;ren am besten Ionentriebwerke, da man den Orbit um Mars nach der Ankunft erreichen muss. Und bei der H&ouml;he die notwendig ist geht es nicht mit Aerobraking.<\/p>\n<p>Gesamthaft ist dieser Punkt ziemlich leicht zu bewerkstelligen<\/p>\n<p>Das n&auml;chste was folgt, ist ein Lander mit Versorgungsg&uuml;tern. Der Lander ist die ber&uuml;chtigte Red Dragon, also eine modifizierte Dragon Kapsel mit verst&auml;rktem Hitzeschild. Wegen der d&uuml;nnen Atmosph&auml;re wird auf einem Fallschirm verzichtet, und nur mittels Raketentriebwerke gebremst.<\/p>\n<p>Bis jetzt ist die Landung das einzige was bei SpaceX immer geklappt hat. (gab ja auch nur zwei Versuche)<\/p>\n<p>Als n&auml;chstes folgt ein Rover. Im Vergleich zu den NASA Robotern, soll es eher ein Arbeitstier sein, das graben kann, sowie schwere Lasten transportieren kann. Sp&auml;ter sollen die Astronauten auf diesem sitzen, um dann &uuml;ber die Marsoberfl&auml;che zu fahren, &auml;hnlich wie dem Mondauto. Ob ein Rover alles machen kann, ist aus den offiziellen Dokumenten nicht ersichtlich. Sicher ist, dass mehrere Rovers gebraucht werden.<\/p>\n<p>Von handgesteuert soll einen Geschwindigkeit von 10 km\/h erreicht werden, mit einer Reichweite von 80 km.<\/p>\n<p>Technisch gesehen ist das nicht viel neues. Einen schweren Rover kann man auf dem Mars landen.<\/p>\n<p>Das heikle wird eher sein, das Ausr&uuml;stung in einem nicht allzu grossen Umkreis zu landen.<\/p>\n<p>Vielleicht k&ouml;nnen die Lander Leitstrahlen aussenden, so dass die ankommenden Fahrzeuge orientieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Danach sollen noch mehrere Lander folgen, die als Behausung, Lebenserhaltung und Aufbereitung folgen. Bei den Wohneinheiten, gibt es einen aufblasbare Einheit, die dann mit Marssand &uuml;berdeckt wird. Dort wird dann auch pflanzen angebaut, damit die Bewohner auch frisches haben.<\/p>\n<p>Hier sehe ich viele offnene Fragen, vor allem soll das Wasser aus dem Marsboden extrahiert werden. Auch die Luft soll aus Ressourcen vom Mars hergestellt werden. Dazu muss die Basis &uuml;ber eine wasserhaltige Schicht gebaut werden.<\/p>\n<p>Schliesslich kommt der Tag X, an dem sich die Bewohner auf dem Weg machen. Dazu wird ein Transitsschiff gebaut. Es soll auf einem ISS Modul basieren, an dem eine Antriebsektion andockt. Anschliessend komme die Astronauten, docken ihr Schiff an, und wechseln in das Wohmodul. Dann geht\u2019s los.<\/p>\n<p>Nach sieben Monate kommen sie beim Mars an. Sie wechseln in den Lander, koppeln ab. Das Schiff fliegt weiter. Die Astronauten laden in der N&auml;he der Basis. F&uuml;r die ersten wird es jetzt hart. Nach den Photos und Feier des ersten Mensches auf dem Mars, m&uuml;ssen sie die Basis vollenden, d.h. die Module verbinden (das konnte der Rover nicht machen), alles in Betrieb nehmen, und sich damit abfinden, f&uuml;r den Rest ihres Leben hier zu bleiben.<\/p>\n<p>F&uuml;r die nachfolgenden Crews wird einfacher, da alles schon bereit ist, und ein Empfangskomitee da sein wird, wenn beim Aussteigen aus der Kapsel schwierig sein wird.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem, dass bis jetzt noch nicht wirklich behandelt worden, ist man das Planetary Protection Programm handhabt, also dass der Mars nicht durch Erdleben kontaminiert wird. Dies kann leicht passieren. Der Marsbewohner geht auf die Toilette, aus irgendeinem Grund w&auml;scht er oder sie nicht die H&auml;nde. Mit seinen dreckigen H&auml;nden bereitet er seinen Anzug vor. Beim Spazieren f&auml;llt er dann hin, so dass einige Bakterien auf dem Boden bleiben. Oder beim Anziehen hustet er mal auf seine Handschuhe, und ber&uuml;hrt draussen massenweise Steine.