{"id":7298,"date":"2012-11-20T00:23:37","date_gmt":"2012-11-19T23:23:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7298"},"modified":"2023-06-15T09:02:21","modified_gmt":"2023-06-15T07:02:21","slug":"die-lochkarte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/11\/20\/die-lochkarte\/","title":{"rendered":"Die Lochkarte"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_7298\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"7298\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Die ersten Rechner setzten das Prinzip der Lochkarte und des Lochstreifens ein. Erfunden wurde die Lochkarte im Jahre 1889 von Hermann Hollerith, einem Kind deutscher Einwanderer, erfunden. Hollerith war im amerikanischen Volksz&auml;hlungsb&uuml;ro angestellt und sah die Probleme die es gab: Gesetzlich verpflichtet musste die Beh&ouml;rde alle zehn Jahre eine Volksz&auml;hlung durchf&uuml;hren und die Bev&ouml;lkerung nach Merkmalen erfassen. Das dauerte nach 1880 so lange, dass man vorhersagte, dass wegen der rapide ansteigenden Bev&ouml;lkerung durch Einwanderer, es 1890 l&auml;nger als 10 Jahre dauern w&uuml;rde die Daten auszuwerten. Die neuen Daten w&auml;ren also erst verf&uuml;gbar, wenn man schon die n&auml;chste Volksz&auml;hlung angehen m&uuml;sste.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8c0fc77250a54a8a9257452d44a2816e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nHollerith hatte sich das Prinzip des Jaquard-Webstuhls angeschaut. Bei diesem steuerte ein Papiermuster den Webstuhl. L&ouml;cher bestimmten wo jeweils ein Schussfaden gesetzt wurde und wo nicht. Damit konnten Webst&uuml;hle nicht nur einfarbige T&uuml;cher weben, sondern auch beliebige Muster. Die Erfindung dessen bewirkte, dass es m&ouml;glich war noch mehr die Weberei zu automatisieren, was in vielen L&auml;ndern zu &#8222;Weberaufst&auml;nden&#8220; f&uuml;hrte, so in England und Preu&szlig;en. Auf einem &auml;hnlichen Prinzip beruhen auch die Drehorgeln.<!--more--><\/p>\n<p>Das Prinzip der Lochkarte ist sehr einfach. Es ist eine Karte aus Karton, bei der ein Merkmal an einer bestimmten Stelle, bezeichnen wir sie mal als Zelle, durch L&ouml;cher kodiert ist. Bei den ersten Lochkarten war es so, dass ein Merkmal wirklich f&uuml;r ein Loch stand, also z.B. Geschlecht: Loch = m&auml;nnlich, kein Loch = weiblich. So wurde ein Bit kodiert. Die Karte bestand aus einer Anzahl von Spalten und einer Anzahl von Zeilen. Multiplizierte man die Spalten mit den Zeilen, die Daten enthielten, (oft gab es noch andere f&uuml;r Verarbeitungsinformationen) so erhielt man die Speicherkapazit&auml;t einer Karte. Gab es mehrere Auswahlm&ouml;glichkeiten f&uuml;r ein Merkmal, so wurden bei den ersten Karten\u00a0 mehrere Zellen in denen ein Loch stehen konnte, zusammengefasst. Beim Alter konnte ein Loch in der dritten von 10 Zellen z.B. f&uuml;r ein Lebensalter von 30 bis 39 stehen. In den anderen Spalten d&uuml;rfte dann kein Loch vorhanden sein.<\/p>\n<p>Als die Lochkarten f&uuml;r Computer genutzt wurden, ging man zur digitalen Speicherung &uuml;ber, speicherte also in 8 Zellen ein Byte. Je nach Kodierung konnten 8 L&ouml;cher dann entweder f&uuml;r den Wert 0 oder 255 (2<sup>8<\/sup>-1) stehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/paperstreifen.jpg\" alt=\"Papierstreifen\" align=\"right\" \/>Das Lesen erfolgte dann mit einer Lesevorrichtung. Sie tastete die Lochkarte ab, bemerkte dabei ein Loch. Das konnte &uuml;ber verschiedene Verfahren geschehen, mechanisch, pneumatisch, sp&auml;ter