{"id":7411,"date":"2012-12-20T00:17:51","date_gmt":"2012-12-19T23:17:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7411"},"modified":"2012-12-20T00:18:40","modified_gmt":"2012-12-19T23:18:40","slug":"ein-kommunikationsproblem-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/12\/20\/ein-kommunikationsproblem-teil-2\/","title":{"rendered":"Ein Kommunikationsproblem Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>So, nun geht es weiter mit der L&ouml;sung des Kommunikationsproblems, das ich gestern andiskutiert habe.<\/p>\n<p>Zuerst einmal kann man funktechnisch einiges verbessern. Die US-Sonden hatten nur wenige Watt Sendeleistung. Bei einer Lebenszeit von maximal drei Stunden (mit 1 Stunde Abstiegszeit) kann man ohne Problem mit hoher Sendeleistung senden, da die Batterie nicht viel mehr wiegt. Irgendwann wird dann der Sender dann aber auch sehr schwer, doch 100 Watt sollten m&ouml;glich sein, Das ist immerhin der vierfache Wert von der gro&szlig;en Pioneer-Venus Sonde. Eine weitere Optimierung besteht darin, dass man nicht eine Rundstrahlantenne nimmt, sondern 7 Antennen mit einem je 70 Grad &#8211; eine in der Mitte, sechs au&szlig;en. Das bringt einen weiteren\u00a0Gewinn\u00a0um den Faktor 5,6. Zusammen ist dies dann schon der Faktor 13,1 oder 3600 Bit\/s. Das ist dann die Datenrate von Venera 11-14. Eine h&ouml;here Sendefrequenz als das in Pioneer Venus eingesetzte S-Band bei 2291 MHz ist wahrscheinlich wegen der dichten Atmosph&auml;re nicht m&ouml;glich.<!--more--><\/p>\n<p>Das sinnvollste ist es die Daten aus dem Orbit oder nahe der Venus zu empfangen. Hier gibt es drei M&ouml;glichkeiten:<\/p>\n<p>Die offensichtlichste: wir ben&ouml;tigen einen Bus um die Sonde zur Venus zu bringen. R&uuml;stet man diesen mit einer gro&szlig;en Empfangsantenne aus, sonst hat er ja keine andere Funktion, so kann man aufgrund der nahen Distanz viel mehr Daten &uuml;bertragen als bei einer wesentlich gr&ouml;&szlig;eren Antenne auf der Erde, einfach weil die Sonde 1000-mal n&auml;her an der Oberfl&auml;che ist. Die Datenrate nimmt dabei zu, wenn man sich der Venus n&auml;hert. Geht man von einer Minimaldistanz von 6000 km aus und zwei Stunden Sendezeit mit hoher Datenrate (Bilder) (das sind 30 Minuten vor und 90 Minuten nach der Landung), so kann man mehr als 680 kBit\/s &uuml;bertragen. Die Sonde ist dann in rund 46000 km entfernt (Ankunftsgeschwindigkeit rund 3000 m\/s im Unendlichen). Die Datenrate nimmt dann rasch zu und erreicht in Minimalentfernung 39,7 Mbit\/s. Bei einer nominellen Mission m&uuml;sste in 23700 km der Punkt &#8222;Landung +15 min&#8220; erreicht sein, bei einer Datenrate von 2,6 Mbit\/s<\/p>\n<p>Die Sonde kann dieses Verhalten nutzen, indem sie einen Empf&auml;nger hat der ein Funksignal des Busses empf&auml;ngt. &Uuml;bersteigt die St&auml;rke ein gewisses ma&szlig; kann man die Datenrate erh&ouml;hen.