{"id":7244,"date":"2012-10-28T00:30:27","date_gmt":"2012-10-27T22:30:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7244"},"modified":"2012-10-27T23:37:20","modified_gmt":"2012-10-27T21:37:20","slug":"bigelow-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/10\/28\/bigelow-teil-2\/","title":{"rendered":"Bigelow &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>So weiter gehts mit Bigelow, diesmal habe ich mal willk&uuml;rlich gek&uuml;rzt an dem Teil wo es dann um die Versorgung die Kosten geht. Das kommt dann morgen dran.<\/p>\n<h2>Das Ziel?<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/complex_size_up_white_md.jpg\" alt=\"Vergleich\" width=\"300\" height=\"385\" align=\"left\" \/>Bigelow will die Station vermieten, entwickelt aber selbst kein Weltraumtaxi. Auf fr&uuml;hen Abbildungen sieht man eine Sojus andocken. Mittlerweile ist er von der Idee abger&uuml;ckt, da er nicht meint, dass die russischen Partner und ihre Leistung in seinen \u201eBusiness Case\u201c passen. Offen ist, ob man an beiden Seiten andocken kann oder nur an einer Seite. Nach den Abbildungen scheint nur ein Anschluss f&uuml;r bemannte Transporter und der zweite zum Verbinden mehrerer Stationen gedacht sein. Zwei Anschl&uuml;sse w&uuml;rden die Kopplung sowohl von <a href=\"\/sojus-raumschiff.shtml\">Sojus<\/a> wie auch der Dragon erlauben. Diese setzt einen CBM-Mechanismus ein. F&uuml;r das CST-100 ben&ouml;tigt man wiederum einen APASA kompatiblen Anschluss. Eventuell wird den auch eine bemannte <a href=\"\/cygnus-dragon.shtml\">Dragon<\/a> einsetzen, denn der CBM-Anschluss ist f&uuml;r unbemannte Frachter gedacht und f&uuml;r Raumschiffe, die nicht selbst aktiv andicken (sie werden vom Canadaarm eingefangen und dann manuell von der Besatzung der ISS angekoppelt) und damit f&uuml;r die BA-330 nicht gut geeignet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da Bigelow sich des Mankos keinen Zubringer zu haben, bewusst war, schrieb die Firma 2004 \u201eAmericas Space Price\u201c aus, 50 Millionen Dollar konnte eine Firma erhalten, die bis zum 10.2.2010 ein bemanntes Gef&auml;hrt startete. Der Zeitpunkt verstrich ohne, dass auch nur jemand in die N&auml;he dieses Ziels kam. Fr&uuml;hestens 2015 soll der erste bemannte Testflug von SpaceX erfolgen, von Boeing gibt es noch gar keinen Termin und andere Konkurrenten sind entweder in der Entwicklung weiter zur&uuml;ck oder es ist kaum etwas &uuml;ber ihre Aktivit&auml;ten bekannt.<\/p>\n<p>Im Mai 2012 k&uuml;ndigten Bigelow und <a href=\"\/spacex.shtml\">SpaceX<\/a> eine Zusammenarbeit an, schon im September 2009 gab es eine Vereinbarung mit Boeing. Ob nun die BA-330 Kopplungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r beide Raumschiffe bietet oder beide Raumschiffe einen gemeinsamen Dockingadapter verwenden werden (eher anzunehmen, da sie prim&auml;r f&uuml;r die ISS entwickelt werden und dort wird man nicht f&uuml;r jedes Raumschiff einen eigenen Docking Adapter haben wollen) ist offen.