vor allem aber elektrisch waren &uuml;blich. So konnte eine Nadel unter Strom stehen und beim durchlaufen der Karte einen Kontakt mit der Metallunterlage herstellen, wodurch ein Strom floss, oder eben nicht. Die ersten Tabelliermaschinen konnten die Karten nur z&auml;hlen. Immerhin konnte aber das Volksz&auml;hlungsb&uuml;ro so in drei Monaten mit 43 Maschinen alle Daten auswerten. Sp&auml;ter konnte man mit Lochkarten Berechnungen durchf&uuml;hren bevor es Computer gab. &Auml;hnlich wie Registrierkassen verf&uuml;gten sie &uuml;ber mechanische Addier- und Subtrahierwerke. Nun begann man auch von der direkten Kodierung abzuweichen und wechselte auf ein digitales Schema.<\/p>\n<p>Lochkarten konnte man zusammenfassen, indem man z.B. durch einen Kontakt alle Karten mit einem gemeinsamen Merkmal durch Umlenkung des Laufwegs in einem gemeinsamen Beh&auml;lter sammelte und diese Submenge der Daten dann weiter auswerten. Hollerith gr&uuml;ndete 1896 seine &#8222;Tabulating Machine Company&#8220;. Sie fusionierte sp&auml;ter mit einer anderen Firma und wurde 1924 zur International Business Machines Corporation (IBM) umbenannt.<\/p>\n<p>Als die Computer erfunden wurden betrieb man mit Lochkarten Buchhaltung, es konnten Lochkarten maschinell gestanzt werden und es gab auch den Lochstreifen, der im Handling einfacher war, da er leichter transportiert werden konnte als die Lochkarten. Zur Synchronisation (wo man ablesen musste) gab es einen Bereich mit L&ouml;chern am Rand. Allerdings warne alle Maschinen festprogrammiert. Die Programmierung erfolgte durch das Neuverkabeln der Kontakte zu den Funktionseinheiten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/Honolulu_IFSS_Teletype1964.jpg\" alt=\"Lochstreifen bei der Flug&uuml;berwachung 1964\" align=\"left\" \/>Folgerichtig waren Lochstreifen und Lochkarten die ersten Medien um Daten zu speichern und zu lesen. Konrad Zuse stellte selbst aus alten Kinofilmen mit einem B&uuml;rolocher Lochstreifen her. Auch ging der erste kommerziell hergestellte Computer wieder an das Volksz&auml;hlungsb&uuml;ro. Besonders IBM, die schon seit 50 Jahren Tabelliermaschinen verkauften, wollte nicht von der Technologie des Lochstreifens bzw. der Lochkarte lassen. Ihr erster Rechner, die IBM 604 war ein Hybridrechner zwischen Tabelliermaschine und elektronischem Rechner. Das Rechenwerk funktionierte mit Vakuumr&ouml;hren, doch die gesamte Programmierung erfolgte mit Lochkarten. Erst danach entwickelte die Firma rein elektronische Rechner. Als Ein\/Ausgabemedium blieben die Karten und der Lochstreifen aber weiterhin in Gebrauch.<\/p>\n<p>Sp&auml;ter waren Lochkarten noch weit verbreitet um &#8222;Offline&#8220; Programme zu schreiben. Aufgrund der englischen Bezeichnung &#8222;Batch&#8220; f&uuml;r einen Kartenstapel b&uuml;rgerte sich auch bald die Bezeichnung &#8222;Batch-Job&#8220; f&uuml;r den Betrieb eines Rechners ein, der nacheinander Kartenstapel verschiedener Nutzer abarbeitet, die Ergebnisse ausdruckt und dann den n&auml;chsten Stapel angeht.<\/p>\n<p>Der Vorteil der Lochkarte war ihre einfache Fertigung und Robustheit. Ein Ger&auml;t das einer Schreibmaschine &auml;hnelte, konnte eine Lochkarte mit 80 Spalten und 9 Zeilen f&uuml;r ein Byte und Pr&uuml;f-Informationem stanzen. Auf den Rand wurde der Inhalt durch den Drucker\/Schreibmaschine im Klartext wiedergegeben, sodass auch eine Person den Inhalt lesen konnte. So konnte man das Programm erstellen, ohne das man einen Zugang zum Rechner hatte.