<\/p>\n<p>Die zweite Option ist ein in einer Umlaufbahn befindlicher Orbiter. Hier gibt es zwei Optionen. Die eine ist ein Orbiter in einer elliptischen Umlaufbahn wie Venus Express. Ein solcher Orbiter hat, wenn der Landepunkt richtig gew&auml;hlt wird (m&ouml;glichst unter dem Fu&szlig;punkts des Apog&auml;ums) sehr lange Kontakt, Bei Venus Express sind es rund 16 Stunden pro 24 Stunden Umlaufszeit. Daf&uuml;r ist er auch weiter entfernt (bis zu 66.000 km) und er hat auch eine kleinere Antenne (1,5 m). So ist er zuerst einmal eine schlechtere Option, allerdings nur, f&uuml;r diesen konkreten Fall. Ein Orbiter k&ouml;nnte nat&uuml;rlich auch eine gr&ouml;&szlig;ere Antenne einsetzen und sofern er gen&uuml;gend Treibstoff hat, die Umlaufbahn anpassen. Reduziert man das Apog&auml;um auf 20.000 km, so hat man immer noch mindestens 2 Stunden Funkkontakt, befindet sich aber im Mittel in einer niedrigeren Entfernung von der Oberfl&auml;che. Vor allem resultiert hier so eine gr&ouml;&szlig;ere Dauerdatenrate, auch wenn die Spitzendatenrate kleiner ist. Was besser ist? Das h&auml;ngt von der Missionsdauer ab. Bei einer Vorbeiflugsonde nimmt die Datenrate enorm rasch zu. Die letzten 2000 s ist sie n&auml;her an der Venus als der Orbiter. In den letzten zwei Minuten kann sie so viele Daten &uuml;bertragen wie zum Orbiter in 20.000 km Entfernung in 19 Minuten. F&auml;llt die Sonde vorher aus, so hat man die Daten aus gr&ouml;&szlig;erer Entfernung (niedrige Datenrate) und lebt sie l&auml;nger, so kann man dies nicht nutzen (mehrmals bei Venussonden und Huygens vorgekommen), weil der Bus den Planeten passiert hat.<\/p>\n<p>Die dritte M&ouml;glichkeit ist ein erdnaher Orbiter. Ein Radarorbiter h&auml;tte z.B. wahrscheinlich eine kreisf&ouml;rmige venusnahe Bahn. in 1000 km Entfernung wird der Startort innerhalb von 18 Minuten passiert. Streuungen am Horizont und Hindernisse abgerechnet, bleiben dann noch 12-15 Minuten. Allerdings ist die Distanz nun nochmals n&auml;her: maximal 3.900 km, minimal 1000 km. Selbst mit einer kleinen Parabolantenne kann man in diesen 12 Minuten daher erheblich mehr Daten &uuml;bertragen als in zwei Stunden zu einer gr&ouml;&szlig;eren Entfernung. Daf&uuml;r ist das Timing sehr bedeutend: Ist man zu fr&uuml;h dran, so verpasst man vielleicht die Oberfl&auml;chenaufnahmen. Ist man zu sp&auml;t dran, so haucht die Sonde vorzeitig das Leben aus. Ein dauernder Kontakt existiert zudem nicht, was die Mission nochmals problematischer macht. Verstummt die Sonde bei der Landung oder vor der Passage, so hat man n&auml;mlich dann gar keine Daten. Geht man auf eine 2000 km hohe Umlaufbahn, so steigt die &Uuml;berflugsdauer auf 30 Minuten. Hinsichtlich der Datenrate ist dies das Optimum, doch insgesamt erscheint es doch zu riskant.<\/p>\n<p>Was ist nu die beste L&ouml;sung? Ein venusnaher Orbiter erscheint zu riskant das Restrisiko ist gro&szlig;, dass man gar keine Daten bekommt. Ein Orbiter auf einer elliptischen Umlaufbahn ist besser geeignet, wenn man seine Umlaufbahn so anpassen kann das er m&ouml;glichst nahe der Venus ist, aber noch die volle Betriebsdauer der Sonde abdeckt. Das w&auml;re bei einer 200 x 20.000 km Umlaufbahn gegeben. Eine Einschr&auml;nkung bei beiden Orbitern besteht darin, dass der Landepunkt auf deren Umlaufbahn angepasst werden muss.