<\/p>\n<p>Es wird gemunkelt, dass man gar keinen Menschen wegen dem auf dem Mars schicken kann. Aber es ist nicht so, dass die Gesetze in Stein gemeisselt sind und verbindlich sind, sie wurde ja von einer amerikanischen Institution erlassen. Die Leute von Mars-One k&ouml;nnten sich dar&uuml;ber hinwegsetzen (Die Organisation ist in Holland basiert). Man muss halt dann in Kauf nehmen, dass die Umgebung um die Basis kontaminiert ist.<\/p>\n<p>Interessant wird sein, wie lange die Leute in einer so sterilen Umgebung gesund bleiben k&ouml;nnen, und nicht auf alles M&ouml;gliche allergisch werden. Vielleicht m&uuml;ssen dann irgendwelche Schnupfen und Erk&auml;ltungen importiert werden.<\/p>\n<p>Das ganze soll angeblich mit 6 Milliarden finanzierbar sein. Da habe ich meine Zweifel. Machen wir die Rechung, also grob gesch&auml;tzt. Eine Falcon Heavy soll 100 Mio $ kosten. Da Musk das ganze als Imageaufwertung sieht, k&ouml;nnte er diese zum Selbstkostenpreis verkaufen, sagen wir 80 Mio $.<\/p>\n<p>Dann brauchst zwei Kommunikations Satelliten (einen f&uuml;r den Mars, und beim L4 oder L5, damit man auch w&auml;hrend der solaren Konjuktion kommunizieren kann), Kostenpunkt 250 Mio $ (Preis f&uuml;r Venus Express). Dann braucht es drei bis vier Rover. Die MER haben zusammen 800 Mio $ gekostet. Ich glaube 100 Mio pro Rover sind liege sicher drin. Dan braucht es die Lander, das sollen 5-6 St&uuml;ck sein zu anfangs. Setzen wir die bei 150 Mio das St&uuml;ck. Dann braucht es das Transferschiff das kostet sicher 500 Mio. Und schliesslich die ganze Ausr&uuml;stung f&uuml;r die Astronauten setzten wir da auch 500 Mio.<\/p>\n<p>Das macht total 3.8 Mrd $ f&uuml;r das Material und die Starts. Weil man jetzt wissen sollte, das alles immer doppelt so teuer wird und noch extra Marge braucht, wird am Schluss eher gegen 8 Mrd gehen. Dann noch die zus&auml;tzliche kosten, die sonst noch so anfallen werden, dann landet man schnell bei 10-12 Mrd.<\/p>\n<p>Auch wenn sich das Geld zusammen kratzen l&auml;sst, steht dann das n&auml;chste Problem. Alle zwei Jahren werden zus&auml;tzliche Astronauten zum Mars geschickt. Allerdings werden nach der dritten Landung die Quoten der Realityshow garantiert sinken, die wir dann schon 7-8 Jahre am laufen sein. Und so spannend kann man &uuml;ber Jahre nicht halten. Der Normalzuschauer wird dann umschalten: Die Marsbewohner haben sich einen weiteren Stein angeschaut. Zus&auml;tzlich l&auml;uft der Plan nur bis 2033. Was passiert dann? Es ist nicht so, dass die Kolonie dann vollst&auml;ndig autark ist, sondern man wird Jahrzehnte lang jedes zweite Jahr Nachschub schicken m&uuml;ssen. Vermutlich keine Nahrung, aber das neuste an Ausr&uuml;stung und Ersatzteile. Bis man Computerchips auf dem Mars herstellen kann wird es eine Weile dauern. Das kann eine 20 Mann starke Kolonie nicht.<\/p>\n<p>Und was passiert, falls Mars-One pleite geht und es schon Astronauten auf dem Mars hat? Oder ist es das Ziel die Raumfahrt Agenturen zum Handeln zu zwingen, in dem man dann heisse Kartoffel ihnen gibt. So in der Art: Leider k&ouml;nnen wir unsere Basis nicht mehr versorgen, aber das k&ouml;nnt ihr sicher f&uuml;r uns besorgen (und es mit Steuerngelder finanzieren).