{"id":7360,"date":"2012-12-02T00:47:41","date_gmt":"2012-12-01T23:47:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7360"},"modified":"2013-07-04T07:57:05","modified_gmt":"2013-07-04T05:57:05","slug":"medienwirksame-raumfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/12\/02\/medienwirksame-raumfahrt\/","title":{"rendered":"Medienwirksame Raumfahrt"},"content":{"rendered":"<p>Heute wieder ein Gastbeitrag von Thierry Gschwindt<\/p>\n<p>Wie viele hier schon wissen, l&auml;sst das Interesse f&uuml;r Raumfahrt bei normalen Leuten im Allgemeinen schnell nach, sodass immer hinterfragt wird, wieso man zig Milliarden daf&uuml;r ausgeben soll: Man hat ja auf der Erde genug Probleme. In der Anfangszeit der Raumfahrt konnte man viele Leute beeindrucken, indem gro&szlig;e Erstleistungen vollbracht wurden. Um die Leute zu begeistern, m&uuml;ssen die Mission etwas spektakul&auml;rer sein, und die Bilder die herauskommen, sollten so herausragend sein, sodass eine gro&szlig;e Allgemeinheit sie danach kennt, und schlie&szlig;lich in jedem Schulbuch &uuml;bers Sonnensystem landen.<!--more--><\/p>\n<p>Ein neuer Ansatz w&auml;re, dass die Bilder nicht frei zug&auml;nglich w&auml;ren, sondern dann aufgearbeitet als z.B. IMAX-Film verkauft werden. Man geht schlie&szlig;lich in ein IMAX-Kino um die Filme zusehen, als ob man dort w&auml;re. Sp&auml;ter k&ouml;nnten die Filme und Bilder auch &uuml;ber andere Kan&auml;le verkauft werden. Mit geeignetem Marketing lie&szlig;en sich so vielleicht ein Teil der Missionskosten zur&uuml;ckholen. Um die Forschung nicht lahm zulegen, w&uuml;rden die Daten immer noch frei zu Verf&uuml;gung gestellt, allerdings m&uuml;ssten die betroffenen Institute NDAs unterschreiben, dass sie die Bilder nicht vor einem bestimmten Zeitpunkt ver&ouml;ffentlichen. Instrumente, die keine Bilder generieren, w&auml;ren immer noch frei verf&uuml;gbar. Den Leute interessiert es ja nur, wie es aussieht, wenn man selbst dort w&auml;re. Ver&ouml;ffentlicht man Falschfarbenbilder, kommt es leicht vor, dass man glaubt, es sehe so aus, wenn man dort ist.<\/p>\n<p>Im Folgenden sollen die verschiedenen m&ouml;glichen Ziele unter diesen Gesichtspunkten betrachtet werden. Bemannte Mission werden nicht betrachtet. Alle Missionen sind in der Flagship-Klasse, also mehr als eine Milliarde Dollar. Als Instrument ist eine hoch aufl&ouml;sende Kamera Pflicht, die auch Video mit &uuml;blichen Framerates machen kann (25 fps oder mehr). Die &Uuml;bertragung des Videos kann auch stark komprimiert erfolgen. Einzelne Frames k&ouml;nnen nachtr&auml;glich unkomprimiert &uuml;bertragen werden.<\/p>\n<p>Weitere Instrumente werden nach wissenschaftlichen Kriterien gew&auml;hlt ausgew&auml;hlt.<\/p>\n<p>Um m&ouml;glichst viele Ort zu besuchen, sollte die Mobilit&auml;t m&ouml;glichst gro&szlig; sein, d.h station&auml;re Ladern fallen aus. Auch sollte die Missionsdauer genug lang sein, um genug Bildmaterial zu sammeln. Einfache Landesonden, wie Huygens, sind nur bedingt einsetzbar.<\/p>\n<h3>Merkur<\/h3>\n<p>Auf dem Merkur l&auml;sst sich keine spektakul&auml;re Mission machen: F&uuml;r den normalen Betrachter ist dies nur ein weiterer Gesteinsplanet, der aussieht wie der Mond. Die technischen Tricks, die man braucht, um &uuml;berhaupt so eine Mission durchzuf&uuml;hren, sind schwierig zu vermitteln.<\/p>\n<h3>Venus<\/h3>\n<p>Falls man es schaffen k&ouml;nnte einen aktiven Vulkan auf der Venus zu finden, k&ouml;nnte man eine spektakul&auml;re Mission aufstellen. Das w&auml;re dann ein Flugger&auml;t, das um den Vulkan fliegen kann. Zus&auml;tzliche Instrumente k&ouml;nnten Spektrometer oder Chromatograph sein. Das gro&szlig;e Problem ist die K&uuml;hlung, aber es gibt Vorschl&auml;ge f&uuml;r Stirling gek&uuml;hlte Rover. Vielleicht lie&szlig;e sich das abwandeln. Falls es Fortschritte in Elektronik auf Diamantbasis gibt, w&auml;re das auch hilfreich, da diese Bauteile bei h&ouml;heren Temperaturen noch liefen. Aber dies wird noch einige Jahre dauern, und noch l&auml;nger um weltraumtauglich zu sein.