<\/p>\n<p>Auch fr&uuml;he Programmiersprachen wie COBOL oder FORTAN waren die Lochkarte ausgelegt, so waren Zeilen maximal 80 Zeichen lang, vorne konnten in bestimmten Spalten nur Zeilennummern oder Kommentarsymbole stehen. Die 1928 von IBM eingef&uuml;hrte 80-Spalten Karte wurde zu einem Industriestandard. Jede Karte hatte die Abmessung von 187,3 x 82,6 mm und war 0,18 mm dick. Sie wurden in Stapeln von 2000 Karten verkauft die dann 35,6 mm hoch waren.<\/p>\n<p>In den siebziger Jahren schwand die Bedeutung der Lochkarten und der Lochstreifen. F&uuml;r die Datenverarbeitung wurden schon lange andere Systeme verwendet die schneller gelesen und geschrieben werden konnten, doch hatten Lochstreifen noch eine Bedeutung um Software zu verbreiten, da das Format herstellerunabh&auml;ngig war. Die erste Version von Microsoft BASIC f&uuml;r den Altair konnte man z.B. auf Lochstreifen erhalten. Der Lochstreifenleser war auch ein erschwingliches Medium f&uuml;r diesen ersten PC. Die Lochkarten hatten noch lange eine Bedeutung im universit&auml;ren Umfeld, wo viele Benutzer an einen Rechner heran wollten und es so am einfachsten und preiswertesten war, dass die Benutzer offline ihre Programme schrieben und auf Karten stanzten. Die Minicomputer und fr&uuml;hen PC&#8217;s sorgten f&uuml;r ein verl&auml;ngertes Leben des Papierstreifens, da er immer das preiswertete Medium zum Speichern war. Bei Gro&szlig;computern erlaubten ab den siebziger Jahren Terminals einen Time-Sharing Betrieb. Dabei wurde an einer umgebauten Schreibmaschine &uuml;ber eine Datenleitung ein Befehl an den Computer gesandt, dessen Rechenzeit nun auf viele Benutzer aufgeteilt wurde. Sp&auml;ter gab es auch Bildschirme wodurch Papier als Medium vollkommen &uuml;berfl&uuml;ssig wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"IBM 026 Karte\" src=\"\/img\/IBM_026_card_code.png\" alt=\"\" width=\"588\" height=\"264\" \/>Der Nachteil der Lochkarte und des Lochstreifens war, dass bedingt durch die mechanische Verarbeitung die Lesegeschwindigkeit sehr gering war, die Schreibgeschwindigkeit noch kleiner und das Schreiben noch aufwendiger als das Lesen war. Die Datendichte war gering, so speicherte eine Lochkarte maximal 80 Byte, selbst wenn man sie mit einer Schreibmaschine beschrieben h&auml;tte, h&auml;tte man mehr Daten ablegen k&ouml;nnen. Zudem war sie nicht wiederbeschreibbar. Ein Fehler in einer Zeile erforderte das komplette Neustanzen einer neuen Lochkarte. Schnellstanzer erreichten zwar 800 Karten pro Minute, doch da jede Karte maximal 80 Zeichen aufnahm, entsprach das nur 1067 Zeichen\/Sekunde oder wenn ein Zeichen 8 Bits einnimmt 8,5 KBit\/s. Ein f&uuml;r den Altair verf&uuml;gbarer Lochstreifenleser hatte sogar nur eine Geschwindigkeit von 110 Bits\/s.<\/p>\n<p>Als die &Auml;ra schon weitergehend vorbei war, 1985 stie&szlig; der Autor im ersten Wintersemester, als er zur Physikvorlesung im Nachbargeb&auml;ude hetzte mit einem anderen Studenten zusammen, der gerade seine Lochkarten zum Rechenzentrum in der gleichen Richtung brachte &#8211; niemals zuvor und danach habe ich jemand so fluchen h&ouml;ren wie jenen Studenten dessen Programm nun v&ouml;llig durcheinandergemischt auf dem Boden lag&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_7298\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"7298\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Die ersten Rechner setzten das Prinzip der Lochkarte und des Lochstreifens ein. 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