<\/p>\n<p>Den Geldhahn zudrehen bedeutet, die Leute zum Tode zu verurteilen, weil fr&uuml;her oder sp&auml;ter die Lebenserhaltung ausfallen wird, weil sie schlicht und einfach nicht mehr repariert werden kann.<\/p>\n<p>Nehmen wir an, dass alles klappt: Was machen dann die Astronauten den ganzen Tag? In den ersten Jahren muss die Basis aufbaut und unterhalten werden, und da nur wenige Leute anwesend sein werden. Dann muss das Essen erzeugt werden. Viel Zeit f&uuml;r Forschung wird da nicht bleiben. Aber nach mehreren Jahren soll irgendwann mal 20 Leute dort sein. Da ist mehr als die ISS jemals hatte. Was k&ouml;nnte die Leute machen?<\/p>\n<p>Eine M&ouml;glichkeit w&auml;re alle Sonden zu steuern, durch die N&auml;he k&ouml;nnten sie quasi in Echtzeit gesteuert werden. Somit w&auml;re die wissenschaftliche Ausbeute bedeutend h&ouml;her, und k&ouml;nnten Notf&auml;lle rascher behoben werden.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich k&ouml;nnen die Astronauten selber in der Umgebung forschen, aber je nachdem wo diese aufgebaut ist, k&ouml;nnte die Umgebung ziemlich langweilig sein, und keine besonderen wissenschaftlichen Erkenntnisse bringen. Zus&auml;tzlich sind die Quoten wichtig f&uuml;r die Sendung, deshalb braucht es Panoramen von besonders spektakul&auml;ren Orten, von denen die Zuschauer geh&ouml;rt haben. Dazu br&auml;uchte es ein Fahrzeug mit dem tausende Kilometer zur&uuml;cklegen kann. Momentan kann ein solches laut FAQ nicht auf dem Mars gelandet werden. Sp&auml;ter k&ouml;nnte man ein solches in Einzelteile schicken. Und es wird auf dem Mars zusammengebaut.<\/p>\n<p>Zusammenfassend gesehen, gibt es f&uuml;r mich nur ein grosses technische Risiko: Die Lebenserhaltung die auf Basis von Marsressourcen Wasser und Luft bereitstellen soll. Das wurde bis jetzt noch nie gemacht. Alles andere wurde irgendwann &auml;hnlich gemacht: Grosse Rakete, Sonde zum Mars, Rover auf dem Mars, grosse Lasten au einem Himmelsk&ouml;rper laden und grosse Massen auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigen. Man weiss, dass es geht: Man braucht nur genug Geld, dann ist es m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Jetzt mal schauen, was Mars-One bis jetzt so macht, denn in zwei Jahren ist der Kommunikationssatellit f&auml;llig. Hat man ihren Newsfeed abonniert, dann sieht man, dass in letzter Zeit nur irgendwelche Berater und weitere Ratsmitglieder ernannt werden. Das ist nett, aber bis in zwei Jahren sind mind. 300-400 Mio $ n&ouml;tig, damit der Zeitplan eingehalten werden kann. Entweder wollen sich die Sponsoren noch nicht erkannt geben, oder es gibt keine.<\/p>\n<p>Am skeptischsten sehe ich die Finanzierung mittels Realityshow, das wird gehen, bis ersten Bewohner sich gem&uuml;tlich eingerichtet haben, doch irgendwann sinken die Quoten und somit die Einnahmen. Aber das ist ein Langzeitprojekt, das &uuml;ber Jahrzehnten Gelder braucht und das ist nicht durchdacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein Gastbeitrag von Thierry Gschwindt: Ihr habt sicher alle vom Mars One Projekt geh&ouml;rt: http:\/\/mars-one.com\/en\/ Ich habe lange dar&uuml;ber nachgedacht, ob das Ding durchzuziehen ist. Das Konzept ist es, eine Marsmission zustarten, bei dem die Astronauten auf dem Mars bleiben. Bei jedem Fenster werden zus&auml;tzliche Leute hingeschickt. 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