{"id":73,"date":"2007-12-11T15:22:48","date_gmt":"2007-12-11T14:22:48","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/12\/11\/das-ausere-sonnensystem-terra-icognita\/"},"modified":"2007-12-11T15:22:48","modified_gmt":"2007-12-11T14:22:48","slug":"das-ausere-sonnensystem-terra-icognita","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/12\/11\/das-ausere-sonnensystem-terra-icognita\/","title":{"rendered":"Das &auml;u&szlig;ere Sonnensystem &#8211; Terra icognita?"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahre 1975 ver&ouml;ffentlichte ein Gremium der NASA folgende &quot;Roadmap! f&uuml;r  die zuk&uuml;nftige Erforschung der Planeten:<\/p>\n<ul>\n<li>1981\/82: Start eines Jupiter Orbiters mit Atmosph&auml;rensonde (das   sp&auml;tere <a href=\"\/galileo.shtml\">Galileo<\/a> Projekt)<\/li>\n<li>1982\/83: Start eines Venus Orbiters der mit Radar 35 % Derr   Oberfl&auml;che abtastet (das sp&auml;tere <a href=\"\/magellan.shtml\">Magellan<\/a> Projekt)<\/li>\n<li>1983\/84: Start eines Mars Rovers der die Oberfl&auml;che des Planeten   erkunden sollte (die sp&auml;teren <a href=\"\/mer.shtml\">Mars Exploration Rovers<\/a>)<\/li>\n<li>1985\/86 Vorbeiflugsonden an Saturn und Uranus (Ankunft 1988 bzw.   1992)<\/li>\n<li>1988: automatischer R&uuml;cktransport von Marsgesteinsproben zur Erde<\/li>\n<li>Nach 1990: Start eines Saturn Orbiters mit Titan Atmosph&auml;rensonde   eventuell Titan Orbiter (die sp&auml;tere Cassini\/Huygens Sonde).<\/li>\n<li>Nach 1990: Uranus Orbiter mit Atmosph&auml;rensonde<\/li>\n<\/ul>\n<p> <!--more--> <\/p>\n<p>Betrachtet man diese Liste aus 30 Jahren Abstand, so fallen nicht nur die  enormen Verz&ouml;gerungen bei den angegangenen Projekten auf (Ausnahme  Cassini\/Huygens). Es ist vor allem die Ausrichtung auf das &auml;u&szlig;ere  Sonnensystem, welche auff&auml;llt. In der Tat erschien dieser Schritt logisch:  Venus hat eine unwirtliche Umgebung, Landesonden sind hier nicht m&ouml;glich und  die Beobachtung der Oberfl&auml;che geht nur mit Radar. Merkur ist schwer zu  erreichen. Man braucht zu ihm fast die Geschwindigkeit die man f&uuml;r einen  Jupiterflug braucht, und er ist geologisch genauso tot wie der Mond. Der Mars  ist gut bekannt gewesen und auf Basis der damaligen Technologie w&auml;re eine  Nachfolgemission von Viking recht teuer geworden. Dagegen kannte man wenig  von den &auml;u&szlig;eren Planeten und hatte hier in den letzten Jahren enorme  Fortschritte gemacht: Den einfachen <a href=\"\/pioneer10-11.shtml\">Pioneers<\/a> waren die komplexeren     <a href=\"\/voyager.shtml\">Voyager<\/a> Sonden gefolgt und Galileo als erster Orbiter um einen Gasplaneten stand am  Horizont.<\/p>\n<p>In der Tat sind die Gasplaneten sehr interessant. Um sie tummeln sich  auch Monde die ein Planetensystem im kleinen darstellen. Aber sie sind auch  schwer zu erreichen. Die Startenergien sind hoch und das macht die Sonden  klein. Mehr noch: Am Ziel muss man die gleiche Geschwindigkeit wieder  abbauen um in einen Orbit einzuschwenken.