<\/p>\n<p>Eine andere Methode w&auml;re, dass das Flugger&auml;t in gro&szlig;er H&ouml;he verweilt, wo die Temperatur moderat ist, und noch Licht scheint, sodass die Solarzellen Batterien laden k&ouml;nnen. Danach geht es in den Sturzflug und man versucht so schnell wie m&ouml;glich runter zu fliegen. Dreht ein paar Kreise, macht seine Bilder, und fliegt so schnell wie m&ouml;glich wieder rauf.<\/p>\n<p>Das Flugger&auml;t muss nat&uuml;rlich immer auf der Tagseite bleiben.<\/p>\n<h3>Mond<\/h3>\n<p>Auf dem Mond l&auml;sst sich nichts mehr medienwirksames machen, au&szlig;er weitere Personen dort zu landen.<\/p>\n<h3>Mars<\/h3>\n<p>Bis jetzt wurden vor allem sichere Landepl&auml;tze angeflogen, die meistens eher langweilig sind. Mit einer Weiterentwicklung der MSL-Landstufe k&ouml;nnte man auch gef&auml;hrlichere Gebiete anvisieren, oder zu mindest m&ouml;glich nah dran landen. Der Rover sollte ein Zwischending sein, zwischen dem MSL und den MERs. Vor allem ist die nukleare Energieversorgung ein Knackpunkt, da man die Generatoren lieber f&uuml;r Missionen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem verwenden sollte.<\/p>\n<ul>\n<li>Valles Marinensis: Wenn man vom Mars erz&auml;hlt, kommt ziemlich schnell dieser riesige Canyon, von dem es hei&szlig;t der Grand Canyon ist eigentlich nur kleines Tal im Vergleich. Die Bilder w&uuml;rden definitiv viele begeistern, wissenschaftlich gibt es sicher auch viel zu holen. Wegen der Steilw&auml;nde w&auml;re die Kommunikation schwieriger, deshalb w&auml;re es von Vorteil einen Orbiter im hohen Orbit zu haben, der die Daten zu Erde weiter leitet.<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine &auml;hnliche Mission k&ouml;nnte man zum Olympus Mount planen. Das schwierige hier ist die Landung in gro&szlig;er H&ouml;he, es sei den man will den ganzen Vulkan hochfahren, was schnell mehrere hundert Kilometer sind.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Jupiter<\/h3>\n<p>Im Jupitersystem gibt meiner Ansicht nach drei Missionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein automatisches U-Boot in den Ozean von Europa (oder eines andere Mondes). Die Idee, dass man dort au&szlig;erirdische Lebewesen finden k&ouml;nnte, sollte eigentlich das gro&szlig;e Geld springen lassen. Denn man braucht mehrere Komponenten: Orbiter zur Daten&uuml;bertragung sowie globale Datenerfassung, Lander die Kommunikation aufrechterhalten, Schmelzsonde sowie das eigentliche U-Boot. Eigentlich Herausforderung wird das U-Boot sein, da es gr&ouml;&szlig;tenteils autonom sein muss. Falls sich das Leben auf dem Grund des Ozeans abspielt, muss es die M&ouml;glichkeit haben, mehrere Kilometer tief zu tauchen. Da aber auf Europa die Gravitation schw&auml;cher ist, nimmt der Druck des Wassers weniger schnell als auf der Erde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Entwicklung des U-Boots w&uuml;rde sicher auch der Erforschung auf der Erde helfen: Man h&auml;tte dann automatische U-Boote, die quasi die Meere abfahren, und m&ouml;glichst viele Daten sammeln. Nach einer bestimmten Zeit tauchen sie auf, die senden die Daten. Falls man etwas Interessantes finden w&uuml;rde, kann man dann die Stelle genauer erforschen.<\/p>\n<p>Als Instrumente f&uuml;r das U-Boot w&auml;re neben obligatorischen Kamera, eine Mikroskop Kamera, Mikrofone, Sonar sowie diverse Instrumente um das Wasser zu analysieren. F&uuml;r den Fall von gr&ouml;&szlig;eren Lebensformen sollte ein Fangsystem mitgef&uuml;hrt werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Rover auf Io. Das bedeutet man braucht ein extremes strahlenresistentes Design. Also die Elektronik kann auch aus strahlengeh&auml;rteten Bauteile bestehen, diese m&uuml;ssen dann in dicken Aluminium (oder vielleicht Blei) Geh&auml;use platziert werden. Die Redundanz muss auf die Spitze getrieben werden: mindestens dreifache Redundanz, wenn nicht vierfach oder mehr. Neben der Kamera braucht es ein Spektrometer sowie Instrumente zu Analyse des Bodens. Zus&auml;tzlich wird ein Orbiter zur Daten&uuml;bertragung ben&ouml;tigt. Der Orbiter kreist au&szlig;erhalb des