{"id":7354,"date":"2012-11-30T14:02:46","date_gmt":"2012-11-30T13:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7354"},"modified":"2012-12-01T12:57:23","modified_gmt":"2012-12-01T11:57:23","slug":"zum-wiederholten-male-alternativen-zur-ariane-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/11\/30\/zum-wiederholten-male-alternativen-zur-ariane-6\/","title":{"rendered":"Zum wiederholten Male: Alternativen zur Ariane 6"},"content":{"rendered":"<p>Wer meinen Blog regelm&auml;&szlig;ig besucht, wei&szlig;, dass ich schon einiges zu dem Thema geschrieben habe. &Uuml;ber die Ariane 6 selbst wei&szlig; man noch wenig, aber in meinen Augen ist es unsinnig mit 4 Milliarden Euro eine neue Rakete zu entwickeln, die weniger kann als die alte. Wenn man Pech hat, steigen die Satellitenmassen wieder an, weil in einigen Jahren mit Angara A7, Langer Marsch 5 und Falcon Heavy auch andere Tr&auml;ger verf&uuml;gbar sind f&uuml;r gro&szlig;e Nutzlasten und die Rakete ist zu klein. Des weiteren w&auml;re ich vorsichtig bei Preisprognosen, da lag man in Europa zweimal daneben (Ariane 1: kein Markt, Space Shuttle ist billiger, Ariane 5: wird 40% billiger als Ariane 4). Es k&ouml;nnte sich erweisen. dass die Ariane 6 nicht billiger als die Ariane 5 wird und dann hat man sie umsonst entwickelt. Vielmehr sollte man die Ariane 5 flexibilisieren. Hier mein Vorschlag:<!--more--><\/p>\n<p>Als erstes mal muss die ESC-B in der Weise optimiert werden, wie ich vor einigen Tagen vorgeschlagen habe. Dann alleine k&ouml;nnte die Nutzlast auf 13,5 bis 14 t anheben, wobei die Rakete schon zwei Satelliten der 6 bis 6,5 t Klasse transportieren, also die gr&ouml;&szlig;ten derzeit verf&uuml;gbaren und man h&auml;tte noch Luft bei schwereren sie mit einem 4,5-6 t Satelliten zu kombinieren. Gegen&uuml;ber meinem letzten Vorschlag w&auml;re &uuml;brigens zu erg&auml;nzen, dass nachdem ja nun beschlossen wurde das Orion-Servicemodul aus dem ATV zu entwickeln, die ESC-B leichter werden kann, da nun die maximale strukturelle Belastung von 23 t (ATV Start) auf 16 t (Maximalnutzlast nach diesem Artikel) sinkt. Das macht zwar nur 50 kg aus, doch 50 kg mehr sind 50 kg mehr Nutzlast&#8230;.<\/p>\n<p>Zur Erkl&auml;rung: Satellitenbauer legen diese so aus, dass es immer zwei Tr&auml;ger gibt, die sie starten k&ouml;nnen. Sonst ist man auf Gedeih und Verderb an einen Anbieter gebunden. Die nach Ariane 5 leistungsf&auml;higsten Tr&auml;ger sind Zenit und Proton, beide mit 6-6,3 t Nutzlast. Daher sind heute die schwersten Satelliten so schwer und wenn es weitere Alternativen gibt, dann kann es gut sein, dass die Satelliten noch schwerer werden.<\/p>\n<p>Mein Ansatz geht nun darin, die Nutzlast nochmals etwas anzuheben und gleichzeitig die Option zu haben, auch kleinere Nutzlasten zu starten. Da muss ich mich bei der ASI bedanken, die in der Hoffnung, dass man den Auftrag f&uuml;r eine zweite Generation von Ariane 5 Boostern bekommt, die Vega so ausgelegt hat, dass der Durchmesser der ersten Stufe den EPC entspricht und auch die Fabrik gleich f&uuml;r die Fertigung ausgelegt hat). Das Bedeutet, man kann zwei P85 antriebe anstatt den EAP einsetzen. Ihr hoher Startschub von je 1912 kN bei 95 t Gewicht reicht aus, dass die Ariane 5 trotzdem abheben kann. (Startschub 4784 kN bei 425,5 t Startmasse). Die Nutzlast der optimierten Version sinkt dann auf 9 t ab &#8211; oder 7 t wenn man die normale ESC-B nimmt, damit hat man schon mal den Ersatz mit der Ariane 6. Der Durchmesser von 3 m sorgt zudem daf&uuml;r, das die kompatibel zur Startplattform der Ariane 5 sind.<\/p>\n<p>Die zweite Option ist es, diese P85 Booster zus&auml;tzlich zur Ariane 5 einzusetzen. Auch hier reicht der Schub der EAP noch aus trotzdem abzuheben (13.000 kN Schub bei 982,4 t Gewicht). Der Trick ist es hier die Booster erst zu z&uuml;nden wenn die EAP ausgebrannt sind. Dadurch wird eine zu starke aerodynamische Belastung im unteren Teil der Bahn vermeiden, die z.B. von der ESA bei CFK-EAP als negativ eingestuft wurde. Die Zeit in der Feststofftriebwerke arbeiten, verl&auml;ngert sich so um 107 s. Zuerst werden die EAP abgetrennt, dann die P80. Als weiterer Vorteil sind keine &Auml;nderungen an der Startbasis n&ouml;tig. Zusammen mit zwei P80 Boostern kommt man so auf 15.900 kg Nutzlast (13.900 wenn die ESC-B nicht optimiert wird).