{"id":7310,"date":"2012-11-22T00:28:31","date_gmt":"2012-11-21T23:28:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7310"},"modified":"2012-11-22T22:52:03","modified_gmt":"2012-11-22T21:52:03","slug":"magnetbander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/11\/22\/magnetbander\/","title":{"rendered":"Magnetb&auml;nder"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/7zollband.jpg\" alt=\"7 Zoll Band\" width=\"480\" height=\"480\" align=\"left\" \/>Der Univac f&uuml;hrte 1951 das Magnetband als Medium ein. Erfunden wurde es schon vorher. Nachdem schon 1888 die Aufzeichnung von Tonsignalen auf Stahldraht erfunden wurde, entwickelte AEG von 1935 bis 1940 das Magnetband basierend auf einem hochbeanspruchbarem Plastikband, das mit einer magnetischen Schicht meist aus Metalloxiden belegt war. Es war auf einer Rolle aufgerollt worden. Als UNIVAC das Magnetband als Datenspeicher einf&uuml;hrte, hatte es schon die Aufzeichnung und das Mischen von Tonsignalen revolutioniert und sich in der Studio Technik durchgesetzt.<\/p>\n<p>Das Prinzip der fr&uuml;hen Magnetb&auml;nder war sehr einfach: Eine Reihe von Schreib\/Lesek&ouml;pfen &uuml;ber die Breite des Bandes magnetisierten die darunter vorbeiziehende Oberfl&auml;chenschicht, bzw. die Magnetisierung induzierte beim Auslesen einen Strom in dem Schreib\/Lesekopf. Als sp&auml;ter die Datendichte immer h&ouml;her wurde, verkleinerte man die B&auml;nder, wodurch die Abspielger&auml;te kompakter wurden oder wenn diese beibehalten wurden, dann deckten die Spuren nicht mehr die volle Breite ab. War man am Ende des Bandes angekommen, wurden die K&ouml;pfe weiter bewegt und nutzten dann die untere H&auml;lfte des Bandes beim Spulen in die andere Richtung.\u00a0 Dies konnte man dann auf 3,4 etc. Durchg&auml;nge erweitern.<!--more--><\/p>\n<p>In den Neunzigern kam dann die helicale Aufzeichnung auf, bei der eine Spur schr&auml;g &uuml;ber die Breite geht und viele kurze Spuren sich &uuml;ber die Breite erstrecken. Dies wird z.B. beim DAT (Digital Audio Tape) eingesetzt. Durch die schr&auml;ge Aufzeichnung erreicht man bei relativ geringer Bandgeschwindigkeit eine hohe Datenrate.<\/p>\n<p>Der De Fakto Standard bei Gro&szlig;rechnern war das 1952 von IBM einf&uuml;hrte 7-Spur Band. Es hatte eine Breite von einem halben Zoll (12,7 mm). Das Band von anfangs 1200 Fu&szlig; L&auml;nge (370) m war auf einer 10,5 Zoll (26,6 cm) gro&szlig;en Rolle aufgewickelt. Sieben Spuren konnten ein Zeichen im 6 Bit Format (nur 64 Zeichen, Kleinbuchstaben waren nicht Bestandteil des Zeichensatzes) plus ein Parit&auml;tsbit speichern anhand dessen gepr&uuml;ft werden konnte, ob die Information korrekt gelesen wurde. (Bild oben links von Hannes Gr&ouml;be).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/Ibm704.gif\" alt=\"IBM 704\" width=\"355\" height=\"233\" align=\"right\" \/>Die Datendichte war anfangs gering und lag bei nur 200 Zeichen pro Zoll. Doch diese 5 Millionen Zeichen waren zu der damaligen Zeit enorm viel. Der IBM 701 Rechner mit dem sie eingef&uuml;hrt wurden, hatte dagegen einen Arbeitsspeicher von 2.000 bis 20.000 Zeichen. Der Massenspeicher war also 250 bis 2500-mal gr&ouml;&szlig;er als der Arbeitsspeicher.<\/p>\n<p>Die B&auml;nder aus sehr beanspruchen PET-Film konnten extrem schnell gestartet und gestoppt werden. Anfangs gen&uuml;gten 5 ms um die Maximalgeschwindigkeit von 2,68 m\/s zu erreichen, sp&auml;ter nur noch 1,5 ms. Das Band wurde dann auf eine zweite Rolle aufgespult. Viele Spielfilme dieser Zeit zeigen Magnetbandger&auml;te wenn es um die &#8222;Arbeit&#8220; von Computern geht, da f&uuml;r das menschliche Auge die B&auml;nder von einem Moment auf den anderen stoppen oder starten k&ouml;nnen und dies beeindruckend aussieht. Die Magnetbandger&auml;te selbst waren in etwa so gro&szlig; wie ein kleiner Schrank oder ein mannshoher K&uuml;hlschrank. Bis zum Ende der sechziger Jahre gelang es durch h&ouml;here Schreibdichten und d&uuml;nnere B&auml;nder (ein l&auml;ngeres Band) die Datenmenge auf 140 Megabyte zu vergr&ouml;&szlig;ern. Die Geschwindigkeit eines Bandes beim Lesen betrug 1,91 m\/s, beim Umspulen sogar 12,70 m. Bild links: IBM 704 Rechner des Lawrence Livermoore Laboratoriums (Copyrighthalter des Bildes). Auf der linken Seite sieht man vier Magnetbandlaufwerke.