Strahlungsg&uuml;rtels. Vermutlich ist eine Laserkommunikation notwendig, da die Elektronik einer Antenne besch&auml;digt werden k&ouml;nnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Rover w&uuml;rde dann in Reichweite eines Vulkans landen, und sich langsam diesem ann&auml;hern. Mit den richtigen Instrumenten k&ouml;nnten auch die Schwefellavastr&ouml;me analysiert werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Flugger&auml;t in die Jupiter-Atmosph&auml;re. Es best&uuml;nde aus einem nuklear betriebenen Flugzeug, das die obere Atmosph&auml;re durchfliegt und dabei Daten sammelt. Es gab schon eine Galileo-Kapsel, aber die Daten waren nicht repr&auml;sentativ, da sie nur von einem Punkt kamen. Schwierig am Ganzen ist die Steuerung in unbekannte Windverh&auml;ltnisse.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Saturn<\/h3>\n<p>Im Saturnsystem sind die Monde wieder auf dem Programm, sowie die Ringe.<\/p>\n<ul>\n<li>Ringorbiter. Bis jetzt gibt es nur Bilder von den Ringen von weit weg, sodass man die einzelnen Elemente nicht sieht. Bei dieser Mission w&uuml;rde die Raumsonde, einen Orbit innerhalb der Ringe einschlagen, sodass man die einzelnen Elemente anschauen, und gegebenenfalls drauflanden kann. Bei kleinen Brocken, braucht es keine speziellen Vorkehrungen daf&uuml;r. Die Sonde m&uuml;sste aber mit einem Kollisionserkennungsprogramm ausgestattet sein, dass es erm&ouml;glicht schnell den Kurs zu &auml;ndern, falls ein Brocken die Bahn kreuzen w&uuml;rde.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Enceladus Rover. Ein Rover von der MSL-Klasse wird in der N&auml;he des S&uuml;dpols bei den Geysiren abgesetzt. Er n&auml;hrt sich langsam diesen. Es gab schon in einige Fernsehsendungen Beschreibungen unterlegt mit CGI Bilder davon. Es hie&szlig;, dass die Geysire bis in den Weltraum hinaufschie&szlig;en, etwas, dass man noch nie gesehen hat. Im Gegenlicht fotografiert gibt das sicher sch&ouml;n Aufnahmen. Mit geeigneten kann das Wasser auch direkt analysiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Titanoberfl&auml;chenmission. Hier gibt es zwei Alternativen. Entweder einen Ballon oder Zeppelin, der ein paar Kilometer &uuml;ber den Boden kreist, sowie ab und zu mal landet, um Boden oder Gew&auml;sser zu analysieren. Die andere w&auml;re ein amphibischer Rover, der an Land fahren kann, sowie in einem Methangew&auml;sser schwimmen kann. Es besitzt auch ein Antriebssystem f&uuml;r das fl&uuml;ssige Medium, entweder Propeller oder der R&auml;der k&ouml;nnen auch als Schaufelr&auml;der benutzt werden. Der Rover w&auml;re eine bessere Alternative als die vorgeschlagene TIME Mission, die eher eine bessere Boje auf einem der Titanseen landen will. Der Rover k&ouml;nnte auch die Methanfl&uuml;sse untersuchen oder vielleicht sogar Methanwasserf&auml;lle filmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Rover k&ouml;nnte &auml;hnlich dem MSL gebaut werden. Allerdings m&uuml;sste die Isolation verbessert werden, damit der die Elektronik nicht ausgek&uuml;hlt. Gegebenenfalls w&auml;re vielleicht ein zweiter RTG n&ouml;tig, um genug W&auml;rme zu produzieren. Zus&auml;tzlich br&auml;uchte der Rover gro&szlig;en Scheinwerfer, um auch in die siebent&auml;tigen Nacht arbeiten zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<h3>Uranus und Neptun<\/h3>\n<p>Leider wei&szlig; man &uuml;ber beide Planeten noch zu wenig, um ein interessantes Objekt anzusteuern. Zuerst sind Orbiter Missionen \u00e0 la Cassini n&ouml;tig.<\/p>\n<h3>Pluto und Kupier G&uuml;rtel<\/h3>\n<p>Leider ist technisch noch nicht m&ouml;glich die Objekte innerhalb vern&uuml;nftiger Zeit zu erreichen, um einen Orbit einschlagen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wieder ein Gastbeitrag von Thierry Gschwindt Wie viele hier schon wissen, l&auml;sst das Interesse f&uuml;r Raumfahrt bei normalen Leuten im Allgemeinen schnell nach, sodass immer hinterfragt wird, wieso man zig Milliarden daf&uuml;r ausgeben soll: Man hat ja auf der Erde genug Probleme. 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