<\/p>\n<p>In der Zusammenfassung hat man dann drei Konfigurationen mit 7, 11,5 und 13,9 t Nutzlast (ohne optimierte ESC-B) oder 9, 13,5 und 15,9 t Nutzlast (mit optimierter ESC-B). Das ist doch eine gute Abdeckung eines breiten Nutzlastbereichs von der anvisierten Ariane 6 bis &uuml;ber die derzeitige Ariane 5 hinaus. Und wenn man noch etwas kleineres braucht: Eine Vega, mit einem EAP als erste Stufe w&uuml;rde 5 t in den sonnensynchronen und 2 t in den GTO orbit bringen und w&auml;re so geeignet die Sojus f&uuml;r Erdbeobachtungsmissionen und kleine Satelliten zu ersetzen. Mit Vega- und Ariane-Elementen deckt man so den Nutzlastbereich von 1,5 t SSO bis 16 t GTO ab.<\/p>\n<p>Wenn man etwas entwickeln will, (vergessen wir nicht: es geht immer auch darum was neues zu entwickeln, so waren alle Vorschl&auml;ge des FLPP Programms aus dem die Ariane 6 entstehen sollte, welche mit neuen Technologien wie LOX\/LNG Triebwerken, staged-combustion Triebwerken oder &auml;hnliches einsetzten), dann w&auml;re die sinnvollste Idee ein neues Haupttriebwerk. Das Vulcain 2 ist die teuerste Einzelkomponente. Ein billigeres und trotzdem schubst&auml;rkeres gibt mehr Optionen f&uuml;r die Best&uuml;ckung mit Boostern und reduziert die Gravitationsverluste. Bei etwa 2750 kN Schub w&auml;re die Rakete sogar f&auml;hig ohne Booster abzuheben. So schubstarke Triebwerke waren allerdings nicht vorgesehen. Immerhin die 1700 bis 2000 kN die auch geplant waren w&uuml;rden die Nutzlast auch um 700 bis 1000 kg anheben, wenn man auf einen Teil der Performance verzichtet, kann man ein Triebwerk mit etwas schlechterem Wirkungsgrad nehmen, dass daf&uuml;r billiger in der Fertigung ist. Auch hier gibt es Vorbilder: Das RS-68 wurde bewusst nicht auf Leistung sondern Preis getrimmt.<\/p>\n<p>Leider sieht es so aus, als w&uuml;rde die aktuelle Entwicklung aber eher f&uuml;r die Ariane 6 sprechen. Boeing hat Auftr&auml;ge f&uuml;r &#8222;All electric&#8220; Satelliten erhalten. Sie setzen das um was der Autor seit Jahren predigt: Ionentriebwerke nicht nur zur Lageregelung sondern auch als Antrieb einzusetzen. Die basierend auf dem HS-.702 Bus erstellten Satelliten wiegen rund 2 t. Bisher gestartete Satelliten wogen zwischen 4,5 und 6,1 t oder zwischen 2,775 und 3,832 t im Orbit. Das bedeutet dass man rund ein Drittel der Startmasse einsparen kann. Wenn das weiter die Rundem acht (bisher sind nur 4 Satelliten bestellt, das sind bei 20-25 j&auml;hrlich gestarteten Satelliten noch ein kleiner Bruchteil aller Starts) dann w&uuml;rde Ariane 6 dann auch die Nutzlast der Ariane 5 aufweisen, wenn sie diese &#8222;all electric&#8220; Satelliten transportiert. Die ESA reagiert nat&uuml;rlich wie gehabt: weil (wie auch &uuml;blich) die europ&auml;ische Industrie geschlafen hat, legt sie ein Programm auf indem sie die Entwicklung <a href=\"http:\/\/www.spaceflightnow.com\/news\/n1211\/26electra\/#.ULipZoOyEUM\"> mitfinanziert<\/a>. Dabei testet man an der Uni Giessen seit Jahrzehnten an Ionentriebwerken, auf denen auch die kommerziellen Produkte von EADS basieren, man h&auml;tte nur mal das Konzept weiter entwickeln m&uuml;ssen&#8230;.<\/p>\n<p>Immerhin, so hat die ESA wieder ein Argument f&uuml;r die Wiederz&uuml;ndbarkeit der ESC-B, die sonst nur bei ATV-Missionen ben&ouml;tigt wird (und die sind ja nun weggefallen): F&uuml;r derartige Satelliten ist anstatt der klassischen GTO Bahn eine mit einem h&ouml;heren Perig&auml;um, daf&uuml;r niedrigerem Apog&auml;um g&uuml;nstiger, so kann man mit dem gleichen Geschwindigkeitsaufwand eine 7000 km hohe Kreisbahn erreichen. Diese liegt aber &uuml;ber dem inneren Strahlungsg&uuml;rtel, der der intensivere der beiden ist. Daf&uuml;r muss man die Stufe allerdings beim Erreichen des Apog&auml;ums nach 83 Minuten die Stufe erneut z&uuml;nden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer meinen Blog regelm&auml;&szlig;ig besucht, wei&szlig;, dass ich schon einiges zu dem Thema geschrieben habe. &Uuml;ber die Ariane 6 selbst wei&szlig; man noch wenig, aber in meinen Augen ist es unsinnig mit 4 Milliarden Euro eine neue Rakete zu entwickeln, die weniger kann als die alte. 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