<\/p>\n<p>Da das Spulen viel schneller ging entwickelte man in der Folge verschiedene Techniken, um die Zeit des langsamen Lesens nur auf den Teil zu beschr&auml;nken wo auch Daten waren. Dazu geh&ouml;rten Sektormarker die auch bei hoher Geschwindigkeit lesbar waren oder ein Verzeichnis am Bandstart, das in den Arbeitsspeicher eingelesen wurde. So konnte an die richtige Stelle schnell vorgespult werden.<\/p>\n<p>Mit dem System 360 f&uuml;hrte IBM Mitte der sechziger Jahre ein 9-Spur Band ein, da nun Bytes mit 8 Bits Basis des Zeichensatzes waren. Doch die Abmessungen des Bandes blieben. Die 9 Spurb&auml;nder hatten Kapazit&auml;ten von 20, 40 und 140 MByte je nach Bandl&auml;nge. Sie setzten sich industrieweit durch, auch andere Computerhersteller wie DEC setzten sie ein. Bis in die achtziger Jahre wurden diese Magnetbandger&auml;te eingesetzt. Ihre typische Suchzeit betrug allerdings 30 bis 60 Sekunden. Bandlaufwerke wurden auch bei Satelliten und Raumsonden eingesetzt um Daten zwischenzuspeichern, da damals es nur einen Funkkontakt beim &Uuml;berfliegen einer Bodenstation gab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/qic-band.jpg\" alt=\"QIC Band\" width=\"640\" height=\"476\" align=\"left\" \/>Bei den PC&#8217;s konnten Bandlaufwerke nie richtig Fu&szlig; fassen. In den neunziger Jahren waren die Quarter-Inch Cartridges (QIC) popul&auml;r, deren Kassetten in etwa so gro&szlig; wie Kompaktkassetten waren. Die Laufwerke waren so gro&szlig; wie Floppy Disklaufwerke und konnten auch an den Floppy-Diskcontroller angeschlossen werden, da die gleiche Aufzeichungsweise (MFM) genutzt wurde. QIC Laufwerke gab es mit 40,80 und 125 MB Kapazit&auml;t, mit Datenkompression wurden 250 MByte erreicht. (Bild Links, aufgeschnittenes QIC Band von Steffen Pr&ouml;&szlig;dorf)<\/p>\n<p>Die Nachfolge bei Gro&szlig;rechnern trat das Digital Audio Tape an, dass die oben erw&auml;hnte schr&auml;ge Aufzeichnung nutzt. Es ist kompakt und speichert wie das QIC die Daten auf einer kompakten Kassetten, man muss also nicht die gro&szlig;en und scheren Bandrollen wechseln. Heute wechseln Roboter die Cartridges aus einem Bandarchiv. In dieser Form werden Magnetbandger&auml;te bis heute eingesetzt. Ein Roboter holt dazu ein Cartridge und f&uuml;hrt es in das Abspielger&auml;t ein. Wie der Name &#8222;Archiv&#8220; andeutet, werden so Daten gelagert die man nicht dauernd ben&ouml;tigt. Derartige Archive unterhalten alle Unternehmen die sehr hohe Datenmengen akquirieren, wie z.B. Satellitendaten. Auch das Backup von Daten von Festplatten erfolgt heute noch auf Band. Es ist jedoch anders als fr&uuml;her nicht mehr der prim&auml;re Massenspeicher, sondern eine Archivl&ouml;sung. Da die Cartridges sehr klein sind, k&ouml;nnen trotzdem viele Daten auf kleinem Raum gespeichert werden. Zudem ist dies bei vielen Cartridges billiger als Festplatten (die Laufwerke selbst sind deutlich teurer). Gemessen an der Kapazit&auml;t haben Festplatten inzwischen die B&auml;nder &uuml;berholt. Im November 2012 speicherte LTO als leistungsf&auml;higste Technologie 1,5 Terabyte auf einem Cartridge das mit &uuml;ber 100 x 100 mm deutlich gr&ouml;&szlig;er als eine 3,5&#8243; Festplatte ist.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist die Zweckentfremdung von Audiocasettenrekordern bei Heimcomputern in den siebziger und achtziger Jahren. Manche Hersteller brachten auch eigene Ger&auml;te auf den Markt, die sie dann &#8222;Datasetten&#8220; oder &auml;hnlich nannten. Die Heimcomputer hatten einen Anschluss f&uuml;r die Mikrofon und Lautsprecherbuchen seines Kassettenrecorders und sie speicherten Daten als T&ouml;ne. Von den ganzen F&auml;higkeiten des Rekorders wurde meist nur ein Ton einer Frequenz genutzt und eine bestimmte L&auml;nge stand f&uuml;r eine &#8222;0&#8220; und eine andere f&uuml;r eine &#8222;1&#8220;. Nach jedem Signal gab es dann Stille. Eine zweite Methode bestimmte, wenn das Signal von positiver zu negativer Spannung wechselte. Da T&ouml;ne Sinuswellen sind, schwankt die Spannung zwischen einem negativen und positiven Maximalwert. Gemessen wurde dann die Zeit zwischen zwei Passagen der Nulllinie. Eine lange Zeit entsprach dann einer &#8222;1&#8220; und eine kurze Zeit einer &#8222;0&#8220;. Hier wurden dann zwei Tonh&ouml;hen f&uuml;r die Aufzeichnung genutzt.