<\/p>\n<p>Ist die Umlaufbahn nicht anpassbar oder hat dieser Orbiter nur eine kleine Empfangsantenne, so ist ein Bus besser geeignet. Bei ihm ist es kein Problem eine 4 m gro&szlig;e Kommunikationsantenne einzubauen, denn er hat ja nicht die Aufgabe in einen Orbit einzuschwenken. Das Gewicht ist daher weniger stark limitiert. Auch kann bei ihm der Landepunkt freier gew&auml;hlt werden.<\/p>\n<p>Bei dem gew&auml;hlten Szenario k&ouml;nnte eine Datenmenge von 1,24 Gigabit in 75 Minuten &uuml;bertragen werden. Auf die Zeit in der man Videoaufnahmen anfertigen kann (15 Minuten vor und nach der Landung), so sind dies 498 MBit. Das w&auml;re ausreichend f&uuml;r 144 Bilder im Format der MARDI Abstiegskamera von Curiosity (1200 x 1200 Pixels), oder rund 20 kompletten Szenen.<\/p>\n<p>Was bei dem Bus nicht geht ist, dass er sich zu sehr der Venus n&auml;hert, denn dass bedeutet, wenn er nicht in die Atmosph&auml;re eintreten soll, dass die Sonde dann an den Planetenrand (vom Bus aus gesehen) abgesetzt werden muss, nur diese Zone kann nahe passiert werden ohne das der Bus selbst in die Atmosph&auml;re eintritt. Das ist riskant (flacher Eintritt in die Atmosph&auml;re mit dem Risiko nur abgebremst zu werden aber sie wieder zu verlassen. Er darf aber nicht vergl&uuml;hen, weil er ja nur eine gro&szlig;e Antenne hat. Er kann mit einer zweiten (kleineren) Antenne nicht den empfangenen Datenstrom life zur Erde &uuml;bertragen, daf&uuml;r ist die Datenrate zu hoch. Worst-Case ist ein Absetzen der Landesonden in der Mitte der Planetenscheibe (wieder vom Bus aus gesehen). Dann kann bei einer Passage des Randes in 300 km Entfernung die Distanz bis zu 8800 km betragen.<\/p>\n<p>Beim Bus erscheint es als die beste Strategie den Punkt der Minimaldistanz so zu legen, dass er mit dem wahrscheinlichsten Ausfallzeitpunkt zusammenf&auml;llt. F&auml;llt die Sonde vorher aus, so hat man den Punkt noch nicht erreicht, damit auch die Zone maximaler Datenrate. f&auml;llt sie danach aus, so hat man &Uuml;bertragungszeit verloren. Da diese aber hinten angeh&auml;ngt wird (=gro&szlig;e Entfernung) ist dies zu verschmerzen. Bei einem nominellen Ausfall nach 90 Min w&uuml;rden +\/-15 Minuten folgendes ausmachen:<\/p>\n<ul>\n<li>zu fr&uuml;her Ausfall: Verlust von 12,7 Gigabit Daten (wegen des rapiden Anstiegs zum Schluss hin) von 22,7 Gigabit (also der gr&ouml;&szlig;te Teil)<\/li>\n<li>zu sp&auml;ter Ausfall: Verlust von 0,8 Gigabit Daten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist also besser die Sonde zu passieren wenn sie noch aktiv ist, auch wenn man so Daten verliert, als wenn man mit einer langen &Uuml;bertragungszeit rechnet und der Lander verstummt schon in gro&szlig;er Entfernung des Busses vom Planeten und damit einer niedrigen Datenrate.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nun geht es weiter mit der L&ouml;sung des Kommunikationsproblems, das ich gestern andiskutiert habe. Zuerst einmal kann man funktechnisch einiges verbessern. Die US-Sonden hatten nur wenige Watt Sendeleistung. 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