<\/p>\n<p>Aerodynamische Abbremsung w&auml;re eine M&ouml;glichkeit dies zu vermeiden, sie  ist jedoch noch nie in diesem Ma&szlig;e erprobt worden. So verwundert es nicht,  dass Uranus, Neptun und Pluto noch auf einen Orbiter warten m&uuml;ssen. doch bei  Saturn und Jupiter sieht die Situation anders aus. Sie sind in 2  beziehungsweise 6 Jahren auf Bahnen erreichbar, bei denen man nur wenig  Geschwindigkeit vernichten muss um in einen Orbit einzuschwenken. Trotzdem  gab es, seitdem dieses Pamphlet ver&ouml;ffentlicht wurde, nur Galileo und Cassini,  2011 soll Juno folgen, um die Plasmaumgebung von Jupiter zu untersuchen. Das  ist verglichen mit der Anzahl an Marssonden recht wenig: Zzu Mars starteten  seit 1997 insgesamt 12 Sonden, davon 9 aus den USA. Woher das Desinteresse?<\/p>\n<p>Nun ich meine es ist kein Desinteresse an den Planeten, es ist schlicht  und einfach das Desinteresse an &quot;Gro&szlig;unternehmen&quot;. Sonden zu den &auml;u&szlig;eren  Planeten werden einfach erheblich teurer als andere Unternehmungen. Nehmen  wir die kleine New Horizons Sonde. Sie wiegt nur 480 kg, hat nur wenige  Experimente an Bord, trotzdem kostet sie 723 Millionen Dollar. Warum? Nun  sie braucht:<\/p>\n<ul>\n<li>die leistungsst&auml;rkste Tr&auml;gerrakete der USA, eine Atlas 551 mit Star 48V  Oberstufe. Kosten daf&uuml;r alleine 223 Millionen Dollar<\/li>\n<li>RTG produzieren Strom aus Plutonium 238, das man in Kernreaktoren  erbr&uuml;tet (aus Neptunium, einem Abfallprodukt der Gewinnung von waffenf&auml;higem  Plutonium). Mit dem R&uuml;ckgang der Kernwaffenproduktion ist dieses enorm teuer  geworden. ein neuer RTG kostet 90 Millionen Dollar, ein  wieder aufgearbeiteter wie ihn New Horizons verwendete, immerhin noch 75  Millionen Dollar. Dabei liefert dieser nur 285 Watt Leistung.<\/li>\n<li>Bei den gro&szlig;en Distanzen gibt es brauchbare Datenraten, nur bei Verwendung  der 70 m Antennen des DSN, die nat&uuml;rlich etwas mehr kosten als die sonst verwendeten 34 m  Antennen.<\/li>\n<li>Fl&uuml;ge dauern lange. Zu Pluto ist New Horizons 9 Jahre unterwegs. Selbst  mit Hibernationsperioden kostet es nat&uuml;rlich Geld. ein Kernteam von  Wissenschaftlern und Missionsspezialisten &uuml;ber diese Zeit zusammen zu  halten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Juno wird einen der Kostenfaktoren eliminieren: Die RTG. Sie benutzt 3  riesige Solarpanel um den Strom zu gewinnen. Doch dies klappt nur noch bei  Jupiter und ist schon dort deutlich schwerer als ein RTG. F&uuml;r Expeditionen  weiter nach au&szlig;en ins Sonnensystem ist dies nicht praktikabel.<\/p>\n<p>Doch es gibt Entwicklungen, die es erlauben w&uuml;rde nicht nur Uranus und  Neptun zu erreichen, sondern auch Pluto und andere KBO, und dabei nicht nur  einen Vorbeiflug durchzuf&uuml;hren, sondern in einen Orbit einzuschwenken. Die  drei Schl&uuml;sselelemente sind:<\/p>\n<ul>\n<li>neuartige RTG<\/li>\n<li>Antrieb mit Ionentriebwerken<\/li>\n<li>Miniaturisierung der Sonde<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neuartige RTG: Derzeit werden Sterling-Motoren als Wandler f&uuml;r die W&auml;rme  in elektrische Leistung erprobt. Diese haben einen h&ouml;heren Wirkungsgrad von  25 %, gegen&uuml;ber die etwa 6 % die derzeitige RTG aufweisen. Das erlaubt es  diese leichter zu bauen und die Plutoniummenge zu reduzieren. Sie liefern  den Strom f&uuml;r die Ionentriebwerke. <a href=\"\/dawn.shtml\">Dawn<\/a> setzt diese schon ein um Vesta     und Ceres zu erreichen. Bei den  Missionen wird man sie einsetzen um zuerst zu beschleunigen um die Reisezeit  zu verk&uuml;rzen und dann vor dem ziel wieder abzubremsen.