<\/p>\n<p>Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass es nur ein &#8222;Einspurger&auml;t&#8220; ist und zudem von der Speicherkapazit&auml;t nur ein Teil genutzt wird. Hierzu ein Vergleich. Selbst eine billige Audiokassette konnte T&ouml;ne in einem Frequenzbereich von 100 bis 14.000 Hz speichern. Gem&auml;&szlig; den Shannonschen Theorem muss die Abtastfrequenz doppelt so hoch sein, also bei mindestens 28 kHz liegen. Nimmt man nur 8 Bit Quantisierungstiefe pro Herz, so entspricht dies einer Datenmenge von 224 kbit\/s. Telefon, bei dem nur ein Teil dieses Spektrums &uuml;bertragen wird, hat wenn es bei ISDN digital &uuml;bertragen wird, eine Datenrate von 64 kbit\/s und CD-ROMS mit h&ouml;herer Abtastrate, Stereo und besserer Digitalisierung kommt auf 1200 kbit\/s.<\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber erreichten einfache Datasetten 300-600 Bit\/s. Ein in meinem CPC-464 eingebauter Rekorder, der besonders abgestimmt war, erreichte 1000\/2000 Bit\/s. Mit einer eigens geschriebenen Firmwareroutine konnte man 3900 Bit\/s erreichen, doch diese Datenrate war schon zu dieser Zeit extrem langsam. Zudem fehlten allen Ger&auml;ten die M&ouml;glichkeiten des schnellen Vorspulens. Um ein Programm zu finden musste man das gesamte Band abspielen. Man musste also im Extremfall bei einer C60 Cassette bis zu 30 Minuten warten, bis ein Programm eingeladen war. Daher wurden f&uuml;r diese Ger&auml;te auch Cassetten mit nur 10, 20 oder 30 Minuten Dauer angeboten.<\/p>\n<p>Die Versuche, Magnetb&auml;nder auch beim Heimcomputern digital einzusetzen, anstatt analoge T&ouml;ne zu speichern gab es, sie waren jedoch nicht sehr erfolgreich. Die Firma Sinclair f&uuml;hrte ein Microdrive ein. Obwohl die B&auml;nder mit 1,9 mm Breite und 5 m L&auml;nge weniger als ein Drei&szlig;igstel der Fl&auml;che eines Bandes einer Kompaktkassette hatten, war ihre Datendichte zehnmal h&ouml;her und erreichte 85 Kbyte f&uuml;r dieses kleine Band. Auch die &Uuml;bertragungsrate von 15 Kbyte\/s war um den Faktor 100 schneller. Zudem konnten bei dem kurzen Band innerhalb von 7-8 s das Band nach einem Programm abgesucht werden.<\/p>\n<p>Allerdings wurde das Band f&uuml;r die Microdrives sehr teuer verkauft, teuer als Disketten, auch wenn das Laufwerk selbst recht preiswert war. Vor allem aber war es sehr unzuverl&auml;ssig. Daher konnte es sich, wie auch andere Versuche einer &#8222;Band-Floppy&#8220;, nicht durchsetzen.<\/p>\n<p>Mit dem sinkenden Preis von Diskettenlaufwerken war nach etwa 10 Jahren (das erste Interface wurde 1977 von Tarbell f&uuml;r den Altair 8800 vorgestellt) Mitte der achtziger Jahre das Ende der Kompaktkassette als Datenspeicher auch bei Heimcomputern gekommen.<\/p>\n<p>Um die Jahrtausendwende versuchten einige Bastler das Prinzip auf den Videorekorder zu &uuml;bertragen, also auch hier die Daten analog als Bilder (genaue gesagt farbiger Fl&auml;chen) zu speichern. Doch keiner dieser Versuche konnte sich auf dem Markt platzieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Univac f&uuml;hrte 1951 das Magnetband als Medium ein. Erfunden wurde es schon vorher. Nachdem schon 1888 die Aufzeichnung von Tonsignalen auf Stahldraht erfunden wurde, entwickelte AEG von 1935 bis 1940 das Magnetband basierend auf einem hochbeanspruchbarem Plastikband, das mit einer magnetischen Schicht meist aus Metalloxiden belegt war. Es war auf einer Rolle aufgerollt worden. 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