<\/p>\n<p>Kunden von Bigelow sollen Einzelpersonen, Gruppen oder Nationen sein. Ziel ist nicht der Weltraumtourismus, sondern das Vermieten der Stationen, beginnend von 30-60 Tage dauernden Aufenthalten eines Astronauten bis zum Mieten einer ganzen Station. Sie weisen drauf hin, das Nationen praktisch einen bezahlbaren Zugang zur bemannten Raumfahrt haben, der sonst nicht m&ouml;glich w&auml;re. Das w&auml;re vielleicht f&uuml;r Nationen, die nicht an der ISS beteiligt sind und kleine Budgets haben interessant. Weltraumtourismus durch zahlungskr&auml;ftige Kunden wird nicht generell ausgeschlossen, aber man denkt zumindest bei der BA-330 nicht an ein Weltraumhotel. In eigenen Worten: \u201cto create structures for other people to use as hotels, laboratories, factories, corporate yachts, adjunct colleges, medical clinics, astronautical training facilities, or imaginative environments for public entertainment etc., etc., etc\u2026\u201d<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/station-ba330.jpg\" alt=\"Zusammenkopplung\" align=\"left\" \/>Die Kosten f&uuml;r einen vierw&ouml;chigen Aufenthalt eines Astronauten sollen 2006 15 Millionen Dollar betragen. Eine Verl&auml;ngerung um eine Woche soll weitere 3 Millionen kosten. Eine Station kann f&uuml;r 88 Millionen Dollar pro Jahr gemietet werden, eine \u201ehalbe\u201c Station f&uuml;r 54 Millionen Dollar. Im Februar 2010 gab die Firma einen neuen Preis an: 23 Millionen Dollar f&uuml;r einen 30-Tage Aufenthalt. Dieses \u201eAll-inklusive\u201c Paket umfasst Training, Transport und Verbrauchsg&uuml;ter.<\/p>\n<p>Eine geplante, gr&ouml;&szlig;ere, Station mit 2.100 m\u00b3 Volumen w&auml;re dann wohl eher als Weltraumhotel geeignet. Geht man von den Kalkulationen aus, die f&uuml;r die BA-180 ver&ouml;ffentlicht wurden (3-4 Astronauten auf 180 m\u00b3 Volumen) so w&auml;re dieses Volumen f&uuml;r 35 bis 46 Personen ausreichend. Der Raum pro Person entspricht dem, welche die Saljut ohne Ausbaumodule boten, also rund 50 m\u00b3 pro Person. Sowohl auf Mir wie auch Skylab oder der ISS gibt es mehr Raum pro Person, doch Zeithorizonte von 30 bis 60 Tagen, die genannt werden, gehen auch nicht von den langen Aufenthalten wie bei der ISS aus, sodass dies durchaus realistisch ist. Weltraumtouristen w&uuml;rden sich wahrscheinlich &uuml;ber mehr Raum und mehr Bequemlichkeit freuen, doch damit man gen&uuml;gend Kunden f&uuml;r diese Station gewinnt, daf&uuml;r m&uuml;ssten die Transportkosten ins All doch deutlich absinken.<\/p>\n<p>2007 sollte der Aufbau noch so geschehen: Zuerst startet eine 180 m\u00b3 Station &#8222;Sundancer&#8220; in einen 40 Grad geneigten Orbit in 250 Meilen (402 km) H&ouml;he. Danach koppelt die erste Besatzung an. Es folgt ein Antriebs- und Energieversorgungsmodul. Dieses wird von der Besatzung angekoppelt. Diese Station kann dann von 3-4 Personen betrieben werden. Danach folgt eine zweite Sundancer Station. Sie koppelt an das Antriebsmodul an. Diese kann nun von einer zweiten Besatzung angeflogen werden. Sie sollte dann 2-3 Jahre sp&auml;ter um die BA-330 erg&auml;nzt werden. Damit w&auml;re der Komplex dann 690 m\u00b3 gro&szlig;. Auf Abbildungen ist zu sehen, wie verschiedene dieser Module zusammengekoppelt werden. So k&ouml;nnte bei Bedarf eine sehr gro&szlig;e Station\u00a0 entstehen. Schon drei BA-330 Module h&auml;tten genauso viel Innenvolumen wie die ISS. Warum die Firma allerdings den Weg &uuml;ber zwei verschieden gro&szlig;e Module geht ist offen. Eventuell wurde dieses Konzept inzwischen auch komplett auf die BA-330 umgestellt, denn die Sundancer war als erste Entwicklung zwischen 2010 und 2012 vorgesehen. Da sich nun ohne Transporter alles verz&ouml;gert k&ouml;nnte Bigelow gleich zur BA-330 &uuml;bergehen.