<\/p>\n<p>Trotzdem geht dies nur mit relativ kleinen Sonden. ein Technical Memorandum geht von  127-307 kg Sondenmasse aus (plus dem Antrieb und den RTG), je leichter desto schneller ist man am Ziel. Vor  allem sind so aber auch so Missionen m&ouml;glich die sonst ausgeschlossen sind,  wie Orbiter um einen Uranusmond (zu wenig Masse f&uuml;r das Abbremsen durch Fly-Bys) oder ein     Vorbeiflug an einem der &auml;u&szlig;eren KBO in Zeitskalen die ertr&auml;glich sind.<\/p>\n<p>Damit eine so kleine Sonde nennenswerte Datenmengen &uuml;bertragen kann, braucht  man dann wieder die 70 m Antennen und das macht es teuer. Trotzdem werden  die Sendeantennen wegen der Masserestrinktionen klein sein und die Datenraten wie bei New Horizons bei  einigen Kilobit\/s liegen wenn man erst bei Neptun angekommen ist. Ein  Ausweg w&auml;re das K Band zu benutzen. Bei fast 4 mal h&ouml;heren Sendefrequenzen  kann man 14 mal mehr Daten &uuml;bertragen. Es gibt zudem die M&ouml;glichkeit der optischen     Daten&uuml;bertragung die man nun im Erdorbit erprobt. (Meine Versuche hier mehr Informationen zu     bekommen wurden zur&uuml;ckgewiesen, da diese der Geheimhaltung unterliegen &#8211; In Deutschland laufen     die Versuche derzeit nat&uuml;rlich beim System SARLupe und TerraSAR und da ist die Anwendung recht     offensichtlich&#8230;).<\/p>\n<p>Richtig preiswert werden die Missionen nicht werden, eine Atlas 551 wird in den meisten   Untersuchungen vorausgesetzt und auch die RTG werden Plutonium enthalten. Aber &#8230;. und das ist es   was ich wichtig finde: Es gibt die reale Chance Orbiter zu jedem der &auml;u&szlig;eren Planeten zu senden.   Selbst Pluto\/Charon w&auml;re m&ouml;glich, auch wenn dann die Flugzeit mit 15.3 Jahren (bei einer 307 kg   Sonde) recht lang wird. Das letzte wird man wohl deswegen nicht umsetzen, weil einfach der   technische Fortschritt in 15 Jahren noch wesentlich leistungsf&auml;higere Instrumente m&ouml;glich macht.<\/p>\n<p>Mehr dazu findet man in dem <a href=\"\/rtg-ionentriebwerk.shtml\">Artikel &uuml;ber RTG und   Ionentriebwerke<\/a>, da findet man auch unten eine Linkliste zu den NASA Technical Memorandoms.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 1975 ver&ouml;ffentlichte ein Gremium der NASA folgende &quot;Roadmap! f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Erforschung der Planeten: 1981\/82: Start eines Jupiter Orbiters mit Atmosph&auml;rensonde (das sp&auml;tere Galileo Projekt) 1982\/83: Start eines Venus Orbiters der mit Radar 35 % Derr Oberfl&auml;che abtastet (das sp&auml;tere Magellan Projekt) 1983\/84: Start eines Mars Rovers der die Oberfl&auml;che des Planeten erkunden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-73","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":437,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18946,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/09\/14\/der-lambertsolver-und-startfenster\/","url_meta":{"origin":73,"position":0},"title":"Der Lambert\u2011Solver und Startfenster","author":"Bernd Leitenberger","date":"14.09.2026","format":false,"excerpt":"Derzeit baue ich mein Programm \u201eRakete\u201c wieder um. 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