<\/p>\n<p>Weitere Pl&auml;ne mit Stationen die zum L1-Librationspunkt oder in eine Mondumlaufbahn gebracht werden gibt es, sie sind jedoch noch zu wenig konkret um Details angeben zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<h2>Ein tragf&auml;higes Konzept?<\/h2>\n<p>An dieser Stelle einmal eine Betrachtung, ob die Firma tats&auml;chlich die Kunden gewinnen kann, die ihr vorschweben. Es gibt drei Arten von Kunden, die ihr vorschweben:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Industrie, welche Forschung in der Umlaufbahn durchf&uuml;hren m&ouml;chte, aber der vielleicht derzeit die Kosten zu hoch und die Hindernisse bei Raumfahrtorganisationen zu stark sind.<\/li>\n<li>Staaten, denen die Entwicklung von eigenen bemannten Raumfahrzeugen zu teuer ist, aber Astronauten aus Prestigegr&uuml;nden im All haben wollen.<\/li>\n<li>Einzelpersonen, die das n&ouml;tige Kleingeld daf&uuml;r haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Hauptkritikpunkt ist, das sich Bigelow auf einen Aspekt der Raumstation fokussiert, der bei der Nutzung als Forschungskomplex relativ unbedeutend ist. Die Firma hebt hervor, in ihrem Modul g&auml;be es mehr Platz und es w&auml;re leichter als eine herk&ouml;mmliche Metallkonstruktion, doch dies ist nur ein Aspekt. Ich will am Beispiel von Columbus, dem europ&auml;ischen Labor andeuten, was die eigentlichen Herausforderungen sind.<\/p>\n<p>Columbus basiert in der Struktur auf den MPLM, den Multi-Purpose-Logistic Modulen, von denen eines auch dauerhaft an der Station angebracht wurde. Genauer gesagt, es verwendet deren H&uuml;lle, erg&auml;nzt um einen Mikrometeoritenschutzschild, der auch sp&auml;ter bei dem dauerhaft angebrachten Modul zus&auml;tzlich angebracht wurde. Man kann daher annahmen, dass die Kosten und das Gewicht &auml;hnlich sind, doch gibt es deutliche Unterschiede:<\/p>\n<table>\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr class=\"thlined\">\n<td>&nbsp;<\/td>\n<th>MPLM<\/th>\n<th>Columbus<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">L&auml;nge<\/td>\n<td class=\"linedtable\">6,60 m<\/td>\n<td class=\"linedtable\">6,81 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">davon zylindrischer Teil<\/td>\n<td class=\"linedtable\">4,80 m<\/td>\n<td class=\"linedtable\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Gewicht: (leer)<\/td>\n<td class=\"linedtable\">4.500 kg<\/td>\n<td class=\"linedtable\">10.275 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Voll Beladen<\/td>\n<td class=\"linedtable\">13.500 kg<\/td>\n<td class=\"linedtable\">21.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"linedtable\">Herstellungskosten<\/td>\n<td class=\"linedtable\">400 Millionen Dollar (3 Module)<\/td>\n<td class=\"linedtable\">880 Millionen Euro<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Sehr deutlich ist, dass das Labor deutlich teuer ist, auch teurer als die beiden Verbindungsknoten, die ebenfalls von der ESA stammen (Kosten rund 300 Millionen Euro) und es ist auch schwerer. Der Grund ist relativ einfach. Die <a href=\"\/space-shuttle-versorgungssystem.shtml\">MPLM<\/a> sind wirklich nur Aluminiumzylinder mit Befestigungen f&uuml;r Standardracks. Sie haben keine Verbindung zur ISS, keine Anschl&uuml;sse f&uuml;r Computer, Strom, Gase, Wasser. All dies besitzt Columbus. Dort sind auch Stromverteilungsinstallationen, Umweltkontrollapparaturen f&uuml;r Experimente (Heizen, K&uuml;hlen, Vakuum herstellen) etc. vorhanden. Das macht einen Gro&szlig;teil des Mehrgewichtes aus (der Rest entf&auml;llt auf den 2 t schweren Mikrometeoritenschutzschild) und das macht es auch so teuer, denn dieses Geflecht von Daten-, Strom- und Versorgungsleitungen muss verlegt und abgeschirmt sein, Temperaturen m&uuml;ssen gew&auml;hrleistet sein, Umweltkontrollstationen m&uuml;ssen installiert sein etc. So stehen auch nur 10 der 16 Racks f&uuml;r Experimente zur Verf&uuml;gung. Der Rest wird von der Infrastruktur belegt.<\/p>\n<p>Zu beachten ist aber vor allem die letzte Zeile: Voll ausger&uuml;stet wiegt das <a href=\"\/iss-forschungsmodule.shtml\">Columbuslabor<\/a> mit 16 Racks 21 t. Jedes Rack macht das Labor um durchschnittlich 900 kg schwerer. 6 sind im Leergewicht schon enthalten, das sind die nicht f&uuml;r die Forschung zur Verf&uuml;gung stehenden Racks mit festen Installationen.<\/p>\n<p>Was gewinnt man nun, wenn man die Struktur wechselt? Man spart einen Gro&szlig;teil der 4,5 t Struktur ein, und den 2 t schweren Mikrometeoritenschutzschild. Das Transhab h&auml;tte 5,4 t bei ebenfalls 6,7 m L&auml;nge im Kern (und nur dort befinden sich ja bei der BA-330 die Experimente) gewogen. F&uuml;r die gleiche Anzahl von Rackpl&auml;tzen w&auml;re die BA-330 bei gleichen Daten dann 1,1 t leichter. Es g&auml;be das vierfache Volumen rund herum, doch dies ist f&uuml;r die Forschungsm&ouml;glichkeiten nicht relevant, da wie schon gesagt alle Racks im Innenraum sind.<\/p>\n<p>Daf&uuml;r gestaltet sich die Inbetriebnahme erheblich komplexer, weil Leitungen sicher nicht so einfach biegsam gestaltet werden k&ouml;nnen. Es ist kein Zufall, dass das Transhab nur als Quartier f&uuml;r die Mannschaft, nicht f&uuml;r Experimente ausgelegt war. F&uuml;r die Arbeit ist zu viel Bewegungsfreiheit hinderlich. Die relativ engen Mittelg&auml;nge in den Laboren erlauben es auch, der Besatzung sich besser zu fixieren. Der gro&szlig;e Raum im Transhab war f&uuml;r &#8222;Vergn&uuml;gen&#8220; gedacht, um die Schwerelosigkeit in den Freistunden zu erleben. Das d&uuml;rfte auch der Grund sein, warum Bigelow plant in der Mitte die Racks anzubringen. Nur so kann eine Station schon vor dem Start mit Umweltkontrollsystemen, Versorgungsleitungen etc. ausgestattet werden, alle diese Teile die schwer zu verlegen oder essenziell f&uuml;r eine Besatzung sind, m&uuml;ssen schon beim Start vorhanden sein. Sp&auml;tere Missionen k&ouml;nnen dann den Zwischenraum strukturieren, kleinere Ger&auml;te etc. mitf&uuml;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So weiter gehts mit Bigelow, diesmal habe ich mal willk&uuml;rlich gek&uuml;rzt an dem Teil wo es dann um die Versorgung die Kosten geht. Das kommt dann morgen dran. Das Ziel? Bigelow will die Station vermieten, entwickelt aber selbst kein Weltraumtaxi. Auf fr&uuml;hen Abbildungen sieht man eine Sojus andocken. 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